Künftige Veranstaltungen

1. Tagung des Fachforums
Angewandte Künste – Schatzkunst, Interieur und Materielle Kultur

in Kooperation mit den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und
dem Rudolstädter Arbeitskreis zur Residenzkultur e.V.

Werte und Bewertungen

Dresden, Staatliche Kunstsammlungen
8. – 10. November 2018

Organisation: Prof. Dr. Birgitt Borkopp-Restle und Dr. Ariane Koller( Universität Bern), Prof. Dr. Matthias Müller (Universität Mainz), Prof. Dr. Dirk Syndram (Staatliche Kunstsammlungen Dresden), Prof. Dr. Barbara Welzel (TU Dortmund)

Den Umgang der Kunstgeschichte des 20. und 21. Jahrhunderts mit den Künsten der Frühen Neuzeit prägen noch häufig, explizit oder implizit, die Bewertungen und Hierarchisierungen des 19. Jahrhunderts: Mit den Gattungen der Malerei, Zeichnung und Skulptur ließen sich kunsttheoretische Diskurse verbinden, die für die angewandten Künste weitgehend zu fehlen schienen; in ihnen manifestierten sich vielmehr handwerkliche Kunstfertigkeit und ostentativ zur Schau gestellte Materialität – also eben die Eigenschaften, die das ingenium des Künstlers doch angeblich überwand. Nur gelegentlich wurde erkennbar, dass der Primat, der Malerei und Skulptur in dieser Rangfolge der Künste eingeräumt wurde, der Bewertung der Werke in ihrer Entstehungszeit nicht entsprach – vielmehr belegen zahlreiche Quellen die hohe Wertschätzung (mit den entsprechenden Preisen), die zuerst Werken der sogenannten angewandten oder dekorativen Künste galt. Namentlich an den europäischen Höfen der Frühen Neuzeit wurde gerade diesen Objekten ein außerordentlich hoher Rang zugemessen, und die Bezeichnung «Schatzkunst» reflektiert nicht allein ihren materiellen Wert und die handwerkliche Meisterschaft, ja Virtuosität, die sie hervorbrachte: In den Situationen, die die historische Forschung in jüngerer Zeit unter dem Aspekt der Performativität betrachtet hat, kam ihnen nicht selten entscheidende Bedeutung zu. Ihre Auswahl für die Ausstattung von Fest- und Empfangsräumen lag häufig in der unmittelbaren Verfügung ihres fürstlichen Besitzers, in Ritus und Zeremoniell vermittelten sie höchst differenzierte Botschaften. In ihnen gewannen dynastische Tradition und dynastischer Rang genauso wie politische Bündnisse oder kulturelle und ökonomische Ansprüche gleichsam materialisierte Gestalt.
Im Rahmen der ersten Tagung des Fachforums Angewandte Künste – Schatzkunst, Interieur und Materielle Kultur sollen die historischen Bewertungen von Kunstwerken ernst genommen und zugleich kritisch untersucht werden: Worauf beruhten Wertsetzungen, wie wurden sie begründet, und wie prägten die Bewertungen den Umgang mit den Objekten (die gesammelt, zu bestimmten Anlässen präsentiert, unveräußerlich gestellt, aber auch umgearbeitet oder – im Falle von Gold- und Silberarbeiten – eingeschmolzen und tatsächlich umgemünzt werden konnten)? Argumentationen, wie sie sich etwa in Aushandlungsprozessen zwischen Auftraggebern und Produzenten, im diplomatischen Geschenkverkehr und in Vererbungen nachvollziehen lassen, aber auch implizite Bewertungen, etwa durch Hierarchisierungen, wie sie im höfischen Zeremoniell geläufig sind, können daraufhin analysiert werden. Schließlich gilt es, Strategien und Praktiken in den Blick zu nehmen, mit denen Werte erzeugt, gesichert und (nicht selten über Generationen) vermittelt wurden: Studien, die in letzter Zeit unternommen wurden, weisen darauf hin, dass für die Wertkonstitution und –vermittlung solcher Objekte deren wiederholte Aktivierung – im Sinne einer amplificatio oder einer Bedeutungsakkumulation in der longue durée – eine wichtige Rolle spielte. Untersuchungen in diesem Feld sind geeignet, auch grundsätzlich Wertkategorien und Wertsetzungen in kunsthistorischen Diskursen zu beleuchten.

Tagungsprogramm:

Donnerstag, 8. November 2018 (Dresdner Schloss, Hans Nadler-Saal)

Ab 14.00 Anmeldung
15.00 – 15.15 Begrüßung
15.15 – 17.15 Rundgang durch die Sammlung
18.00 Round table

Freitag, 9. November 2018 (Dresdner Schloss, Hans Nadler-Saal)

09.00 Begrüßung
09.30 – 10.15 Dirk Syndram (Dresden): Schatzkunst und Repräsentation am Dresdner Hof in der Frühen Neuzeit
10.15 – 11.00 Franz Kirchweger (Wien): Mittelalterliche Schatzkunst in den habsburgischen Sammlungen des 16. Jahrhunderts

11.00 – 11.30 Pause

11.30 – 12.15 Raphael Beuing (München): Der Schatz des Deutschen Ordens. Eine Sammlung im Spannungsfeld von Wertreserve und Kunstwert
12.15 – 13.00 Ines Elsner (Göttingen): Vom Schatz-, zum Memorial-, zum Prestigeobjekt – Das Huldigungssilber der Welfen des Jüngeren Hauses Braunschweig-Lüneburg zwischen zeitgenössischer und heutiger Perzeption

13.00 – 14.30 Mittagspause

14.30 – 15.15 Elisabeth Burk (Münster): Pretiosa und Curiosa – landgräfliche Kostbarkeiten
15.15 – 16.00 Matthias Müller (Mainz): Der kulturelle Wert der Objekte. Beobachtungen zu divergierenden Wertmaßstäben in höfischen Sammlungen am Beispiel der Dresdner Kunstkammer

16.00 – 16.45 Pause

16.45 – 17.30 Ariane Koller (Bern): Ästhetik und Ökonomie des Eigenwerts. Objektnetzwerke in der niederländischen Kunst des 17. Jahrhunderts
18.00 - 19.00 Mitgliederversammlung des Rudolstädter Arbeitskreises zur Residenzkultur e.V. (nur für Mitglieder)

Samstag, 10. November 2018 (Dresdner Schloss, Hans Nadler-Saal)

09.00 – 09.45 Anna Jolly (Riggisberg): Weiße Pracht – Leinendamaste als Medium fürstlicher Repräsentation
09.45 – 10.30 Lea Döding (Berlin): Zucker, Porzellan und die Macht der Assoziation: Die Rezeptionsgeschichte der Meissener Porzellantempel im Spannungsfeld materiellen und kulturellen Transfers

10.30 – 11.00 Pause

11.00 – 11.45 Birgitt Borkopp-Restle (Bern): Materialität und Mobilität – Tapisserien und ihre Bewertung in der höfischen Repräsentation der Frühen Neuzeit
11.45 – 12.30 Astrid Arnold-Wegener (Kassel): Die Luxustapeten der Pariser Tapetenmanufaktur Paul Balin (1863-1898)

13.00 Ende der Veranstaltung
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