Sport oder Gefahr

Annette will eine Eiskunstläuferin werden, sie ist 15 und träumt eine deutsche Meisterschaft des Eiskunstlaufens zu gewinnen. Heute muss sie eine Trainerin treffen. Sie geht zum Eispalast und sucht Frau Andrea Stichenko, sie kommt aus Russland und ist eine sehr berühmte Eiskunsttrainerin. Frau Stichenko war eine russische Meisterin und hat auch eine Olympiade gewonnen.

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„Guten Abend Frau Stichenko, ich bin Annette Kramer. Wir haben gestern am Telefon geredet und jetzt bin ich hier...“ sagt Annette, aber die Trainerin unterbricht sie,
„Ja, ja; ich erinnere mich, du bist das Mädchen, das eine deutsche Meisterin werden will.“
„Ja, das ist meine Hoffnung.“
„Fur den Erfolg musst du viele Opfer aufbringen, bist du sicher?“ fragt Frau Stichenko.
„Ja, Frau Stichenko, ich bin bereit!“ antwortet das Mädchen mit Sicherheit.
„Ok, gut! Das Eiskunstlaufen ist meistens eine ästhetische Sportart, du muss die Grazie von Körper und die Eleganz von Bewegung lernen...“
Annette bleibt reglos und hört die Worte wie hypnotisiert.
„... Alle Eiskunstläuferinnen müssen dünn sein, um Grazie zu haben. Du musst Gewicht verlieren wenn du eine Meisterin werden willst. Dein Gemüt muss nur ans Training denken, deshalb hast du keine Zeit dich in jemanden zu verlieben. Eiskunstlaufen muss deine einzige Liebe sein...“
Annette ist glücklich und bereit alles zu machen. Niemand kann sie aufhalten jetzt wo sie gewählt hat, aber sie weiß nicht welches das wahre Opfer sein wird.

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Als ihr sportliches Abenteuer begann, war das Mädchen 15 Jahre alt, 160 Zentimeter groß und 56 Kilogramm schwer. Ihr erstes Problem war abnehmen, sie musste wie die Supermodels werden, aber wusste nicht wie. Eine Fotostory in einer Zeitschrift erzählte von einem Mädchen, das irgendetwas aß und später erbrach, so wurde sie dünner als vorher.
„Das kann ich auch!“ dachte Annette.
Trainieren, essen und erbrechen war Annettes neues Leben und in kürzester Zeit verlor sie zehn Kilo Gewicht.

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Es ist 19 Uhr und Annette ist noch auf der Eisbahn.
„Ich sehe, dass du dich täglich verbesserst, Annette!“ sagt Frau Stichenko.
„Dankeschön!“ antwortet das Mädchen fröhlich.
„Du hast mehr Grazie als vorher, auch dein Körper ist schöner. Denk daran! Unser Sport ist eine Kunst und du musst nicht nur trainieren sondern dich auch um dein Aussehen kümmern. Dünn ist elegant und nur durch die Eleganz kannst du Erfolg haben.“
Frau Stichenko kennt die Mädchen und weiß wie sie sie zum Erfolg bringt. Annette ist gut aber jemand muss ihr sagen was richtig oder falsch ist. In der Jugendzeit ist es einfach den Weg zu verlieren: sie erinnert sich als sie klein war und auf wie viele Dinge sie verzichtet hat. Ihr Trainer Ivan Medvedev sagte Andrea oft „Das Eiskunstlaufen muss dein einziger Gedanke sein.

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Anfangs war Annette nicht gut, aber jetzt ist Essen und Erbrechen nur eine Gewohnheit.
„Ich nehme noch 4 Kilo ab dann ist Schluss damit!“ Sagt sie wieder. Das Mädchen hat ihren ersten Sieg als Eiskunstläuferin. Sie ist sehr froh: die Opfer die sie erbracht hat, alle die Leiden die sie gelitten hat und alle die Vorwürfe von der Trainerin sind verschwunden. Der Erfolg hat das Übel beseitigt und gibt ihr einen großen Sprung vorwärts.

Eislaufen

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Die jugendliche Eiskunstläuferin ist endlich eine deutsche Meisterin und das Training wird immer schwieriger. Heute ist ihr schlecht und sie ist mehrmals auf dem Eis gefallen.
„Annette, heute bist du unkonzentriert. Geh nach Haus und ruhe dich aus, morgen will ich dass du fit bist!“
Das Mädchen geht aus dem Eispalast raus. Es geht gerade durch die Straße als sie ein Essanfall überkommt.
„Ich muss essen! Ich habe einen riesigen Hunger!“ sagt Annette und läuft zum Supermarkt. Hier kauft sie Pizza, Süßigkeiten und viele andere Dinge zum Essen.
Sie kommt nach Haus, geht in die Küche und isst alles was sie gekauft hat.
„Ich fühle mich besser,“ denkt sie, aber kurze Zeit später kommt die Übelkeit, sie läuft ins Bad und beginnt zu erbrechen.
Das ist ein trauriges Leben: Annette kann keinen Freund haben, es gibt keinen Platz in ihrem Herzen außer für das Eislaufen, außerdem hat sie den Magen zerstört. Das Eislaufen verlangt ein bisschen Leiden.
„Das ist mein Leben und jetzt habe ich Grazie und Eleganz“ denkt sie immer.
Der Spiegel von Annettes Schlafzimmer zeigt eine andere Realität: ein schreckliches Skelett, der ehemalige schöne Körper ist nun zerstört. Das ist die Wahrheit.

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Die Eltern bemerken die Essstörung des Mädchen und der Doktor sagt ihnen, dass ihre Tochter Bulimie hat. Jetzt wiegt Annette nur noch 38 Kilo.
„Es ist besser einen Platz in einer Spezialklinik für sie zu besorgen“ sagt Doktor Steinz, aber Annette will nicht und sagt:
„Ich habe nur Eiskunstlaufen, Sie können es mir nicht wegnehmen! Ich bin nicht krank,“
das ist wahr, sie hat für das Eiskunstlaufen auf alles verzichtet. Jetzt ist der Sport ihre einzige Liebe und sie kann nicht auch ihn verlieren. Sie kann sich kein Leben ohne ihren Lieblingssport vorstellen.
„Annette...“ sagt der Doktor mit ruhiger Stimme „du kannst so nicht weitermachen, du hast keine Energie, dein Körper kann es nicht mehr vertragen, dein nächster Schritt ist der Tod.“ Das Wort Tod klingt wie eine Glocke auf einer Beerdigung in Annettes Kopf und sie antwortet nicht. Zum ersten Mal bemerkt Annette, dass sie ein großes Problem hat und weint.

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Die Spezialklinik ist eine Möglichkeit, es gibt auch viele Krankenhäuser mit einer Station für Patienten mit Esssuchtproblemen. Die Eltern wählen die Klinik.

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Am Sonntag ist Andrea Stichenko im Eispalast. Heute ist kein Trainingstag, sie ist allein und hat das Eis ganz für sich. Die ehemalige russische Meisterin läuft Eis und fühlt sich frei, sie ist 45 Jahre alt und trainiert noch.
Sie denkt an gestern Abend als sie mit Annettes Eltern gesprochen hat.
„Unsere Tochter kann nicht mehr kommen, sie hat Bulimie und muss sich auskurieren...“Haben sie ihr gesagt. Frau Stichenko stand reglos da und wusste nicht was sie sagen sollte.
„...Annette kann nicht mehr trainieren.“
„Das ist eine schreckliche Nachricht, es tut mir leid! Ihre Tochter ist eine phantastische Leistungssportlerin und sie hat große Chancen als Eiskuns...“
„Vielleicht haben Sie nicht verstanden: das Eiskunstlaufen wird Annette zu Tod führen.“ Sagte Annettes Mutter die Frau Stichenko unterbrach.
Die Trainerin läuft auf dem Eis, sie läuft immer schneller, während sich ein Satz in ihrem Kopf immer wieder wiederholt: „Eiskunstlaufen hat das Leben unserer Tochter zerstört“.
„Das kann nicht wahr sein, ich habe Annette in eine Meisterin verwandelt.“ Denkt Frau Stichenko.

[...]

Annette hat in der Klinik viele Personen mit ihrem gleichen Problem kennen gelernt. Die Therapie ist fast zu Ende: es fehlen nur 15 Tage und sie kann nach Haus zurückgehen. Annette ist in ihrem Zimmer und sie schreibt gerade den letzten Brief an ihre Lieblingsfreundin Sandra.

Liebe Sandra,
mir geht es sehr gut. 15 Tage noch und wir können uns alle die Male treffen die wir wollen. Wie geht es dir? Ich habe viele Freundinnen kennen gelernt und ich werde sie auch nach der Klinik treffen. Es gibt auch Jungen, aber es sind wenig. Ich habe das Problem mit dem Essen gelöst: ich habe verstanden, dass Bulimie mein Problem war und mich zu Tod bringen konnte. Ich habe Glück gehabt, viele Mädchen können nicht mehr so sein wie vorher. Hoffentlich laufe ich noch Eis, aber ich will auch andere Dinge machen: ich möchte in die Disko gehen, mit meinen Freunden Spaß haben und sogar einen Freund haben. Wir treffen uns bald.

Tschüss

Annette

[...]

Es gibt viele Leute mit Essstörungen, meistens sind es Frauen oder Mädchen, wenige sind Junge oder Männer. Diese Probleme verursachen eine große Schwächung, nicht nur physisch sondern auch psychologisch. Der Schaden ist so stark dass eine Person nicht immer ein normales Leben wiederbekommen kann und wenn es ihr gelingt, ist die Chance vom Rückfall hoch. Wird Annette es schaffen wieder Eiszulaufen ohne erneut krank zu werden?

[...]

  • Warum schadet sich eine Person um schöner zu erscheinen?
  • Ist es nur für die Ästhetik oder gibt es andere Probleme: z.B. in der Familie, mit den Freunden?
  • Können die übertriebenen Reklamen Mädchen zur Magersucht oder Bulimie führen?
  • Warum schaden sie sich mit dem Essen?
  • Personen mit Essstörungen leiden sehr, warum können sie nicht damit aufhören?
  • Wann werden Essstörungen auch ein psychologisches Problem?
  • Wer kann zuerst den Mädchen bei Bulimie oder Magersucht helfen?
 

Diese Geschichte ist ein Werk der Fiktion. Alle Charaktere, Ereignisse, Orte und Einrichtungen in dieser Publikation sind erfunden. Jede Ähnlichkeit mit real existierenden Ereignissen, Orten, Organisationen oder Personen, lebend oder tot, ist rein zufällig.

Creative Commons LicenseThis story is written by Ruben Lino Villa and is licensed under a Creative Commons Attribution-Non Commercial-Share Alike 3.0 License.

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