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Vor dem Hannoverschen Tor 4

Villa Asseburg
Der an der Straße Vor dem Hannoverschen Tor gelegene etwa 2.500 Quadratmeter große romantische Garten, der an die Auewiesen grenzt, gehört dem Schuhmacher Karl Wöhler aus der Kleinen Bahnhofstraße 4. Er verkauft ihn 1894 an Frau Flora Golliner, die Ehefrau des Burgdorfer Arztes Dr. med. Nathan Golliner. Der beliebte Arzt wohnt und praktiziert im Haus des Uhr­machers Emil Gottschalk, Marktstraße 54 (heute: Bekleidungshaus Fehling).  Seine knapp bemessene Freizeit verbringt er mit seiner Familie gern in dem gepflegten Garten, der sich unmittelbar an den Schlosspark mit seinen 200 Jahre alten Bäumen anschließt. Ein Gartenpa­villon lädt zum Verweilen ein. Im August 1900 erwirbt der Königliche Kreisbauinspektor Friedrich Schultz den Garten. Frau Golliner trennt sich von ihrem Grundstück, weil sie mit ihrem Mann ein eigenes Haus an der Bahnhofstraße kaufen möchte. 

Der neue Eigentümer erhält vom Magistrat der Stadt Burgdorf am 31. August 1900 die Erlaubnis, in seinem Garten Vor dem Hannoverschen Tor 4 eine Villa zu bauen. Die Baupläne hat der Kreisbauinspektor selbst entworfen. Für die Baugenehmigung zahlt er 2,55 M; davon entfallen auf die Prüfung 1,00 M, auf die Bauerlaubnis 1,00 M, auf eine Kopie 0,25 M und auf die Zustellung 0,30 M. 

Die Villa ist ein eingeschossiges Gebäude im Landhausstil mit ausgebautem Dachgeschoss. Das Erdgeschoss ist in verputztem Mauerwerk ausgeführt. Klinker umrahmen die Fenster. Die Giebel des Dachgeschosses schmückt sichtbares Fachwerk. Rundbogenfenster über dem Eingang sind ein besonderer Blickfang. Im Erdgeschoss der Villa befinden sich nach der Bauzeichnung fünf unterschiedlich große Räume, die alle als „Stuben“ bezeichnet sind. Sie sind von der hinter dem Eingangsflur liegenden großen Diele zu erreichen. Links vom Hauseingang ist die Küche angeordnet, daneben gibt es eine „Badestube“ mit Wanne und dahinter eine Speisekammer. Die Schlafräume befinden sich im Obergeschoss. Für die nötige Wärme sorgt eine Warmwasserzentralheizung.
Der Kreisbauinspektor Schultz verkauft die Villa 1907 an den aus Luxemburg stammenden Ingenieur Felix Bauler. Der Kaufpreis beträgt 17.000 Mark. Bauler ist Bohrmeister bei den Erdölwerken Carl Deilmann in  Hänigsen.      
                   
1920 verkauft Deilmann seine Werksanteile an Bauler. Die Reste des Betriebes dienen heute als Hänigser „Teermuseum“. In der Weltwirtschaftskrise 1932 bekommt auch Felix Bauler finanzielle Probleme. 1932 droht die Versteigerung seiner Villa. Er kann sie abwenden. Am 3. Juni 1935 beurkundet der Notar Alfred Schlu einen Vertrag, nach dem Felix Bauler sein Grundstück Vor dem Hannoverschen Tor 4 an den Kaffeeplantagenbesitzer Adolf Asseburg und dessen Frau Elisabeth geborene Wietfeldt aus Monte Limar (Guatemala) für 25.000 Mark verkauft. 
Die neuen Eigentümer beauftragen 1936 die Zimmermeister Freers & Nilson in Burgdorf, einen An- und Ausbau des Hauses zu entwerfen. Nach diesen vom Bauamt genehmigten Plänen wird das Herrenzimmer rechts vom Eingang vergrößert. Das darüber liegende Obergeschoss lässt der Bauherr aufstocken. Die Maurerarbeiten führt die Burgdorfer Baufirma Schneider & Hesse aus. 

Nach Kriegsende müssen Asseburgs Vertriebene aus den Ostgebieten aufnehmen. Da das Haus nur einen Zentralheizungsschornstein besitzt, können die Mieter ihren Herd nur an diesen Schornstein anschließen. Das beanstandet 1952 der Bezirksschornsteinfegermeister. Die von dieser Mängelrüge betroffene Frau Käte Ruppert, 1945 aus Misdroy geflüchtet, soll ausziehen. Sie schreibt einen anrührenden Brief an den Regierungspräsidenten in Lüneburg. Er beginnt mit den Worten „Aus tiefer Not schrei ich zu Ihnen, Herr Regierungspräsident, helfen Sie mir!“ Ihre Eingabe hat Erfolg. Sie darf nach einer Abdichtung des Herdanschlusses wohnen bleiben. 
Adolf Asseburg stirbt 1964. Elisabeth Asseburg wird alleinige Eigentümerin. Sie lässt die alte Kokszentralheizung 1973 auf Ölfeuerung umstellen. 1974 stirbt auch Elisabeth Asseburg. Eigene Kinder hatten Asseburgs nicht. Sie adoptierten deshalb ihren Neffen Hartmut Asseburg-Wietfeldt. Er studiert Medizin und praktiziert als Orthopäde in Köln. In die Villa ziehen Mieter ein. Zuletzt beherbergt das Haus eine Bürogemeinschaft von Rechtsanwälten. 1998 entschließt sich Dr. Hartmut Asseburg-Wietfeldt, sein Grundstück in Burgdorf zu verkaufen. Um die Villa im Familienbesitz zu halten, erwirbt sie der Ingenieur Hermann Wietfeldt (ebenfalls ein Neffe der Familie Asseburg)  zusammen mit seiner Lebensgefährtin Rosemarie Brauner. Er zieht mit seinem Ingenieurbüro für Elektro-Akustik in die Villa ein. Von den neuen Eigentümern ausgeführte umfangreiche Sanierungsarbeiten sorgen dafür, dass die Villa Asseburg am Schlossgarten auch weiterhin zu den schönsten Burgdorfer Häusern aus der Gründerzeit zählt. 

Text mit freundlicher Genehmigung von Heinz Neumann
Stadtchronist Burgdorf