Projektablauf‎ > ‎Fotokulisse‎ > ‎

Vor dem Hannoverschen Tor 1

Rathaus II 
Zu Beginn unseres Jahrhunderts ist das Burgdorfer Schloss Sitz der Kreisverwaltung und Dienst­wohnung des Landrats. Trotz 1905 vorgenommener kleinerer Renovie­rungs- und Um­bauarbeiten werden die Zustände im Schloss für den Landrat und seine Mitarbeiter unhaltbar. Der Kreistag beschließt am 18. September 1909 mit knapper Mehrheit den Neubau eines Land­ratsamts in Lehrte. Der Preu­ßische Innenminister stimmt nicht zu, verkauft aber Schloss und Park für 20.000 Mark an den Kreis. Der Kreistag muss sich fügen und lässt Pläne für eine Dienstvilla des Landrats und ein neues Landratsamt, das mit dem Wohn­haus durch den Kreistags-Sit­zungs­saal verbunden wer­den soll, ausar­beiten. Beide Gebäude sollen im Schloss­garten Vor dem Hannover­schen Tor er­richtet wer­den.

Von den baurechtlich ge­nehmig­ten Plänen wird aber nur die Land­ratsvilla mit ei­nem Kosten­aufwand von 100.000 Mark reali­siert. Die Bauarbei­ten beginnen im Juli 1910. Im März 1912 wird vom Magistrat der Stadt Burgdorf der Gebrauchsab­nahme­schein er­teilt. Landrat Wil­helm von Baum­bach kann die Villa be­zie­hen. Für seinen Kutscher ist ein Wohnhaus mit Stallungen im Schlossgarten hinter dem Postamt entstanden. Die bisherige Woh­nung des Land­rats im Schloss nutzt der Kreis als Büro.
Der 1914 ausbrechende Erste Welt­krieg verhindert den Bau des geplanten Landratsamts. Die Kreisverwaltung bleibt bis zur Auflösung des Kreises Burgdorf 1974 im alten Schloss.
Bis 1916 ist Landrat Wilhelm von Baumbach Hausherr in der Landratsvilla. Ihm folgt für nur ein Jahr Landrat Justus Th. Va­lentiner. Von 1917 bis 1932 re­sidiert Landrat Friedrich Schmidt Vor dem Hannover­schen Tor, bis er ab 01.09.1932 ver­setzt wird und sein Nachfol­ger Rudolf Freiherr von Löhney­sen mit seiner Familie das Haus bezieht. Er ist der letzte beamtete Landrat des Kreises Burgdorf und verlässt unsere Stadt 1944. In den letzten Monaten bis zum Kriegsende wird das Amt von Oberregierungsrat Dr. Erich Krause kommissarisch wahrgenommen. Aber auch er wohnt in der Villa.

Im Juni 1944 wird im Keller der Landratsvilla eine Luftschutzrettungsstelle ein­gerichtet. Im selben Jahr schreibt Bürgermeister Thießen an NSDAP-Kreisleiter Treppke und berichtet ihm, dass in der Bevölkerung immer wieder gefragt werde, warum nicht Räume in der Landratsvilla zur Unterbringung von Wohnungs­suchenden in Anspruch genommen werden. Die Stadt Burgdorf hat zu dieser Zeit vielen in Hannover ausgebombten Familien eine Wohnung zu geben. Ein genauer Belegungsplan ist beigefügt.

Im Mai 1945 beschlagnahmt die britische Militärregierung die Landratsvilla. Ihre für den Kreis Burgdorf zuständigen Dienststellen arbeiten bis Oktober 1951 in die­sem Haus. Von Dezember 1951 bis März 1963 wohnen Oberkreisdirektor Dr. Heinz Rotermund im Obergeschoss und Hausmeister Kurt Zinke im Dachgeschoss der Villa. Im Erdgeschoss und in einigen Räumen des Obergeschosses richtet die Kreis­verwaltung Diensträume für ihre Mitarbeiter ein. Im März 1963 ziehen Dr. Rotermund und Kurt Zinke aus. Nach einem Ausbau des Dachgeschosses wird das gesamte Haus von der Kreisverwaltung belegt.
Der Landkreis Burgdorf wird 1974 im Zuge der Gebietsreform aufgelöst. Der neue Landkreis Hannover überlässt der Stadt Burgdorf das Gebäude, die es seitdem als Rathaus II nutzt.

Text mit freundlicher Genehmigung von Heinz Neumann
Stadtchronist Burgdorf