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Spittaplatz 9

Haus Dittmann
Dem großen Brand am 25. Juni 1809 fällt neben 200 weiteren Burgdorfer Häusern auch das an der Kirchstraße 9 (heute: Spittaplatz) gelegene Gebäude des Gastwirts, Handelsmannes und Senators Wilhelm Wedemeyer zum Opfer. Die von der Brandkatastrophe be­troffenen Grundstücke erhalten neue Fluchtlinien. Die heutigen Grundstücks­grenzen entstehen. Die Bürger beginnen wenige Wochen später mit dem Wieder­aufbau ihrer Häuser. Auch Wilhelm We­demeyer lässt sich nicht entmutigen und errichtet auf seinem Grundstück ein zwei­geschossiges Wohn- und Geschäftshaus.

Nach einem Stadtplan aus dem Jahre 1817 ist Wilhelm Wedemeyer noch Eigentümer des Hauses.  1847 kauft es Levi Simon Rosenberg. Er will dort eine Baumwoll­manufaktur einrichten. Er muss allerdings erst erhebliche Bedenken des Amtes aus­räumen. Juden sollen kein zweites Haus besitzen. Rosenberg ist schon Eigentümer des Grund­stücks mit der Versicherungs­nummer 103, des heutigen Geschäfts­hau­ses Marktstraße 11. 

Das Amtsgericht Burgdorf legt 1883 ein Grundbuch für das Haus Kirchstraße 9 an. Zu dieser Zeit sind als Eigentümer die Er­ben des inzwischen verstorbenen Levi Si­mon Rosenberg ein­getragen. Sie verkaufen das Grundstück am 31. Mai 1890 an die Witwe Lina Rosenberg geborene. Corn­heim. Der Kaufpreis beträgt 9.000 Gold­mark. Lina Rosenberg stirbt am 23. Januar 1936. Ihr alleiniger Erbe ist ihr Sohn, der Kauf­mann Paul Rosenberg. Er betreibt in Burgdorf, Marktstraße 11, ein Textilgeschäft. Mieter des Hauses am Kirchplatz ist der Uhrmachermeis­ter Karl Mechow. 

Der Schornsteinfegermeister Lehmitz führt am 1. Juli 1936 eine Brandschau durch. Er bean­standet die vier aus Lehmsteinen gemauerten Schornsteine des Hauses. In der Wohnung des Mie­ters Mechow ist ein Ofen schadhaft. Die Stadtverwaltung fordert ihn auf, die beanstande­ten Schornsteine zu er­neuern.
 Unter dem Druck der Judenverfolgung durch die Nationalsozialisten verkauft Paul Rosenberg das erst vor einem Jahr geerbte Anwesen an seinen Mieter Karl Mechow und dessen Frau Dora geborene Bührke, Der Kaufpreis beträgt 8.000 Mark. Die auf dem Haus lastenden Hypotheken belaufen sich auf 6.000 Mark. Die Käufer übernehmen sie. Den Restkaufpreis von 2.000 Mark erhält Paul Rosenberg nicht in bar, sondern er muss diesen Betrag als Hypothek eintragen lassen. Im Jahre 1939, kurz vor seiner Emigration nach England, tritt Paul Rosenberg die Hypothek an den Käufer seines Geschäftshauses Marktstraße 11, den Textilkaufmann Hans Wagemann, ab. Der zahlt ihm 1.000 Mark, die er für seine Auswanderung verwenden darf.
Karl Mechow lässt dringend notwendige Reparaturen ausführen. Das Bauamt be­scheinigt ihm für steuerliche Zwecke, dass das Fachwerk des Gebäudes durch Tro­ckenfäule und Holzbockbefall stark geschä­digt war. Die vorgenommenen Renovierun­gen waren deshalb erforderlich. Zur ange­mahnten Schornsteinerneuerung bittet Me­chow die Stadt um einen Aufschub von etwa drei Jahren. Er habe für die genannten Reparaturen 7.500 Mark aufgewandt und sei nicht in der Lage, das für den Schornstein­bau notwendige Geld zu beschaffen.

Das Bauamt fordert 1942 erneut den Neubau der Schornsteine. Da kriegsbedingt kein Material bereitgestellt werden kann, dürfen sie weiter benutzt werden.

Durch den Abwurf von Splitterbomben auf den Kirchplatz erleidet auch das Haus Nr. 9 Schäden. Noch 1946 sind nicht alle Fenster verglast. Der Mieter W. Saße beantragt eine Glaszuteilung, da in seiner Wohnung bisher nur ein Fenster verglast wurde. Die Stadtverwaltung kann ihm nicht helfen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg zahlen die Erben des aus dem Krieg nicht zurückgekehrten Karl Mechow zur Abgeltung aller Wiedergutmachungsansprüche 1951 einen Betrag von 1.500 Mark an den in London lebenden früheren Eigentümer Paul Rosenberg. 
1952 kauft der Uhrmachermeister Waldemar Dittmann das Grundstück von Frau Elfriede Weddige aus Soltau, der Erbin der Familie Mechow. 

Am 3. Mai 1950 beantragt Uhrmachermeister Dittmann die Genehmigung eines transparenten Firmenschildes über der Außenuhr.

Der Kreisfahrschullehrer Ernst Lindmüller aus Mellendorf unterhält 1950 ein Reisebüro im Hause Dittmann. 
Die schon 1936 beanstandeten Lehmschornsteine lässt Waldemar Dittmann 1952 abreißen und ersetzen.

Text mit freundlicher Genehmigung von Heinz Neumann und Jürgen Mollenhauer (Burgdorfer Stadtchronisten)