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Spittaplatz 5

Burgdorfer Schloss
Von über 100 Jahre alten Platanen idyllisch umrahmt, liegt das Burgdorfer Schloss zwischen Spittaplatz und Aue im Herzen unserer Stadt. In seiner wechselhaften Geschichte mehrmals in Fehden und zuletzt im Dreißigjährigen Krieg zerstört, lässt es Herzog Friedrich von Lüneburg ab 1641 wieder auf­bauen. Die Funda­mente des 1632 von schwedi­schen Trup­pen geplün­derten und ver­brannten Schlos­­ses bestehen aus mächti­gen, in den sump­figen Boden ge­rammten Ei­chen­stäm­men. Sie sind noch erhalten und bil­den mit Find­lingen aus den Burg­dorf um­geben­den Feldern den Sockel, auf dem sich das Fachwerk des neu entstehenden Gebäu­des erhebt. Die im Haupt­staatsarchiv Han­nover noch vor­hande­nen Bau­­pläne sehen einen östli­chen und westlichen Flügel vor. Aus Kostengrün­den verzichtet Herzog Fried­rich auf den westlichen Anbau. Das Schloss dient als Verwal­tungs- und Wohn­sitz für den Amtshauptmann des Amtes Burgdorf. Mit dem Tode des Haupt­manns von Win­terstedt 1659 über­nimmt die herzog­liche Regierung in Celle, vor Ort vertreten durch einen Amts­schrei­ber,  selbst die Ver­waltung. 

Auf einem 1756 ge­zeichneten Lageplan des Schlosses ist zu erkennen, dass zwei je zehn Meter breite Wasser­gräben die Anlage um­geben. Zwischen ihnen und der Sankt-Pankratius-Kirche be­finden sich die Wirt­schaftsgebäude und die Wohnungen für die Bediensteten. Nur über zwei Brü­cken  sind das Schloss und der nach dem Vorbild von Herren­hausen an­gelegte herr­schaftliche Barock­garten zu errei­chen. 

Das Schloss dient zwischen 1659 und 1705 den welfischen Herzögen von Lüneburg, Braun­schweig-Wolfenbüttel und später dem Kurfürsten von Hannover als Jagdschloss und Tagungsort. Burgdorf ist zentral gelegen und von den Residenzen der Fürsten gut zu erreichen. In der ge­nannten Zeit finden in Burgdorf mehr als 100 Hauskonferenzen statt. An einer dieser Kon­ferenzen nimmt am 20. und 21. April 1702 auch der große Philosoph und Universalgelehrte Gottfried Wilhelm Leibniz teil.  Nach dem Tod des Lüneburger Herzogs Georg Wilhelm im Jahre 1705 fällt sein Fürstentum an den inzwischen zum Kurfürsten aufgestiegenen Georg-Ludwig von Hannover. Die glanzvolle Zeit der Konferenzen und Feste endet. Den Schloss­garten überlässt man der natürlichen Entwicklung. Aus ihm entsteht die schöne Parkan­lage, über die wir uns heute freuen können. Das Schloss dient wieder als Verwaltungs- und Gerichtssitz für das Amt und ab 1885 für den Landkreis Burg­dorf. Die es umgeben­den Grä­ben lässt die kurfürstliche Regie­rung um 1810 zu­schütten. Als Füllmate­rial dient der Schutt aus dem Stadtbrand von 1809, der große Teile der Stadt ver­nichtet hat. 

Bauliche Veränderun­gen gibt es 1905. Das Schloss erhält an der Nordseite rechts ein im Fachwerkstil vorge­bau­tes Treppenhaus. Es erleichtert den Zu­gang zu den Büroräumen. Eine gleichzeitig ange­brachte Verschalung des Obergeschosses mit Brettern schützt es vor Witterungseinflüssen. Reinhold Klamp, dessen Vater als Beamter der Kreisverwaltung tätig war, berichtet in seinen Erinnerungen über das Schloss vor dem Ersten Weltkrieg:
„Der Landrat resi­dierte hinter einem Vorzimmer nach Sü­den hinaus, nebenan lag der Sitzungsraum. Im Obergeschoss standen fünf Büro­räume den Mitarbei­tern zur Verfügung. Die Staatsbeamten hatten ihre Büros in der Mitte des Schlos­ses, erreichbar durch eine Tür in der Tor­einfahrt rechts. Zu­nächst ging es an dem Post- und Botenzim­mer vorbei, von dem auch durch eine Fens­terklappe bei Bedarf Auskünfte erteilt wurden. Unten war dann noch die Arbeitsvermittlung, deren Aufgaben spä­ter die Arbeitsämter übernahmen. Hinter einer Tür in der Durchfahrt links lag dann noch das Jugendamt. Im hinteren Queranbau des Schlosses befanden sich die Wohnungen der Staats­beamten Thees und Bergmann. Wer sie erreichen wollte, ging ganz durch die Toreinfahrt und dann links herum über eine Steintreppe durch eine weitere Tür.“

1936 lässt der Landkreis das Schloss nach Plänen des Peiner Architekten von Norden umbauen und sanieren. Die Bauhandwerker beseitigen die bisher offene Tordurchfahrt zum Hof. Eine lichtdurchflutete Eingangshalle entsteht. 1963 muss der Landkreis den  baufällig gewordenen Ostflügel abreißen lassen. Die Fassade des an seiner Stelle massiv erbauten neuen Flügels passt sich durch vorgehängtes Fachwerk dem Stil des Hauses an. Er nimmt den großen Sitzungssaal und Büroräume auf.
Nach der Auflösung des Landkreises Burgdorf durch die Gebietsreform im Jahre 1974 beherbergt das Schloss bis 1978 Verwaltungsaußenstellen des neu gebildeten Landkreises Hannover. 

Durch die Aueregulierung trocknen  die mächtigen Eichenstämme, auf denen das Schloss erbaut ist, aus und faulen. Der Kreistag beschließt nach mehrjährigen Beratungen 1979 eine Sanierung des Gebäudes. Der Kostenrahmen liegt bei 2,8 Millionen Mark. Die nicht voraussehbare  schlechte Bausubstanz führt letztlich zu Gesamtaufwendungen von 5,4 Millionen Mark. Das 1905 angebaute, das Gesamtbild störende Treppenhaus lässt der Landkreis abbrechen. Nach der gelungenen Restaurierung  ist das malerische Burgdorfer Schloss heute eines der schönsten Fachwerkhäuser unserer Stadt. 

Gegenwärtig ist die Region Hannover Eigentümerin des Burgdorfer Schlosses. Im rechten Flügel befindet sich die Familien- und Erziehungsberatungsstelle der Region. Die übrigen Räume nutzt die Stadt Burgdorf. Im Saal des Hauses finden die Sitzungen des Stadtrates,  kulturelle Veranstaltungen  und die Schlosskonzerte statt. 

Text mit freundlicher Genehmigung von Heinz Neumann
Stadtchronist Burgdorf