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Spittaplatz 3

Superintendentur (Haus am Pfarrgarten)
Am 25. Juni 1809 fallen die Burgdorfer Sankt-Pankratius-Kirche und die daneben stehende Superintendentur dem großen Brand zum Opfer, der weite Teile Burgdorfs zerstört. Der Drost des Amtes Burgdorf, von Ompteda, schreibt am nächsten Tag an das damalige französische Kammer-Kollegium in Hannover: „Gestern Nachmittag gegen 4 Uhr brach in dem Hause des Bäckers Rohde Feuer aus, welches sich mit solcher Schnelligkeit verbreitete, dass in der Zeit von einer Viertelstunde die Kirche, die Superintendentur und sämtliche Amtsgebäude in Flammen standen.“ Die genannten Gebäude brennen - mit Ausnahme des Kirchturms - bis auf die Grundmauern nieder. Es sind also Neubauten erforderlich.

Erst nachdem der Kirchbau am 1. Advent 1814 wieder eingeweiht worden ist, werden die Profanbauten geplant. Aus Geldmangel wird in mehreren Abschnitten gebaut. In den Jahren 1817 und 1824/1825 wird die Superintendentur neu errichtet. Die Baukosten belaufen sich zusammen auf rund 8.000 Taler und führen zu einem längeren Streit zwischen der Kirchenkommission auf der einen und dem Bürgermeister und dem Rat der Stadt Burgdorf auf der anderen Seite. Seitens der Stadt werden die entstandenen Kosten zunächst in voller Höhe aufgelistet. Von dem Gesamtbetrag wird ein Drittel abgesetzt, da diese Summe von der Gemeinde zu tragen ist. Der Restbetrag wird mit Schreiben vom 29. November 1830 dem „Königlich Großbritannischen Hannoverschen Consistorium“ in Rechnung gestellt und von diesem am 23. Januar 1833 geprüft und beanstandet zurückgereicht. Es wird bemängelt, dass die zu erbringenden Hand- und Spanndienste nicht berücksichtigt worden sind.
Die Stadt Burgdorf wehrt sich gegen diese Forderung, da Hand- und Spanndienste nicht für „geistliche Gebäude“, sondern nur für Kirchen zu erbringen seien. Bürgermeister und Rat schreiben am 14. März 1835, es sei aus den städtischen Unterlagen ersichtlich, dass „die Gemeinde seit Menschengedenken bei Bauten geistlicher Gebäude keine Hand- und Spanndienste geleistet habe.“ Das Konsistorium erkennt diese Argumentation nicht an und macht in seiner Antwort geltend, dass „bei allen Bauten der Kirchen und geistlichen Gebäude ... die erforderlichen Hand- und Spanndienste in natura zu leisten“ sind. Dies könne nach dem Königlichen Reskript vom 25. September 1721 keinem Zweifel unterliegen. Im Jahre 1836 erklären sich schließlich die Burgdorfer Gremien mit dieser Regelung einverstanden. Im Oktober 1836 wird eine Aufstellung der Hand- und Spanndienste im Kirchspiel erstellt und dem Konsistorium in Hannover vorgelegt. Es sind insgesamt 152 Spann- und 31 Handdienste zu erbringen.

In den Folgejahren wird es um das Superintendentenhaus ruhig. Am 13. Juli 1859 zieht Karl Johann Philipp Spitta als wohl bekanntester Burgdorfer Superintendent mit seiner Familie hier ein. Er bewohnt das Haus mit seiner Ehefrau und acht Kindern aber nur sehr wenige Monate; denn schon am 28. September stirbt der Verfasser des Liederbuches „Psalter und Harfe“ in seinem Haus.

1935 soll die Superintendentur von außen gestrichen werden. Mit der Stadt Burgdorf wird dabei um die Farbgebung gestritten. Während die Stadt darauf besteht, dass nach der Ortssatzung das Gebäude gegen das Holzwerk farbig abgesetzt werden soll, beruft sich die Kirchengemeinde darauf, dass es sich hier um kein typisches Fachwerkhaus handelt und deshalb die Ortssatzung insoweit nicht zum Tragen kommen kann. Das Haus wird einfarbig gestrichen.

In den Mittelpunkt des Interesses rückt die Superintendentur wieder am 24. Februar 1945. Als an diesem Tag Bomben auf Burgdorf fallen, wird auch das Haus des Superintendenten erheb­lich in Mitleidenschaft gezogen. Das daneben stehende zweite Pastorenhaus wird vollständig zerstört. 
Da in der Stadt Burgdorf nach Kriegsende zahlreiche Flüchtlinge untergebracht werden müssen, wird die Kirchengemeinde mit Schreiben vom 3. September 1946 von der Stadt Burgdorf aufgefordert, die beiden im Erdgeschoss gelegenen bombengeschädigten Wohnräume schnellstens herrichten zu lassen, damit diese Wohnzwecken zugeführt werden können. Nach Auffassung der Stadt können in diesen Räumen ohne weiteres sechs Personen untergebracht werden. Die Kirchengemeinde antwortet mit Schreiben vom 12. Mai 1947, dass es an Kalk fehle, um die Arbeiten ausführen zu können. Am 31. Mai 1947 wird in den Bauakten der Stadt aber vermerkt, dass die Räume nunmehr hergerichtet seien.

Im Jahre 1953 gibt es - wie bereits 1935 - eine Auseinandersetzung zwischen Stadt und Kirchenge­meinde über den Farbanstrich des Hauses. Ein erneuter Außenanstrich ist erforderlich und wieder will die Stadt einen Fachwerkanstrich, während die Kirchengemeinde mit Rücken­deckung vom Landeskirchenamt und Landeskonservator den einheitlichen Anstrich des Hau­ses befürwortet und diesen auch durchsetzt. Im Jahre 1979 wiederholt sich dieser Streit, der mit dem selben Ergebnis beigelegt wird.

Im Jahre 1956 will das Kirchenkreisamt in das Erdgeschoss des Hauses einziehen. Da die einige der Räume als Wohnraum genutzt werden, ist eine Zweckentfremdungsgenehmigung des Regierungspräsidenten erforderlich, die nach Zahlung einer Gebühr von 3.000 Mark zum Zwecke der Ersatzraumbeschaffung auch erteilt wird.

Das Kirchenkreisamt wird später in die Wallgartenstraße verlegt und in der Superintendentur werden Büroräume eingerichtet. Außerdem bezieht der Eine-Welt-Laden „Die Brücke“ einen Raum im Erdgeschoss des Gebäudes.

Nach Einzug des Superintendenten Dr. Detlef Klahr wird festgestellt, dass das Haus vom Hausschwamm befallen ist. Mehrere Räume müssen aufwändig saniert werden, was dazu führt, dass der Eine-Welt-Laden ausziehen muss. Der Kirchenkreis wird den frei gewordenen Raum zukünftig als Besprechungszimmer nutzen.

Das Haus Spittaplatz 3 steht heute unter Denkmalschutz.

Text mit freundlicher Genehmigung von Heinz Neumann und Jürgen Mollenhauer (Burgdorfer Stadtchronisten)