Projektablauf‎ > ‎Fotokulisse‎ > ‎

Schmiedestrasse 6

Stadtmuseum
1632 - während des 30-jährigen Krieges - wird Burgdorf nach einem Gefecht von den in die Stadt ein­dringenden Schweden nieder­gebrannt. Nach diesem Brand lie­gen große Teile der Stadt und auch das Schloss in Schutt und Asche. Wenige Jahre später - 1658 - gibt es eine weitere Brandka­tastrophe. 177 Häuser fallen den Flammen zum Op­fer. Von den acht  Stadtquartieren bleibt nur das vierte einigermaßen ver­schont. Dazu könnte auch das heutige Stadtmuseum gehört haben. Es ist deshalb davon auszuge­hen, dass das Haus zwischen 1632 und 1658 gebaut worden ist.
Erster bekannter Besitzer des Hauses ist Curdt Plaß. Er ist erstmalig 1683 nachweisbar, als er 1,5 Morgen Feld­land kauft. Aus einer Eintragung in den Hausbüchern der Stadt Burgdorf geht hervor, dass von ihm das Haus - es wird als „gemeines“ oder „gerin­ges“ Haus bezeichnet - erworben ist. Das muss um die Mitte des 17. Jahr­hunderts gewesen sein. Wer der Vorbe­sitzer war, ist aus den Akten nicht er­sichtlich.
1692 überträgt Curdt Plaß bei der Hei­rat seines Sohne Hans Plaß diesem das Haus und den Grundbesitz. Hans Plaß wird dann schon bald als Bürger und Rademacher bezeichnet. Sein Sohn Hans-Curdt Plaß heiratet 1731 die Bürgertochter Ilse Dorothea Linde­mann. Hans-Curdt Plaß wird als Bür­ger und Amtsmeister der Rademacher genannt. Sein Sohn Johann Heinrich Plaß, der 1761 heira­tet - sein Va­ter lebt zu dieser Zeit nicht mehr - wird Amtsmeister der Schuh­macher. Der zweite Sohn, Conrad Henning Plaß, ist Rademacher.

Johann Heinrich Plaß erbt das Haus. Er wird in einer Urkunde von 1764 als Rademacher ver­merkt. Er muss also den Beruf gewechselt haben. Er scheint oft in Geldverlegenheit gewe­sen zu sein. Mehrere Schuldverschrei­bungen in den Haus­akten belegen das. Er kauft einen Stall und richtet ihn hinter dem Haus auf, wahr­scheinlich die spätere Stellmacherwerkstatt, den heutigen Museumssaal.

Die Ehe des Johann Heinrich Plaß bleibt kinderlos, Um 1800 wird das Haus, das von dem großen Brand 1809 verschont bleibt, von der Strumpfwir­kerfamilie Bissing erworben. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nehmen Bissings umfang­reiche Um- und Ausbauten vor. Die Inschrift über dem Torbogen stammt aus dieser Zeit. 1828 wird Fritz Bissing geboren. Er wird ebenfalls Strumpfwirker und heiratet 1868 Anna Meyer aus Wittingen. Bei den Wahlen zum preußischen Landtag wählt der jetzt als Ackerbürger bezeichnete Fritz Bissing in der 2. Klasse (Dreiklassen-Wahlrecht). Er gehört demnach zu den etwas vermögenderen Bürgern, wie auch mehrere Grundstücksge­schäfte in den folgenden Jahren zeigen. Seine Tochter Luise, 1874 geboren, heiratet den Ei­senbahnbeamten Heinrich Steckelmann und erwirbt mit ihm zusammen 1908 das alte Bürger­haus Marktstraße 5.

Fritz Bissing ist später als Fuhrmann tätig, wie alte Rechnungsbücher belegen. Er verkauft das Haus 1898 an den Stellmachermeister Adolf Menke.

Zu dieser Zeit verläuft hinter dem Grundstück noch der offene Wallgraben. Er ist seit langem ein Ärgernis. In ihm sammelt sich nicht nur Regenwasser, sondern auch Abwasser. 1904 wird er endlich kanalisiert und zugeworfen. Im folgenden Jahr setzt sich Adolf Menke in einem Leserbrief im Burgdorfer Kreisblatt dafür ein, dass den Anliegern eine Zufahrtsmöglichkeit zu ihren Grundstücken über den Wall erhalten bleibt.

Durch Zusammenlegung der Gesellenkrankenkassen I und II wird 1912 die Verei­nigte Ge­sellenkrankenkasse Burgdorf gebildet. Adolf Menke wird ihr nebenamt­licher Rechnungsfüh­rer. Die Geschäftsstelle der Krankenkasse befindet sich damit ab 1. April 1912 im Hause Menke.

Bis 1975 übt die Familie Menke das Stellmacherhandwerk aus. Sie verkauft das Haus dann an die Stadt Burgdorf, die es mit einem Kostenaufwand von 1,1 Millionen Mark saniert und seit dem 9. Dezember 1983 als Stadtmuseum nutzt. Das eiserne Schild mit dem Schriftzug „Stadtmuseum“ entwirft und schmiedet 1986 der Burgdorfer Künstler Hilko Schomerus. Wechselnde Ausstellungen zur Stadtgeschichte und zu anderen Themen füllen das Haus heute mit Leben.

Text mit freundlicher Genehmigung von Heinz Neumann (Burgdorfer Stadtchronist)