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Schloßstrasse 3

Haus Cölle
Während des großen Stadtbrandes im Jahre 1809 vernichten die Flammen auch das auf dem heutigen Grundstück Schlossstraße 3 stehende Haus. Eigentümer ist der Brauer Ludwig Wil­lers. Sein Anwesen erstreckt sich nach einem 1817 gezeichneten Stadtplan von der Schloss­straße bis zur Aue. Es hat die Versicherungsnummer 119. Nur das Gebäude der Burgmühle, einer Wassermühle, die direkt östlich der heutigen Brücke in der Mühlenstraße lag, ist von der Feuersbrunst verschont geblieben.
Das Gebäude Schlossstraße 3 wurde dann wie die meis­ten Häuser in der Innen­stadt nach dem Brand in dem Zeitraum 1810 bis 1813 er­baut. Sach­kundige Beamte sorgten für eine neue Stra­ßenführung und Baupla­nung. Fremde Städte, dar­unter Bremen, Halberstadt, Dresden, Rat­zeburg und Mölln be­ant­worteten die Bitte des Burgdorfer Magist­rats um Unterstüt­zung mit Geld­spen­den zwi­schen vier und 100 Ta­lern. Die Lüneburger Brand­kasse zahlt 111.418 Taler. 

Das Grundstück mit dem neu errichteten Gebäude bleibt weiterhin im Besitz von Ludwig Willers. 1848 weist ihn ein Reihenhaus­verzeichnis noch als Ei­gentümer aus. Später ge­hört das Haus der Stadt. In ihm befindet sich die Dienst­wohnung des zwei­ten Leh­rers. Nach späte­ren Um­bauten werden auch zwei Klassen der 1. Stadt­schule aufgenommen. 1873 be­ziehen alle Klassen der 1. und 2. Stadt­schule das neue Schulhaus in der Hannover­schen Neu­stadt. Die drei bisherigen Schul­ge­bäude an der Markt­straße, der Mit­tel­straße und der Schloss­straße lässt der Schulvor­stand durch den Kassierer der Stadt­sparkasse Ludolf Wolff öffentlich ver­stei­gern. Der Erlös trägt zur Finanzie­rung der neuen Volks­schule bei. 

Neuer Eigentümer des Grundstücks Schlossstraße 3 ist nach den beim Amtsge­richt Burgdorf ge­führten Grundakten der Burgdorfer Rechtsanwalt Dr. jur. Julius Grote. Er muss es also bei der erwähnten Versteige­rung er­worben haben. Dr. Grote verlegt seine Anwaltspraxis 1880 nach Hannover und ver­kauft sein Haus an Dr. med. Fried­rich August Halle, der sich 1873 als praktischer Arzt in Burgdorf nie­dergelas­sen hat. Der Landrat des Kreises Burgdorf bestellt ihn am 1. April 1888 zum Kreisphysikus (Amts­arzt). Aus die­sem Amt scheidet er 1904 aus ge­sundheitli­chen Grün­den aus. Er stirbt am 25.Mai 1908 im Alter von 63 Jah­ren. Seine Erben ver­kaufen das Grund­stück Schlossstraße 3 am 1. Oktober 1908 an den seit 1904 in Burgdorf in der Kirch­straße 8 (ne­ben der Löwen-Apotheke) prakti­zie­renden Dr. med. Hans Cölle. Der neue Eigentümer baut 1909 den auf dem Grund­stück ste­henden Stall um und erhöht das Ge­bäude um einen Kniestock.
Nach einer vom Ma­gistrat der Stadt Burg­dorf am 19. Juni 1929 erteilten Bauge­nehmi­gung darf Dr. Cölle sein renovie­rungs­be­dürftiges Fach­werk­haus mit ei­nem neuen Au­ßenputz ver­klei­den. Nur weni­ge Bür­ger set­zen sich zu dieser Zeit da­für ein, Fach­werk­häuser zu erhal­ten. Glatt ver­putzte Fas­­saden sollen mo­derne Bauweise vor­täu­schen. Der Ma­gist­rat verlangt aller­dings, dass er die Farbe nach Ansatz von Proben be­stimmt. Er schreibt vor, dass die Fens­ter und alle Holzteile mit einem angemessenen Ölfar­benanstrich zu versehen sind. Noch im sel­ben Jahr darf Dr. Cölle an­schließend an sein Haus in der Müh­lenstraße eine Garage bauen. Die Bauzeichnung fertigt der Bauunternehmer Fried­rich Wass­mann. Der Bauschein enthält folgende Auflagen: Die Türen müssen nach außen auf­schlagen. Der Au­ßenputz ist in Farbe und Ausführungsart dem Wohn­haus an­zupassen. Der An­strich muss ebenfalls dem des Wohnhau­ses entsprechen. 
Im Jahre 1951/52 lässt der Sohn Dr. Hans-Georg Cölle ein Bade­zimmer im Dach­geschoss bauen. 

Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges entlastet Dr. med. Hans-Georg Cölle seinen Vater in der Praxis. Sie praktizie­ren bis 1950 ge­mein­schaftlich. Dann tritt Dr. Hans Cölle aus Alters­gründen in den Ruhestand. Dr. Hans-Georg Cölle verun­glückt 1956 bei einem Verkehrsunfall töd­lich. Er ist erst 44 Jahre alt, ein schwerer Schlag für die gesamte Familie. Danach wird Dr. med. Franz-Richard Schunck, der bisher am Kreiskrankenhaus Burgwedel tätig war, als Nachfolger von der Kassenärztlichen Vereinigung zugelassen. Dr. Schunck baut 1961 ein ei­genes Haus am Försterberg und verlegt seine Arztpraxis in das neue Gebäude. In den fol­gen­den Jahren praktizieren in der Schlossstraße die Augenärzte Gabriel und Dr. Ha­nau. Von 1971 bis 1980 ist die Familien- und Er­ziehungsberatungs­stelle (Schulpsycho­logi­scher Dienst) des Landkreises hier zu finden. 

Dr. Hans Cölle stirbt am 1. Februar 1960 im Alter von 83 Jah­ren. Als neue Ei­gen­tümer trägt das Amtsgericht seine Tochter Gerda Frädrich geb. Cölle und seine Großkin­der Catrin Cölle und Hans-Hendrik Cölle in das Grundbuch ein. Dr. Hans-Hen­d­rik Cölle wird 1980 aufgrund eines Erb­auseinan­der­set­zungs­vertrages al­leiniger Eigentü­mer des Grundstü­ckes Schloss­straße 3. Er entschließt sich, den rostbrau­nen Putz ab­schlagen zu lassen und das Fachwerk wieder freizu­legen. Das Bau­amt der Stadt Burgdorf unterstützt die nach den Pla­nun­gen des Archi­tekten Jörg Triskiel vorge­nom­me­ne Sa­nierung. Auf das Mauerwerk kommen verputzte Wär­me­dämm­plat­ten. Das freigelegte Fach­werk erhält einen far­bigen Schutzan­strich. Die Haustür mit ihren geschnitz­ten Rosetten und das alte Treppen­haus mit wertvollen Schnitzarbeiten wer­den res­tauriert und er­strahlen in neuem Glanz. Die Schloss­straße verfügt, so schreibt das Kreis­blatt, wieder über ein weite­res bauliches Kleinod. 

Nach Abschluss der Bauarbeiten eröffnet Dr. med. Hans-Hendrik Cölle am 1. Januar 1981 in den renovierten Räumen eine Arztpraxis für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Im Jahre 1990 wird das gesamte Dachgeschoss nach Plänen des Architekten Gerd Koppelt ausgebaut. Das Haus erhält in der zweiten Etage zur Südseite einen Mansardenerker mit kleinem Balkon. 
Seit dem 1. April 1999 praktiziert Dr. med. Hans-Hendrik Cölle mit Frau Dr. med. Ulrike Lange in einer Gemeinschaftspraxis. Am 31. März 2004 beendet er seine Praxistätigkeit und tritt in den Ruhestand. Die Praxis übernimmt Frau Dr. med. Lange und verlegt sie in das Haus Löwen-Apotheke, Spittaplatz 7. Hier entsteht eine neue gynäkologische Gemeinschaftspraxis zwischen Frau Dr. Lange und Herrn Dr. Baumann. 
Das Haus Schlossstraße 3 hat Dr. Cölle an die Familie Stoeckmann aus Steinwedel veräußert, die es am 15. April 2004 übernimmt. Annelie und Manfred Stoeckmann richten in den Räumen der ehemaligen Arztpraxis ihr Trö­del- und Antiquitätengeschäft „Der Bunte Vogel“ ein. Es befand sich vorher in gemieteten Räumen in der Neuen Torstraße 7.

Text mit freundlicher Genehmigung von Heinz Neumann (Burgdorfer Stadtchronist)