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Poststraße 2

Ehemalige Synagoge
Der große Brand von 1809 hat auch die schon vorher in Burgdorf vor­handene Synagoge vernichtet. Es gibt zu dieser Zeit etwa 80 Ein­wohner in Burgdorf, die sich zum jüdischen Glauben bekennen. Sie bauen 1811 ein neues Bethaus auf dem Grundstück Poststraße 2 - Ecke Louisenstraße -. Es entsteht hier ein schmuckloses zwei­geschossiges Fachwerkhaus, das sich äußerlich kaum von den üb­rigen Bürgerhäusern in unserer Stadt unterscheidet. Nur zwei etwa 4 Meter hohe Rundbogenfenster an der Louisenstraße lassen erkennen, dass es sich nicht um ein Wohnhaus handelt.

Über zwei in den Bürgersteig hineinragende steinerne Trittstufen gelangt man durch eine zweiflügelige Haustür mit Oberlicht in einen Flur. Im hinteren Teil des Hauses befindet sich ein kleiner über beide Stockwerke reichender Saal, in dem die Gottesdienste stattfinden. Die rechts vom Flur liegenden beiden Räume sind den weiblichen Gemeindemitgliedern und den Kindern vorbehalten, die nach der Synagogenordnung nur hier an den Gottesdiensten teilnehmen dürfen. An der lin­ken Seite des Hauses befinden sich zwei hintereinander angeordnete Zimmer. Sie können als Wohnung gedient haben. Im Obergeschoss sind drei Wohnräume vorhanden.

In den Burgdorfer Hausverzeichnissen von 1817 und 1848 ist als Eigentümer des Grundstückes Poststraße lediglich „Synagoge“ eingetragen.

Der damalige vom hannoverschen König eingesetzte Landrabbiner Dr. N. Adler erlässt 1832 eine ausführliche Synagogenordnung. Ihr ist zu entnehmen, dass der Gottesdienst strengen Regelungen unterliegt. Eine „gesetzmäßige Versammlung“ ist nur möglich, wenn mindestens zehn über 13 Jahre alte männliche Gemeindemitglieder zusammenkommen. Frauen und Kindern ist ein „besonderes Local“ zuzuweisen. Kinder unter 5 Jahren dürfen nicht in die Synagoge eingelassen werden. Wer unentschuldigt dem Got­tesdienst fernbleibt, ist vom Gemeindevorsteher mit einer Geldstraße zwischen vier Guten Groschen und 2 Reichsthalern zu belegen. Diese Strafen sind nach königli­chem Erlass vom Magistrat einzuziehen und dem Landrabbinat zu überweisen.
Vorsteher der Israelitischen Gemeinde Burgdorf, zu der auch Burgwedel und Isernhagen gehören, ist in der Mitte des 19. Jahrhunderts der Lederwarenhändler Lefmann Meyer. 1910 ist Hermann Hirschberg als Gemeindevorsteher nachweis­bar.
Im Ersten Weltkrieg fal­len auch sechs jüdische Bürger aus Burgdorf. Es sind Artur Samuelson, Carl Cohn, Martin Samu­elson, Leopold Hermann, Fritz Meyer und Fritz Moosberg. Mit einer schweren Gedenktafel aus Eichenholz erinnert die Synagogengemeinde Burgdorf an ihre gefalle­nen Söhne. Die Tafel wird beim Umbau des Hauses 1939 entfernt und auf dem Dachboden der damals als HJ-Jugend­heim ge­nutzten „Lam­penmühle“ gelagert. Hier entdecken sie erst Mitte 1985 aufmerksame städti­sche Arbeiter. Die Stadt lässt die Tafel restaurieren. Sie hat heute einen Platz im Stadtmuseum gefunden.

1871 werden in Burgdorf 114 Juden gezählt, 1905 sind es nur noch 72. Ihre Zahl nimmt in den folgenden Jahren weiter ab. 1925 bekennen sich 56 Einwohner un­serer Stadt zum jüdi­schen Glauben. Anfang 1937 leben nur noch die jüdischen Fa­milien Cohn, Jacobssohn, Moosberg, Dr. Rasch und Rosenberg mit insgesamt 18 Personen sowie Rauer Löwenstein und Julin Simon in Burgdorf. Die „gesetzmäßige Zahl“ von zehn männlichen Gemeindemitglie­dern, die für eine Versammlung in der Synagoge erforderlich sind, ist nicht mehr gegeben. Es dürfte demnach zutreffen, wenn berichtet wird, dass ab 1935 keine Gottesdienste in der Synagoge mehr statt­gefunden haben.
In der Reichspogromnacht am 9. November 1938 verhindert der Burgdorfer Feuer­wehrkommandeur Adolf Michelssen, dass das Synagogengebäude niedergebrannt wird. Er setzt sich gegenüber der NSDAP mit dem Hinweis durch, dass die Feuer­wehr nicht in der Lage sei, die angrenzenden alten Fachwerkhäuser in der Post- und Luisenstraße zu schützen, wenn das Gebäude angezündet werden sollte.

Am 17. Februar 1939 kauft die Stadt Burgdorf das Synagogengebäude von der Jü­dischen Ge­meinde, für die Hermann Cohn den Kaufvertrag unterzeichnet. Der Kauf­preis beträgt 2.500 Mark, der auf ein Sperrkonto bei einer Berli­ner Bank über­wiesen wer­den muss. 

Nach dem Kauf des Hau­ses verlegt der HJ-Bann seine Geschäftsstelle in die Post­straße 2. Weitere Räume sind als Wohnun­gen ver­mietet. Von 1944 bis 1959 nutzt die Stadt­bücherei den ehemali­gen Versamm­lungs­­­raum. 1945 wohnen hier außer­dem fünf Fa­milien, die aus den Ostge­bieten vertrie­ben sind. 1960 überlässt die Stadt Burgdorf das Grund­stück Poststraße 2 im Tauschwege dem Brenne­reibesitzer und Gastwirt Karl Wietfeldt und er­hält dafür Bauland an der Immenser Straße. 1977 wird die ehemalige Synagoge zum Ge­schäftshaus umge­baut. 

Im Jahre 2007 kauft der Burgdorfer Unternehmer Bernd Gessert das Haus, lässt es renovieren und stellt es der Stadt Burgdorf zur Nutzung zur Verfügung. Die Stadt überlässt das Gebäude dem Verkehrs- und Verschönerungsverein für Ausstellungen und kulturelle Veranstaltungen. Die neue  „KulturWerkStadt“ – so heißt das Haus nun seit August 2008.

Text mit freundlicher Genehmigung von Heinz Neumann und Jürgen Mollenhauer (Burgdorfer Stadtchronisten)