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Neue Torstraße 7

Haus Beneke
Bei dem Großbrand von 1809 wer­den die Häuser an der Südseite der damaligen Hinterstraße (heute: Schmiedestraße) vernichtet. Darun­ter ist auch das Eckhaus Neue Tor­straße/Hinterstraße mit der Ver­sicherungsnummer 84, später Neue Torstraße 5 und seit 1900 mit der Hausnummer 7. Es überrascht, dass alle Häuser an der Nordseite der Mittelstraße und der Hinterstraße vom Feuer ver­schont bleiben, während die da­zwischen lie­genden Gebäude an der südlichen Hinterstraße den Flam­men zum Opfer fallen. Der Grund ist vermutlich der während des Brandes herrschende starke West­wind.

Schon bald nach dem Brand, etwa in den Jahren 1810 bis 1812, entsteht auf dem 364 Quadratmeter großen Grundstück ein zweigeschossiges Fachwerkhaus mit Walmdach. Die Ecklage an der Neuen Tor- und Hinterstraße ermöglicht dem Bauherrn Bäcker­meister Niebuhr ein Fachwerk-Mittelquerdielenhaus zu bauen. Dadurch zeigt das Haus zur Neuen Torstraße eine breite Straßenfront mit dem Hauseingang. Rechts vom Hauseingang befindet sich ein Laden und ein weiterer gewerblich genutzter Raum. Auf der linken Seite sind zwei Zimmer. Der Flur mündet in den Backraum, der mit dem Ofen die gesamte Breite des Hauses einnimmt. Die Diele, die sich quer durch das Haus zieht, ist durch ein großes Tor an der Hinterstraße zu erreichen. An der Rückseite des Gebäudes, von der Diele aus zugänglich, sind die Mehlkammer, eine weitere Kammer und ein Stall eingerichtet. Im Obergeschoss be­finden sich Kammern und im Dielenbereich Vorratsräume.

Wie lange Bäckermeister Niebuhr Eigentümer des Hauses gewesen ist, kann nicht ermittelt werden. Im Hausverzeichnis von 1848 erscheint schon der Bäckermeister Heinrich Trüller als neuer Besitzer. Sein Sohn Friedrich verkauft das Haus 1881 an den Bäckermeister Friedrich Kothe. Der Kaufpreis wird mit 6.000 Mark angegeben. Dem um 1880 angelegten Grundbuch ist zu entnehmen, dass zum Grundbesitz unter anderem auch ein Garten im Roland gehört, der zu dieser Zeit noch mit dem „Zehnten“ zugunsten der alten Burgdorfer Lehnsfamilie Kahle belastet ist. Es sind jährlich 0,59 Mark an die Kahles zu zahlen. Diese Verpflichtung wird erst 1905 abgelöst.

1906 erwirbt der Bäckermeister Friedrich Meinecke, der aus Nienburg kommt, das Grundstück Neue Torstraße 7 für 21.000 Mark. Der Verkäufer - Bäckermeister Friedrich Kothe - behält ein Wohnrecht im Obergeschoss. Meinecke bleibt nur drei Jahre in Burgdorf.

Er veräußert seinen Besitz schon 1909 an den Bäcker Georg Fischer, der bei Ab­schluss des Kaufvertrages noch Soldat in der Militärbäckerei in Celle ist. Er wird aber zum 01.10.1909 aus dem Militärdienst entlassen und übernimmt zu diesem Zeitpunkt die Bäckerei.

Georg Fischer war bisher Eigentümer des Hauses Mittelstraße 10, in dem sein ver­storbener Vater als Stellmacher gearbeitet hat. Dieses Haus wird von ihm 1914 an den Korbmacher Willy Bauer verkauft.

1910 wird die Innenstadt kanalisiert. Bäckermeister Georg Fischer legt dem Magi­strat einen Entwässerungsplan vor und beantragt einen Kanalanschluss. Der Plan wird, wie damals üblich, von Polizeisergeant Rautenkranz geprüft und genehmigt.
Die Stadt Burgdorf als Ortspolizeibehörde weist Georg Fischer 1938 darauf hin, dass nach der Polizeiverordnung für das Bauwesen im Regierungsbezirk Lüneburg vom 01.05.1932 bei Gebäuden mit Fachwerkwänden die von der Straße sichtbaren Holzteile nicht verputzt werden dürfen, sie sind vielmehr in Form und Farbe als solche hervorzuheben. Es wird also schon zu dieser Zeit Wert darauf gelegt, die das Stadtbild prägenden Fachwerkhäuser in ihrer Urform zu erhalten. Bäckermeister Fischer folgt einer Anregung der Stadtverwaltung und lässt sein Haus streichen.

Die Burgdorfer Bäcker beliefern in den dreißiger Jahren auch Landkundschaft. Georg Fischer benutzt dazu 1938 einen Auto-Dreiradlieferwagen Marke Framo. Eine Garage kann er auf seinem kleinen Grundstück nicht bauen. So stellt er sein Auto auf der geräumigen Diele ab. Die Stadtverwaltung hat jedoch Bedenken. Die Vor­schriften der Garagenordnung werden nicht erfüllt. Schließlich erhält Bäckermei­ster Fischer aber doch eine Ausnahmegenehmigung. Einige Monate später reicht er einen Bauantrag ein, weil er die bisherige Mehlkammer zur Garage mit der Ausfahrt zur Hinterstraße ausbauen will. Die baurechtliche Genehmigung wird er­teilt. Zur Bauausführung kommt es, vermutlich wegen des im folgenden Jahr aus­brechenden Zweiten Weltkriegs, nicht mehr.

Ein Brand beschädigt 1942 das benachbarte Hintergebäude der Witwe Rosenthal. Zunächst vermutet man als Ursache den Schornstein des Backhauses. Schorn­steinfegermeister Lehmitz stellt in einem Gutachten fest, dass der Bäckereischorn­stein nicht zu beanstanden ist.

1946 wird es eng im Hause Fischer. Vertriebene müssen aufgenommen werden. Ein zusätzli­cher Kellerraum wird gebaut, um Lagermöglichkeiten für die Bäckerei zu schaffen.
Die Gewerbeaufsicht beanstandet 1951 die Bäckerei. Backhaus und Keller werden daraufhin umgebaut. Außerdem wird ein neuer Backofen angeschafft.

Bäckermeister Georg Fischer jr. gibt 1967 die Bäckerei auf. Nach entsprechenden Umbauten mietet der Orthopädie-Schuhmachermeister Heinz Wilhelm den Laden und die Werkstatt, die später von Orthopädie-Schuhmachermeister P. Rentz weitergeführt werden.

Rentz verlegt seine Orthopädie-Schuhtechnik 1997 in größere Räume in der Schmiedestraße 35. Den Laden im Haus Beneke übernimmt das Trödel- und Antiquitätengeschäft „Der Bunte Vogel“ von Annelie und Manfred Stoeckmann. 2004 beziehen Stoeckmanns eigene Räume im Hause Schlossstraße 3. Die Firma „Wollmaus“ - Handarbeitsbedarf - mietet die frei geworde­nen Geschäftsräume in der Neuen Torstraße 7. Heute befindet sich dort ein Schuh- und Schlüssel-Schnelldienst.
Eigentümerin des Hauses Neue Torstraße 7 ist seit 1985 Frau Ruth Beneke geb. Fischer. 1989 wird es im Rahmen der Altstadterneuerung grundlegend saniert und beweist heute, dass in einem schönen alten Fachwerkhaus zeitgemäß gewohnt und gearbeitet werden kann.

Seit 1987 ist das Haus von der Bezirksregierung Hannover in die Liste der Kulturdenkmale - Baudenkmale - eingetragen.

Text mit freundlicher Genehmigung von Heinz Neumann und Jürgen Mollenhauer (Burgdorfer Stadtchronisten)