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Neue Torstraße 5

Haus Dehne
Bei dem großen Brand von 1809 werden die Häuser mit der heutigen Bezeichnung Neue Torstraße 1 bis 5 und Schmiedestraße (früher: Hinter­straße) 38 bis 42 vollständig zer­stört. Die auf der gegenüberliegen­den Straßenseite der damaligen Hin­terstraße stehenden Gebäude blei­ben dagegen von den Flammen verschont.

Die alten verwinkelten Straßenzüge erhalten nach dem Brand neue be­gradigte Fluchtlinien. Das Hausgrundstück mit der Versi­cherungsnummer 219 - heute: Neue Torstraße 5 - bekommt  dadurch an der Straßen­front einen ein Meter breiten Strei­fen hinzu.

Der Händler Klußmann baut 1811 auf dem nur 127 Quadratmeter großen Grundstück ein 2½-geschossiges Bürgerhaus und nutzt dabei seine Parzelle voll aus. Es verbleibt kein Platz für einen Hof oder einen Stall. Das Haus erhält ein Satteldach mit Anwalmungen. Das Fachwerk zur Hinter­straßenseite bleibt sichtbar. Die Giebelseite wird mit rechteckigen Holzbrettern verkleidet, deren abgeschrägte Kanten massives Bossenmauerwerk vortäuschen sollen. 

Der lange Mittelflur erschließt die Räume. Links vom Flur befinden sich der Laden und dahinter zwei Zimmer. Rechts geht es über die Treppe in die Obergeschosse. An die Treppe schließen sich Küche, Speisekammer und ein Lagerraum an.
In den Burgdorfer Hausbüchern von 1848 und 1860 werden Gottlieb Lange und später sein Sohn Friedrich als Eigentümer genannt. Bei der Anlegung der Grund­bücher des Amtsgerichts Burgdorf um 1880 besitzt der Kaufmann Karl Peine das Geschäftshaus. Er kauft 1894 von dem Tischlermeister Ernst Cordes eine an der Hinterstraße angrenzende Hoffläche von 165 Quadratmetern hinzu. Noch im selben Jahr lässt er durch den Zimmermeister August Freers - die Bauzeichnung fertigt Wilhelm Freers - auf diesem Hof an der Grenze zu seinem Nachbarn Schaprian ein 50 Quadratmeter großes Hintergebäude errichten, das eine Waschküche, einen Pferde- und Schweinestall enthält.
Karl Peine veräußert seinen Besitz am 01.11.1906 an den Kaufmann Albert Salge, der aus Gifhorn kommt. Der Kaufpreis beträgt 12.000 Mark. In dem Preis ist auch der Wert des Kauf­mannsgeschäftes ohne Aktiva und Passiva, aber mit der Ladenein­richtung enthalten. Der Kaufvertrag macht deutlich, wie be­scheiden damals ein Kaufmannsladen eingerichtet war. Von Salge wurden „zwei Regale mit Borten, ein Tresen, vier Oelgefäße, eine Dezimalwaage mit Gewichten, eine Tafelwaage mit Gewichten, drei Hängelampen, ein Theeschrank, ein Cigaret­tenschrank, ein Farbenkasten und fünf Bonbongläser“ übernommen. Albert Salge fir­miert als „Colonial- und Materialwarenhändler (Delikatessen, Conserven, Wein, Spirituosen, Tabak, Cigaretten)“. Aus dem Pferde- und Schweinestall im Hinter­gebäude entsteht zu dieser Zeit ein Warenlager.

Eine Goldgrube scheint das Geschäft in der Neuen Torstraße 5 für die Kaufleute Peine und Salge nicht gewesen zu sein. Wiederholt werden Hypotheken aufge­nommen oder auch Sicherungsgrundschulden für die Lieferanten eingetragen. Vielleicht ein Grund für Albert Salge, sich 1932 von dem Grundstück zu trennen und sich wieder in seiner Geburtsstadt Gifhorn als Gastwirt niederzulassen. Das Haus wird von dem Kaufmann Erich Lüer aus Braunschweig erworben, der es aber schon 1937 an Frau Ella Engehausen geborene Kampe weiterverkauft. Frau Engehausen führt das kleine Kaufmannsgeschäft auch noch nach dem Zweiten Weltkrieg weiter.

Die Erbengemeinschaft Engehausen verkauft das Grundstück 1985 an Frau Renate Dehne. Sie und ihr Mann Hans sanieren das alte Bürgerhaus mit viel Mühe und Fleiß in mehrjähriger handwerklich vorbildlicher Arbeit. Auch in dem Hinterhaus an der Schmiedestraße entsteht Wohnraum. Ein schönes altes Bürgerhaus ist durch den lobenswerten Einsatz der jetzigen Eigentümer vor dem Verfall bewahrt worden. In dem früheren „Colonialwarenladen“ werden jetzt biologisch angebaute oder hergestellte Waren angeboten.

Das Haus Neue Torstraße 5 wird 1987 von der Bezirksregierung Hannover in das Verzeichnis der Kulturdenkmale - Baudenkmale - eingetragen.

Text mit freundlicher Genehmigung von Heinz Neumann  (Burgdorfer Stadtchronist)