Projektablauf‎ > ‎Fotokulisse‎ > ‎

Mittelstraße 14

Haus Vincentz
Wie die meisten Häu­ser der Burgdorfer Altstadt wurde auch das Haus Mittel­straße 14 ein Opfer der Brandkatastro­phe von 1809. Zu dieser Zeit war der Acker­bürger Gabriel Bar­tels Eigentümer des Grundstücks. Er war mit Maria Juliana geborene Bodenstab ver­heiratet. Nach dem großen Brand wird von ihm das Haus wieder aufgebaut. Das Eigentum an dem landwirtschaft­lich genutzten Grundstück geht im Jahre 1843 auf den Schneider­meister Heinrich Jakob Bartels über. Heinrich Jakob Bartels war mit Maria Magdalena, geborene Honemann, verheiratet.
Am 30. Januar 1844 wird ein Hypothe­kenbrief für die Pfarre zu Steinwedel ausgestellt. Danach ist an die Pfarre eine Rente von 1 Taler, 19 Groschen und 1 Pfennig zu zahlen. Die Rente ist jährlich zu zahlen und zwar laut Vertrag zur Zinsregelung vom 28. November 1838 ab 1. Dezember 1838. Diese Hy­pothek ist erst im Jahre 1969 gelöscht worden, nachdem die Kirchengemeinde Steinwedel am 30. Dezember 1964 die Umstellung der Rente im Verhältnis 1:1 auf 4,91 Mark jährlich beantragt hatte. Die Umstellung wird abgelehnt und die Hypothek gelöscht.
Heinrich Jakob Bartels überträgt das Eigentum an dem Grundstück im Jahre 1889 auf seinen Sohn, den Ackerbürger Heinrich Bartels junior., der mit Alwine geb. Fricke verheiratet ist. Heinrich Bartels junior gewährt seinem Vater ein Altenteil und muss seinen drei Brüdern Abfindungen zahlen. Der Vater stirbt am 8. November 1915. Da er kein Testament hinterlassen hat, tritt gesetzliche Erb­folge ein. Erben werden seine Witwe und die fünf Kinder. Am 20. März 1919 schließen diese Personen einen Erbtei­lungs- und Auseinandersetzungsver­trag, in dem bestimmt wird, dass der Landwirt Heinrich Bartels den Grund­besitz erhält, seiner Mutter ein Altenteil einräumt und seinen Geschwistern Abfindungen zu zahlen hat.

Wegen einer körperlichen Behinderung ist es Heinrich Bartels im Jahre 1939 nicht mehr möglich, die in Dachtmissen, Immensen, Hülptingsen und Beinhorn befindlichen Ländereien zu bewirt­schaften. Mit Genehmigung des Aner­bengerichts vom 1. November 1939 verpachtet er die Ländereien an den Bauern Georg Peters (Immensen), die Burgdorfer Konservenfabrik und den Bauern Friedrich Machel (Burgdorf).

Am 21. März 1951 stirbt Heinrich Bartels. Hoferbe wird sein Sohn Wil­helm Bartels, der den Betrieb aber nicht fortführt. In das Haus ziehen nun auch Mieter ein. Zahlreiche Reparatu­ren werden erforderlich, was darauf zurückzuführen ist, dass die Bausub­stanz nicht sehr gut ist. Im Jahre 1960 bricht eine Mieterin durch die Gru­benabdeckung der einzigen - im Hof befindlichen - Abortanlage. Daraufhin wird Wilhelm Bartels aufgefordert, für Abhilfe zu sorgen. Im Jahre 1962 werden ein Bad und ein WC eingebaut und der Anschluss des Aborts an die Entwässerung durch­geführt. 1965 werden im Obergeschoss neue Fenster eingebaut und das Dach neu eingedeckt. Die östliche Giebelfront wird 1967 mit Fassaden­platten verkleidet. Im Jahre 1987 wird das Haus in das Verzeichnis der Kultur­denkmale - Teil I  Baudenkmale - ein­getragen.

1989 kauft Hans-Jürgen Vincentz das Haus und nun folgen zahlreiche Re­novierungsarbei­ten. Die Fassadenplatten werden wieder entfernt und das Fachwerk freigelegt. Dabei stellt sich heraus, dass das Fachwerk teilweise neu ausgemauert werden muss und Ständer ausge­wechselt werden müs­sen. Nachdem diese Arbeiten erledigt sind, kommt es zum Einbau eines La­dens. Die bisherige Toreinfahrt für die land­wirtschaftlichen Fahrzeuge wird ge­schlossen und zu einem Ladengeschäft ausgebaut. Der frühere Schweinestall wird ebenfalls zu einem Ge­schäftsraum umgebaut. Hans-Joachim Kleu eröff­net am 1. Januar 1990 ein Geschäft für Obst und Gemüse. In dem ehemaligen Schweinestall wird eine Blumenabtei­lung eingerichtet. Kleu bleibt bis zum 31. Dezember 1999 Mieter.

Im Jahre 1995 vernichtet ein Großfeuer die als Lager genutzten Nebengebäude des Hauses. Wie sich herausstellt, ist das Feuer auf Brandstiftung zurückzu­führen. Ein neben dem Haus stehender Container wurde angesteckt und von dort aus griff das Feuer auf die Neben­gebäude über. Bei dem Brand wurden die Vorräte und die gesamte Osterde­koration vernichtet. Der Feuerwehr gelang es jedoch, das Wohnhaus und damit auch die Geschäftsräume zu retten.

Im Jahre 1998 überträgt Hans-Joa­chim Kleu seiner Mitarbeiterin Anke Voigt die Führung des Blumengeschäf­ts. Anke Voigt betreibt den Blumenla­den nun in eigener Regie. Nach Been­digung des Mietverhältnisses mit Hans-Joachim Kleu vermietet Hans-Jürgen Vincentz den ganzen Laden an Anke Voigt. Diese vergrößert den Blumenanteil und verzichtet auf den bisherigen Obst- und Gemüsehandel. Nach ihrer Eheschließung ist sie nun als Anke Seger Inhaberin von „Ankes Blumenlädchen".

Text Jürgen Mollenhauer; Mit freundlicher Genehmigung von Heinz Neumann und Jürgen Mollenhauer (Burgdorfer Stadtchronisten)