Projektablauf‎ > ‎Fotokulisse‎ > ‎

Marktstraße 63

Haus Schumacher
Nach der Brandkatastrophe im Jahre 1809 beginnen die Bürger unserer Stadt mit dem Wiederaufbau ihrer zerstörten Häuser. Gustav Lübbe, Eigentümer des Grundstückes in der Marktstraße mit der heutigen Hausnummer 63, baut das Haus 1810 wieder auf. Da das Grundstück nicht so breit wie die benachbarten Anwesen ist, richtet Lübbe den Giebel zur Straßenseite aus. Die meisten übrigen Häuser in der Marktstraße verlaufen mit einem Erker quer zur Straße. 

Ein unbekannter Künstler malt um 1840 ein Bild, das die untere Marktstraße mit der Sankt-Pankratius Kirche zeigt. An der gegenüberlie­genden Straßenseite sind die farblich unterschiedlich gestal­teten schönen Fach­werkhäuser zu erkennen. Das Haus Nr. 63 hebt sich durch seinen hellen An­strich hervor. Das Grund­stück er­streckt sich bis zur Mit­telstraße. Nach dem Bürger­verzeichnis von 1848 ist Lübbe noch Ei­gentümer. 

Später kauft es der Färber Heinrich Rieckmann. Seine Färberei betreibt er in dem Hinterhaus an der Mit­telstraße. Hier befinden sich auch zwei in der Erde ein­gemauerte Farbkessel. Das Amtsgericht Burgdorf trägt ihn bei der Anlage der Grundbücher um 1880 als Eigentümer ein. 

Rieckmann veräußert sei­nen Besitz am  6. August 1902 an den Bäckermeis­ter Hein­rich Schumacher. Heinrich Rieckmann und seine Frau Marie Dorothea geborene Jessen erhalten ein lebenslanges Wohnrecht, das sie bis zum Dezember 1906 nutzen.

Heinrich Schumacher, Sohn des Bäckermeisters Fried­rich (1) Schumacher, hatte bisher eine Honigku­chen­bäckerei in der Ro­land­straße 6. Er ist verhei­ratet mit Luise Schuma­cher geborene Möhle. Aus der Ehe gehen die zwei Kin­der Emma und Friedrich (2) hervor.

Er baut auf seinem neu er­worbenen Grundstück zwi­schen dem Vorder- und dem Hintergebäude ein Backhaus. Es hat einen mit Holz und Kohle beheiz­ten Brust­feuerungsofen. Im Vorderhaus richtet er das Ladengeschäft der Bäckerei ein. Die Front zur Marktstraße erhält eine Verkleidung aus waagerechten Holzboh­len, die einer Fassade aus Bossensteinen nachempfunden ist. 
Noch im Jahr des Umbaus stirbt der neue Eigentümer. Seine Witwe Luise führt die Bäckerei  weiter. Sie heira­tet später den Bäckermeis­ter Gustav Rost.

1925 übernimmt der Sohn Friedrich (2) mit seiner Frau Marie die elterliche Bäckerei in der Markt­straße. Friedrich (2) Schu­macher ist begeisterter Fußballer. Er gehört zu den Grün­dungs­mitgliedern des SV Viktoria von 1907. Viele Jahre steht er auch der Bäckerinnung als Ober­meister vor. 

In den schweren Jahren des Zweiten Weltkrieges führt Marie Schumacher, unter­stützt von ihrer Schwägerin Emma Lü­ders geb. Schu­macher, die Bä­ckerei weiter. Auch sie hatten das Bä­ckerhand­werk erlernt. Aus der Ehe von Marie und Fried­rich (2) gehen die zwei Kin­der Lisa, geboren 1919, und Fried­rich (3), geboren 1922, her­vor. Von 1936 bis 1939 erlernt der Sohn Friedrich (3) das Bäcker­handwerk in Hann. Mün­den. Nach sei­ner Rück­kehr aus dem Kriegs­dienst stehen Va­ter und Sohn erstmals gemein­sam in der Backstube. Im Jahre 1954 übernimmt Friedrich (3) - inzwi­schen auch Bä­ckermeister - mit seiner Frau Agnes die Bäcke­rei. Die gute Ge­schäftsent­wick­lung er­möglicht grö­ßere Um­baumaßnahmen, wie zum Beipiel 1956 den Neubau des La­dengeschäftes. Das jun­ge Paar bekommt zwei Kinder, und zwar 1944 die Tochter Inge und 1949 den Sohn Friedrich (4).  In dem Haus Markt­straße 63 woh­nen zusam­men mit den An­gestellten vier Gene­rati­onen. Gustav Rost wirkt bis zu seinem 89. Lebensjahr im Backhaus aktiv mit. Auch Fried­rich (4) erlernt nach alter Familientradition das Bäcker­handwerk von 1965 bis 1968 im väter­li­chen Betrieb und legt später ebenfalls die Meisterprü­fung ab. 1967 wird zum Schicksalsjahr für die Bä­ckerei. Agnes Schumacher, die bislang den Verkauf und den Haushalt führt, und Gustav Rost sterben. Der Witwer Fried­rich Schuma­cher III sieht ohne seine Ehefrau keine Zukunft mehr in seinem Geschäft und gibt die Bäckerei 1969 auf. Die Ära der Bäckerei endet in der vierten Gene­ration. Nach dem Tode sei­nes Vaters 1974 übernimmt Friedrich (4) zu­sammen mit seiner Frau Susanne geb. Wöhler das Haus. 

Durch einen erneuten Umbau wird der Laden vergrößert und das ehemalige Backhaus zum Lager.  Der Süßwarenhändler Chocolata aus Braunschweig mietet die neu gestalteten Räume. Das Backhaus erhält ein Flachdach, welches als Terrasse genutzt wird. Das Ober- und Dachgeschoss wird von der jungen Familie Schumacher mit den Söhnen Lars (geboren 1971) und Leif (1974) als Wohnung genutzt. Beruflich werden neue Wege eingeschlagen. Friedrich wird Softwareentwickler und Susanne Journalistin. 

1992 wird die „Buddelei“ Mode GmbH aus Oldenburg neuer Mieter. Die Fensterfront, wie sie zurzeit aussieht, wird zu einem modernen Ladengeschäft umgebaut. Das ehemalige Backhaus und das Hinterhaus weichen 1995 einem Neubau. Susanne und Friedrich Schumacher erstellen im Erdgeschoss ein Ladengeschäft und drei Garagen. Das Ladengeschäft wird an ein „Nail Design“ Schulungszentrum vermietet. In den beiden Obergeschossen ziehen die Söhne Lars und Leif ein. Das neue Haus erhält die Anschrift Mittelstraße 37. Hier wurde Anfang 1996 das Medienhaus e.V. gegründet.

Das Haus Marktstraße 63 steht seit 1987 unter Denkmalschutz.

Text mit freundlicher Genehmigung von Heinz Neumann (Burgdorfer Stadtchronist)