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Marktstraße 55

Das Rathaus I 
Die Folgen des großen Brandes 1809 - bei dem auch das in der Stadtmitte gelegene Rathaus voll­ständig niederbrannte - sind 1816 zum großen Teil überwunden. Die zerstörten Straßen und Brücken sind, verkehrsge­recht neu geplant, wieder herge­stellt, Schulgebäude und Kirche wieder aufgebaut. Die Stadt kann sich nun dem Bau eines Rathau­ses widmen. Die Keller­gewölbe des ab­gebrannten Rat­hauses, das erst 1801 errichtet worden war, blieben erhalten. Sie können für den Neubau genutzt werden, mit dem 1816 begonnen wird. Die erforder­lichen Gelder werden dem Magistrat von wohlhaben­den Bür­gern gegen „mäßige Zin­sen“ geliehen. Der Neu­bau ent­steht in der damals in Burg­dorf auch für Bürgerhäuser üblichen Fachwerkbau­weise, aber mit einem Walmdach.

Das neu erbaute Rat­haus wird 1818 bezo­gen. Der Magistrat nutzt nur die Rats- und Polizei­stube, zwei Räu­me im Erdge­schoss. Die anderen Räume und das Obergeschoss mietet der Ratskeller­wirt Ziegeler. Die Ma­gistratsmitglieder - der Bür­germeister, der Käm­merer und die Se­natoren - üben die Amts­geschäfte in ihren Wohnungen aus.

In einer 1828 vom Magistrat erstellten Vermögensrechnung der Stadt Burgdorf wird der Wert des Rathauses mit 4.000 Reichstaler beziffert. Die 1854 gegründete „Spar-Casse der Stadt Burg­dorf“ hat ihr erstes Geschäfts­lokal in der Polizeistube im Rathaus. Ihre Geschäfte werden zu dieser Zeit neben­amtlich von dem Aktuar­gehilfen des Amts­gerichts Burg­dorf, Friedrich Holmer, geführt.
Der Magistrat verkauft das Rat­haus im De­zember 1868 für 5.800 Taler in Gold an den Res­taurateur Wilkens aus Win­sen/Luhe. Er betreibt weiterhin den „Rathskeller“. Die Stadt nutzt auch nach dem Verkauf die Rats- und Polizeistube. 1885 ver­kauft Friedrich Wil­kens das Ge­bäude an den Gastwirt L. Grethe, von die­sem er­wirbt es Fried­rich Knack­stedt.

1909 gibt der Magist­rat seine Büros im Rats­kellergebäude auf. Er mietet das Ober­ge­schoss des Hauses Wiesener Braun­schwei­ger Straße 2. Dort wer­den die Dienst­zimmer des Bürgermeisters, des Kämmerers und der übrigen städ­tischen Beam­ten zusammenge­fasst, bis die Ma­gistratsver­wal­tung am 1. September 1914 das Rupp­steinsche Haus Marktstraße 13 bezieht (siehe dazu auch den vorste­henden Beitrag „Markt­straße 13“).

Im März 1920 kauft die Stadt Burgdorf ihr früheres Rathaus von dem Rats­kellerwirt für 200.000 Mark zurück. In das Ober­geschoss zieht das neu gebil­dete Finanzamt für den Kreis Burgdorf ein, das am 12. Juni 1920 unter der Leitung von Re­gierungsrat Albrecht seinen Dienstbetrieb aufnimmt. Im Erdgeschoss bleibt die Gast­stätte „Ratskeller“ zunächst bestehen. Doch schon bald benötigt das Fi­nanzamt weitere Büros. Der Rats­kellerwirt Knackstedt ist inzwi­schen gestorben. Seine Witwe verzichtet gegen eine Abfindung von 60.000 Mark auf ihre Rechte aus dem Pachtver­trag. 
Der tra­ditionsreiche Ratskeller schließt im Dezember 1920. Das Finanzamt ver­fügt jetzt über das gesamte Haus.

Das Finanzamt siedelt 1937 in sein neues Dienstgebäude Vor dem Hannoverschen Tor um. In das Haus Marktstraße zieht die Verwaltung des Städtischen Elektrizi­tätswerks ein. Außer­dem werden dre Klassenräume und ein Lehrerzimmer für die Kreisberufsschule hergerichtet. Im Obergeschoss erhält die Volks­bücherei unter der Lei­tung von Lehrer Erich Meyer eine neue Unterkunft. 1945 - nach Kriegs­ende - sind das Ar­beitsamt, die in Hannover aus­gebombte Firma AME-Hei­zung und die Verwal­tung der Stadt­werke im Haus unterge­bracht. Der Luftschutz­keller dient in dieser Zeit als Behelfsgefäng­nis.

Durch einen 1950 vorgenom­menen Umbau vergrößert die Stadt die Nutzfläche des Rat­hauses. Das Gebäude erhält ein Satteldach mit zwei zusätzli­chen, zu Büro­räumen ausge­bau­ten Dachge­schossen. Fach­leute rühmen die schwierige Dach­konstruktion als großar­tige Leistung des Burgdorfer Zim­mermeisters Friedrich Nil­son. Der hei­mi­sche Bild­hauer Georg Hilde­brandt gestaltet mit Holz­schnitzwerk den Erker im ers­ten Oberge­schoss.

Die Stadtverwaltung kann 1951 in ihr altes Rathaus einziehen. Schon wenige Jahre später reichen die Räume für die wachsende Verwaltung nicht mehr aus. Mehrere Abteilungen müssen in andere Häuser verlegt werden.

Text mit freundlicher Genehmigung von Heinz Neumann  (Burgdorfer Stadtchronist)