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Marktstraße 11

Wohnhaus Obermeyer / Markt Casino
Dem großen Brand am 25. Juni 1809 fällt neben mehr als 200 weiteren Burgdorfer Häusern auch das an der Marktstraße 11 gelegene Gebäude mit der Versicherungsnummer 103 des Handels­mannes Herz zum Opfer. Die von der Brandkatastrophe betroffenen Grundstücke er­halten neue Fluchtlinien, so dass die heutigen Grund­stücks­grenzen entstehen. Die Bür­ger beginnen wenige Wo­chen später mit dem Wie­der­aufbau ihrer Häuser. Auch Herz lässt sich nicht ent­muti­gen und errichtet auf seinem Grund­stück ein zweigeschos­siges Wohn- und Geschäfts­haus in Fachwerkbauweise.

Einem Stadtplan aus dem Jahre 1817 ist zu entneh­men, dass Herz noch Ei­gentümer des Hau­ses ist. Ein Reihen­hausverzeichnis von 1848 nennt Simon Ro­senberg als Grundstücksei­gentü­mer. Ro­senberg muss es also inzwi­schen erwor­ben haben.  

Am 19. März 1909 erteilt der Magistrat der Stadt Burgdorf dem Kaufmann Paul Rosen­berg eine Bau­erlaubnis. Er darf sein Wohn- und Ge­schäftshaus Marktstraße 11 nach den von dem Architek­ten Fritz Bludau in Hannover erstellten Plänen umbauen. Die wesentlichsten Ände­rungen bestehen darin, dass das bisherige Fachwerk­haus eine dem damaligen Zeitge­schmack entspre­chende Fas­sade er­hält. Das Erdge­schoss mit zwei gro­ßen Schaufens­tern dient aus­schließlich Ge­schäfts­zwecken. Der Wohn­be­reich erstreckt sich auf die oberen Stockwerke. 
Der Magistrat genehmigt Paul Rosenberg im Jahre 1910, sein Grundstück an die Kanalisation in der Markt­straße anzuschließen. Der Entwässerungsplan wird, wie damals üblich, von dem Poli­zeisergeanten Rautenkranz geprüft.
Der Kaufmann Paul Ro­sen­berg muss das Grund­stück Marktstraße 11 unter dem Druck der Judenver­folgun­gen durch die Natio­nalsozia­listen 1937 an den Textil­kaufmann Hans Wa­gemann verpachten. Wa­gemann be­treibt das Tex­tilgeschäft weiter. Die Fa­milie Rosen­berg zieht nach Hannover. Am 26. Januar 1939 verkauft Paul Rosenberg sein Anwe­sen an Hans Wagemann für 23.000 RM. Die Kaufsumme muss auf ein Sperrkonto ge­zahlt werden. 

Paul Rosenberg kann mit seiner Familie im Sommer 1939 nach Eng­land aus­wan­dern. Zur Vorbereitung der Aus­wanderung darf er ledig­lich 1.000 RM ver­wenden. 

1951 findet vor dem Land­gericht Hildesheim ein Wie­dergutmachungs­ver­fahren statt. In ei­nem Ver­gleich ver­pflichtet sich Wagemann, an den Kauf­mann Paul Ro­senberg in London 17.500 DM zu zahlen. 

Im Jahre 1962 nimmt der Kaufmann Kurt Scheele Um­bau­ar­beiten im Gebäude vor, das für das Kaufhaus Scheele genutzt wird. Eigen­tümer ist aber weiterhin der Kaufmann Hans Wage­mann in Mahl­berg (Orte­naukreis).

Die Familie Wagemann verkauft das Grundstück 1983 an den Apotheker Hartmut Schnaith, Inhaber der damaligen Post-Apotheke (Markt­straße 40). Das Kaufhaus Scheele gibt seine Filiale in der Marktstraße 11 im Jahre 1984 auf. Schon 1985 findet ein weiterer Eigentümerwechsel statt. Der Kauf­mann Gerd Obermeyer ver­äußert seine Villa Marktstraße 25 an Apotheker Schnaith und er­wirbt von ihm das Haus­grundstück Marktstraße 11.

Gerd Obermeyer renoviert das Haus Marktstraße 11 aufwändig und bezieht die im ersten und zweiten Obergeschoss gelegene Wohnung. Den Wohnungseingang verlegt er an die Grund­stücksrück­seite in der Louisenstraße. Im Erdgeschoss richten Albert und Marion Toma die Spielhalle "Markt Casino" ein, die im September 1985 öffnet.

Text mit freundlicher Genehmigung von Heinz Neumann (Burgdorfer Stadtchronist)