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Marktstraße 13

Das ehemalige Rathaus / Rechtsanwalt Bernhard von Boehn
Das in der Stadtmitte gelegene Haus Marktstraße 13 ist 1809 - wie alle Nachbarhäuser - nie­der­gebrannt. Nach diesem Großbrand wird mit dem Brandschutt auch das alte Straßenpflaster beseitigt. Die bisher in der Innenstadt kur­ven­reich und eng verlau­fenden Straßen wer­den neu vermes­sen und - das trifft vor allem für die Markt-, die Post- und die Mit­telstraße zu - begra­digt. Das Grund­stück Marktstraße 13 er­streckt sich bis zur nach 1809 neu ent­standenen Loui­sen­straße. Es wird nach der Brandkatast­rophe mit dem noch heute dort stehendem zwei­ge­schossigen Fach­werk­­haus mit ei­nem Erker im Dach­ge­schoss be­baut.

In einer Stadtkarte aus dem Jahre 1817 ist als Hauseigentü­mer Ja­cob Israel ge­nannt. Einem Ver­zeich­nis sämtli­cher Burg­dorfer Häu­ser aus dem Jahre 1848 ist zu entneh­men, dass in­zwischen sein Schwie­gersohn, der Ellenwa­renhändler (Textil­kauf­mann) Isaac Da­vid Gotthelf, das Haus besitzt.

1858 zieht Oberst­leut­nant a.D. Georg Rupp­stein mit seiner Frau Caroline und den Töchtern Sophie und Henny von Celle nach Burgdorf. Er wohnt zunächst in der Post­straße, erwirbt aber bald das Haus Markt­straße 13.

Bis 1865 ist Oberst­leutnant Ruppstein noch als „Districts-Commissair“ für die Re­krutenaushe­bung in Burgdorf zuständig. Er stirbt 1871 im Alter von 81 Jahren. Nach dem Tod ihrer Mut­ter (1877) und ihrer Schwester (1898) ist Henny Ruppstein al­leinige Eigentüme­rin des Hauses Marktstraße 13.

Am 23. Dezember 1901 wird zwischen Fräulein Henny Ruppstein und der Stadtgemeinde Burgdorf - vertreten durch Bürgermeister Schuster - ein Kauf­vertrag geschlossen. Der Kaufpreis wird zwar auf 20.000 Mark festgesetzt, die Stadt Burgdorf muss aber nur die auf dem Hause ruhende Hy­pothek von 3.000 Mark über­nehmen, einen Barbetrag von 3.000 Mark zahlen und Henny Ruppstein ein Wohnrecht im Obergeschoss und im Erker bis zu ihrem Tode einräumen. Der Restbetrag von 11.000 Mark wird der Stadt als „milde Stif­tung“ erlassen. Die Stadt verpflichtet sich im Kaufvertrag weiter, „zum Gedächtnis der Nachwelt über der Thür des Hauses No. 13 einen Stein oder eine Tafel anbringen zu lassen mit der Inschrift ‚Haus Ruppstein’ sowie nach dem Tod der Verkäuferin deren Grab und die Gräber ihrer Angehörigen auf dem hiesigen Kirchhof auf die Dauer von 20 Jahren im Stande zu erhalten“. In einer offiziellen, vom Magistrat und dem Bürgervorsteherkollegium un­ter­zeichneten und im Burgdorfer Kreisblatt veröffentlichten Erklärung heißt es unter anderem: „Bei den Behörden und Einwohnern dieser Stadt wird die Erinnerung an diese edle Stiftung der hochgeschätzten Geschenkgeberin dauernd fortleben.“

Am 20. Juli 1913 stirbt Fräulein Henny Ruppstein im Alter von 84 Jahren.

Zu dieser Zeit hat das Haus Ruppstein auch zur Marktstraßenseite eine schlichte Fachwerk­fassade. Im Erdgeschoss ist neben der Haustür ein Schaufenster. Es stammt noch aus der Zeit, als Jacob Israel und Isaac David Gotthelf hier ein Handelsgeschäft betrieben haben. Die Stadt Burgdorf renoviert das Haus und gestaltet auch die Fassade neu. Im Erd­geschoss wird zur Straßenseite hin das Fachwerk durch eine ver­putzte Ziegelmauer mit einem Sockel aus Gra­nitsteinen ersetzt. Eine eichene zweiflügelige Tür mit Schnitzwerk ist von einem Rundbogen aus Sandstein umrahmt, den der Burgdorfer Bildhauer Georg Hildebrandt mit reliefartigen Ornamenten und zwei speerbewehr­ten Knap­pen schmückt. Auch die neuen Fenster sind mit dem gleichen behauenen Stein eingefasst. Über der Eingangstür befindet sich das Stadtwap­pen mit dem Löwen, der hier noch vor zwei Tan­nenbäumen ruht. Das einfache Fachwerk im Obergeschoss und im Erkerbereich wird mit vorgehängten profilierten Hölzern verziert. So erhält das bisher sehr schlicht gehaltene Fach­werkhaus ein seiner künftigen Funk­tion als Rat­haus angemessenes Bild. Am 29. September 1914 ziehen Magistrat und Verwaltung in das neue Rathaus ein.
Noch 1926 beklagt „Spectator“ (Hugo Heuer) im Burgdorfer Kreisblatt, dass das Rat­haus kein „Firmenschild“ habe. Einige Zeit später wird der Schriftzug „Rathaus“ angebracht.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich die Ein­wohnerzahl unserer Stadt mehr als ver­doppelt. Die Stadtverwaltung benötigt dringend ein grö­ßeres Haus. Das alte Rat­haus in der Marktstraße 55 erhält zwei neue Dachgeschosse und nimmt ab 1951 die städtischen Mitarbeiter auf. Das bisher hier untergebrachte Arbeitsamt wech­selt in das frühere Rathaus Marktstraße 13. 1961 erwirbt der Zeitungsverleger Wilhelm Rumpeltin das Grundstück. Er lässt 1963 das an der Louisenstraße stehende kleine Fachwerk­haus abbrechen und beginnt 1964 mit dem Bau eines modernen Betriebsgebäudes auf dem Hof des Grundstückes Marktstraße 13. 1965 wird das Arbeitsamt in die Wallgartenstraße verlegt. Die Firma Rumpeltin nimmt einige Räume des Hauses selbst in Anspruch, andere werden vermietet.

Der Verleger Ernst-August Rumpeltin verkauft das Haus 1978 an die Dresdner Bank AG. Nach umfangreichen Renovierungs- und Modernisie­rungsarbeiten eröffnet die Dresdner Bank hier am 29. September 1980 ihre Filiale Burgdorf.

20 Jahre später - im März 2000 - schließt die Bank ihre Niederlassung in Burgdorf. Den vorge­gebenen Mindestumsatz konnte sie nicht errei­chen. Das Gebäude steht mehrere Jahre leer. Die Dresdner Bank verkauft es 2004 an den Burgdor­fer Rechtsanwalt Bernhard von Boehn. Nach aufwändiger Renovierung kann er dort Ende des Jahres sein Anwaltsbüro eröffnen. Im Erdgeschoss hat die Hannoversche Volksbank Büro­räume für ihre Versicherung VR-Assekuranz gemietet.

Seit 1987 ist das Haus in das Verzeichnis der Kul­turdenkmale - Baudenkmale - eingetra­gen.

Text mit freundlicher Genehmigung von Heinz Neumann (Burgdorfer Stadtchronisten)