1. Der Gründungsgedanke

veröffentlicht um 28.02.2013, 08:56 von RBE Berlin   [ aktualisiert: 01.03.2013, 01:13 ]

Ring Berliner Einzelpaddler e.V.

- Der Anfang -

Vor vierzig Jahren (ca. 1958, Anm. d. Redaktion) war die „Landesgruppe Berlin des Deutschen Kanuverbandes", die Dachorganisation der Berliner Kanuvereine, überwiegend rennsportorientiert. Der Wandersport, weil nicht medaillenträchtig, wenig publikumswirksam und damit ohne Einfluss auf öffentliche Fördermittel, trat gegenüber dem Rennsport mehr oder weniger in den Hintergrund. Wildwasser war zur damaligen Zeit fast ein Fremdwort in der Landesgruppe. Die Landesgruppe bot schon damals auch nicht-vereinszugehörigen Kanusportlern die Möglichkeit der so genannten Einzelmitgliedschaft.

Diese Einzelmitglieder, ausnahmslos Wanderfahrer, waren gewissermaßen die Parias der Landesgruppe. Sie hatten, verglichen mit vereinsgebundenen Kanusportlern, die vom Verein zudem noch ein Bootshaus mit Bootsständen zur Verfügung gestellt bekamen, einen deftigen Beitrag an die Landesgruppe zu zahlen und einen schon immer recht teuren privaten Bootsstand (oder auch mehrere) zu mieten. Die Einzelmitglieder waren darüber hinaus zum kostenpflichtigen Bezug des DKV-Organs „Der Kanusport" verpflichtet und sie waren in den Organen der Landesgruppe nur unzureichend vertreten und nur eingeschränkt stimmberechtigt.

Es war ihnen auch verwehrt, sich an dem Wanderfahrer-Wettbewerb um das „Blaue Band der Landesgruppe Berlin" zu beteiligen. Dieser begehrte, massiv silberne Wanderpreis in Form einer ikonenartigen Schatulle, der von dem namhaften, dem Kanusport verschriebenen Maler und Bildhauer Arthur Nikolaus gestaltet war, wurde 1954 von der Landesgruppe ausgeschrieben. Der Preis sollte den Kanuwandersport in seiner Breitenwirkung fördern und wurde jährlich von demjenigen Verein gewonnen, der im betreffenden Fahrtenjahr, auf die Gesamtzahl seiner aktiven Mitglieder bezogen, im Durchschnitt die beste Kilometerleistung erbrachte. Die Mitglieder dieses Vereins waren berechtigt, im folgenden Fahrtenjahr den Wimpel des „Blauen Bandes" an ihren Booten zu führen. Nach einer Laufzeit von 10 Jahren sollte der Preis dem Verein, der ihn in dieser Zeit am häufigsten gewonnen hat, zur dauernden Aufbewahrung übergeben werden. Die Durchschnittskilometerleistungen, mit denen der Preis in den ersten fünf Jahren seiner Laufzeit gewonnen wurde, schwankte etwa zwischen 600 und 800 km.

Da gab es nun eine Rotte aufsässiger Einzelpaddler und auch einige befreundete „wilde" (d. h. nicht organisierte) Paddler, die zwar begeisterte Kanuwandersportler waren, jedoch einen immensen Horror vor den üblichen „Kaffeetrinker-Vereinen" hatten und sich auch der Fron der Einzelmitgliedschaft in der Landesgruppe nicht unterwerfen wollten. Diese zum großen Teil auch wildwasserbegeisterte Truppe schmiedete im Sommer 1958 ein Komplott mit den folgenden Gedanken:

Es steht ja nirgendwo geschrieben, dass ein Kanuverein über ein Bootshaus verfügen müsse. Also könnte man auch ohne ein gemeinsames Bootshaus pro forma einen Verein gründen und in der Landesgruppe als ein solcher mit allen Rechten und Pflichten auftreten. Die für die Eintragung in das Vereinsregister zwingend erforderliche Satzung sollte dabei so abgefasst werden, dass ein Abgleiten auf die „Kaffeetrinker-Ebene" sicher verhindert wird. Ein solcher „Verein der Vereinslosen" könnte den Beitrag der bisherigen Einzelmitglieder auf den Betrag senken, der für Vereinsmitglieder an die Landesgruppe zu entrichten war zuzüglich eines Mindestmaßes an Betriebskosten für den „Verein". Der „Verein" könnte durch seine Repräsentanten seine Mitglieder in den Gremien der Landesgruppe angemessen vertreten, dort den Wander- und Wildwassersport mit Nachdruck mehr in den Vordergrund rücken, und er könnte auch am Wettbewerb um das „Blaue Band" teilnehmen. Wenn jeder der Verschwörer nur so wie bisher weiterpaddelte, müsste der Gewinn dieses Preises eigentlich nebenher abfallen. Im Übrigen könnten sich die Mitglieder wie gewohnt in guter Freundschaft ungezwungen dem geliebten Kanusport hingeben, ohne durch den üblichen Vereinsrummel beeinträchtigt zu werden.

Gedacht, besprochen, getan: Am 16. Januar 1959 wurde auf der Gründungsversammlung dieSatzung des „Ring Berliner Einzelpaddler" beschlossen, die nur aktive Mitglieder zulässt und für jedes Mitglied den Besitz eines Bootes voraussetzt.

Viele Funktionäre der Landesgruppe und auch der traditionellen Vereine werteten die sportlichen Leistungen des "Ringes" als ein Strohfeuer der ersten Begeisterung und prophezeiten dem „Ring" eine Lebenserwartung von maximal 10 bis 15 Jahren.

 

Klaus Wandelburg                                                                                                   Berlin, im Oktober 1998

(gekürzte Wiedergabe des Textes)