Vereinsgeschichte


5. Das Blaue Band

veröffentlicht um 28.02.2013, 09:32 von RBE Berlin   [ aktualisiert: 28.02.2013, 09:38 ]

Natürlich wollte der Ring eine Elite unter den Wanderfahrern repräsentieren, und so wurden die Erfolge und Ehrungen allen Mitgliedern zum Ansporn regelmäßig mitgeteilt. Der Erwerb des Bronzenen Wanderfahrerabzeichens war obligatorisch im ersten Jahr der Mitgliedschaft. Von den gemeinsamen Wettbewerben ging eine ungemein starke integrierende Kraft aus.

In einem ersten Rundschreiben hieß es:

Bitte führen Sie Ihre Fahrtenbücher sorgfältig. Belegstempel sind besser als Unterschriften. Wir haben zum Blauen Band gemeldet, und eine Reihe unserer Kameraden kämpft nun doch um diese wertvolle Trophäe schon seit dem 1. März.

Das Blaue Band ist der Große Wanderpreis für den besten Jahresdurchschnitt an Fahrtenkilometern, 1933 vom Deutschen Kanu-Verband, Gau Berlin, gestiftet und erneuert am 30.10.1954 von der Landesgruppe Berlin.

Dieser Gemeinschaftswettbewerb wurde für den jungen Ring ein großer Erfolg: Noch in seinem Gründungsjahr errang er das

Blaue Band

mit 1849,6 km


Der herrliche von Arthur Nikolaus gestaltete Pokal wurde nun das gemeinsame Ziel der nächsten Jahre. Bis 1963 in ununterbrochener Reihenfolge - fünf mal nacheinander - errang der Ring diese Auszeichnung.

Bisherige und nachfolgende Gewinner des Blauen Bandes:

1934

Kanu-Sport-Vereinigung Spandau

 

1934-35

Kanu-Sport-Vereinigung „Havelbrüder'

 

1936-38

Vereinigung Märkischer Wanderpaddler

 

1939-43

Kanuverein „Falke"

 

1950-53

Vereinigung Märkischer Wanderpaddler

 

 

 

Jahresdurchschnitt

 

1954

Vereinigung Märkischer Wanderpaddler

609,27 km

1955

Wassersport-Club Kurmark

810,26 km

1956

Paddel-Club „Wiking"

890,4 km

1957

Paddel-Club „Gut Naß"

1226,4 km

1958

Paddel-Club „Wiking"

1021,3 km

1959

Ring Berliner Einzelpaddler

1849,6 km

1960

Ring Berliner Einzelpaddler

1198 km

1961

Ring Berliner Einzelpaddler

1063,5 km

1962

Ring Berliner Einzelpaddler

1085,9 km

1963

Ring Berliner Einzelpaddler

901 km


Der Pokal war als Wanderpreis mit einer Laufzeit von 10 Jahren gestiftet worden und sollte
danach demjenigen Verein zur dauernden Aufbewahrung übergeben werden, der ihn innerhalb dieser 10 Jahre am häufigsten errungen hatte. Der RBE sah sich bereits als Besitzer dieser Trophäe, als der Landesverband nach Ablauf der vorgesehenen 10 Jahre aus welchen Gründen auch immer beschloß, daraus einen Dauerwettbewerb zu machen und auch die Wettbewerbsbedingungen änderte:

Gingen bisher alle Fahrtenleistungen über 150 km/Jahr in das Mittel ein, so sollten es zukünftig nur die von 10 % der Mitglieder, aber mindestens die von 7 Mitgliedern sein.

Die Vorteile des kleinen jungen Vereins waren nicht nur verloren sondern wurden ihm nun zum Nachteil. Der Ring nahm an diesem Wettbewerb nie wieder teil.



Quelle: Almanach 40 Jahre RBE Berlin, Auszug aus der Jubiläumsansprache 1989 von Dr. Rüdiger Uttech

4. Erste Aktivitäten

veröffentlicht um 28.02.2013, 09:17 von RBE Berlin   [ aktualisiert: 28.02.2013, 09:42 ]

Noch im Gründungsjahr - am 06. September - veranstaltete der Ring einen als „Behelfs-Slalom" ausgeschriebenen inoffiziellen Geschicklichkeitswettbewerb an der Dalbenreihe der Anlegestelle der ehemaligen Fähre nach Sakrow.

Die Veranstaltung war für Einer-Faltboote ohne Steuer gedacht und
- da es noch an Erfahrungen bei einigen Kameraden fehlte - gab es im Rundschreiben Empfehlungen:

Der Einbau von Beckenstützen in iedes Boot wird grundsätzlich empfohlen - auch zum Geradeausfahren!

2 Holzbrettchen, 2 Schräubchen in den Waschbord außen, 2 Schnurschlaufen, um die Holzbrettchen einzuhängen,

und eine Schnurverbindung beider Brettchen unter dem Trittboden hindurch bewirken Wunder.

Damals dominierten auf der Havel noch Zweier-Faltboote, und „Einer" galten als besonders sportlich. So verkündet das gleiche Rundschreiben - nicht ohne Stolz - dass 9 Kameraden sich neue Einerfaltboote zugelegt hätten.

Der „Behelfs-Slalom" wurde ein großer Erfolg. Drei weitere Vereine nahmen teil: „PC Wiking", „KC Nord West" und „Albatros". Der 1. Vorsitzende der Landesgruppe, Herr Matthes, beehrte durch seine Anwesenheit die Veranstaltung. Lob und Anerkennung blieben nicht aus. Der Ring richtete später diesen „Behelfs-Slalom" noch mehrmals mit großem Erfolg aus.



Quelle: Almanach 40 Jahre RBE Berlin, Auszug aus der Jubiläumsansprache 1989 von Dr. Rüdiger Uttech

3. Besonderheit

veröffentlicht um 28.02.2013, 09:10 von RBE Berlin   [ aktualisiert: 01.03.2013, 01:18 ]

Herausragende Besonderheit unseres Vereins ist der Verzicht auf ein eigenes Bootshaus. Uns hält nichts am Aufbewahrungsort unserer Boote, stattdessen eint uns das Motto:

Unser Bootshaus ist der offene Himmel
und die Weite der Landschaft

Damit fehlte uns zwar ein Punkt zwangsläufiger Begegnungen mit all seinen großen Vorteilen, aber auch Nachteilen - den Pflichten und Finanznöten. Wir konnten unsere Beiträge niedrig halten. Sie brauchten die Abgaben an den Verband kaum zu übersteigen.

Trotzdem gab es im Ring auch Gemeinbesitz:

die Vereinsbibliothek, bestehend aus Flussführern, Gewässerkarten, Kanuliteratur
das Flussarchiv, das unter Dr. Albert aufgebaut wurde, enthält auch Flussbeschreibungen von Ringmitgliedern
ein Vereins-Einerfaltboot, vom Ring beschafft und versichert, für folgende Zwecke

- als Ersatz bei Verlust des eigenen Bootes
- für Gäste

- für RBE-Anwärter zum Ausprobieren

Leihgebühr: 1 DM / Tag

Für das Vereinsboot wurde bereits ein Jahr nach der Vereinsgründung eine Benutzungsordnung verabschiedet. Das mag die Aktivitäten, aber auch die damit eng verbundenen Nöte in der Faltbootfahrerzeit verdeutlichen.


Quelle: Almanach 40 Jahre RBE Berlin, Auszug aus der Jubiläumsansprache 1989 von Dr. Rüdiger Uttech

2. Die Gründung

veröffentlicht um 28.02.2013, 09:02 von RBE Berlin   [ aktualisiert: 01.03.2013, 01:14 ]

Die Haupt- und Gründungsversammlung des Ringes Berliner
Einzelpaddler e. V. (E.P.Berlin)

fand am Freitag, den 16. Januar 1959 um 20.00 Uhr im „Haus des Sportes" statt.

Tagesordnung:

1. Protokoll

2. Anmeldung

3. Flagge und Satzung

4. Aufnahmebedingungen

5. Termin Nachtfahrt und Wertungsfahrt etc.

6. Wie führe ich ein Fahrtenbuch?

7. Wahl des Vorstandes

8. Wahl des Ehrengerichtes

9. Wahl eines oder mehrerer Kassenprüfer

10. Anträge

 

Es lud Herr Harer Noesselt ein.

 

Die Versammlung wählte folgenden Vorstand:

 

1. Vorsitzender                                                                             Dr. Wolfgang Albert

2. Vorsitzender gleichzeitig auch Wander- und Sportwart        Dietrich Seifert

Schriftführerin                                                                                    Margot Kranz

 

Ehrengericht

Georg-Walter Sommer, Artur Quandt, Hans Will, Peter Peböck

 

Mitglieder

 

Edeltraut und Klaus Bergemann

Wolfgang Franke

Kurt Friese

Werner Mosebach

Harer Noesselt

Eva Polsfuss

Armin, Karl-Heinz und Traute Puschmann

Ite Quandt

Horst Rönspies

Hildegard Rückbrodt

Erika Schindel

Friedrich Tiburtius

Klaus Wandelburg

Günter Wiezorek

Erna Will

Ingeborg Wussow

 

Quelle: Almanach 40 Jahre RBE Berlin

1. Der Gründungsgedanke

veröffentlicht um 28.02.2013, 08:56 von RBE Berlin   [ aktualisiert: 01.03.2013, 01:13 ]

Ring Berliner Einzelpaddler e.V.

- Der Anfang -

Vor vierzig Jahren (ca. 1958, Anm. d. Redaktion) war die „Landesgruppe Berlin des Deutschen Kanuverbandes", die Dachorganisation der Berliner Kanuvereine, überwiegend rennsportorientiert. Der Wandersport, weil nicht medaillenträchtig, wenig publikumswirksam und damit ohne Einfluss auf öffentliche Fördermittel, trat gegenüber dem Rennsport mehr oder weniger in den Hintergrund. Wildwasser war zur damaligen Zeit fast ein Fremdwort in der Landesgruppe. Die Landesgruppe bot schon damals auch nicht-vereinszugehörigen Kanusportlern die Möglichkeit der so genannten Einzelmitgliedschaft.

Diese Einzelmitglieder, ausnahmslos Wanderfahrer, waren gewissermaßen die Parias der Landesgruppe. Sie hatten, verglichen mit vereinsgebundenen Kanusportlern, die vom Verein zudem noch ein Bootshaus mit Bootsständen zur Verfügung gestellt bekamen, einen deftigen Beitrag an die Landesgruppe zu zahlen und einen schon immer recht teuren privaten Bootsstand (oder auch mehrere) zu mieten. Die Einzelmitglieder waren darüber hinaus zum kostenpflichtigen Bezug des DKV-Organs „Der Kanusport" verpflichtet und sie waren in den Organen der Landesgruppe nur unzureichend vertreten und nur eingeschränkt stimmberechtigt.

Es war ihnen auch verwehrt, sich an dem Wanderfahrer-Wettbewerb um das „Blaue Band der Landesgruppe Berlin" zu beteiligen. Dieser begehrte, massiv silberne Wanderpreis in Form einer ikonenartigen Schatulle, der von dem namhaften, dem Kanusport verschriebenen Maler und Bildhauer Arthur Nikolaus gestaltet war, wurde 1954 von der Landesgruppe ausgeschrieben. Der Preis sollte den Kanuwandersport in seiner Breitenwirkung fördern und wurde jährlich von demjenigen Verein gewonnen, der im betreffenden Fahrtenjahr, auf die Gesamtzahl seiner aktiven Mitglieder bezogen, im Durchschnitt die beste Kilometerleistung erbrachte. Die Mitglieder dieses Vereins waren berechtigt, im folgenden Fahrtenjahr den Wimpel des „Blauen Bandes" an ihren Booten zu führen. Nach einer Laufzeit von 10 Jahren sollte der Preis dem Verein, der ihn in dieser Zeit am häufigsten gewonnen hat, zur dauernden Aufbewahrung übergeben werden. Die Durchschnittskilometerleistungen, mit denen der Preis in den ersten fünf Jahren seiner Laufzeit gewonnen wurde, schwankte etwa zwischen 600 und 800 km.

Da gab es nun eine Rotte aufsässiger Einzelpaddler und auch einige befreundete „wilde" (d. h. nicht organisierte) Paddler, die zwar begeisterte Kanuwandersportler waren, jedoch einen immensen Horror vor den üblichen „Kaffeetrinker-Vereinen" hatten und sich auch der Fron der Einzelmitgliedschaft in der Landesgruppe nicht unterwerfen wollten. Diese zum großen Teil auch wildwasserbegeisterte Truppe schmiedete im Sommer 1958 ein Komplott mit den folgenden Gedanken:

Es steht ja nirgendwo geschrieben, dass ein Kanuverein über ein Bootshaus verfügen müsse. Also könnte man auch ohne ein gemeinsames Bootshaus pro forma einen Verein gründen und in der Landesgruppe als ein solcher mit allen Rechten und Pflichten auftreten. Die für die Eintragung in das Vereinsregister zwingend erforderliche Satzung sollte dabei so abgefasst werden, dass ein Abgleiten auf die „Kaffeetrinker-Ebene" sicher verhindert wird. Ein solcher „Verein der Vereinslosen" könnte den Beitrag der bisherigen Einzelmitglieder auf den Betrag senken, der für Vereinsmitglieder an die Landesgruppe zu entrichten war zuzüglich eines Mindestmaßes an Betriebskosten für den „Verein". Der „Verein" könnte durch seine Repräsentanten seine Mitglieder in den Gremien der Landesgruppe angemessen vertreten, dort den Wander- und Wildwassersport mit Nachdruck mehr in den Vordergrund rücken, und er könnte auch am Wettbewerb um das „Blaue Band" teilnehmen. Wenn jeder der Verschwörer nur so wie bisher weiterpaddelte, müsste der Gewinn dieses Preises eigentlich nebenher abfallen. Im Übrigen könnten sich die Mitglieder wie gewohnt in guter Freundschaft ungezwungen dem geliebten Kanusport hingeben, ohne durch den üblichen Vereinsrummel beeinträchtigt zu werden.

Gedacht, besprochen, getan: Am 16. Januar 1959 wurde auf der Gründungsversammlung dieSatzung des „Ring Berliner Einzelpaddler" beschlossen, die nur aktive Mitglieder zulässt und für jedes Mitglied den Besitz eines Bootes voraussetzt.

Viele Funktionäre der Landesgruppe und auch der traditionellen Vereine werteten die sportlichen Leistungen des "Ringes" als ein Strohfeuer der ersten Begeisterung und prophezeiten dem „Ring" eine Lebenserwartung von maximal 10 bis 15 Jahren.

 

Klaus Wandelburg                                                                                                   Berlin, im Oktober 1998

(gekürzte Wiedergabe des Textes)

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