5.4 NBL-Methode nach SONNEMANN

Eine echte Alternative stellt die Entwicklung einer Punktewertung dar, die sämtliche Leistungs- und Altersklassen, egal ob Mehrkämpfer oder Spezialist, fair bewerten kann. Diesen Versuch unternahm Sonnemann im Jahr 2010, indem er seine „neue Bewertungsmethode in der Leichtathletik“ (NBL-Methode) vorstellte. In diesem Werk garantiert er für sämtliche Disziplinen eine Punkt-Leistungsäquivalenz für die Athleten, sodass auch beispielsweise gute Mehrkampfleistungen in den Wurfdisziplinen im Schnitt höher bewertet werden, als bisher (siehe 3.2.2). Der 1985er-Punktewertung stellt er ein schlechtes Zeugnis aus, weil diese unter anderem Leistungssteigerungen im mittelmäßigen Leistungsbereich höher belohnt, als im höheren Leistungsbereich und begründet damit die sehr geringe Anzahl an Spezialisten, die sich auch an einem Mehrkampf versuchen. Aufbauend auf einer Grundformel werden drei zusätzliche Variablen a, b und c eingeführt, die in den jeweiligen Disziplinen so angepasst werden, dass keine störenden Über- oder Unterbewertungen von Leistungen mehr auftreten[1]. Beispielsweise ist beim Speerwerfen der Bereich oberhalb der 70m überbewertet, da eine Leistung von 93m bisher so wertvoll sein soll wie eine Zeit von 9,42s über 100m. Im Bereich unter 70m ist eine Unterbewertung der Fall, weil 53m beim Speerwerfen im Zehnkampf nicht auf einem Level mit 12,09s über 100m anzusiedeln sind. Allein diese Schwäche in der 1985er-Wertung kostete Maurice Smith bei den Weltmeisterschaften 2007 in Osaka knapp den Sieg. Beim Speerwerfen verlor er 265 Punkte (nach neuer NBL-Methode nur 219 Punkte) auf den späteren Sieger Roman Šebrle, der ansonsten nur in einer anderen Disziplin Smith klar übertrumpfen konnte[2]. Nach der Anwendung dieses Prinzips auf alle internationalen Zehnkampfmeisterschaften seit 1985 stellte Sonnemann fest, dass bei jedem dritten Wettkampf die Reihenfolge der ersten drei Plätze und bei 90% der Wettkämpfe die Reihenfolge der ersten zehn Plätze vom tatsächlichen Ergebnis abweichen würden[3]. Weil in diesem Werk sehr plausibel die Schwächen der derzeit gültigen Wertung zunächst theoretisch und später auch praktisch nachgewiesen werden, ist die zwar aufwändige aber mögliche Durchsetzung dieses Systems ausdrücklich zu begrüßen. Weil sich auch hier sowohl die Weltrekordleistungen (ca. 1250 Punkte) als auch die besten Zehnkampfleistungen (ca. 850 Punkte pro Disziplin) ungefähr auf einem Niveau mit der alten Punktewertung befinden, ließe sich erneut die Rieger-Punktewertung anwenden, wobei die Konstanten aus 4.3.3 direkt übernommen werden könnten. Zusätzliche Untersuchungen sind nicht erforderlich, weil sich Sonnemann ebenfalls auf den Zehnkampf der Männer beschränkt.


[1] vgl. [40], Sonnemann (2010), Kapitel D.3

[2] vgl. [40], Sonnemann (2010), Kapitel N.2, Beispiel 1

[3] vgl. [40], Sonnemann (2010), Kapitel N

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