4.2.5 Weitere Beeinflussungen mit zu geringem Ausmaß

Selbstverständlich ließen sich noch weitere Einflüsse diskutieren. Die vier genannten sind allerdings die natürlichen Hauptfaktoren, die messbare Beeinträchtigungen zur Folge haben. Im Folgenden sind nun weitere Gründe aufgelistet, die die Leistung schmälern könnten. In diesem Satz wurde bewusst der Konjunktiv verwendet, weil eine Berechnung dieser Einflüsse im Vergleich zu den bisher genannten völlig unverhältnismäßig wäre. Daher tauchen sie in der späteren Standardisierung nicht auf.

Ø  Qualität der Wettkampfstätte

Unebenheiten, Löcher, Abnutzungserscheinungen und Härte der Laufbahn können die Leistungen hemmen. Ebenso sind marode Diskus-, Hoch- oder Stabhochsprunganlagen nicht nur leistungsmindernd, sondern auch gefährlich. Einen zusätzlichen Berechnungsindex zum Zustand einer Wettkampfstätte zu definieren, ist allerdings viel zu aufwändig. Der Autor muss davon ausgehen, dass nennenswerte Zehnkämpfe auf einwandfreien Wettkampfanlagen stattfinden.

Ø  Fallbeschleunigung an verschiedenen Wettkampforten

Da die Erde an den Polen aufgrund der seit Milliarden von Jahren wirkenden Zentrifugalkraft durch die Erdrotation am Äquator leicht abgeflacht ist, ergibt sich je nach Standort eine andere Fallbeschleunigung. Nach Hammer & Hammer (2002) ist diese auf 9,80665m/s² normiert[1]. Am Äquator wirken dagegen tatsächlich Lindau (2006)[2] zufolge nur 9,7802m/s² und an den Polen dafür 9,8329m/s². Dass dort aber vor einer ausgiebigen Klimaerwärmung Wettkämpfe stattfinden, ist äußerst unwahrscheinlich. Dies kann jedoch beispielsweise im isländischen Reykjavík, der nördlichsten Hauptstadt der Welt, der Fall sein. Dort beträgt die Fallbeschleunigung immer noch 9,8224m/s² und ist damit 0,4% höher, als am Äquator[3]. Ein durchschnittlicher Zehnkämpfer, der am Äquator 90kg wiegt, würde in Reykjavík 90,36kg wiegen. Dies stellt einen so geringen Unterschied dar, dass er getrost vernachlässigt werden kann, zumal hochkarätige Zehnkämpfe so gut wie nie in derartigen Regionen ausgetragen werden.

Ø  Corioliskraft

Die Corioliskraft beschreibt den physikalischen Effekt, dass alle Körper, die sich auf einem rotierenden Bezugssystem (in diesem Fall die Erde) bewegen, eine Ablenkung erfahren. Sie ist dafür verantwortlich, dass sich z.B. Tiefdruckgebiete auf der Nordhalbkugel immer gegen den Uhrzeigersinn drehen, während sie auf der Südhalbkugel die andere Richtung einschlagen. Der altbekannte Versuch mit einem foucaultschen Pendel basiert auf der Corioliskraft. Das Pendel behält dabei seine zu Beginn erlangte Schwingungsebene stur bei, aber die Erde dreht sich darunter weg. Auch die Rotationsrichtung des Strudels beim Auslassen des Badewannenwassers kann eine Folge dieser natürlichen Kraft sein. Unabhängig von der Bewegungsrichtung des Athleten lenkt ihn die Corioliskraft nach Persson[4] auf der Nordhalbkugel nach rechts ab und auf der Südhalbkugel nach links ab (siehe Abbildung 26). Auf der Stadionrunde hätte man also nur auf der Südhalbkugel einen minimalen Vorteil. Am Äquator ist die horizontale Komponente dieser Kraft deshalb null und an den Polen maximal. Smolinsky (1998) zufolge ist die Corioliskraft bei einem 10m/s schnellen, 80kg schweren Sprinter selbst in Reykjavík mit etwa 0,1N aber extrem gering[5] und deren Einfluss kann somit verworfen werden.

Abbildung 26: Ablenkung durch die Corioliskraft bei horizontaler Bewegung[6].

Ø  Sonneneinstrahlung

Die Sonne wirkt sich in zwei Fällen störend aus. Zum einen wird der Körper durch längere Sonneneinstrahlung erwärmt und die gefühlte Temperatur steigt durch die reine Wärmestrahlung stark an. Wenn sich der Aufenthalt der Athleten in der Sonne allerdings lediglich auf die Dauer der jeweiligen Zehnkampfdisziplinen beschränkt, so ist kaum eine Beeinträchtigung zu erwarten. Lediglich beim 1500m Lauf könnte erhöhte Sonneneinstrahlung den Athleten zusätzlich belasten. Allerdings hängt die Wärmestrahlung der Sonne von der Jahreszeit, der Tageszeit, der Luftfeuchtigkeit und dem Untergrund ab. Ein weiterer Korrekturterm für die Sonneneinstrahlung ist somit viel zu kompliziert. Der Autor geht davon aus, dass sich die Athleten so gut wie möglich vor der Sonne schützen. Dies ist nicht mit viel Aufwand verbunden, da selbst bei regionalen Meisterschaften in der Regel bei sämtlichen Sprints und technischen Disziplinen Pavillons aufgebaut sind. Eine zweite Beeinträchtigung durch die Sonne stellt ihre Helligkeit dar. Insbesondere am Abend des ersten Wettkampftages, wenn beispielsweise der Hochsprung länger dauert als geplant, stört sie die Sicht eines Zehnkämpfers, wenn sie knapp über dem Horizont steht. Dies kann sich negativ auf seinen Anlauf und damit auf seine Leistung auswirken. Eine Diskussion darüber wäre allerdings auch in diesem Fall völlig spekulativ, daher wird in der späteren Standardisierung für die Sonneneinstrahlung bei den technischen Disziplinen kein weiterer Korrekturterm definiert.


[1] [18], Hammer & Hammer (2002), S.80

[2] [30], Lindau (2006), Eingabe von 0° und 90° nördlicher Breite

[3] [30], Lindau (2006), Eingabe von 64° 9′ N, 21° 56′ W

[4] [32], Persson, S.12

[5] [39], Smolinsky (1998), S.2

[6] [32], Persson, S.17

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