4.2.4 Höhe über dem Meeresspiegel

Auch die Höhe der Wettkampfstätte über dem Meeresspiegel kann die Leistung eines Athleten beeinträchtigen. Der mit zunehmender Höhe immer niedrigere Luftdruck kommt dadurch zustande, dass sich immer weniger Luftmasse darüber befindet. Dies kommt den anaeroben Belastungen insofern zu Gute, dass weniger Luftwiderstand überwunden werden muss. Verlangt die Disziplin aerobe Ausdauer, so ist der Athlet durch die geringere Sauerstoffmasse pro Volumeneinheit Luft Weineck (2010) zufolge gegenüber einem Wettkampf auf Meereshöhe benachteiligt[1]. Diesen Sachverhalt mussten die Athleten bei den olympischen Spielen im Jahr 1968 in Mexico-City am eigenen Leib erfahren. Die auf 2240m gelegene Wettkampfstätte erlaubte den Männern, wie in Tabelle 8 zu sehen, eine ganze Reihe von Weltrekorden, allerdings nur bei den schnellkräftigen Disziplinen, die unmittelbar mit der Maximalgeschwindigkeit im Zusammenhang stehen. Ab der 800m Distanz wurde die prozentuale Abweichung der Siegerzeit zum Weltrekord kontinuierlich zu Ungunsten der Olympioniken größer. Die dünnere Luft hatte, wie nach den Erklärungen in 4.2.1.3 zu erwarten war, auch negative Auswirkungen auf den Diskuswurf.

Tabelle 8: Abweichung der Leistungen der männlichen Olympiasieger vom entsprechenden Weltrekord bei den olympischen Spielen 1968 in Mexiko-City (2240m ü. NN)[2].

 

Selbstverständlich mag es sich bei Mexico-City um einen seltenen Austragungsort für Leichtathletikmeisterschaften handeln. Mit der Diskussion dieses Einflusses soll allerdings gewährleistet werden, dass Zehnkämpfe nach der neuen Rieger-Punktewertung an sämtlichen Orten der Welt zu möglichst vergleichbaren Ergebnissen führen. Somit ließe sich beispielsweise auch ein Zehnkampf im 3637m hoch gelegenen Stadion „Estadio Hernando Siles“ in der bolivianischen Großstadt La Paz[3] mit weitgehend fairen Ergebnissen realisieren. Der internationale Leichtathletikverband bewältigt dieses Problem momentan wieder relativ hilflos, indem erneut eine Obergrenze von 1000m über dem Meeresspiegel festgelegt wurde, ab der neben der erzielten Leistung der Buchstabe „A“ auf eine besondere Höhenlage der Wettkampfstätte hinweist. Neben dem 100m Lauf betrifft dies den Weitsprung, den 400m Lauf, den 110m Hürdenlauf, den Stabhochsprung, den Diskuswurf und den Speerwurf[4]. Beim Kugelstoßen und beim Hochsprung sind zwar auch Hinweise auf die Höhenluft vermerkt, die Beeinflussung ist allerdings 4.2.1 zufolge vernachlässigbar.


[1] [46], Weineck (2010), S.1034-1036

[2] [42], Olympics Statistics and History, Unterseiten 1968\Athletics

[3] [16], Google Earth, Koordinaten 16° 29′ 58″ S, 68° 7′ 22″ W

[4] vgl. [20], IAAF Top Lists