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Asphalt, Sex & Abenteuer


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Jetzt führte sie der Weg an Wattens, den Kristallwelten und Innsbruck vorbei. Wobei nicht viel von allem zu sehen war, denn Petrus hatte es wieder vorgezogen, die Landschaft mit dichten Regenwolken zu verhüllen.
Es blitzte, donnerte, goss wie aus Kübeln und bald stand das Wasser mehr als knöcheltief auf der Autobahn. Selbst die 198 Meter lange und 190 Meter hohe Europabrücke über das Wipptal, war nur zu erahnen und Maja setzte ihr ganzes Vertrauen in die Künste des Fahrers, der das schwere Gefährt wie ein eigenes Körperteil beherrschte.
Eine seltsame Ruhe hatte sich ihrer bemächtigt, als betrachte sie das Inferno als Unbeteiligte. Daten, die sie längst vergessen glaubte, kreisten in ihren Gedanken. So auch jene, über die Brücke, die damals, als man sie baute, die höchste in ganz Europa gewesen war. Heute ist das imposante Bauwerk zwar lange von anderen überflügelt, aber immer noch die höchste Brücke Österreichs.
Vorbei an den Abzweigungen zum Stubaital erklomm der Bus den Brennerpass, wo die finsteren Wolken wie angenietet festhingen und weiter ihren Inhalt mit unverminderter Stärke entleerten. Dem typischen Jadegrün des Brennersees schien der Regen allerdings nichts anhaben zu können.
Mit dem Erreichen der zu Italien gehörenden Autonomen Provinz Bozen / Südtirol, hörte auch der Regen auf, als wolle er sagen: Heh, JETZT kommt das, was du erwartest. Die Sonne lugte sogar wieder hervor. Vorab sei verraten, dass sie sich auch nicht lumpen ließ und während der mehrtägigen Reise hell, heiß und absolut verlässlich schien.
Zum inneren Wärmegefühl gesellte sich die äußere Wärme, was sich überdeutlich in Majas strahlenden Augen widerspiegelte.
Logisch, dass ihr gleich wieder tausend Gedanken durch den Kopf schossen. Welche von der harmlosen Sorte, wie Goethes Reisebeschreibungen von Italien, aber auch das bekannte Wortspiel gen Italien / Genitalien, womit sie ohne Umschweife auf das Wort amore kam.
An diesem Punkt knallten die Gedanken wieder an die unsichtbare Mauer, rutschten daran herab und sammelten sich als trauriges Häufchen am Fuße derselben.
Maja musste wohl so todunglücklich gewirkt haben, dass sie der nette Toilettenmann bei der nächsten Rast als VIP an den anderen vorbei auf die Behindertentoilette lotste und ihr hinterher mit einem verschwörerischen Blinzeln eine Tüte Drops entgegenhielt.
Maja fasste mechanisch nach einem der Bonbons, murmelte „grazie“ und hob erstaunt den Kopf, weil sie zudem noch ein von Herzen kommendes Lächeln erhielt.
Sie lächelte zurück. In der Tür drehte sie sich noch einmal um. „Arrivederci!“
Er blinzelte wieder und rief: „Sarei felice“, wenn sie es recht verstanden hatte.
Das traurige Gedankenhäufchen zog es vor, sich in einen Blütenteppich zu verwandeln und Maja ließ sich, weil sie gerade an der offenen Tür mit der Bordküche vorbeikam, vom Busfahrer einen Cappuccino zaubern, den er ihr mit einem Schmunzeln überreichte.
Die Reisebegleiterin verdrehte lustig die Augen und erklärte: „Da lässt er einfach keinen anderen ran.“
An mich, sinnierte Maja mit einem vergnügten Grinsen, welches sich auch auf die Blümchen übertrug und Maja veranlasste, ihren Blumenteppichgedanken mitzuteilen, sich in den nächsten Tagen nicht von der Stelle zu rühren, und wenn, dann als Höhenflüge über alle Mauern hinaus, sonst werde sie sie aufs Gröblichste mit Füßen treten. Zudem sah sie in dem zart rosaroten Drops die Inkarnation einer gleichfarbigen Brille, die ihr buchstäblich den Urlaub versüßen musste. Denn anders konnte es gar nicht sein. Basta!
Völlig verschüchtert, wagten die Gedanken nicht einen einzigen Einwand und Maja beförderte den leeren Becher mit gezieltem Wurf in den nächsten Mülleimer, enterte die Treppe und kuschelte sich zufrieden ins Polster des Sitzes.
Auf den nächsten Kilometern war sie dann mit Schauen und Staunen beschäftigt, als habe sie noch nie ein Gebirge von nahem gesehen. Links und rechts des Weges reihten sich geschichtsträchtige Gemäuer aneinander, wie Perlen an einer überaus kostbaren Kette.
Kein Wunder, denn in Südtirol wimmelt es geradezu von Schlössern, alten Ansitzen, Burgen und deren Ruinen. Man sagt, es seien um die 400. Maja wurde das Gefühl nicht los, dass rund um Bozen die meisten Adelsherren ihre Anwesen hatten bauen lassen.
Ob es nur strategische Gesichtspunkte gewesen waren oder auch der Sinn für Schönheit, wollte sie dabei lieber nicht wissen. Sicher war nur, dass sehr viele dieser Kleinode auch besichtigt werden konnten.
Einige schmiegten sich fast versteckt in die Landschaft, während andere keck oder drohend auf schwer zugänglichen Felsvorsprüngen thronten, von wo aus den Spähern auf den Türmen sicher nicht einmal ein einsamer Wanderer entgangen sein dürfte.
Weil sich die Blütenteppichgedanken stark zurückhielten, grübelte Maja in Ruhe nach, wie lange es wohl gedauert haben mochte, zu Pferd oder gar auf Schusters Rappen, in solch schwindelerregende Höhe zu gelangen. Irgendwie mussten ja auch Proviant, Heizmaterial und Werkzeuge jedweder Art dahinauf gebracht werden.
Die Glas- und Betonkreationen der Neuzeit nahm sie fast gar nicht wahr, obwohl die eigentlich nicht zu übersehen gewesen wären. Nun hin und wieder ein Auto, das die steilen Wege am Hang des Gebirges erklomm oder vor einer der uralten Festen parkte.
Maja seufzte diesmal tief und innig. Hätte sie vom Schreiben leben können, dann wäre sie glatt in solch einen Adlerhorst ausgewandert.
Die Burg von Gloria von Thurn & Taxis glitt vorbei, Welfenstein, die Nachahmung einer mittelalterlichen Burg, die im 19. Jahrhundert entstand, und das Ossario di Castel Dante, welches auf den Überresten der mittelalterlichen Burg der Herren von Lizzana errichtet worden, und, wie Maja wusste, den Gefallenen des Ersten Weltkriegs gewidmet war.
Dann rückten Oleandersträucher in ihr Blickfeld und scheuchten mit ihren pastellfarbenen Blüten alle Restgedanken an eine Welt voller Sorgen zu jenen, die sich am Fuße der imaginären Mauer ganz still verhielten.
Zudem ließ die langsam untergehende Sonne die eine Seite des Tales in einem goldroten Farbenrausch explodieren, während sie die andere gleichzeitig in tiefes Schwarz tauchte. Maja genoss das grandiose Schauspiel, als gelte es nur ihr.
Kurz darauf erreichten sie das Städtchen Ala, in den Dolomiten, um im Hotel Viennese, gleich an der Hauptstraße, einzuchecken. Als hätte Horus seine goldenen Schwingen im Spiel, bekam Maja ein Zimmer auf der Rückseite, also mit besonders ruhiger Lage, mit Blick auf einen wundervollen Garten, auf Feigenbäume und das Gebirge, welches noch immer im Abendrot glühte.
Nach einem reichhaltigen Abendessen mit Pasta, die sie über alles liebte, entschloss sie sich, mit Gleichgesinnten einen Bummel durch die schmalen Gassen der näheren Umgebung zu machen, denn schon am nächsten Morgen sollte der Bus die letzte Etappe zum endgültigen Hotel in Andora an der Blumenriviera in Angriff nehmen.
Die riesige Palme, die sie in einem Innenhof erspähte, und hier nicht erwartet hatte, war zwar echt, stand aber ein einem gewaltigen Kübel, was Maja dann doch ein Schmunzeln entlockte. DAS war eben noch nicht DER Süden, aber ein wirklich netter Versuch, sich südliches Flair in den Garten zu holen.
Wo kann man am meisten, in kurzer Zeit, über einen kleinen Ort erfahren, ohne Fragen zu stellen? Auf dem Friedhof desselben! Also nichts wie hin und den alten Grabstätten einen stillen Besuch abstatten. Das abendliche Outfit gab es her, dabei nicht unangenehm aufzufallen.
Noch eine abschließende Runde um uralte Gemäuer, die weiß getüncht, im Mondschein leuchteten und dann auf geradem Weg zurück zum Hotel. Die anschließende Nacht fiel, gefühlt, kürzer aus als der Spaziergang, aber Maja musste ja nicht selber fahren.
Ein wundervoller Sonnenaufgang, der die Felsen in zarte Lilatöne hüllte, ließ den fehlenden Schlaf rasch vergessen sein und Maja fotografierte, bis fast die Linse glühte. Es war unbestritten schön hier.
Weniger spektakulär gestaltete sich die Weiterreise. Die, für das Auge wenig abwechslungsreiche, Poebene, stöhnte unter der Hitze des extrem heißen Sommers. Auch, wenn man glaubt, man sähe hier schon am Mittwoch, wer sonntags zu Besuch kommt, gibt es Orte, an denen es sich durchaus lohnt, einen zweiten Blick zu riskieren.
Allerdings hatte Maja am Ende vier bis fünf Blicke gebraucht, um die wenigen Pfützen im steinigen Flussbett, als Po, zu identifizieren. Vom, mit 652 Kilometern, längsten Fluss Italiens waren hier und da nur vereinzelte schmutzige Wasserlachen zu sehen. Der Po schien im wahrsten Sinne des Wortes im Arsch zu sein, wie Maja mit einem amüsierten Grinsen konstatierte.

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Ein Stück weiter flussaufwärts erreichten sie Isolabona, dessen mittelalterliche Häuser das Flussbett der Nervia einrahmten, von der jetzt nur schmale Rinnsale übrig waren. Wochenlange Temperaturen von 30 Grad Celsius und mehr, hatten das Wasser bis auf kümmerliche Restpfützen verdunsten lassen.
Die Ölmühle lag auf dem anderen Ufer, zu dem eine uralte steinerne Brücke führte. Maja setzte ganz bewusst einen Fuß vor den anderen. Irgendwie schien sie genau in dieses Mittelalter zu gehören. Es war wie nach Hause kommen. Ihre Fingerspitzen glitten sacht über den rauen Stein des Geländers.
Willkommen, flüsterten die Distelgedanken, mit verschwörerischem Unterton. Erinnerst du dich?
Verträumt lächelnd blieb Maja mitten auf der Brücke stehen und ließ die Bilder wirken. Ja, sie erinnerte sich tatsächlich. Zuerst an jene Stimme, mit der die Disteln soeben gesprochen hatten. Fast zugleich aber auch an Hohenfreyberg, die Burg aus dem frühen 14. Jahrhundert, mit der sie ein dunkles Geheimnis aus längst vergessener Zeit untrennbar verband.
Maja seufzte und widmete sich dem Anblick des Flussbettes, welches sie völlig gefangen nahm. Selbst ausgetrocknet hatte die Nervia etwas Malerisch-Majestätisches. Vor lauter Rührung stiegen Maja Tränen in die Augen, die sie verstohlen wegwischte. Dann schritt sie beinahe hieratisch durch die verwinkelten Gässchen über holpriges Pflaster, vorbei an einem Brunnen aus behauenem Stein, hinunter zur Ölmühle.
Die Distelgedanken gaukelten umher wie kleine Schmetterlinge und Maja konnte gar nicht anders, als ihnen, zur eigenen Stimmung passend, die Gestalt der farbenfrohen Tiere zu verleihen.
Ganze Schwärme zartbunter Falter flogen auf und verdeckten alles, was von der imaginären Mauer auch nur zu erahnen sein konnte.
Maja ließ ihnen ihren Spaß. Mochten sie sich inzwischen genau so laben, wie sie es an den vielen Köstlichkeiten auf dem Tisch tat. Der wohlschmeckende weiße und rote Wein stimmte Maja zudem besonders milde, was die umherhuschenden Gedankenschmetterlinge schon vorhergesehen hatten.
In freudiger Erwartung auf Dolceacqua stieg Maja nach fast zwei Stunden wieder in den Bus.
Genau gegenüber der wundervollen Brücke Vecchio di Dolceacqua, die die Nervia unterhalb des Doria-Schlosses überspannt, hielt das Fahrzeug.
Claude Monet hatte 1884 das berühmte Gemälde Die Burg von Dolceacqua geschaffen, das jenen eleganten Brückenbogen im Vordergrund zeigt und den er, wie Maja von der Reiseleiterin noch erfuhr, als Juwel der Leichtigkeit bezeichnete.
Bei diesen letzten Worten, schwebten Majas Schmetterlingsgedanken besonders majestätisch, um zu verdeutlichen, genau solche Juwelen sein zu können, wenn Maja es nur wollte, wobei sie die Richtung zu den Resten des Schlosses einschlugen.
Maja konnte und wollte ihnen gar nicht so schnell folgen, wie sie flogen. Sie spazierte gemütlich zur Brücke hinüber, freute sich, dass hier sogar noch Wasser im Fluss zu sehen war und hin und wieder erstaunlich große Forellen auftauchten, die darin letzte Rettung vom Tod durch Austrocknung gefunden hatten.
Gedankenversunken lehnte sie am Geländer, freute sich über Fische und funkelnde Sonnenreflexe auf dem Wasser, als jemand über ihre Schulter schaute, obwohl die Brücke lang genug gewesen wäre, sich einen anderen Platz zu suchen.
Maja drehte sich unwillig um. Wenn sie eines nicht ausstehen konnte, dann das, wenn man ihr zu dicht auf die Pelle rückte, wenn ringsum alles frei war.
Überrascht stellte sie fest, dass sie völlig allein auf der Brücke und die Gruppe schon ein paar Meter weitergezogen war. Aus einer Eingebung heraus wandte sie sich wieder dem Fluss zu und gewahrte erneut das Gesicht, welches sich rechts schräg hinter ihrem spiegelte.
Durch Windriffel leicht verzerrt, bemerkte sie, dass der Fremde einen Helm auf dem Kopf trug, welcher hell in der Sonne glänzte und die Reflexe im Wasser von diesem stammten.
Da ertönte Pferdegetrappel, das Bild im Fluss verblasste. Maja wirbelte herum. Was ihr vor die Augen kam, war alles andere als ein Ross mit Reiter. Auf einem altersschwachen Moped knatterte ein junger Mann vorüber, dessen Sturzhelm wie poliertes Silber strahlte.
Maja musste lachen und rannte nun endlich der Reisegruppe hinterher, die sich anschickte, in die Gassen der uralten Gemäuer unter der Schlossruine einzutauchen.
Die unwirkliche Welt, der äußerst schmalen überbauten Durchgänge zwischen unglaublich alten Häusern schlug sie sofort in ihren Bann. Auf dem Boden einer Art winzigem Lichthof entdeckte sie die vereinten Wappen der Doria und Grimaldi. In den linken Hälfte der schwarze Adler der Doria und in der rechten die roten und weißen Rhomben der Grimaldi.
Obwohl ihr dieser Fakt bisher nicht bekannt gewesen war, wunderte sie sich nicht, welche Allianzen die Geschichte der Menschheit schon gesehen hatte.
Ein paar Meter weiter hatte sie das 21. Jahrhundert schon fast vergessen, selbst, wenn winzige wundervolle Läden ihren Weg säumten.
An jenem aufsteigenden Pfad, der zur Schlossruine führen sollte, blieb sie lauschend stehen. Ein Geräusch, welches sie nicht erwartet hatte, das aber perfekt in jene Zeit passte, in der die Häuser entstanden waren, erregte ihre Aufmerksamkeit – der Klang von schweren Schritten und das Klappern von Rüstungsteilen eines Plattenharnischs.
Da trat der Geharnischte auch schon aus dem Licht vor den Gemäuern in das düstere Halbdunkel zwischen diesen.
„Ihr kommt spät“, sprach er Maja an.
„Wie?“, hauchte die völlig verdattert. „Ihr verwechselt mich sicher, mein Herr“, fügte sie dann, ebenfalls in der Ehrenform, hinzu, als unterhielte sie sich mit jedem so.
Er nahm den Helm ab. „Mitnichten, meine Teuerste.“
Maja musste sich an der Wand abstützen, so weich wurden ihre Knie mit einemmal. Vor ihr stand, mit einem zu Herzen gehenden Lächeln, der Fremde aus Cannes.
Mit den Worten: „Ich werde Euch sicher ins Schloss geleiten“, bot er ihr seinen Arm an.
Maja ließ sich, ohne zu Zögern, den Weg hinauf führen. Als sie ins Freie traten, blieb der Ritter einen Augenblick stehen, taxierte Majas hautenge Jeans und das Sonnentop.
„Eure Verkleidung steht Euch ausgezeichnet zu Gesicht. War es sehr schwierig, unbemerkt zu mir zu kommen?“
„Ich … ich bin etwas durcheinander“, flüsterte Maja, ihn genau so betrachtend, wie er sie. „Seid nachsichtig, wenn ich Euren Worten nicht recht folgen kann.“
„Dann habt Ihr vergessen, dass ich Euch meine Dienste anbot?“
„N … nein.“ Maja schloss einen Moment die Augen. Sie konnte sich beim besten Willen nicht erinnern, wollte das aber auch keinesfalls zugeben, um ihn nicht vor den Kopf zu stoßen. Sie wusste nicht einmal, mit wem sie es überhaupt zu tun hatte und schon gar nicht, wann sie mit ihm über Dienste irgendwelcher Art gesprochen haben sollte.
Er zog sie an sich. „Ihr müsst Euch nicht erklären. Dass Ihr hier seid, sagt mir doch, dass Ihr es akzeptiert, dass ich im Dienst einer anderen Dame stehe und Euch nur unter vielen Gefahren hierher holen kann. So, wie ich es akzeptiere, dass Euch Euer Gemahl dem Henker übergeben würde, erführe er von unseren Treffen.“
„Treffend ausgedrückt“, seufzte Maja, sich in seine Arme schmiegend. Sie fühlte ganz tief in sich, dass es einfach so sein musste, wie es im Augenblick war. Seine Gegenwart wirkte wohltuend und beruhigend. Zudem schien er, woher auch immer, mehr über sie zu wissen, als sie über ihn.
Der Ritter erwiderte die innige Umarmung, wobei die Haut an Majas nacktem Oberarm zwischen die Platten der Armschienen geriet. Mit einem unterdrückten Stöhnen versuchte sie, ihren Arm in eine andere Position zu bringen.
Beunruhigt ließ er sie los. Ein kurzer Blick auf den, sich sofort abzeichnenden schmalen schwarzblauen, Bluterguss, eine angedeutete und doch sehr ehrerbietige Verbeugung. „Ich hoffe inständig, dass Ihr mir verzeihen könnt. Es lag mir fern, Euch zu verletzen.“
„Es ist meine Schuld“, versuchte Maja zu erklären. „Ich hätte damit rechnen müssen, so kriegstauglich, wie Ihr gerüstet seid.“
Er zog seinen Kettenhandschuh aus, um sie unbeschadet weiterführen zu können. Hinter der nächsten Wegbiegung öffnete sich der Blick auf das imposante Schloss. Zwei Wachen standen vor dem Portal, Maja genauso interessiert musternd, wie wenige Minuten vorher der Ritter, dessen Namen sie noch immer nicht kannte.
Er zog die schwere Tür auf. Knappen eilten herbei, um ihrem Herrn noch in der Halle Waffen und Rüstung abzunehmen.
„Wollt Ihr denn Euern Dolch nicht behalten?“, fragte einer der beiden, als der Ritter keine Anstalten machte, sich die Lederscheide wieder umzuschnallen.
Ein Entschiedenes: „Nein, mir droht keine Gefahr“, war die Antwort, dann dirigierte er Maja zu einer Wendeltreppe, welche direkt zu einem Zimmer in einem der beiden eckigen Türme führte. Als sie eingetreten waren verriegelte er sofort die Tür.
Maja schaute sich um. Den größten Teil des Raumes nahm ein Bett ein und ihr wurde schlagartig klar, wie der unerwartete Besuch in der Burg wohl enden werde. Es erschreckte sie keinesfalls, nur konnte sie noch immer nicht nachvollziehen, was mit ihr wirklich geschah.
Woher wusste der Herr der Burg, dass sie heute hier erscheinen werde? Sie war sich ganz sicher, in Cannes nicht darüber gesprochen zu haben. Zudem hätte es jenes Zimmer, sowie das ganze Schloss in ihrer Zeit nur noch als Ruine geben dürfen. Schließlich war es bereits 1746 zerstört und von den Doria als unbewohnbar aufgegeben worden.
Ihr geheimnisvoller Gastgeber zog sie auf seinen Schoss.

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