Greek Statistics at Court

November 2018


Der frühere Leiter des Statistischen Amtes Griechenlands ELSTAT (im Amt seit Mitte 2010 bis zu seinem sofortigen Rücktritt 2015) Andreas Georgiou hat weiter keinen Erfolg vor den griechischen Gerichten.

A. Georgiou

                                                                                                                                                      

Der mittlerweile wieder in die USA zurückgekehrte ehemalige hochrangige Mitarbeiter Internationalen Währungsfonds in der Statistikabteilung des IWF war wegen seiner Expertise von der griechischen Regierung als erster Leiter des neugegründeten ELSTAT berufen worden, nachdem die Zahlen des vorherigen Athener Statistikamtes ESYE international in Verruf gekommen waren, insbesondere bei der EUROSTAT hatte man kein Vertrauen mehr zu den Zahlen der ESYE.

Mit seinem Wechsel nach Griechenland handelte sich der international renommierte Wirtschaftswissenschaftler aber eine Menge Ärger ein, dessen juristisches Nachspiel bis heute andauert.


Andreas Georgiou meldete 2010 auf eigene Initiative und gegen erhebliche Widerstände aus Kreisen der Politik und Mitarbeitern die -massiv nach oben korrigierten- Statistik-Zahlen an die EU-Statistikbehörde EUROSTAT. Damals wurde die griechische Neuverschuldung für 2009 auf 15,4 Prozent festgestellt. Zuvor war das Etatdefizit 2009 mit 3,9 Prozent angegeben worden.

Neben persönlichen Initiativen und Strafanzeigen der bisherigen ESYE-Spitze wegen übler Nachrede wurde die Athener Staatsanwaltschaft auch tätig wegen angeblich übertriebener Zahlen, die in der Folge die internationalen Geldgeber verunsichert und und dem Land einen Schaden von über 170 Milliarden Euro verursacht hätten.


Zwischenzeitlich ist Georgiou in mehreren Prozessen von den Vorwürfen überwiegend freigesprochen worden, in den internationalen Medien gilt er als ehrbarer Experte, jedoch in griechischen Medien und politischen Kreisen eher als Sündenbock: er habe die Finanzlage Griechenlands 2009 / 2010 in Eigenverantwortung dramatisiert und damit der EU geholfen, drakonische Sparmassnahmen zu verhängen.


Der Areopag hatte ihn als Revisionsgericht im Sommer 2018 nicht wegen Zahlendrehereien, sondern wegen Verletzung seiner Amtspflichten letztinstanzlich zu einer zweijährigen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt, wobei auch keine Vorlage an den EuGH erfolgte bezüglich etwaiger europarechtlichen Revisionsgründe.


Im Herbst 2018 hat nun ein Staatsanwalt auf Eingaben früherer Mitarbeiter Georgious erneut einen Antrag zum Kammergericht Athen gestellt wegen Falscher Aussagen im Amt. Es bleibt daher gut möglich, dass Andreas Georgiou bzw. seine Anwaltskanzlei noch länger mit der juristischen Aufarbeitung seiner Tätigkeit für die greek statistics zu tun haben werden.


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