Heiner Hendrix
Heiner Hendrix studiert Politologie, Philosophie und Literaturwissenschaften an der LMU in München. Neben Prosa und Lyrik schreibt er Songtexte für seine Bands L'egojazz, Angela Aux und Futurehausen. Er ist Initiator der Kulturhappenings "Panama Plus" und Creative Consume", Redakteur des Fotomagazins "DER GREIF" und Mitglied der "Schmiede Hallein". 


EinStadtAusStadtEin


Straßenrauschen auf den Wellenfahrten
Felsen blinken, beidseitig. Reklame in der Brandung. 
Enge um die Fahrzeugdämme. Und Ampel schwappt die Menschen quer.

Sonne glitzernd vom Asphalt. Eine Bahn rollt in die Bucht.
Um Kanten spritzt - im Licht - die Gischt aus Staub.
Böschung gegossen in Beton. Und Menschen sickern in Höhlen hinab.

Die Ameisen aus allen Adern, immer im Fluss - darüber eine Uhr.
Dazwischen wurmig stockwerkuntergängig, im Haltetakt der Wind..                                                                                                                               Licht. Aufgang. Darüber Sonne: aber ab. Und trotzdem keine Nacht.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                     

Blick über sich: Vogelgeschrei aus Blech. Zwei Zentimeter vor der Sonne.
Dann dahinter blau – grau der Brückenbauch – und blau.
Und Licht, Aufgang. Oben Sonnenuntergang, nicht Nacht.




der mond stand tief.


das fenster dampf verhangen
heizungsrohre glucksen still
voller raum in grau und
blau

die straßen menschen verschwirrt
läuten den tag richtung nacht
viele blätter kleben am
weg

alle farben leben entzogen
eine runde durchgedreht
wankt im wachtraum
heim




Gang der Gänge


Weltgestell in grau stellt lautblau Weltgestell zur Schau
Inmitten Dritten: Schritt und Blick entglitten
Frauen – oh zum Glücken –
schütten Farben in die Lücken.

Im Wald im Ruh hallt Klang so alt und gut – Gewalt gefällt!
Und Brücken knicken: Tritt auf Tritt ab und Tritten
Multidirektionsplosion entzückt. Entrückt und:
Stück um Klicken – Tick und Stücken.

Gescheh-Geschah-Geschichte im immer gleichleicht seichten Lichte?
Schalten schält und Halten hält der alten Welt das kalte Geld.
Langsam Hände unter über Wände. Dann am Ende
  ist Wahrheit nur Wahrscheinlichkeit.




Zum weißen Engel

 

Die Tür so braun der Boden. Klack die Tür und raus die Wärterin. Rein das Kickzeug. Links oben: die Türen mit dem Glück dahinter. Klack die Tür. Was machen? Arbeiten der Herr, was sonst?

Anfangs war es Spaß. Matura weg ohne Matura haben. Es klingt eben wie Krankheit, drum ist ohne besser doch vielleicht. Die Apotheke: eine Idee. Wer sitzt nicht gern an Quellen. Die Zeit ist laut, man braucht die Dämpfung. Die Welt schwimmt dann vorbei als Nebel in der Nacht. Man lacht noch eher als man zuckt. Und klar: entrückter als die Zeit kann man nicht sein.

Dem weißen Engel passen seine Sachen gut. Ihn macht die Farbe weniger zum Engel, eher der Flug. Wie das verbohrte Ehepärchen seine Schätze schützt. Die Schürzen angehoben über Dielenböden angeschlichen. Was macht der Junge bloß?

Es sind neulich wieder Sachen weggekommen. Das ist früher nicht passiert.
Nicken.
Ähm, der Herr. Sie wissens zufällig nicht wohin das Zeug gekommen sein könnt?
Kopfschütteln. (Hätt ich sagen sollen wie gut sichs macht in mir?)

Anfangs Vertrauen grenzenlos. Engelsgleich gegrinst und reingeschoben, rausgeklackert. Reingeschoben. Und so fort. Man war wer schnell, weil die Zeit war allen gleich zu laut. Es macht so still wenns still macht. Es spürt so leise alles nur. Die Taubheit macht die Welt zum Kissen und den kalten Wind zur besten Decke. Es sollte Kickzeug geben müssen immer offen auch für alle. Und warum nicht? Wer hat den Mist verbrochen, wegen dem jetzt alles in die Luft geht bald? Wir kleinen nicht. Wir nie!

Oben links schlummert das halbe Städtchen. Da rumpelts. Die Tür weiß schon bescheid. Sie grinst dich an, oh wie die Scheißtür grinst. Da wird doch auf den Stuhl gestiegen werden können! Da wird die Tür doch aufgehen dürfen! Und wie das Scheißzeug einen anspringt gleich. Reingepackt und abgedampft. Ja mir geht’s nicht gut zur Zeit so laut.
 

Die Tür so weiß der Engel. Was flattert einem nicht durchs Hirn bei Nacht. Das Ehepärchen und die Schätze. Das musste alles sein vielleicht. Die Tür so weiß der Engel braun. Man könnte besseres bekommen. Am Wundenpfuhl vergluckt die Zeit so laut. Im Hagelbombenzelt bei Nacht. Im roten Wein, am Blutbach. Am Ende, Georg. Am Ende wird’s so sein.
 

(Nachempfunden: Georg Trakl, 1905)

 

 


Vernetzdenkung


Ich bin nicht bloß verwirrt, ich bin eine andere Person. Ein anderer Mensch. Ich bin die andere Welt von mir selbst. Sei du doch selbst mal die Tür in deine andere Welt. Schau doch mal von hinten in dich rein. Mach doch mal irgendwas ohne viel vorher zu denken. Denk doch mal lieber hinterher. Und glaub doch dass es kein Problem dabei gibt. Stell dir doch was anderes vor an der Stelle.

Man muss nicht immer nur man selbst sein. Man kann sich auch kurz mal verändern zwischendurch. Man kann doch selber entscheiden wer man sein will. Es muss ja auch gar nicht immer das eine zum anderen passen. Das ist in der Natur ja auch nicht so. Da muss sich doch irgendwer was gedacht haben dabei.

Jeder kann mal was Einfaches sagen. Man kann ja was Kompliziertes meinen dabei.