Ein Lindner geht

Der Generalsekretär der FDP, Christian Lindner, tritt zurück

Wenn mir jemand im Sommer 2011 gesagt hätte, ich würde mal über Christian Lindner von der FDP schreiben, den hätte ich für total bescheuert erklärt. Nun tue ich es doch.

Ein Männlein aus dem FDP-Kindergarten tritt als Generalsekretär zurück. Aufgerieben in den gnadenlosen Mühlen der Politik. Einer der dem „Größten Liberalen aller Zeiten“ (Grö-LaZ) wohl auf dem Leim gegangen war und der das Credo der Partei, „Steuersenkung“, bis zum Erbrechen predigen musste, es allerdings wohl auch gerne tat.
Der auszog, die hohlen Phrasen und Heißluftblasen der „Freiheitsstatue dieser Republik“, in Talkshows, im Wechsel mit seinem Namensvetter, den Fernsehzuschauern zu offenbaren.

Die Glaubenssätze des „Kapitäns vom Schiff, das dampft und segelt“, der angetreten war „um die Sache zu regeln“ waren ihm schon lange vor der Öffentlichkeit eingehämmert worden und er zog aus, sie weiter zu verbreiten.

Wie viele andere Verirrte trat er schon früh in die FDP ein, mit gerade mal 16 Jahren.
Dementsprechend wurde er bereits nach 3 Jahren Landesvorsitzender der Liberalen Schüler und Vorstandmitglied der Jungen Liberalen NRW.

Hier darf man zum ehemals „großen Vorsitzenden“ Vergleiche anstellen.

Aufgrund der geringen Mitgliederzahl dieser Partei ist die Chance natürlich ungleich größer einen lukrativen Posten zu ergattern als bei einer der sogenannten Volksparteien.

Aber wie in allen Parteien kann man mit einer eigenen Meinung selten punkten.
Man sollte sich ganz schnell dem Mainstream anschließen, was oft genug bedeutet, der Meinung des Vorsitzenden. Sonst kann es sein, dass man ganz schnell weg ist vom Fenster.

Man kann es natürlich noch auf dem Parallelweg versuchen, der Rektalakrobatik beim jeweiligen Vorgesetzten. Den zu beschreiten ist nicht jedermanns Sache und bleibt meist denen vorbehalten, die Skrupel- und bedingungslos vorhaben, es bis in Spitzenpositionen zu schaffen.

Außerdem kann es sein, das die vielen Nischen und Löcher schon durch Mitkriecher besetzt sind und man sich den Weg erst auf hinterhältigste Art freikämpfen oder freischleimen muss.

Typisch für einen Emporkömmling mit marktliberaler Denkweise testete Lindner bereits früh, wie einfach es sich auf fremde Kosten leben lässt, indem er mit drei Mitunternehmern die Firma Moomax gründete, mit Geld von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) in Höhe von 1,2 Mio. Euro ausstattete und dann mal eben in den Sand setzte. Natürlich hatte er die Firma kurz vorher verlassen.
Es folgten noch einige wie etwa die Königsmacher GmbH, die er aber nach kurzer Zeit wieder auflöste.

Ebenso wenig konnte er sich entscheiden ob er nun Kriegsdienstverweigerer ist oder doch lieber zur Bundeswehr geht.
Nachdem er zuerst Zivildienst geleistet hat und sich dann doch noch für die Bundeswehr entschied, wurde er im September 2011 von Verteidigungsminister Thomas de Maizière zum Luftwaffen-Hauptmann der Reserve befördert.

Und bei solch vergeblichen Versuchen, in der Arbeitswelt Tritt zu fassen, bleibt eben noch der Weg in die Politik.

Wenn gar nichts mehr geht, Politik geht immer!

Wenn man erst mal den richtigen Posten ergattert hat, braucht man nur noch die Hand aufzuhalten, sein Gewissen (wenn überhaupt vorhanden) ausschalten und die Ellenbogen benutzen. Besondere Intelligenz ist nicht zwingend notwendig, das lässt sich mit vielen Beispielen belegen.

Seine Karriere in der FDP startete so richtig erst, als er seit 2007 dem Bundesvorstand angehörte und als er nach Bildung der schwarz-gelben Regierungskoalition als Unterhändler in der Arbeitsgruppe „Familie, Integration, Kultur und Neue Medien“ mitmischte.

Als er dann noch vom „Grö-LaZ“ zum Generalsekretär vorgeschlagen wurde und der Bundesvorstand ihn wählte, war sein Glück erst mal perfekt.

Er wusste da ja noch nicht, was auf ihn zukommt und dass er schon am 14. Dezember 2011 wieder zurücktreten würde.

Dazwischen lagen noch etliche Auftritte in Talkshows und auch in anderen Fernsehsendungen bei denen nicht nur er das vom „Grö-LaZ“ ausgegebene Mantra der Partei, „Steuersenkung“, zum Besten geben musste.

Wer erinnert sich nicht mit Grausen an seine Verteidigungsreden für die Steuersenkung die seiner Partei den Namen „Mövenpickpartei“ eingebracht hat?
Voller Inbrunst wiederholte er die Floskeln seines großen Vorsitzenden wie „Arbeit muss sich wieder lohnen“ oder „Wer arbeitet muss mehr haben als der, der nicht arbeitet“.

Speziell ein Christian Lindner wurde nicht müde bei nahezu allen Fragen statt einer Antwort zu geben immer wieder sagte: „Lesen sie den Koalitionsvertrag“.
Die Antworten ist er schuldig geblieben und der Koalitionsvertrag hat eine verdammt kurze Mindesthaltbarkeit.

Die ganze Bande schwebte in so hohen Regionen, dass sie gar nicht merkten, dass dieses Dauergefasel, die heißen Luftblasen und die Unbelehrbarkeit dem Normalbürger allmählich voll auf den Zeiger gingen.

Selbst als der „Große Vorsitzende“ gar nicht mehr der „Große Vorsitzende“ war und man meinen konnte er sei ausgestorben weil man nichts mehr von ihm hörte, hat sich für die Partei nichts geändert. Alle Umfragen sehen sie zwischen zwei und drei Prozent.

Was bei vielen Zuschauern wohl vom Christian Lindner wie auch von den meisten anderen Mitgliedern der jetzigen Regierung hängenbleiben wird: Sie sind allesamt Meister der Ankündigungen und großen Sprüche sowie von der Wirtschaft leicht fernsteuerbar.

Mit den seit Jahren geäußerten: „wir sollten“, „wir müssen“, „wir wollen“ könnte man ganze Bücher füllen.

Der Volksmund nennt sowas auch „Dummschwätzer“, wobei das Wort genauso für Männer wie auch für Frauen benutzt wird.

Dass die anderen Parteigenossen noch an ihren Ämtern kleben, zeugt keineswegs von besseren Qualitäten, eher von größerer Abgebrühtheit und einem dickerem Fell.

Fazit:
Christian Lindner hinterlässt keine Lücke. Er hat dazu beigetragen, dass immer mehr Menschen aufwachen und Politikergeschwafel hinterfragen, mehr nicht.

Ganz hart und in Hartz IV wird er nicht fallen, schlimmstenfalls gibt es noch einen Kellner-Job in einem Hotel der Mövenpick-Kette.