Philosophie und das besondere Schicksal der Vernunft

Schon als Kinder hatten wir Fragen, die kein Erwachsener beantworten konnte. Wie konnten wir wissen, dass unsere Eltern und Lehrer nur wenig mehr wussten, als wir! Von dem, worauf es ankam im Leben, hatten sie tatsächlich so wenig Ahnung, wie ihre Kinder und Schüler.

„Die menschliche Vernunft hat das besondere Schicksal, daß sie durch Fragen belästigt wird, die sie nicht abweisen kann, denn sie sind ihr durch die Natur der Vernunft selbst aufgegeben, die sie aber auch nicht beantworten kann, denn sie übersteigen alles Vermögen der menschlichen Vernunft"
, sagt Kant.
Wenn Kant recht hat, und es spricht einiges dafür
, dann ergibt sich eine neue Frage, nämlich wie mit dieser Tatsache umgegangen werden kann. Zweihundertfünfzig Jahre vor Kant gab Michel de Montaigne aller Welt  schon eine kluge Antwort: "Wo die Vernunft uns im Stich lässt, muss die Erfahrung herhalten." Und sicher gibt es noch viele andere kluge Antworten: darüber muss unbedingt gesprochen werden!

Heutzutage gehen immer mehr Menschen mit ihren Fragen und Problemen zum Psychotherapeuten.
In vielen Fällen könnten sie eben so gut auch zum Philosophen gehen, denn Psychologie und Philosophie sind nicht streng voneinander abgrenzbar. Oft verbergen sich hinter altbekannten Fragen wie: „wer bin ich eigentlich, was versäume ich, wenn ich immer so weiter mache, was soll ich tun, um diesen Zustand zu beenden?“ ethische und  metaphysische Fragen, die eigentlich zur Philosophie gehören.