Gruppe Kaltenleutgeben GESTERN

Lang ist es her als die ersten Pfadfinder mit ihren aufwändig gebundenen Halstüchern in Kaltenleutgeben zu finden waren. Die älteste bekannte Aufnahme der damaligen Gruppe stammt aus dem Jahr 1928, die 19 Buben - Mädchen waren damals noch nicht dabei, die kamen erst später - und den Führer Josef Halusch in Pfadfinder-Montur zeigt.

Gruppenfoto 1928, in der Mitte Feldmeister Josef Halusch / Archiv Hans Wallner

Den wenigen Aufzeichnungen aus den Anfängen der Pfadfinder in Kaltenleutgeben entnehmen wir, dass es - zumindest ab 1932 - zwei Patroullien mit je einem Führer – Josef Halusch und dem damals sehr jungen Leopold Siegel – gegeben hat.

Der damalige Pfarrer Johann Wolf dürfte aber derjenige gewesen sein, der für die Entstehung der Pfadfinderbewegung in Kaltenleutgeben verantwortlich zeichnete. In den Anfangsjahren der Bewegung war die Pfarre in Kaltenleutgeben und deren Pfarrer maßgeblich am Wirken der lokalen Pfadfinder beteiligt. Mit Anschluss Österreichs an das nationalsozialistische Deutsche Reich wurden die Pfadfinder aber generell verboten und Pfarrer Johann Wolf selbst wurde 1945 in den Kriegswirren im Pfarrhof unter dramatischen Umständen erschossen. Deswegen kam auch die Pfadfinderbewegung zwischen 1938 bis 1946 zum Stillstand. Erst mit dem Auftreten von Pfarrer Stefan Reckendorfer, der ab 1946 bis 1972 die Pfarre in Kaltenleutgeben übernahm, kam es zu einem Neuanfang der örtlichen Pfadfinder.

„Wer zu den Pfadfindern kommen will, der soll nach der Heiligen Messe in den Pfarrhof kommen!“, das waren die Worte von Pfarrer Reckendorfer im Jahre 1948. Drei Buben sind diesem Aufruf gleich gefolgt: Franz Mayer, Wilhelm Schwarzenecker und Eugen Rieb. Letzterer (siehe auch Foto rechts) schrieb später in seinen Aufzeichnungen von 1968: „Jeden Sonntag nach der 10 Uhr Messe trafen wir uns in der Pfarrkanzlei. Am Anfang nur wir drei, dann kamen Anton Sedelbauer, Kurt Ofner, Alfred Panny, Richard Götz, Rudolf Eder und Alfred Hochkogler dazu und der Platz in der Pfarrkanzlei wurde eng. Wir übersiedelten in das Jugendheim im Pfarrhof, welches von der Katholischen Jugend seinerzeit aus dem früheren Schweinestall des Pfarrers errichtet wurde und vom ÖJB (Österreichischer Jugendbund) genutzt wurde. Da dieser Jugendbund in Auflösung bestand, nahmen wir Pfadfinder dieses Heim in Beschlag. Die Heimstunden fanden immer nach der 10 Uhr Messe bist um 11.45 Uhr statt, denn um 12 Uhr sollten wir zuhause sein, was uns manchmal nicht recht war. So wurden die Heimabende auf Samstag von 16 bis 18 Uhr verlegt.“Eugen Rieb war es auch, der die Entwicklung und den Fortbestand der örtlichen Pfadfinder in den nächsten Jahrzehnten als Feldmeister maßgeblich vorangetrieben und geprägt hat. Mehrere Pfadfinder-Generationen können dies durch zahlreich persönliche Erlebnisse sicher bestätigen. Hinterlassen hat der inzwischen verstorbene Pfadfinder ein dichtes Archiv aus Dokumentationen, Fotos, Illustrationen und anderen Erinnerungsstücken, die erheblich zur Erinnerung an die Geschichte der Pfadfinder in Kaltenleutgeben beitragen.Noch heute wird der damalige Schweinestall von den WiWö (Wichtel und Wölflinge), der jüngsten Gruppe – den 7 - 10-jährigen – der Pfadfinder genutzt. Die Pfadfinder selbst, sehen sie sich heute als internationale, religiös und politisch unabhängige Erziehungsbewegung für Kinder und Jugendliche und steht allen offen! Auch sind die einzelnen Stufen inzwischen seit vielen Jahrzehnten gemischtgeschlechtlich organisiert.

Pfadfinderlager 1949 in Pottenstein mit Pfarrer Reckendorfer in der Mitte / Archiv Eugen Rieb

Urkunde zur Fertigstellung der Heimrenovierung aus dem Jahr 1929

Recherche und Zusammenfassung von Daniela Luschin-Wangail - Mitglied des Elternrats der Pfadfindergruppe Kaltenleutgeben, im April 2018