Hometreatment (StäB)

Inzwischen ist Hometreatment zum Regelangebot in der psychiatrischen Versorgung geworden. Es wird federführend von den psychiatrischen Kliniken durchgeführt, allerdings als Stationsäquivalente Behandlung im häuslichen Umfeld (StäB). Das heißt es muss eine Behandlung in einer psychiatrischen Klinik angezeigt sein, damit der Patient StäB verordnet bekommen kann.

StäB-Vereinbarung der Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV), der Privaten Krankenversicherung (PKV) und der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG)
Die Vereinbarung finden Sie unten am Ende dieser Seite im Downloadbereich


„Die stationsäquivalente psychiatrische Behandlung (StäB) umfasst eine Krankenhausbehandlung im häuslichen Umfeld durch mobile fachärztlich geleitete multiprofessionelle Behandlungsteams. Sie entspricht hinsichtlich der Inhalte sowie der Flexibilität und der Komplexität der Behandlung einer vollstationären Behandlung. Es handelt sich um eine integrierte multimodale psychiatrische Behandlung anhand einer ärztlich geleiteten Therapiezielplanung.“
§2 Abs. 1 der Vereinbarung zur StäB nach § 115d Abs. 2 SGB V 

Kriterien für StäB laut Vereinbarung der Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV), der Privaten Krankenversicherung (PKV) und der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG)


 
  1. Prüfung des häusl. Umfeldes: Faktoren oder Personen dürfen nicht entgegenstehen, Gefährdung Kindeswohl?, Möglichkeit 4-Augengespräch?
  2. Eltern-Kind-Behandlung angezeigt?
  3. Zustimmung des häuslichen Umfeldes/Einrichtung ist notwendig.
  4. Behandlungsteam: Ärztl. Dienst + pflegerischer Dienst + mind. 1 weitere Berufsgruppe oder SpezialtherapeutIn.
  5. Verantwortung bei Facharzt.
  6. Wöchentliche multiprof. Fallbesprechung.
  7. Mind. 1x täglich 1 direkten Patientenkontakt.
  8. Wöchentliche ärztliche Visite mit direkten Patientenkontakt zuhause.
  9. Erreichbarkeit werktags im üblichen Tagesdienst.
  10. Ärztliche Eingriffsmöglichkeit an 24 h an 7 Tagen.
  11. Vollstationäre Aufnahme muss umgehend möglich sein.
  12. Beauftragung weiterer Leistungserbringer ist möglich.
  13. Dokumentation: Aufnahmebefund, Anamnese, Therapiezielplanung, Verlaufsdokumentation, Gründe für ausgefallene Kontakte, namentliche Teilnahme an Fallbesprechungen.
  14. Ergebnisse Prüfungen: Eignung häusl. Umfeld, Zustimmung im selben Haushalt/der Einrichtung, Gefährdung Kindeswohl/Säugling, Notwendigkeit Eltern-Kind-Behandlung

Unsere Erwartungen an StäB

  1. Durch gute Kooperation mit Gemeindepsychiatrie Hilfekontinuität sichern und weitere Zersplitterung der Angebote vermeiden
  2. Zurückhaltende Gabe von Psychopharmaka 
  3. Termine auch in den Abendstunden und am Wochenende 
  4. Vorhaltung von Krisenbetten
  5. Verhandeln statt Behandeln, recovery- und empowermentorientierte Haltung, verstehender Zugang 
  6. Gute und frühzeitige Entlassplanung
  7. Netzwerkgespräche, Orientierung an Offenem Dialog 
  8. Möglichst Pünktlichkeit und personelle Konstanz bei den Besuchen
  9. Nutzung zusätzlicher Behandlungs- bzw. Therapieangebote der Klinik
  10. Laufende ambulante Therapien müssen weiterhin nutzbar sein

Was ändert sich für die BehandlerInnen, die zuvor im stationären Setting gearbeitet haben?

  1. Die Beziehung zum/zur PatientIn und die Haltung des Profis stehen jetzt mehr im Vordergrund, weil das rahmengebende stationäre Setting fehlt 
  2. Angehörige gewinnen an Bedeutung 
  3. BehandlerIn ist jetzt Gast, der/die PatientIn ist Gastgeber 
  4. BehandlerIn muss jetzt auch den Sozialraum im Blick haben 
  5. BehandlerIn sollte kooperativ mit Profis anderer Träger zusammenarbeiten können 
  6. Die Eigenverantwortung des/der BehandlerIn steigt
  7. Hilfen mit Alltagsbezug kommen hinzu

Die Angehörigen im StäB-Fokus























  1. Entlastung durch Einweisung oder Entlastung durch StäB?
  2. Die Angehörigen zwischen Fürsorge und Selbstsorge
  3. Angehörige als Unterstützer oder als Problem?
  4. Angehörige als wertvolle Informationsquelle




„Wer die Angehörigen unterstützt, der hilft auch dem Betroffenen!“
"Wer hilfreiche Angehörige hat, hat schon halb gewonnen!“












Fazit

Niemand hätte vor 2 Jahren erwartet, dass es bald eine regelfinanzierte Form des Hometreatments in Deutschland geben werde.

Insofern ist StäB eine sehr begrüßenswerte Alternative zur stationären psychiatrischen Behandlung.
Trotzdem lässt StäB noch Wünsche offen und die Umsetzung sollte nutzerunterstützt realisiert werden durch die Einbindung von Erfahrungsexperten.
 

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Rainer Höflacher,
09.07.2016, 11:55
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Rainer Höflacher,
09.07.2016, 21:36
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