Psychopharmaka

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steht Psychopharmaka nicht grundsätzlich ablehnend gegenüber. Uns ist vor allem wichtig, dass die PatientInnen umfassend über die hilfreichen und schädlichen Wirkungen ausgeglichen informiert werden. Einige von uns nehmen Psychopharmaka, weil sie für sich dafür entschieden haben, die positiven Aspekte höher zu bewerten, als die (möglichen) negativen Auswirken der Medikamente. Im folgenden wollen wir die Pro- und Contra-Argumente gegenüberstellen. Wir weisen darauf hin, dass wir diese Erkenntnisse durch jahrelange Beschäftigung mit dieser Thematik erworben haben und auch auf persönlichen Erfahrungswerten beruhen - und nicht alle Aussagen evidenzbasiert sind.




Pro:
  1.  Neuroleptika wirken in der Mehrzahl der Fälle kurzfristig hilfreich auf die (Positiv-)Symptomatik von akuten Psychosen, so dass häufig eine weitergehende (psycho)therapeutische Behandlung erst dann möglich wird.
  2. Bei einigen von uns hat sich gezeigt, dass ohne Psychopharmka die Symptome der psychischen Störung immer wieder auftraten und sich bei der Einnahme die persönliche Befindlichkeit verbesserte.
Contra:
  1. Es gibt Untersuchungen, dass die langfristige Prognose bei geringer oder gar keiner Dosierung von Neuroleptika besser ist, als bei den Patienten, die von Anfang an mit Psychopharmaka behandelt wurden.
  2. Es gibt Untersuchungen, die belegen, dass psychiatrieerfahrene Menschen eine um ca. 15 Jahre verkürzte Lebenserwartung haben, als der Durchschnitt der Bevölkerung. Inwieweit dabei Psychopharmaka eine Rolle spielen ist umstritten.
  3. Psychopharmaka schädigen den Patienten physisch nachweislich - manchmal auch schwer. Für Manche sind die schädlichen Wirkungen ein größeres Problem als die Störung selbst. Es gibt Untersuchungen, die nachweisen, dass unter Neuroleptika graue Hirnsubstanz - also Nervenzellen - abgebaut wird.
  4. Psychopharmaka wirken schlecht auf die Negativsymptomatik von Psychosen - manchmal sogar kontraproduktiv.
  5. Es gibt die Überzeugung, dass sich viele Psychosen von selbst wieder zurückbilden, wenn man/frau sich die Zeit nimmt dies abzuwarten.
Jeder ist vor allem sich selbst und eventuell seinen Angehörigen gegenüber verantwortlich. Gegenseitige Anfeindungen unter Psychiatrieerfahrenen, weil der/die Eine Psychopharmka nimmt oder der/die Andere sie nicht nimmt, sind für uns inakzeptabel.

Wir verweisen an dieser Stelle auf Dr. med. Volkmar Aderhold und Dr. phil. h.c. Peter Lehmann, die sich sehr kritisch, aber fachlich fundiert und seriös mit der Thematik Psychopharmaka auseinandersetzen.

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