OWi Zertifikat

Update (Feb.2013):
Die Idee von OWi Zertifikat ist immer noch eine meiner Lieblingsideen. Ein Zertifikat oder Siegel für offene und regenerative Produkte wird natürlich auch transparent vergeben (und kann damit potentiell durch eine offen Community vergeben und überprüft werden). Da alle Informationen ohnehin offen sind, ist auch die Zertifizierung offen. Das würde viele Probleme des heutigen Zertifikats- und Siegelunwesens lösen, nie weiß man, wer hier eigentlich nach welchen Kriterien und wie genau überprüft.

Ein Zertifikat für Open Regenerative Hardware wäre außerdem ein interessantes Kommunikationsmittel. Offene regenerative Produkte würden in ein besonderes Licht gestellt und zugleich die Ideen und Möglichkeiten von Offenheit und Regenerativität verbreitet. Das Siegel könnte sofort auf die spannenden Zusatzdimensionen eines offenen regenerativen Produktes hinweisen. (Evtl. könnte es sogar einige Copyleftprobleme lösen > Lizenzen?) So ein Zertifikat kann positiv für die Entwicklung einer offenen ökologischen Ökonomie wirken. Es würde helfen, mit deren Möglichkeiten zu spielen, sie zu experimentieren und zu entwickeln. 

Darum will ich mich diesem Projekt definitiv wieder zuwenden. Vorher muss ich aber noch ein paar Lektionen lernen und Probleme lösen.

Dann kann man sich überlegen: Was wäre ein gutes Regel-/Zertifizierungssystem? Wofür vergibt man überhaupt das Zertifikat (Regenerativität? Offenheit? Transparenz? Müssen Dinge nur transparent sein oder auch für jeden einsetz- und kopierbar? Und wenn ja wie?) Wie entwickelt man es, kommuniziert man es? Wie nennt man es? Etc.
Wer heute schon Ideen oder Meinungen dazu hat, einfach ins Kommentarfeld schreiben.

Lars

--
Unten steht ein alter Entwurf von 2009 für ein solches Zertifikat. Der ist nicht unbedingt auf Openness aber definitiv auf Transparenz ausgerichtet. Vielleicht ist einiges davon ja zu gebrauchen.
PS. Einige Experimente und Versuche mit den verschiedenen Modulen des Systems sind im OÖWi-Wiki gemacht worden und kann man dort ansehen (unten auf der Seite).



O:Wi Zertifikat


O:Wi Zertifikat ist ein Projekt von O:Wi Offene Ökologische Wirtschaft. Die Idee ist die Vergabe eines offenen Kreislauf-
wirtschaftszertifikates an Produzenten für regenerative/ökeffektive Produkte und transparente Produktion. Die Vergabe kann
und soll mittels einer offenen Community geschehen. 

Im Zentrum steht dabei die Idee der Anschlussfähigkeit der Produkte und Produktionsprozesse und deren Nachweis bzw.
offene Kommunikation (Erklärung weiter unten).

Das Regelwerk für O:Wi Zertifikat soll weiterentwickelt werden. Der unten stehende (und aktuell gültige) Entwurf versteht
sich als ein Auftakt bzw. Diskussionsgrundlage. Er ist durch Kommentare, Kritik und Ideen zu erweitern. -> O:Wi Module Wiki

Der Entwurf legt Wert auf Einfachheit (eine Zertifizierung ist auch mit wenigen naturwissenschaftlichen und technischen
Kenntnissen möglich) und schafft Freiräume für Vertrauen, Kreativität und Selbstorganisation. Gute Praktiken sollen nicht
vorgegeben, sondern ihre Entstehung ermöglicht werden.


Links
Liste der O:Wi Produzenten (noch leer, hilf, sie zu befüllen)  |  Zertifizierte Produkte  |  FAQ für Produzenten  | 
Blätterset über die O:Wi Zertifizierung (kurze und interaktive Einführung in die O:Wi Zertifizierung)  | 
Aktuelle Softwaretechnik  
O:Wi Zertifikat Richter  Spenden für O:Wi und die Entwicklung von O:Wi Zertifikat

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O:Wi Zertifikat Regelsystem



GLIEDERUNG/INHALT DES ENTWURFES
  1. Einführung/Übersicht
  2. Produktionsmodul
  3. Biomodul
  4. Konsummodul
  5. Firmenprofil
  6. Sonderregelungen 
  7. Lexikon (LÖWi)
  8. Karte
  9. Sinnfeld
  10. Machtdesign
  11. Wissensdesign
  12. Zertifizierungsablauf
  13. Vertrag
  14. Freiwillige Selbsterklärung
  15. (Energie)
  16. (Transport)



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1. Einführung/Übersicht 


Im Zentrum von O:Wi Zertifikat steht die Idee der Anschlussfähigkeit. Die Produzenten sollen das Zertifikat für die nachgewiesene und offen gelegte Anschlussfähigkeit der Produkte und ihrer Produktion erhalten. Was heißt das genau?

Ein Produkt erhält das O:Wi Zertifikat, wenn für dessen Produktionsvorgang nachgewiesen und offen gelegt ist, dass alles, was dort als Output herauskommt – also das Produkt sowie sämtliche Nebenerzeugnisse – weiterverarbeitet wird von einer anderen, ebenfalls O:Wi zertifizierten Produktionseinheit (einem O:Wi Anschluss) und auch alles, was als Input in den Produktionsvorgang hineingelangt, aus einer O:Wi zertifizierten Einheit bzw. von einem O:Wi Anschluss stammt. 



Diese einfache Anschlussregel sichert geschlossene und unendliche Stoffkreisläufe. Sie verhindert Müll. Wann immer irgendwo Müll entsteht d.h. ein Punkt, an dem keine weitere Neuverarbeitung mehr möglich ist, bricht die Anschlusskette zusammen bis hin zu dem Punkt, an dem die erste Ursache dafür liegt. Die Anschlussregel bildet damit zugleich ein Kommunikationssystem für das Wirtschaften in Kreisläufen aus. Sie ermöglicht es, beliebig komplexe Stoffkreisläufe zu realisieren. Die Produzenten in diesen Stoffkreisläufen sind davon befreit, den gesamten Kreislauf im Auge zu behalten. Sie müssen sich lediglich auf ihre unmittelbaren Anschlusspartner konzentrieren. Mit der Anschlussregel werden damit komplexe Stoffkreisläufe organisierbar.  

Natürlich ist sie in der starren Ausführung oben so gar nicht in Gang zu setzen oder aufrecht zu erhalten. Sie braucht ein paar Sonderregelungen, die den Einstieg erleichtern und zugleich die Funktionalität der Anschlussregel für geschlossene Stoffkreisläufe nicht beschädigt. Im O:Wi Zertifikat Regelsystem sind hierfür 4 einfache Sonderregelungen für Anschlüsse vorgesehen (siehe weiter unten).

Wie ist die Offenlegung der Anschlussfähigkeit für eine O:Wi Zertifizierung vorzunehmen? Für die Verfolgung der Stoffströme sieht O:Wi Zertifikat eine Untergliederung der Produktions- und Verarbeitungsfolge in einzelne Module dar. Drei verschiedene Modularten sind für eine vollständige Verfolgung vorgesehen:

Produktionsmodule: erfassen und beschreiben Produktionsvorgänge.
Konsummodule: zeichnen den Weg der Produkte während und nach ihres Konsums.
Biomodule: erfassen die Rolle der Umwelt und Natur. 

Alle 3 Module sind dabei im Kern Input-Prozess-Output Tabellen. Ein Eintrag in der Outputspalte eines Moduls kann damit immer auf die Inputspalte eines anderen Moduls verweisen. Der Weg der Stoffe bleibt so durch die einzelnen Module stets verfolgbar.


Die Module geben sich wechselseitig als Anschlüsse an, ein Modul stellt den Folgeschritt eines anderen



Um die Offenlegung einfach zu gestalten, bedient sich O:Wi Zertifikat LÖWi dem Lexikon Ökologischer Wirtschaft. Die Moduldarstellungen können damit wesentlich vereinfacht werden. Außerdem sind ähnliche Produktionsmodule über Backlinks aus den allgemeinen Lexikoneinträgen direkt miteinander verbunden.

Wie die Zertifizierung mit einer offenen Community gestaltet werden kann, darüber gibt der Abschnitt „Machtdesign“ Auskunft (siehe unten).
Für die Vielzahl weiterer Fragen finden sich Antworten im unten stehenden ausführlichen Entwurf.



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2.  Produktionsmodul

In Produktionsmodulen stellen Unternehmen ihre konkreten Produktionsprozesse dar, um die hindurchgehenden Stoffströme nachvollziehbar zu machen. Seine Produktionsprozesse kann ein Unternehmen dabei als ein großes Produktionsmodul definieren oder sie in eine Reihe kleinerer Module unterteilen. Ein Produkt erhält das O:Wi Zertifikat, wenn das Produktionsmodul, aus dem es schließlich hervorgeht, O:Wi zertifiziert ist. Für die Zertifizierung eines Produktes muss also nicht das gesamte Unternehmen zertifiziert sein, sondern lediglich der Produktionsarm, aus dem dieses Produkt hervorgeht. Eine Firma kann damit nicht zertifizierte und zertifizierte Produkte zugleich produzieren, d.h. zertifizierte und nicht zertifizierte Module parallel laufen haben.

Die Grenzen eines Moduls legt man über Inputs und Outputs fest. Große Module haben viele In- und Outputs, kleinere wenige. Große Module reduzieren unter Umständen den Beschreibungsaufwand. Kleinere können immer wieder neu miteinander verschaltet und dynamisch rekombiniert werden. Welcher Weg der beste ist, hängt von der jeweiligen Situation ab.

Die Inputs und Outputs sind im Modul mit Größen, Mengen und Zeiträumen sowie Herkunfts- bzw. Zielmodul zu vermerken. Für die Detailtiefe und Genauigkeit aller Angaben im Modul gibt es breitere Spielräume. Damit werden auch dynamische oder sehr komplexe Module mit geringerem Aufwand möglich (für mehr dazu siehe weiter unten „Darstellungstiefe/Genauigkeit der Darstellung“).

Das Modul ist ein Dokument mit fünf Feldern. Das Herzstück bilden die Felder 2 bis 4, die wenn man sie nebeneinanderstellte, eine Fließtabelle bilden mit Inputs, Prozess & Output. Mit diesen drei Feldern wird der Stofffluss durch das Modul nachvollziehbar. 

 

Input >

Prozess >

 Output >

 


2.1 Fünf Abschnitte eines Produktionsmoduls

Die insgesamt fünf Abschnitte eines Produktionsmodul Darstellungsdokumentes sind: 

 

2.1.1 Allgemeine Daten

Im Kopf sind allgemeine Daten zum Modul vermerkt:

Name des Moduls

Name des Moduls mit „P-“ vorangestellt für „Produktionsmodul“

Zertifiziert? Wenn ja, wann und von wem?

Hier markiert man mit einem einfachen „Ja“, ob das Modul zertifiziert ist. Außerdem gibt man das Datum an, an dem die Zertifizierung geschehen ist und den Richter, der sie durchgeführt hat.

Produktionsmodule können dynamisch sein, sie verändern sich, neue Daten treten hinzu, alte verschwinden usw. Es ist kein Problem, auch nach der Zertifizierung weiterhin Änderungen vorzunehmen. Jedoch sollte die Version, die vorlag, als die Zertifizierung erfolgte, weiterhin zugänglich sein. Man verlinkt die Ursprungsversion dann einfach hinterm Datum. Beispieleintragung für das Feld: 


Ja, 17.02.2011, Thore Richter

Betreiber

Hier ist der Produzent mit Namen anzugeben und ein Link auf seine Profil Übersicht (->Firmenprofil) zu setzen. 

Lage des Moduls

Wo befindet sich das Modul? Die Adresse(n) bzw. eine Ortsbeschreibung.

Kurzbeschreibung

Eine kurze Zusammenfassung des Moduls. Was geschieht darin?

In Fragen

Hier kann man eine Beschreibung des Produktionsmoduls in Fragen wiedergeben. Auf welche Fragen ist es eine Antwort? Auf welche Fragen finden ich darin Antworten? Welche Fragen stellt es selbst? Dieses Feld ist freiwillig, es kann auch leer bleiben.

Inventar bzw. Infrastruktur/Werkzeuge im Modul

Hier in diesem Feld sind alle im Modul verwendeten Maschinen, Werkzeuge und Prozesselemente aufzulisten, die dauerhaft im Modul bleiben, also nicht von der unten stehenden Input Output Dynamik abgebildet werden. Diese sind mit ihren Lexikon Einträgen (->Lexikon) zu verlinken, insofern vorhanden. Beispiel:


Industrieherd Schnellkoch 2z

Alle hier aufgelisteten Dinge sollten auch in der Profil Übersicht (->Firmenprofil) unterm Punkt Inventar zu finden sein.

Was geschieht, wenn die Werkzeuge einen ständigen Austausch bestimmter Elemente oder Betriebsteile erfordern (z.B. Reifen, Bremsgummis, Klingen, Batterien, Benzin, Sägeblätter etc.)? Dinge die nicht in das Produkt eingehen. Sind diese in die Input Output Dynamik aufzunehmen? Müssen sie weiter unten als Inputs und Outputs mit zertifizierten Quellen und Zielen dargestellt werden?

Nein. Das wird auch nicht immer möglich sein. Jedoch sollte man sich bemühen, es soweit wie möglich zu tun. Es besteht aber keine Verpflichtung dazu. Dennoch sollte die Angabe dieses Austausches im Modul erfolgen, in diesem Falle hinter dem aufgeführten Teil des Inventars. Dort sollte auch knapp ersichtlich werden, wohin die ausgetauschten Teile entsorgt werden. Beispiel:

 Tischsäge X3; Wöchentlicher Austausch von Edelstahl Sägeblättern – Entsorgung beim Schrotthändler


 O:Wi will die Entwicklung besserer und kreislaufgerechter Maschinen und Austauschteile ermöglichen. Damit diese Entwicklung in Gang gerät, wird an dieser Stelle die Anschlussregel ein Stück weit ausgesetzt. Die durch das Modul fließenden Materialströme sind ja im Kreislauf. Die Technik, mit denen sie verarbeitet werden, ist es vielleicht noch nicht. Aber die direkt verarbeiteten Materialströme werden letztlich zu vollständig kreislauffähigen Produkten. Diese Module stellen Anschlüsse für immer mehr Module bereit. Immer komplexere Produkte und Maschinen werden so stückweise kreislauffähig möglich und erscheinen auf den Märkten. So wird es irgendwann möglich, die Maschinen im Modul mit besseren auszutauschen. Über die freiwillige Selbstverpflichtung (->freiwillige Selbstverpflichtung) sind die Firmen aufgefordert, defekte und aussortierte Technik durch kreislauffähig(er)e, insofern bereits vorhanden, zu ersetzen.

Deshalb sind die Richter hier aufgefordert, großzügig zu sein.

Geht jedoch aus der Kurzdarstellung hervor, dass hier in hohem Maße unkontrolliert giftige oder anderweitig problematische Emissionen in die Natur entlassen werden, kann im Ausnahmefall eine O:Wi Zertifizierung dadurch verhindert sein. Um herauszubekommen, ob die betreffende Sache ober- oder unterhalb der aktuellen Toleranzschwelle der Richter liegt, sollte man vorher mit ihnen Kontakt aufnehmen und nachfragen (->Richter), bevor man sich an die Erstellung der Module macht.

Weiter geht es mit der Fließdarstellung:


2.1.2 Inputs

Im ersten Feld der Fließdarstellung "Inputs" werden die konkreten Inputs angegeben: Was – welche Stoffe und Vorerzeugnisse etc. – gelangen von wo und in ungefähr welcher Menge in das Modul? Beispiel:

 Möhren; 1t pro Monat; P-Möhrenfeld Liiberg

Zu jedem Input ist ein O:Wi Herkunftsmodul anzugeben und zu verlinken (Im Beispiel „P-Möhrenfeld Liiberg“ für „Produktionsmodul Möhrenfeld Liibeg"). Verwendet man in einem Produktionsmodul O:Wi zertifizierte Produkte, die man auf einem Markt gekauft hat, gibt man deren Konsummodul hier an (->Konsummodul).

Nicht für jeden Input lässt sich ein konkretes Modul angeben. O:Wi hat eine Reihe von Sonderregelungen (->Sonderregelungen), die Inputs und Outputs auch aus anderen Quellen erlauben. Bezieht man sich hier auf eine Sonderregelung, gibt man diese anstelle eines Herkunftsmoduls an (als SI, SII, SIII, SIV). Verlangt die Sonderregelung eine Beschreibung, kann man diese hier, wenn sie kurz ist, mit in das Modul einfügen. Längere Beschreibungen kann man extern anlegen und hier verlinken. Beispiel:

 Möhren; 1 t pro Monat; SIII; Ausführlichere Beschreibung hier in Textform oder verlinkt.


*Rolle des LÖWi Lexikons

Alle Inputs sind immer mit ihren allgemeinen Einträgen im Lexikon (->Lexikon) zu verlinken (siehe im Beispiel „Möhren“ als Verlinkung), insofern solche vorhanden sind. Die Beschreibungen des Inputs in den dazugehörigen Lexikoneinträgen sollten die Aspekte enthalten, die für den Input und seine Rolle in diesem Produktionsmodul notwendig sind. Kommt es z.B. im Produktionsmodul zu einem Prozess mit dem Input, der auf Eigenschaften von diesem beruht, die in seinem Lexikonartikel noch nicht aufgeführt sind? In diesem Falle soll der Produzent die fehlenden Informationen dort beim Input nachtragen bzw. den Nachtrag organisieren entweder in LÖWi oder in der Wikipedia (falls dort möglich).

Dies gilt genauso auch für alle Outputs und Prozesse, die im Produktionsmodul aufgeführt werden. Ein Vorteil dieser Vorgehensweise liegt darin, dass die Beschreibungen im Produktionsmodul (vor allem in der Prozessspalte) sehr knapp ausfallen können, weil die ausführlichen Beschreibungen im LÖWi Lexikon bzw. wenn möglich der Wikipedia liegen und, wenn sie dort einmal angelegt sind, hier nicht wiederholt werden müssen.


2.1.3 Prozess

In diesem Feld soll der Prozess allgemein beschrieben werden. Was geschieht im Modul? Welche Arbeits- & Umformungsschritte geschehen? Dabei ist, wie bereits gesagt, wo möglich auf allgemeine Einträge im Lexikon zu verlinken. Die allgemeine Beschreibung sollte auch auf Sinn und Funktion der Prozessschritte eingehen. („Prozessbad X, um dem Gegenstand Bruchfestigkeit zu verleihen.“)

Die Darstellung soll knapp aber aussagekräftig sein. Wichtig ist, dass sie ein Verbleiben der Materialien im Kreislauf durchsichtig werden lässt. Spezielle „Betriebsgeheimnisse“ wie z.B. Rezepturen oder Arbeitsfolgen müssen nicht aufgedeckt werden, wenn die Anschlussfähigkeit aller Outputs fraglos gewährleistet ist. (->Transparenz/Grenzen der Transparenz) Weiteres unten bei Darstellungstiefe und Genauigkeit.

Für ein Beispiel siehe unten.

 

2.1.4 Output

Prinzipiell gilt in allem hier das selbe wie oben bei Input. Jeder Output ist nach Menge pro Zeiteinheit und konkretem Zielmodul oder einer Sonderregelung als Ersatz anzugeben und entsprechend zu verlinken.

Für Outputs, die man als Folge von auf der Inputseite eingeführten O:Wi zertifizierten Produkten hat (->Konsummodul), kann man einfach die von deren Outputangaben (Wiedereintrittstechniken) angeben, die man tatsächlich verwendet.


2.1.5 Weiteres zum Modul

Das letzte Feld bleibt frei für weitere Anhänge und Informationen (z.B. ->CID/PID).

 

2.2 Darstellungstiefe / Genauigkeit der Darstellung

Wie detailliert und aufwendig sind die Darstellungen zu gestalten? Die Antwort darauf ist: Die Entscheidung über die Detailtiefe und Ausführlichkeit bleibt der Firma überlassen. Es gibt keine festen Vorschriften dazu. Die Firma kann die Ausführung je nach Wissensstand, Zeit und Lust sehr oberflächlich gestalten oder auch sehr tiefgehend. Je nach dem, was ihr angemessen oder zweckdienlich erscheint. Das ist festgelegt durch die „Vorgabe der Theorienpluralität“ (-> Wissensdesign/Theoreme).

Ob eine Darstellung dem Sachverhalt und Umständen nach angemessen ist, entscheidet der oder die zertifizierende Richter/in. Bestimmte Prozesse erfordern z.B. für eine Zertifizierung einfach eine detaillierte Aufschlüsselung z.B. der Chemie. Etwa wenn bedenkliche Nebenprodukte entstehen. Nimmt man aber Humus, der seit 1000 Jahren herumgereicht wird, ohne je in Berührung mit Produkten chemischer Industrie gewesen zu sein, ist eine chemische Aufschlüsselung bei einem Einsatz im biologischen Ackerbau nicht sinnvoll. In diesem Fall reicht eine simple Angabe „Humus“ zusammen mit einem Link in das Lexikon auf einen eventuellen allgemeinen Artikel „Humus“ oder „Boden“. 

Die fest mit der Zertifizierungsarchitektur verknüpfte Vorgabe der Theorienpluralität räumt den Produzenten nicht nur zwangsläufig Freiheiten bei der Wahl ihrer Beschreibungsmodelle  sondern auch bei der Wahl der Beschreibungstiefe ein. (Hierdurch entsteht auch ein Kulanzspielraum für Transparenz, bestimmte Industriegeheimnisse wie z.B. Rezepturen müssen nicht vollkommen offen gelegt werden.)

Die Entscheidung über die Zertifizierung eines Moduls und damit letztlich die  Angemessenheit der Darstellungen fällt zuletzt ein Richter (->Machtdesign). Er kann jederzeit Einsprüche formulieren und eine detailliertere Offenlegung fordern etwa bei Verdacht auf unentdeckte Sackgassen.


2.3 &


-> Zur aktuellen Technik

-> Ein Beispiel gibt es im O:Wi Module Wiki.

 

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3. Biomodul (& "Weltbiomodul")

(Weltbiomodul unten im Text 3.7)

Oftmals gehen aus Produktionsmodulen Outputs in die Natur oder werden Inputs aus der Natur entnommen? Auch für die Natur kann man hier von Anschlussfähigkeit sprechen. Viele Stoffe können in der Natur problemlos abgebaut werden, Bioleistung ist abschöpfbar. Andere Stoffe aber wirken als Umweltgifte, eine Überanspruchung der Natur führt zu ihrer Erschöpfung. Wie wird das im O:Wi Kreislauf sichtbar.

O:Wi verwendet hierfür die Biomodulseiten des LÖWi Lexikons (->LÖWi – Lexikon Ökologischer Wirtschaft). Die Biomodulseiten werden im LÖWi Lexikon hier beschrieben.

Jeder Input, den ein O:Wi Modul aus der Natur entnimmt und jeder Output, den es dorthin entlässt, ist in einem solchen Biomodul einzutragen. Ist noch kein Biomodul für das entsprechend benutzte Gebiet vorhanden, soll eines angelegt werden. In LÖWi sind die Biomodule über Postleitzahlen sortiert und so auffindbar.

Die Biomodule in LÖWi sind prinzipiell identisch mit den Produktions- und Konsummodulen von O:Wi. Im Kern sitzt ebenso eine Fließdarstellung mit Input, Output und Prozess. Jedoch gibt es einige selten auftretende Sonderfälle, die bei ihrem Gebrauch für O:Wi auftreten können und für die weiter unten Sonderregelungen aufgeführt sind. Diese Regeln treten immer dann in Kraft, wenn durch einen Input oder Output ein Biomodul eine starke (!) Transformation erfährt (siehe unten).

 

3.1 Eintragungen von Jedermann

Im Unterschied zu den Produktions- und Konsummodulen handelt es sich bei den Biomodulseiten in LÖWi um offen und von jedermann editierbare Seiten. Die Seiten sind daher anfälliger für Manipulation. Dies kann problematisch erscheinen, gerade weil Eintragungen in die Biomodule zertifizierungsrelevant sind. 

Neben einigen Schutzvorrichtungen, die hierfür schon in LÖWi selbst eingebaut sind, kann dies umgangen werden, indem man aus den Produktionsmodulen auf die jeweils zum Zertifikationszeitpunkt gültige Version (Versionsgeschichte) des Biomoduls verweisen. Sie bleibt für diese Zertifikation gültig. Beispiel:

·       Output; B-Biomodul (16.03.2013)

 

3.2 Darstellungstiefe?

Auch in den Biomodulen stellt sich wieder die Frage nach der Ausführlichkeit und Detailtiefe der Darstellung. Prinzipiell ist hier den Vorgaben des LÖWi Lexikons selbst zu folgen, welches eher oberflächliche und einführende Darstellungen wünscht und für ausführlichere Detailfragen Verweise auf Studien vorsieht.

Dies korrespondiert mit den Vorgaben O:Wis zum Produktionsmodul (->Produktionsmodul/Darstellungstiefe), seinem Prinzip der Theorienpluralität (->Wissensdesign/Theorienpluralität) und vor allem seinem Prinzip der Angemessenheit der Darstellung (->Wissensdesign/Angemessenheit). Es gibt breite Spielräume für Vereinfachungen.

 

3.3 Transformationsfeld

Was geschieht, wenn ein Input oder Output zu einer wesentlichen Veränderung des Biomoduls führt? In diesem Falle handelt es sich um ein „sich transformierendes Modul“. Schon die Biomodule in LÖWi sehen eine Möglichkeit vor, transformative Module zu markieren und mit Zusatzinformationen zu versehen. Für eine O:Wi Zertifizierungen sind diese vorgegebenen Felder für Zusatzinformationen wie folgt zu verwenden.

Vorweg noch: Prinzipiell ist gegen sich transformierende Biomodule nichts einzuwenden. Es gilt keinesfalls, die Natur einem unveränderlichen Status Quo zu unterwerfen. Wie sollte etwa eine kahle Industriebrache als wünschenswerter Status Quo gelten? Die Natur ist außerdem von sich aus dynamisch; Landschaften und Biotope sind ohnehin immer im Veränderungsfluss. Eine Kreislaufwirtschaft sollte dies in seiner Dynamik einbinden. In grober Vorgabe sollen dabei nur solche Eingriffe als nicht anschlussfähig gelten, die zu einer wesentlichen (!) Senkung der Produktionsleistung eines Biomoduls führen.

Daraus folgt: eine Transformation eines Biomoduls sollte nur beschrieben werden, wenn sie sehr stark bzw. „sprunghaft“ ist (egal ob positiv oder negativ) und in deutlicher Beziehung zu einem von Menschen verursachten Input oder Output steht. Die Transformation sollte für O:Wi vom Verursacher des veränderenden Inputs oder Outputs beschrieben werden.

Wie bereits erwähnt, gibt es für Transformationen in den Biomodulen des LÖWi Lexikons bereits ein Extrafeld. LÖWi macht für die Benutzung dieses Feldes keine besonderen Vorgaben. Für eine O:Wi Zertifizierung sollten in diesem Feld Angaben zu folgenden Punkten erfolgen:  

1.     Transformator, d.h. Input(s) oder Output(s), die zur Transformation führen (standardmäßig),

2.     Beschreibung der voraussichtlichen Transformation mit

3.     Ist/Soll/Wunschzustandsdynamik Nennung,

4.     Risikoabschätzung und

5.     Prüfungsmöglichkeit

Die einzelnen Punkte werden gleich kurz erläutert. Zuerst ein knappes und stark konstruiertes Beispiel für einen Text, der alle Angaben enthält:

 

Transformationsfeld

(Transformator) Transformation durch Input Abwasser mit pH Wert x, 1000l/Monat vom Produktionsmodul-Waschanlage. (Beschreibung) Durch die Zugabe von Abwasser wird sich der pH Wert des Bodens von y zu z verändern. Deshalb wird voraussichtlich der Buchenbestand zurückgehen und der von Nadelhölzern (Kiefern, Fichten) zunehmen. Die Ansiedlung der Nadelhölzer soll durch die Zugabe von Setzlingen unterstützt werden. In der Folge entsteht ein Mischwald mit einer besseren Bodennutzung und Verdauungskapazität. Aus einem Laubwald mit pH-Bodenwert y (Ist-Zustand) wird ein Mischwald mit pH-Bodenwert z (Soll-Zustand). Es wird damit eine Entwicklung auf einen Mischwald mit pH-Bodenwert k angestrebt. Dieser gilt als besonders produktiv und damit erstrebenswert (Wunschzustand). Der angesetzte Transformationzeitraum beträgt bei einer jährlichen Zugabe von 12000l 20 Jahre. 

(Risikoabschätzung) Die Gefahr des Vorhabens liegt in einer Fehleinschätzung der Aufnahmekapazität des Bodens, wodurch ein überschnelles Einbrechen der Buchenpopulation einhergehen könnte und außerdem der Eichenbestand in Mitleidenschaft gezogen werden könnte. Die Bioproduktion des Waldes könnte dabei rapide sinken und das langfristige Ziel eines Mischwaldes bedroht sein.(Siehe Studie XISD - Link auf ausführlicheres Dokument)

(Prüfungsmöglichkeit) Der Erfolgsfortschritt des Unternehmens lässt sich messen durch regelmäßige ph-Wert Proben. Steigt der Wert über den Wert h, sollte eine Neubewertung in Erwägung gezogen werden. Weitere Indikatoren für Fehleinschätzungen könnten außerdem der Zusammenbruch der Population der Bodenbakterien W sein. Zur Überprüfung kann hier das bekannte K-Verfahren dienen.

 

 

Besprechung der einzelnen Punkte:


3.3.1 Transformatoren

Der Eintrag sollte mit den auslösenden Transformatoren (Inputs oder Outputs) beginnen.

 

3.3.2 Allgemeine Beschreibung

Eine allgemeine Beschreibung des Driftes sollte folgen. Die Eckpunkte der Veränderung sollten genannt sein. In dieser Beschreibung sollte zudem Bezug auf eine sich eventuell ändernde Interaktion des Moduls zu anderen, es umgebenden oder in anderer Weise mit ihm in Beziehung stehenden Modulen genommen werden (Õ Näheres siehe weiter unten „Beziehung sich transformierender Biomodule zu anderen Modulen.“)

Innerhalb dieser Beschreibung sollte enthalten sein eine:

 

3.3.3 Ist-, Soll- & Wunschzustand (das Reversibilitätsprinzip)

In der Ist-, Soll- und Wunschzustandsdynamik sind 3 Zustände festgelegt:

DER IST-ZUSTAND: beschreibt den aktuellen Zustand des Moduls bzw. den Zustand vor Beginn der Transformation.

DER SOLL-ZUSTAND: beschreibt den Zustand, den das Modul durch den Eingriff des Transformators voraussichtlich erreichen wird.

DER WUNSCHZUSTAND: beschreibt einen allgemein wünschenswerten Ziel-Zustand des Moduls. Er kann dem Ist-Zustand aber auch dem Soll-Zustand gleich oder ähnlich sein, aber auch stark davon abweichen. In der Regel sollte sich der Wunschzustand am Bild einer gesunden und d.h. produktiven und stabilen Natur orientieren.

 

Zwischen diesen drei Zuständen wird der Drift des Moduls im Rahmen gehalten, indem damit grob folgende Vorgaben/Regeln verknüpft sind:

1.     Der Soll-Zustand darf sich nie weiter vom Ist-Zustand entfernen als in einem leicht rückführbaren Bereich. Es gilt die Vorgabe der Reversibilität also der Umkehrbarkeit: Alle Eingriffe müssen so sein, dass ihre Wirkungen innerhalb weniger Jahre und im erträglichen Kostenrahmen (z.B. nicht mehr als 1/10 des mit dem Eingriff erzielten ökonomischen Gewinns) auf den Ist-Zustand zurückgeführt werden können. (Auch Monokulturen sind also durchaus rechtfertigbar, wenn dabei die Möglichkeit der Umkehr oder Rückkehr erhalten bleibt.)

2.     Der Soll-Zustand darf sich nur dann weiter vom Ist-Zustand entfernen als dem leicht umkehrbaren Bereich, wenn dadurch ein Gesamtdrift des Bio-Moduls auf den Wunschzustand hin erreicht wird. (Auf diese Weise sind starke Transformationen durchaus gestattet, aber fast ausschließlich wenn sie auf eine „ständige Verbesserung“ also Aufwertung der Natur zuführen.) 

Wunschzustände sind also durchaus ein Weg, den Drift eines Biomoduls zu steuern und zu planen. Die Wunschzustände sollten in irgendeiner Weise mit den Stakeholdern des Biomoduls diskutiert und bestenfalls abgestimmt sein.

Ist ein Drift nach einer Weile vollzogen, der Wunschzustand erreicht, kann die Markierung  „transformatives Modul“ entfernt und das Modul wieder in ein normales umgewandelt werden. Eine Dokumentation des Transformationsabschnitts ist nur noch über die Versionengeschichte des Biomoduls abrufbar.

 

3.3.4 Risikoabschätzung

Zur allgemeinen Darstellung gehört eine Risikoabschätzung: Wo könnten die Fehler bei der Vorhersage des Driftes liegen? Was könnte schiefgehen, sich anders entwickeln als prognostiziert, durch welche Ursachen?

 

3.3.5 Prüfungsmöglichkeit

Und zur Risikoabschätzung gehört, dass Angaben gemacht werden, mittels welcher Methoden das tatsächliche oder nicht tatsächliche Eintreten des vorhergesagten Drifts geprüft werden kann. Mittels welcher Techniken, Indikatoren oder Beobachtungsverfahren könnte man den planmäßigen Verlauf des Driftes überwachen?

 

3.4 Beziehung sich transformierender Bio-Module zu anderen Modulen

Ist ein Biomodul in Transformation begriffen, ändert sich unter Umständen mit seiner Gestalt auch seine Kapazität, bestimmte Inputs aufzunehmen oder bestimmte Outputs zu produzieren. Andere Module (z.B. Produktionsmodule) könnten davon betroffen sein, ihre Kreislaufeinbindung gestört sein. Eine bisher abgeschöpfte Bioleistung steht plötzlich nicht mehr zur Verfügung etc. Hierfür braucht es einige weitere Sonderregelungen:


3.4.1 Konkurrierende Wunschzustande & „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.“

Es gehört zur Verpflichtung der transformierenden Firma, dass sie vorher die bestehenden Input- und Outputeintragungen anderer O:Wi Unternehmen in das Biomodul checkt. Keiner dieser Inputs- oder Outputs sollte vom transformierenden Eingriff gestört werden. Lässt sich dies jedoch nicht umgehen, sollte die transformierende Firma mit den bereits verzeichneten Firmen in Kontakt treten und versuchen, einen Kompromiss – eine gemeinsame Vision – auszuhandeln.

Technisch gesehen liegt eine Meinungsverschiedenheit über den gewünschten Soll- und eventuell auch Wunsch-Zustand des Moduls vor. Ziel sollte die Einigung auf einen gemeinsam vertretenen Drift des Moduls sein.

Gelingt dies nicht und keine der anderen Ausgleichsmöglichkeiten (siehe in Szenario 1 unten) greift hier, gilt die „Wer zuerst kommt, mahlt Zuerst Regelung“. D.h. es wird im Sinne der Firma entschieden, die auf den älteren Eintrag/den älteren Gebrauch des Biomoduls verweisen kann. Der Erstbeschreiber behält die Oberhand.

 

3.4.1 Beziehung zu anderen Bio-Modulen

Wie ist die Beziehung zu umliegenden Bio-Modulen aufgeführt? Bei sehr starken Transformationen innerhalb eines Moduls könnten ja durchaus umliegende Biomodule davon betroffen sein, sich ebenfalls transformieren. 

Hier sollte eine genaue Abschätzung erfolgen. LÖWi hilft dabei, die relevanten Bio-Module zu identifizieren. Stellt sich heraus, dass die Wirkung der Transformation auf die umliegenden Bio-Module so stark ist, dass sie nicht mehr einfach durch die Prinzipien der „Angemessenheit“ und „Theorienpluralität“ abgefedert werden können und eine Änderung der umliegenden Module zu transformativen Modulen unausweichlich ist, stellt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit sowieso die Frage, ob eine solche Transformation überhaupt wünschenswert, gewollt und zulässig ist. In besonderen Fällen kann der transformierende Einschreiber jedoch dennoch fortfahren. Allerdings muss er dann den gesamten damit verbundenen Beschreibungs- und Kommunikationsaufwand übernehmen, der sich mit der Veränderung der benachbarten Module ergibt. In der Regel wird ein solches Projekt ohnehin nur durchsetzbar sein, wenn es von einer Mehrheit gewollt und unterstützt wird, womit sich der Beschreibungsaufwand dann auch wieder verringert. 

 


3.5 Sich transformierende Biomodule, Rohstoffextraktion und Recycling

Eine Diskussion, Erklärungen und Illustrationen zu den Regelungen der Transformation.


3.5.1 Transformierende Output-Entnahme & Recycling

Was geschieht oder liegt vor, wenn man ein Biomodul hat, welches durch die Entnahme eines Outputs sehr starken Veränderungen unterworfen wird? Man denke z.B. an Tagebau. Was geschieht bei der Entnahme nicht erneuerbarer Rohstoffe wie z.B. dem Herauslösen von Metallen (z.B. Eisenerz) aus einem Berg? Klar ist, dass hier der vorherige Ist-Zustand des Biomoduls kaum wiederhergestellt werden kann.  

Das Modul wird zu einem sich transformierenden Modul mit einem Wunschzustand ungleich seinem Ist-Zustand. Der Abbau des Eisenerzes wird das Modul überdies in einen sehr extremen temporären Soll-Zustand versetzen: Tagebau bedeutet in aller Regel einen fast vollständigen Todesstoß für die vorher ansässige Flora und Fauna und eine starke Umgestaltung der Oberfläche. Um nach Abschluss der Arbeiten das Modul auf einen akzeptablen Wunschzustand hinzuführen, werden wohl einige Renaturierungsbemühungen notwendig sein.

Prinzipiell muss man verstehen, wie die Entnahme nicht biologisch nachwachsender Rohstoffe in der Logik des Zertifikates verstanden wird/verstanden werden kann: In der von O:Wi entworfenen Logik ist die Welt aufgeteilt in Module, zwischen denen Materialströme fließen. Und es ist vollkommen akzeptabel, wenn Materialien ihre derzeitige Lage verändern – das heißt z.B. aus dem Berg herauskommen und sich im Produktionssystem an anderer Stelle einsortieren bzw. auf den Weg machen. Der Berg ist gewissermaßen nur eine Zwischenstation. 

Aber die Kreisläufe und Materialmengen, die wir Menschen brauchen, um unsere Bedürfnisse zu erfüllen, sind irgendwann gesättigt. Wenn ein Material immer wieder recycelt und nie zu Müll wird, ist irgendwann vielleicht einfach genug im Umlauf. In diesem Falle ist eine Neu-Entnahme kaum noch zu rechtfertigen bzw. sogar unsinnig. Es liegt hier also im Ermessensspielraum des Richters, ob er es als ausgewiesen sieht, dass eine Neuentnahme hier unumgänglich ist, weil eine ausreichende und rechtzeitige Zuführung aus Recycling (noch) nicht möglich ist.

Es ergibt sich, dass Rohstoffextraktion in dieser Logik also eng gekoppelt ist an Wiederaufbereitung, denn die Wiederaufbereitungsanlagen sind die eigentlichen „Rohstofflieferanten“ einer Kreislaufwirtschaft. Neuextraktion ist nur eine Option, um eventuelle Lieferengpässe oder Materialknappheit im Kreislauf auszugleichen. In unserer aktuellen Ökonomie sind die Techniken der Neuextraktion weitenteils vielfach besser ausgebildet als die der Rückgewinnung. Hier setzt O:Wi einen Gegenanreiz. Prinzipiell ist es nicht weiter verwunderlich, dass Neuextraktion irgendwann in O:Wi immer schwerer zu rechtfertigen sein könnte. Z.B. auch weil einmal in den Kreislauf eingespeiste Materialien auch immer wieder ihre Anschlüsse brauchen.  

 

3.5.2 Fall: Ausgleichende Entnahme

INPUT

PROZESS

OUTPUT

 

->   INPUT   ->

(Baum-Setzlinge)

 

Wachstum/ Aufforstung & Abholzung

 

 

->  OUTPUT  ->

(Holz)


Eine mögliche Form für ein Biomodul ist die ausgleichende Entnahme: Was auf der anderen Seite abgeführt wird, wird auf der anderen Seite dem Modul wieder zugeführt. Der Bioproduktion kann also auf die Sprünge geholfen werden. Wird das Biomodul zwischen Inputs und Outputs in einem Gleichgewichtszustand gehalten? Das Modul muss dann nicht zwangsläufig zu einem sich transformierenden werden. (Ein Acker z.B. ist durchaus ein akzeptabler Ist- & Wunschzustand.) Es ist möglich das sowohl Input als auch Output von der selben Firma kommen, aber es ist genauso gut auch denkbar, dass sie von verschiedenen Firmen kommen, die das zwischengeschaltete Bio-Modul somit als Kooperations- und Ausgleichsfläche nutzen. 

 

3.6 Feedback/Kontrolle und Fehlerberichtigung

Jede Vorhersage eines Drift wie jede Eintragung darin oder Messung dazu beruht ja auf z.B. wissenschaftlichen Theorien und diese können sich immer auch als falsch herausstellen. Jede Driftbeschreibung ist eine theoretisch gestützte Vermutung darüber, wie sich auf diesen oder jenen Input hin das Bio-Modul entwickeln wird.

Ob diese Entwicklung tatsächlich eintritt, muss deshalb überprüfbar sein. Die Beschreiber von Transformationen sind ohnehin verpflichtet Falsifizierbarkeit und Feedbackmöglichkeiten anzugeben (siehe oben). Aber auch bei Eintragungen in nicht transformative Module sollte man sich stets um eine Rückverfolgbarkeit und damit Überprüfbarkeit bemühen, z.B: ordentliche Verlinkungen innerhalb des LÖWi Lexikons oder auch auf Quellen außerhalb setzen.

 

3.6.1 Wer überprüft?

Stellt sich die Frage, wer überprüft hier und gibt gegebenenfalls Rückmeldung, wenn die Realität im Biotop gänzlich anders aussieht als die Darstellung im Biomodul durch eine Firma.

Die Antwort darauf ist: „Alle und Niemand.“ D.h. niemand ist verpflichtet – es gibt keine fest angesetzten Prüftermine oder Prüfinstanzen – aber jeder (alle Stakeholder/prinzipiell also jedes Communitymitglied inklusive Firmen) kann gelegentlich Überprüfungen durchführen (eine Überprüfungsmöglichkeit ist ja im Transformationsfeld angegeben). Wird eine starke Abweichung zu den Vorhersagen festgestellt, kann diese beim Richter direkt gemeldet bzw. auf den Diskussions- und Kommentarseiten des Biomoduls eingetragen werden. Daraufhin kann u.U. eine Überprüfung vorgenommen werden. Ein Richter veranlasst die Feststellung eines tatsächlichen Abweichens.

 

3.6.2 Abweichung und weiche Wiedereingliederung

Stellt sich heraus, das die Voraussage einer Firma, d.h. die Entwicklung auf den angegebenen „Soll-Zustand“, nicht eintritt/eingetreten ist, sollte die Firma korrigieren. Dies kann entweder theoretisch oder praktisch geschehen. Weicht eine Prognose vom tatsächlichen Beobachtungsergebnis ab, kann das zwei verschiedene Ursachen haben:

1.     Die zugrundeliegende Theorie/Beschreibung ist falsch, (die Modelle erzeugen falsche Voraussagen oder erfassen gar nicht die notwendigen Variablen).

2.     Fehlende Validität: Es kommen Störvariablen vor, die nicht einbezogen wurden und die die Ergebnisse verfälschen, (z.B. andere Firmen jagen den selben Stoff in die Natur und die Wirkung wird zu groß/man hat die Rolle bestimmter anderer Faktoren nicht einberechnet.)

Eine Firma sollte ermitteln (eventuell mit Hilfe der Community), welche Ursache hier vorliegt und entsprechende Berichtigungen anstreben. Dafür gibt es zwei Wege:

 

a.) praktische Berichtigung

Sie versucht ihren Input in das oder ihren Output aus dem Bio-Modul anzupassen. Dies ist nicht verpflichtend, sondern eine weiche Empfehlung. Kommt eine Firma dem nicht nach, ist dies kein zwingender Grund für eine Exklusion aus O:Wi bzw. eine Aberkennung des Zertifikates. Abgedeckt ist dies durch die „freiwillige Verbesserungsverpflichtung“ (->Freiwillige Selbstverpflichtung).

 

b.) Theoretische Berichtigung

Verpflichtend ist jedoch eine Änderung der Theorie zum Gebiet. Es kommt ja Wissen hinzu, bzw. ist durch die unerwartete Veränderung schon hinzugetreten. Bei gleichbleibender Input- Outputdynamik ist lediglich die Theorie und Prognose zu korrigieren. Sind Störvariablen aufgetaucht, sollten diese in die Wissensrepräsentation aufgenommen werden, so dass sie für weitere Einspeiser sichtbar sind. In Fällen mit besonders starken neuen Störvariablen ist unter Umständen sogar eine Umkodierung des Moduls in ein transformatives vorzunehmen. Alle Kommunikationskosten sollen, wo möglich, vom Verursacher des Fehlers getragen werden. Der Aufwand ist jedoch dank der besonderen Kommunikationstools, die sich mit dem Biomodul und den anderen Kommunikationstechnologien der Datenbank ergeben, gering zu halten. So ist hier z.B. die Einbindung der Community dauerhaft möglich. Es bestehen zahlreiche Fenster für interessanteste und produktive Beziehungen und Beziehungsbildungen, die hier zum Einsatz kommen können.


3.7 Weltbiomodul

Bisher hier besprochen wurden die Biomodule des LÖWi Lexikons. Wo immer möglich, sollen sie für die O:Wi Zertifizierung eingesetzt werden.

Jedoch wird dies nicht immer möglich sein. Insbesondere bei Konsummodulen (->Konsummodul), in denen sich in der blinden Passage des Konsums die Rückverfolgbarkeit des Produktes auflöst, ist es meistens unmöglich, ein konkretes Biomodul für biologisch abbaubare Produktüberbleibsel anzugeben. Ein Produkt ist freigesetzt, kann um die Welt reisen, und überall auf die Natur wirken. Da die Wirkung auf ein konkretes Stück Natur hier also nicht beschreibbar ist, gibt es die Lösung des „Weltbiomoduls“.

Das Weltbiomodul ist eine Art Sonderform bzw. Sondermöglichkeit des Biomoduls für O:Wi, die hauptsächlich für die Verwendung mit Konsummodulen gedacht ist. Produktionsmodule sollten sich immer bemühen, konkrete Biomodule anzugeben.

Wie funktioniert der Weltbiomodulverweis?

In der Outputspalte der Fließdarstellung des Konsummoduls wird an der Stelle, an der normalerweise ein konkretes Biomodul angegeben und verlinkt werden müsste, einfach der Hinweis gesetzt „Weltbiomodul“ und diese Seite hier verlinkt:

O:Wi Weltbiomodul

Handelt es sich bei dem Output um etwas zusammengesetztes, sollte er in seine Einzelteile zerlegt werden. Beispiel für einen Eintrag:

Verschlusskappe aus Zucker, Olivenöl, Stärke -> Weltbiomodul

 

Alle enthaltenen Materialien sollten ins LÖWi Lexikon verlinkt sein (auf ihre Einträge) und in diesen Einträgen sollte es im Abschnitt „Recycling?“ Angaben zur biologischen Abbaubarkeit des Materials geben. Gegebenenfalls sind diese Angaben dort nachzutragen. Zucker, Olivenöl und Stärke sind z.B. „essbar“, wodurch ihre biologische Verdaubarkeit belegt ist.

Der „Weltbiomodul“-Eintrag wird von einem Richter dann akzeptiert, wenn alle Stoffe, die auf diese Weise irgendwo in die Natur gelangen sollen, gut biologisch abbaubar sind. Stoffe, die eine „negative Transformationswirkung“ erwarten lassen (d.h. voraussichtliche Herabsetzungen der Bioleistungen jeglicher Umwelt – wie z.B. Schwermetalle), werden mit einem Weltbiomodulvermerk kaum zertifiziert werden.

 


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4. Konsummodul


Verlässt ein fertiges Produkt als Output ein Produktionsmodul und gelangt auf einen Markt, ist dafür ein „Konsummodul“ anzulegen. Ein Konsummodul beschreibt das Produkt noch einmal ausführlicher und versucht seinen weiteren Weg in den Stoffkreisläufen vorzuzeichnen.

4.1 blinde Passagenproblem – Begründung bzw. Herleitung

Die besondere Gestalt des Konsum-Moduls ergibt sich aus dem „Blinde Passagen Problem.“ Befindet sich ein Produkt auf einem Markt und danach in den Privathaushalten der Endverbraucher, ist es nicht mehr vollständig verfolgbar. Es verschwindet in einer „blinden Passage.“ Die Sichtbarkeit ist eingeschränkt. Niemand kann den Kunden vorschreiben, wie sie mit dem Produkt zu verfahren haben oder gar Offenlegung verlangen. Die Passage muss „blind“ bleiben, denn die Blindheit garantiert die Freiheit der Kunden. Das Konsum-Modul kann damit also die Geschlossenheit der Kreisläufe nicht streng sichern, sondern lediglich versuchen, den Wiedereintritt des Produktes und seiner Bestandteile in den Produktionskreislauf nach Gebrauch wahrscheinlich zu machen.


4.2 Abschnitte des Konsummoduls

Wie auch bei Bio und Produktionsmodulen sitzt hier im Herzen eine Input - Prozess - Output Fließtabelle, die den Materialfluss nachzeichnet. Jedoch sind die Abschnitte hier in ihrer Funktion etwas angepasst.

 

INPUT:

Distribution

POZESS:

Produkt & Konsumption

OUTPUT:

Wiedereintritt

Beschreibt die Händler. Wie und Wo wird das Produkt verkauft?

Beschreibt das Produkt und wie es konsumiert wird.

Beschreibt, wie das Produkt oder seine Überbleibsel nach Gebrauch wieder in den Produktionskreislauf gelangen.

 

Im Dokument sind die drei Spalten untereinander angeordnet. Voran- und nachgestellt sind noch Abschnitte für allegemeine Informationen. Damit ergeben sich insgesamt 5 Abschnitte:

 

4.2.1 Allgemeine Daten

Im Kopf wird eine Reihe allgemeiner Daten abgefragt. Diese sind:


Name des Moduls/Produktes

Der vollständige Name des Produktes & Moduls. Dabei ist ein „K-“ für „Konsummodul“ voranzustellen.


Zertifiziert? Wenn ja wann und von wem?

Hier markiert man mit einem einfachen „Ja“, ob das Modul und damit das Produkt zertifiziert ist. Außerdem gibt man das Datum an, an dem die Zertifizierung geschehen ist und den Richter, der sie durchgeführt hat.

Auch Konsummodule können dynamisch sein, sie verändern sich, neue Daten treten hinzu, alte verschwinden usw. Es ist kein Problem, auch nach der Zertifizierung noch weitere Änderungen vorzunehmen. Jedoch sollte die Version, die vorlag, als die Zertifizierung erfolgte, dann weiterhin zugänglich sein – verlinkt hinter dem Datum. Beispiel für das Feld:

 

Ja; 17.02.2011; Ralf Richter

 

Hersteller

Welche Firma stellt das Produkt her? Hier sollte auch ein Link zum O:Wi Community Profil der Firma gesetzt werden.


Herkunftsmodul

Aus welchem oder welchen Modul(en) stammt das Produkt? Wo wurde es zusammengefügt/ist es als Output aufgelistet? Oftmals wird es sich dabei um ein Modul handeln, das mit Verpackung beschäftigt ist. Voraussetzung für die Zertifizierung des Konsummoduls und damit Produktes ist, dass als Quelle ein O:Wi zertifiziertes Produktionsmodul angegeben wird.

 

Kurzbeschreibung

Eine kurze Zusammenfassung des Produktes in wenigen Sätzen, vielleicht sogar nur mit einem einzigen Satz. 

 

In Fragen

Eine Darstellung des Produktes in einigen Fragen: Worauf ist es eine Antwort? Welche Fragen stellt es selbst? (Angabe ist freiwillig.)

 

4.2.2 Input: Distribution

Die Inputseite. Hier tritt das Produkt in die blinde Passage ein bzw. aus dem verfolgbaren Bereich aus. Die Eintrittsfläche hierfür sind in der Regel Händler. Diese sind hier aufzulisten.

Man kann hier sehr detailliert werden: Wie viel Stück des Produktes pro Zeiteinheit gehen genau zu welchem Händler/ welcher Filiale (100 Gläser pro Woche zum Bioladen X, Adresse...). Es ist aber auch möglich, hier nur allgemeine Angaben zu machen („Handelspartner Mediamarkt“). Wichtig ist, dass der ungefähre Verteilungsbereich erkennbar wird, so dass abgeschätzt werden kann, ob die in „4. Output: Wiedereintritt“ angegebenen Möglichkeiten des Recyclings oder Wiedereintritts auch tatsächlich überall erreichbar sind. 

 

4.2.3 Prozess: Produkt & Konsumption

Hier befindet sich das Produkt mitten in der blinden Passage. Auf welche Weise lässt sich hier eine gewisse „Sichtbarkeit“ herstellen? Zwei Unterfelder sind hier vorgesehen:


Zusammensetzung

Auf diesem Feld sollen die Teile aufgelistet werden, in die das Produkt während seines normalen Gebrauchs zerfällt. Ist es auseinandernehmbar? Müssen oder können Teile ausgetauscht werden? Und gehen diese anschließend separate Wege (wie z.B. Verpackung und Produkt)?

Ist dies der Fall, ist für jedes einzelne Teil ein eigener Wiedereintrittsweg in der nächsten Tabellenspalte (Ouput: Wiedereintritt) anzugeben. Dies gilt nicht für Teile, die zwar für den Betrieb des Produktes unerlässlich sind, aber nicht mit diesem ausgeliefert werden (z.B. Batterien, die man separat kaufen muss).

Dies lenkt auf die Frage: Kann ich ein zertifiziertes Gerät (z.B. ein Radio) betreiben mittels Batterien, die selbst nicht zertifiziert sind, ohne das die Zertifikation des Radios zusammenfällt? Die Antwort auf diese Frage lautet: Ja! Die Art des Produktes und auch sein Zweck werden von O:Wi nicht bewertet, lediglich sein Entstehen und Verbleiben in Stoffkreisläufen selbst.


Konsum

Was ist die vom Hersteller für das Produkt vorgesehene Verwendungs- bzw. Konsumptionsweise? Eine einfache Beschreibung genügt hier.

Aber dieses Fenster kann noch viel mehr sein, nämlich ein interessantes Feld für Werbung. Das Konsummodul ist ja eine offene Website zum Produkt. Man kann es benutzen, um seinen Kunden etwas über das Produkt mitzuteilen, mit ihnen in Kontakt und Interaktion darüber zu kommen. Mit Smartphones begleitet uns heute das Internet überall hin, auch in den Supermarkt, wo ich vor mir im Regal das Produkt stehen sehe und diese Website aufrufe. Was kann man hier alles mitteilen? Hier ist das Feld, damit zu spielen (->CID/PID).

 

4.2.4 Output: Wiedereintritt

Die Outputseite im Konsummodul listet für das Produkt bzw. jedes der Teile, in die es im Laufe seines Gebrauchs zerfällt, zertifizierte Zielmodule oder Anschlüsse auf. Die Frage lautet dabei, wie erfolgt der Wiedereintritt in den Kreislauf? Welche Wiedereintrittstechniken (->Wiedereintrittstechniken) werden verwendet?

Für eine erfolgreiche O:Wi Zertifizierung muss die angegebene Möglichkeit für die Kunden auch tatsächlich und mit vertretbarem Aufwand erreichbar sein (z.B. Sammeltonnen in der Nähe), und ihnen auch deutlich kommuniziert werden (z.B. mittels eines gut sichtbaren Hinweises auf der Verpackung und Website des Produktes). Beides ist hier mit anzugeben bzw. durchsichtig zu machen. Beispiel:


Glas

·       P-Pfandsystem; auf dem Glas ist ein deutlicher Hinweis angebracht, dass es wieder abgegeben werden kann, wo es gekauft wurde. Außerdem gibt es einen Hinweis auf eine Website, auf der man erfährt, wo man das Glas außerdem zurückgeben kann. 

 

Welche Wiedereintrittstechniken gibt es und welche Möglichkeiten sie hier anzugeben?


4.2.4.1 Zertifizierte Wiedereintrittstechniken

Eventuell sind zertifizierte Wiedereintrittstechniken vorhanden? Sammelcontainersysteme und ähnliches? In diesem Falle muss man einfach nur die zertifizierten O:Wi Module angeben und verlinken.


Produktteil

·       P-Zielmodul; Beschreibung wie dem Kunden diese Möglichkeit kommuniziert wird und wo sie ihm offen steht.

·       P-Zielmodul 2; Falls mehrere Zielmodule möglich sind, Punktliste anlegen.

 

4.2.4.2 Nicht zertifizierte Wiedereintrittstechniken

Aber Wiedereintrittstechniken müssen nicht immer zertifiziert sein. Es kann verschiedene Wege geben, wie aus dem Haushalt das betreffende Produktteil wieder in ein O:Wi Produktionsmodul gelangt. (Z.B. man nimmt als Hersteller Verpackungen oder Produkte selbst zurück, holt sie z.B. wieder ab etc.) Diese Zwischenschritte müssen selbst nicht unbedingt als O:Wi Modul beschrieben sein. Aber sie sollten in irgendeiner Weise transparent gemacht sein.

Bedient man sich einer nicht zertifizierten Rückführungstechnik, verweist man  an dieser Stelle auf die Sonderregelung IV (->Sonderregelungen). Anschließend fügt man eine kurze Beschreibung der Technik bei. Kurze Beschreibungen kann man direkt ins Modul eintragen, längere Beschreibungen sollte man extern verlinken – z.B. Extradokumente oder Websites der Techniken. Beispiel:

 

Produktteil

·       SIV; Kurzbeschreibung hier oder verlinkt; Hinweis darauf wie dem Kunden die Möglichkeit kommuniziert und bereitgestellt wird, insofern dieses nicht aus der verlinkten Beschreibung ersichtlich wird.  

 

4.2.4.3 Biologisch abbaubare Überbleibsel: Weltbiomodul

Was geschieht mit biologisch abbaubaren Produktbestandteilen (z.B. Blumenerde) oder Dingen, die man z.B. isst. In diesem Falle verlinkt man anstelle einer Sonderregelung oder eines konkreten Moduls auf die „Weltbiomodulseite“ (->Biomodul/Weltbiomodul).

 

O:Wi Weltbiomodul (ÕLINK)

 

Handelt es sich bei dem Produktteil um etwas zusammengesetztes, bei dem nicht unmittelbar durchsichtig wird, wie die einzelnen Teile biologisch abgebaut werden, sollte man das Produktteil noch in seinen Einzelbestandteilen aufführen. Beispiel:

 

Verschlusskappe aus Zucker, Öl & Stärke

·       Weltbiomodul; die Verpackung sagt, dass man die Kappe in den Biomüll werfen kann.

 

Der „Weltbiomodul“-Eintrag wird von einem Richter akzeptiert, wenn alle Stoffe, die auf diese Weise irgendwo in die Natur gelangen, gut biologisch abbaubar sind oder wenigstens absolut unbedenklich und in ihrem LÖWi Lexikonartikeln dazu eine Beschreibung existiert. Die Artikel sind hier zu verlinken (siehe Beispiel). Öl, Zucker und Stärke sind „essbar“, damit biologisch verdaubar.

 

4.2.5 Weiteres

Zum Modul gehört außerdem ein Standardfeld für Weiteres aller Art zum Produkt. Je nach technischer Lösung könnte man hier z.B. ein Kommentarfeld integrieren oder weitere interaktive Möglichkeiten. (->CID/PID)


 

4.3 Blinde Passagen & die freiwillige Selbstverpflichtung

Mit diesem Konsummodul ist das blinde Passagen Problem überwiegend gelöst. Aber es bleibt dennoch unweigerlich ein Rest bzw. bieten sich hier einige Möglichkeiten die Anschlussfähigkeitsvorgabe auszutricksen und das System „zu hintergehen“.

Ein Beispielszenario: Im Produktionsprozess einer Firma fallen Giftstoffe an. Diese sind zwar prinzipiell kreislauffähig also wiederaufbereitbar, aber nur in Verbindung mit überaus hohen Kosten. Die Firma presst diese Giftstoffe nun in einen Würfel und deklariert diesen als Produkt. Sie entlässt ihn in die blinde Passage. Dafür gibt sie an, dass sie den Würfel anschließend gerne wieder zurücknimmt und die extrem kostenaufwändige Aufbereitung selbst übernimmt. Jedoch schickt sie Geisterkäufer los, die die Würfel aufkaufen und in der dunklen Passage entsorgen – sich nicht um die vorgegebene Wiedereintrittstechnik scheren. Die Würfel kommen nie in der Wiederaufbereitungsanlage der Firma an, es entstehen keine Kosten.

Dinge wie diese sind durch das Dunkel der Passage wohl nie vollkommen auszuschalten. Jeder Versuch, dies streng zu regeln, würde höchstwahrscheinlich unweigerlich zu einem Eingreifen in die Freiheit des Kunden führen, zu viel Licht in die Passage tragen. Das ist aber unter allen Umständen zu vermeiden, denn es ist diese Freiheit, die der Nährboden ist z.B. für kreative Zweckentfremdung und Weltaneignung, ohne die O:Wi nicht arbeiten kann. 

Wo es keine harte Lösung gibt, muss man sich mit einer weichen helfen. Die weiche Lösung von O:Wi stützt sich auf Vertrauen. Mit jedem Vertragsabschluss unterschreibt eine Firma zugleich eine freiwillige Selbsterklärung (->freiwillige Selbsterklärung). Hier wird unter anderem auf das Blinde Passagen Problem hinwiesen und die Firma sichert zu, daraus nicht absichtlich und verborgen Vorteil zu ziehen. Diese freiwillige Selbsterklärung erweitert den Entscheidungs- und Begründungsspielraum für Richter bei eventuellen Exklusionsentscheidungen.

Zudem ist davon auszugehen, dass in einer digitalisierten Welt mit all seinen Möglichkeiten der Transparenz, ein solches Fehlverhalten ohnehin nicht lange verborgen bliebe. Die Chancen unentdeckt zu bleiben und damit die Anreize für ein solches Verhalten sind denkbar gering. 


4.4 &

-> Zur aktuellen Technik

-> Ein Beispiel gibt es im O:Wi Module Wiki.




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5. Firmenprofil: Profil Übersicht für Produzenten

Beginn und Ausgangspunkt der O:Wi Mitarbeit und Zertifizierung eines Produzenten ist das Anlegen eines Produzentenprofils bzw. einer Profil Übersicht. In der „Profil Übersicht“ sind O:Wi relevante Informationen zur Firma dargestellt bzw. werden darüber kommuniziert und organisiert. Die Profil Übersicht ist damit neben den Modulen das wichtige von einem Produzenten anzulegende Dokument. Vorlagen können auf der Technikseite (->Technikseite) gefunden werden.


5.1 Abschnitte eines Produzenten Profils

Die Profil Übersicht umfasst drei Abschnitte (Beispiel unten):

 

5.1.1 Allgemeine Daten

Zuerst kommen allgemeine Angaben wie Name, Adresse, Logo der Firma, allerlei Links zu ihr (inklusive O:Wi Community Profil), Angaben über eventuelle O:Wi Zertifizierungen, eine Kurzbeschreibung sowie ein freiwilliges Fragefeld (->Sinnfeld).

 

5.1.2 Produktion

Der zweite Abschnitt befasst sich mit der Produktion. Der Abschnitt Produktion ist in drei Unterabschnitte zerteilt:


Zertifizierte Module - Unsere O:Wi Module

Hier sind alle O:Wi zertifizierten Module der Firma anzugeben und zu verlinken mit Zertifikationsdatum und Richter. Außerdem auch alle beanspruchten Biomodule, auf die durch die O:Wi zertifizierten Produktions- und Konsummodulen eingewirkt wird. Zu den Biomodulen ist das Zertifikationsdatum und der Richter des Produktions- oder Konsummoduls, welches darauf einwirkt, anzugeben. Die Module sind in dieser Reihenfolge sortiert aufzulisten: Konsummodule, Produktionsmodule, Biomodule. 


In Erarbeitung - O:Wi Module und Probleme in Erarbeitung

Auf diesem Feld kann man Module auflisten und verlinken, die noch in der Erarbeitungsphase sind oder bereits angelegt, aber noch ungeprüft. Diese Module hier frühzeitig aufzuführen hat viele Vorteile. Z.B. kann man hier die Community um Mithilfe bitten bei der Erarbeitung. Sind z.B. für ein Modul noch eine Reihe von LÖWi Einträgen nötig? Oder betreiben sie hier überhaupt Forschungen, suchen nach Anschlüssen für bestimmte Inputs oder Outputs? Dies kann man hier darstellen und offen die Community um Mithilfe bitten.

Das Feld kann man darüberhinaus auch für weitere Darstellungen zum Produktionsprozess verwenden. Oder engagiert man sich irgendwo in der Forschung, nimmt an Initiativen teil, die dazu führen sollen, die Verwirklichung einer Kreislaufwirtschaft und ökoeffektiver Produkte voranzutreiben? Hier ist der Platz, darüber zu sprechen und entsprechendes zu verlinken.  


Inventar

Dieser Teil ist integraler Bestandteil jeder O:Wi Zertifizierung und speziell wichtig für das Anlegen der Produktionsmodule. Hier ist die Infrastruktur aufzunehmen, die in den zertifizierten oder zu zertifierenden Modulen eine Rolle spielt: Werkzeuge, Werksgebäude, Maschinen etc. Was verbleibt dauerhaft in den Produktionsprozessen. Es muss nicht jeder einzelne Schraubenzieher aufgelistet werden. Von Interesse sind eher größere Dinge. Infrastruktur, die zum Produzenten gehört, aber nicht in O:Wi Modulen gebraucht wird, muss hier nicht aufgeführt werden. Das Feld kann intern beliebig gegliedert werden.

Die Infrastruktur kann mit Lexikonartikeln (Artefakte) verlinkt werden, insofern zu den jeweiligen Dingen welche existieren.

Die einzelnen Posten der Infrastruktur können darüber hinaus auch noch mit weiteren Links illustriert werden. Man kann z.B. Fotos davon verlinken oder Videos oder Webcamlifestreams oder was immer (->CID/PID).


5.1.3 Mehr über uns

Ein Feld für weitere Selbstdarstellungen des Produzenten. Welche Aktivitäten entfaltet er z.B. noch innerhalb von O:Wi? Hier lassen sich verschiedenste Beziehungspunkte abbilden und etablieren.   

 

5.2 &


-> Zur aktuellen Technik

-> Ein Beispiel gibt es im O:Wi Module Wiki.


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6. Sonderregelungen

Die Idee von O:Wi Zertifikat ist es, bei der Idee der Anschlussfähigkeit praktisch kompromisslos zu sein. Darin liegt seine Stärke und nur so kann es wirklich funktionieren. Dennoch sind aber leichte Aufweichungen möglich, die die Zertifizierung vereinfachen, ohne dabei die Idee der Anschlussfähigkeit zu gefährden. Hier vier Regeln dafür:


K U R Z F O R M

I. 1 + ½ Regel für ausfallende Anschlüsse

Fällt ein Anschluss aus (etwa weil ein Anschlusspartner seine Produktion umstellt), hat man 1 Jahr Zeit, den Anschluss für das Modul wieder herzustellen mit einer Möglichkeit auf Verlängerung um ein weiteres halbes Jahr.

 

II. 1 + ½ Regel für Neuzertifizierungen

Bei Neuzertifizierungen braucht man lediglich für 50% aller Outputs direkte Anschlüsse nachzuweisen, wenn außerdem ein glaubwürdiger Plan vorgelegt wird, dass die Anschlüsse für die zweiten 50% innerhalb eines Jahres hergestellt werden. Diese Frist kann nach Ablauf in Sonderfällen noch einmal um 6 Monate verlängert werden.

 

III. Sonderregelung für Produktrecycling

Ein Produkt (Konsummodul) kann zertifiziert werden auch ohne existierende Wiedereintrittsmöglichkeit in den Kreislauf, wenn

a)  seine voraussichtliche Gebrauchszeit mindestens 5 Jahre beträgt  

b)  und ein glaubwürdiger Plan vorliegt, dass in dieser Zeit die Wiedereintrittsmöglichkeit entstehen wird. 

 

IV. Input aus nicht zertifizierter Quelle

Inputs aus nicht zertifizierten Quellen können aufgenommen werden, wenn:

a) sie nicht, nicht in ausreichender Menge oder nur mit unvertretbar hohem Transportaufwand aus zertifizierter Quelle bezogen werden können &

b) ihr fortwährendes weiteres Verbleiben im Anschlusskreislauf fraglos gewährleistet erscheint &

c) sie aus Produktionsabläufen stammen, die prinzipiell als O:Wi Module vorstellbar sind.





6.1   I.  1 + ½ Regel für ausfallende Anschlüsse

Was geschieht, wenn ein Anschluss wegbricht also plötzlich fehlt, vielleicht weil der Anschlusspartner O:Wi verlässt oder seine Produktion umstellt? Im besten Falle kann man ihn sofort durch einen anderen zertifizierten ersetzen. Was aber geschieht, wenn dies nicht sofort und ohne weiteres möglich ist? Wenn also der fehlende Input nicht sofort von einer anderen zertifizierten Firma z.B. bezogen werden kann oder sich kein zertifizierter Outputnehmer finden lässt? In diesem Falle wird die Firma, der der Anschluss oder die Anschlüsse fehlen, nicht sofort aus O:Wi ausgeschlossen. Sie erhält eine Frist von einem Jahr, um den Anschluss neu mit einem zertifizierten Anschlusspartner zu setzen. Ist dies nach einem Jahr noch nicht gelungen, kann eine Verlängerung der Frist um maximal 6 Monate erreicht werden, wenn glaubwürdig (hierüber entscheidet ein Richter) dargelegt werden kann, dass innerhalb dieser Frist der Anschluss wieder hergestellt werden wird.


6.2   II.  1 + ½ Regel als Übergang für Neuzertifizierungen

Diese Regel kann unter Umständen auch benutzt werden, um Firmen, die neu in O:Wi eintreten wollen, den Eintritt zu erleichtern. Ein neues Modul kann zertififiziert werden, wenn für mindestens 50% seiner Outputs vorhandene Anschlüsse nachgewiesen sind und für den Rest von Anfang an ein glaubwürdiger Plan vorliegt, wie diese Anschlüsse innerhalb eines Jahres hergestellt werden. Ist das nach Ablauf der Jahresfrist noch nicht gelungen, kann unter Umständen eine Verlängerung der Frist um weitere 6 Monate gegeben werden.

 

6.3   III.  Sonderregelung für Produktrecycling

Für Konsummodule (->Konsummodul) gibt es eine Sonderreglung zur Vereinfachung der Zertifizierung. Sie gilt, wenn das Konsummodul noch nicht vollständig auf Recyclingsysteme verweisen kann, also noch keine konkreten Systeme für die Wiedereinspeisung des Produktes und aller seiner Teile vorliegt, und das Produkt einen Lebenszyklus d.h. eine voraussichtliche Gebrauchszeit von mindestens 5 Jahren hat.

Sind diese beiden Dinge gegeben, dann kann das Konsummodul (und damit also das Produkt) dennoch zertifiziert werden, wenn glaubhaft dargelegt wird, dass innerhalb der nächsten 5 Jahre alle Verfahren zur vollständigen Wiedereinspeisung entstehen und auch den Kunden zur Verfügung gestellt werden. Nach 3 Jahren muss offen gelegt werden, dass es hier tatsächlich Fortschritte gibt und das Ziel innerhalb der gesetzten Frist erreicht werden wird. Ist dies nicht abzusehen, wird die Zertifikation für das Konsummodul aberkannt. Spätestens nach 5 Jahren, eine Verlängerung ist nicht vorgesehen. Eine offene Kommunikation und Vermittlung der Firma hier wird vorausgesetzt (->freiwillige Selbstverpflichtung).

 

6.4   IV.  Inputs aus nicht zertifizierter Quelle in den Kreislauf

Unter bestimmten Voraussetzungen ist es möglich, Inputs aus nicht zertifizierten Firmen & Quellen aufzunehmen. Diese Möglichkeit erleichtert Zertifizierungen ungemein und ist zudem auch funktionell interessant. Auf diese Weise gelangen von außen Stück für Stück Materialien in den Kreislauf, blasen ihn auf, steigern sein Umsatzvolumen und damit seine Möglichkeiten Anschlüsse für Neuankömmlinge anzubieten. Die Regel ist jedoch auch ein potentielles Einfallstor für unerwartete Probleme und muss deshalb ständig neu geprüft werden.

Sie besagt: Ein Input kann aus einer nicht zertifizierten Quelle eingeführt werden, wenn:

a)     er oder ein geeignetes Substitut für ihn innerhalb von O:Wi gar nicht, nicht in ausreichender Menge oder nur mit unvertretbar hohem Transportaufwand (hierüber entscheidet ein Richter) verfügbar ist und

b)    er fraglos und glaubwürdig weiter im Kreislauf bleiben kann, dafür Anschlüsse dargelegt werden können (auch mit Hilfe der Sonderregelung Nr. III) und

c)    sie aus Produktionsabläufen stammen, die prinzipiell O:Wi zertifizierbar erscheinen.

Der Nachweis, das diese Bedingungen erfüllt sind, ist in einer Beschreibung darzulegen und diese an den betreffenden Input anzuheften/von dort aus zu verlinken. Der Nachweis steht jedes Jahr zur Überprüfung an bzw. muss neu erbracht werden. Dies stellt sicher, dass, wenn bis dahin der Input doch über einen zertifizierten Weg zu beziehen ist, auf diesen als Quelle umgestellt wird. Hierzu ist die zertifizierte Firma verpflichtet, falls der zertifizierte Input nicht doppelt so teuer (200%) wie seine nicht zertifizierte Variante ist. (Bei Inputs mit einem 4stelligen Euro-Anschaffungsbetrag pro kleinstmögliche Liefereinheit gilt statt 200% der Wert von 150%.) Stellt sie nicht auf den Input aus zertifizierter Quelle um, gilt ihr Anschluss als zusammengebrochen und die Sonderregelung I tritt in Kraft.

* Wiedereintritt

Die Sonderregelung IV spielt außerdem eine Rolle bei den Wiedereintrittstechniken des Konsummoduls (-> Konsummodul/Wiedereintritt). Sie kann auch in der Outputspalte des Konsummoduls angegeben werden, wenn der Output mit einer Wiedereintrittstechnik verknüpft ist, die nicht zertifiziert ist. Inputs, die aus solchen Wiedereintrittstechniken bezogen werden, sollten auf Beschreibungen dieser Wiedereintrittstechniken verlinken.


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7. Das Lexikon (LÖWi)


LÖWi
Lexikon Ökologischer Wirtschaft

O:Wi stützt sich bei seiner Zertifizierung auf das LÖWi – Lexikon Ökologischer Wirtschaft (->LÖWi). LÖWi ist ein offenes Wiki basiertes Lexikon nach dem Vorbild der Wikipedia. Es beschäftigt sich mit der Sammlung & Systematisierung allen für eine ökologische Kreislaufwirtschaft relevanten Wissens. Es gibt darin Artikel zu Materialien, Prozessen/Verfahren, Artefakten, biologischen Zusammenhängen und ähnlichem.

Aus den O:Wi Modulen ist jeweils immer auf die Artikel im LÖWi Lexikon zu verweisen. Ein Material z.B. oder ein Prozess wie „Fermentierung“ ist also nicht im Modul darzustellen, sondern sein Eintrag im LÖWi Lexikon zu verlinken. Das Anlegen der O:Wi Module wird damit sehr leicht, da man langwierige Darstellungen durch einfache Verweise ersetzen kann. Fehlt der notwendige LÖWi Eintrag oder ein Abschnitt darin, ist der nachzutragen. Eine oberflächliche Anlage genügt zuallermeist.

Alles weitere findet sich auf den Seiten von LÖWi selbst.

Ps. LÖWi wäre der Ort für die Biomodule gewesen.



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8. Die Karte

HINWEIS: Dieser Entwurf beschreibt eine Idee - einen „Idealzustand“. Er ist konzeptionell. Mit der aktuellen Software ist er so gar nicht umgesetzt und vorgesehen. Der Entwurf will Horizonte zeigen, in die man sich bei Weiterentwicklungen der Technik hineindenken könnte.

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Die Karte soll ein wesentliches Vermittlungs-, Darstellungs- und damit Wissenssystem sein. Es verbindet einzelne Einträge und setzt sie nach Abstand geordnet zueinander in Beziehung. Es weiß, wo sich die Dinge befinden. Und es ist hilfreich zu wissen, wo Dinge sind, wenn man sie beispielsweise teilen oder damit arbeiten will. Prinzipiell ist es also die Idee der Karte, bestimmte Metadaten zu erheben, nach denen andere Daten hernach sinnvoll verknüpft werden können. Eine Rechenmatrix mittels derer zahlreiche Dinge entdeckt werden können. (Wichtigste Anwendung der Karte ist die Auszeichnung der Bio-Module, die aktuell gelöst ist mit Postleitzahlen (->Biomodule)).

Karten- bzw. Location Daten sind für viele Dinge in der Datenbank andenkbar: Produktionsmodule, Gegenstände (Infrastruktur), Bio-Module, Transport, Energie etc. Wir haben erst angefangen, mit den Möglichkeiten mobiler Karten, mit GPS und vergleichbaren Techniken im Alltagsgebrauch zu spielen und die Potentiale hier zu explorieren. In der Zertifikationsarchitektur könnte von Anfang an ein entwicklungsfähiger Grundstock für eine solche Technologie angelegt sein.

*Spin

Der Verfasser dieser Beschreibung ist offensichtlich kein Techniker, aber er stellt sich vor, dass eine solche Technologie ebenfalls in einer Art offenem Wiki mit gutem Filterdesign vorliegen könnte. Jedermann kann hier bestimmte Einträge vornehmen. Dafür müsste das System ebenfalls in gewissem Rahmen Widersprüche aushalten können (->Wissensdesign/Theorienpluralität) und Zeit- sowie Reputationsdynamiken abbilden können.

Eine solcherart beständig anwachsende Datenlage eröffnet ungeheure Anwendungsmöglichkeiten. Es ließen sich zahlreiche Auswertungsinterfaces und Datenbefragungstechniken ausdenken, mit eine offene Community und auch Maschinen zahlreiche Schlüsse ziehen und Optimierungspotentiale freilegen könnten.

Dies könnte etwa eine intelligentere Transportplanung umfassen oder Assoziationen für bessere Kooperations- und damit Synergiepotentiale zulassen, die ohne eine solche Technik nur schwer zu entdecken sind. Das System entdeckt Kooperations- oder Wirtschaftsmöglichkeiten anhand mehrerer regional günstig zueinander gelegener Einzeldinge. Neue Märkte könnten entstehen.

Materialflüsse werden visualisierbar, Input- und Outputströme beliebig weit rückverfolgbar und öffnen sich somit einer rationalen Analyse.

Über offene Schnittstellen können innovative automatische Datensammlungs- und Auswertungsmethoden angeschlossen werden. Wie wäre etwa ein Corporate Interaction Design in Form eines Location Based Games? „Wie viele Marienkäfer hast du gezählt?“ – Ein Location Based Game zu spielen in der Nähe von Weinbergen...

Mit etwas Phantasie sind hier bunteste Anwendungsszenarien und Entwicklungsaussichten für eine Kartentechnologie, die mit der restlichen Datenerhebungsarchitektur des Zertifikates verwoben ist, ausdenken. Es gilt zunächst, einen einfachen, entwicklungsfähigen Grundstock dafür zu schaffen.



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9 Sinnfeld (Fragefeld "?")

_ _ _?

Das Sinnfeld ist der Versuch, einen Platz in der Architektur zu schaffen, um verschiedene Einträge innovativ miteinander zu vermitteln. Deshalb gibt es als Idee Sinnfelder in verschiedensten Bereichen der Architektur. Ziel ist eine „Sinn geleitete“ Vermittlung zwischen verschiedenen Ebenen. Es geht um einen intelligenten Vergleich verschiedenster Dinge, die kreative Suche nach überraschenden Substituten und damit letztlich um ein Sichtfenster für neue Einblicke in unentdeckte Möglichkeiten und Gestaltungsweisen.

Das Vorkommen einer Sinnbubble ist z.B. vorgesehen für die Artikel des Lexikons (->Lexikon), die Produktionsmodule (->Produktionsmodul), die Profile (->Firmenprofil), die Konsummodule (->Konsummodul).

Als Technik sollen hier vorerst nur einfache Fragen stehen. D.h. der entsprechende Eintragsgegenstand soll seinem übergeordneten Sinn nach in einigen Fragen reformuliert werden: Auf welches Problem reagiert das? Welche Fragen löst es? Welches Ziel wird damit verfolgt? Welche Frage stellt es selbst? Etc. Diese Fragen sollten wo möglich allgemeiner, d.h. in übergeordneteren Kategorien formuliert sein. Also z.B. nicht „Wie kann ich Möhren schälen?“ sondern „Wie kann ich Gemüse reinigen?“ (Kartoffelschäler) oder auch „Warum muss ich Gemüse schälen?“

Ideen und Anregungen für das Sinnfeld bitte gerne in den Kommentaren.



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10. Machtdesign (Einfluss- und Entscheidungsgestaltung)

O:Wi soll als Communityprojekt umgesetzt werden. Dementsprechend sollte auch "alle Macht von der Community" ausgehen. Mit dem Internet ist es möglich, dies in umfassender Weise zu gestalten. Allerdings stellt sich damit die Frage nach guten Filtern, nach guter Organisation und damit Qualitätssicherung. Wie können qualitative und stabile Entscheidungen getroffen werden innerhalb und mit Hilfe einer offenen und pluralen Community?

Entscheidungs- und Einflussfragen stellen sich bei der Zertifizierung (wer entscheidet wie über Inklusion oder Exklusion?) und auch ganz generell bei der Gestaltung von O:Wi an sich (z.B. der Gestaltung der Entscheidungs- und Einflussfragen). 

Vorerst und aktuell funktionert dies wie folgt:


Der Verein

Bei der Gestaltung spielt der Verein „WiWi – Verein für Wirtschaftskunst Berlin e.V.“ eine entscheidende Rolle. Er ist der Träger von O:Wi. Das für O:Wi entscheidende "Machtorgan" ist die demokratische Mitgliederversammlung des Vereines. Die ordentliche Mitgliederversammlung findet mindestens einmal jährlich und bei Bedarf auch öfter statt. Entschieden wird per Abstimmung und mit einfacher Mehrheit. Stimmberechtigt sind alle Vereinsmitglieder. Es ist für jedermann jederzeit möglich, Mitglied des Vereines zu werden und sich gestalterisch an O:Wi zu beteiligen  (->Vereinswebsite/Mitgliedsantrag). Der jährliche Mitgliedsbeitrag beträgt 24 Euro. 

Der entscheidende Baustein hinsichtlich O:Wi ist das Diskutieren und Erlassen einer „Ordnung“ für O:Wi durch die Mitgliederversammlung. In dieser Ordnung ist die Beziehung des Vereines zu O:Wi sowie einige O:Wi interne Regelungen bindend festgelegt. Es handelt sich um eine Art „Gesetzestext“, der nur von der Mitgliederversammlung geändert werden kann und im Laufe der Entwicklung von O:Wi weiter entwickelt werden muss.  

Die aktuell gültige erste Version der Ordnung vom 01.07.2011 ist hier vollständig wiedergegeben (PDF Version hier). Sie enthält neben der Definition der Rolle des Vereines auch eine Beschreibung, wie die Zertifizierung durch aus der Community bestellte Richter vorgenommen werden kann und soll.

 

Ordnung des WiWi - Verein für Wirtschaftskunst Berlin e.V.

Betreffend das Vereinsprojekt Kreislaufwirtschafts-Zertifikat


 Die Ordnung wurde am 01.07.2011 von der Mitgliederversammlung erlassen.

§ 1 Rolle des Vereines

(1)  Beim Projekt handelt es sich um eine Plattform im Internet, auf der eine Community an der Vergabe eines Kreislaufwirtschaftszertifikates zusammenarbeitet.

 (2)  Diese Ordnung regelt das Verhältnis des Vereines zum Projekt und seinen inneren  Abläufen. Sie ist von einer ordentlichen Mitgliederversammlung zu beschließen (entsprechend § 11 der Vereinssatzung) und kann nur von ihr geändert werden. Jeder Änderungsantrag wird von der Mitgliederversammlung diskutiert und zur Abstimmung freigegeben, wenn er von mindestens 1/10 aller Vereinsmitglieder oder 1/3 aller Richter (siehe unten) gestützt wird.

(3)  Die Mitgliederversammlung des Vereines findet in allen Teilen, die das Kreislaufzertifikats-Projekt und diese Ordnung betreffen, öffentlich statt. Termin und Uhrzeit hierfür werden 4 Wochen vor der Versammlung auf der Website des Vereines bekannt gegeben.

(4)  Der Verein betreibt die Plattform und unterstützt sie wirtschaftlich, indem er z.B. Spenden dafür sammelt und diese in die Plattform und ihre Community investiert. 

 (5)  Der Verein wird die Schutzrechte der Bild- und Wortmarke des Zertifikates erwerben und solchen Unternehmen vertraglich die Nutzung der Bild- und Wortmarke einräumen, die von der Community dafür bestimmt werden. Der Verein wird keinerlei eigene Beurteilung, Befragung oder Auswahl der Unternehmen vornehmen, sondern geradlinig den Vorgaben aus der Community folgen, wenn sie ihn auf dem in §2 und §3 dieser Ordnung festgelegtem Weg erreichen. Der Vertrag soll eine Laufzeit von einem Jahr haben und sich, falls keine Änderungen bei der Beurteilung des Unternehmens durch die Community erfolgt ist, jedes Jahr automatisch verlängern.

 

§ 2   Zertifikation durch Richter aus der Community

 (1)  Über die Zertifikation, d.h. welchem Unternehmen und in welchem Umfang der Verein die Nutzungsrechte an der Wort und Bildmarke des Zertifikates überlässt, entscheiden Richter, die aus der Community der Plattform bestellt werden.

 (2)  Richter werden von einem Gremium anderer Richter aus der Community ernannt. Ist kein Richter vorhanden, wählt die Mitgliederversammlung des Vereines einen ersten. Ob jemand als Richter geeignet erscheint, misst man an seinen Leistungen in der Community etwa der Anzahl und Qualität seiner Beiträge und seiner allgemeinen Reputation. Ein Richter muss weder Vereinsmitglied sein noch zwangsweise einen besonderen Rang in der Community haben. Unabdingbar sind jedoch gute Kenntnisse des Projektes und des aktuell von der Community entwickelten Zertifikationssystems.

 (3)  Mit der Annahme der Richterrolle erklärt ein Communitymitglied sich zugleich einverstanden, eine Reihe von Daten über sich offenzulegen (Alter, Wohnort, Ausbildung & Beruf) sowie alles Tätigsein als Richter der Community umfassend transparent zu machen. Im Communityprofil sollte eine Bemerkung über die Richterposition aufgenommen werden. Alle aktuellen Richter werden auf der „Richterliste“ bekannt gegeben. Die Position des Richters ist durch die Eintragung in diese Liste legitimiert. Die Verwaltung der Richterliste liegt in der Hand der Richter. Ein Link zur Richterliste ist auf der Website des Vereines zu finden.

 (4)  Die Richterposition kann aberkannt werden, wenn mindestens die Hälfte aller anderen Richter sich dafür ausspricht oder die Mitgliederversammlung des Vereines einen Beschluss darüber fasst. Ein Antrag auf eine entsprechende Abstimmung muss von mindestens 1/10 aller Mitglieder des Vereines im Vorhinein gestützt werden, um zum Tagesordnungspunkt zu werden. Die Entscheidung der Mitgliederversammlung ist der Entscheidung der Richter übergestellt.

 

§ 3   Richtprozess/ Zertifizierung

 (1)  Hat ein Unternehmen die für eine Zertifizierung notwendigen Offenlegungen vorgenommen, werden diese von einem Richter geprüft. Das Unternehmen muss dazu einen Richter für sich interessieren oder aber bekommt einen zugewiesen. Ein Kontakt zum Richter ist auch schon während der Ausarbeitung der Offenlegung möglich. Empfehlenswert ist es, einen Richter aus geografischer Nähe zu finden, damit dieser sich bei Bedarf auch vor Ort überzeugen kann, ob die Realität im Unternehmen den Darstellungen entspricht. Wo es möglich ist oder sinnvoll erscheint, ist ein fachlich passender Richter auszuwählen, jedoch ist dies nicht zwingend Voraussetzung.  

 (2)  Steht ein Richter mit einer zu zertifizierenden Firma in geschäftlicher oder privater Beziehung, hat er sich als befangen zu erklären und sollte sich von der Zertifizierung zurückziehen. Ausnahmen sind möglich, sollten jedoch öffentlich gemacht werden, die Zustimmung eines weiteren Richters einholen und sich in ganz besonderer Weise um Verfahrenstransparenz bemühen. 

 (3)  Ein Richter kann für die Beurteilung einer Zertifikation jederzeit weitere Richter hinzufügen oder sich jede andere Hilfe holen (z.B. aus der Community), die er für nötig hält. Während des Richtprozesses kann er Nachbesserungen von der Firma verlangen z.B. Vertiefungen oder zusätzliche Nachweise.

 (4)  Die Richter verpflichten sich, bestmöglich nach der Anschlussfähigkeitskreislaufidee und ihrer Entwicklung durch die Community zu arbeiten. Ein aktuelles Setting der für alle Richter verbindlichen Regeln wird über die Seite der Richterliste publik gemacht und von dort aus öffentlich in der Community diskutiert und weiterentwickelt.

 (5)  Befindet ein Richter die Zertifikation einer Firma als zulässig, veranlasst er deren Eintragung in die „Liste der zertifizierten Firmen“. Damit wird die Zertifizierung offiziell und gültig. Dieser Liste folgt der Verein blind und uneingeschränkt bei Abschluss und Gestaltung der Verträge mit den Unternehmen über die Nutzung der Bild- und Wortmarke des Zertifikates. Die Liste kann über einen Link auf der Website des Vereines gefunden werden.

 (6)  Lehnt ein Richter eine Zertifizierung ab, kann das betroffene Unternehmen diese Entscheidung anfechten. In diesem Falle wird dann ein zweiter Richter hinzugestellt. Der zweite Richter sollte wenn möglich eine fachliche Kompetenz in den strittigen Fragen besitzen. Lehnt der zweite Richter ebenfalls ab, ist die Zertifikation gescheitert und kann nur nach erheblichen Verbesserungen neu versucht werden. Befindet der zweite Richter die Zertifikation als zulässig, wird sie gültig.

 (7)  Gerät ein bereits zertifiziertes Unternehmen in den Verdacht, die Bedingungen für eine Zertifikation nicht mehr ausreichend zu erfüllen, kann ein Richter eine Neuüberprüfung anordnen. Diese hat sodann durch einen anderen Richter zu erfolgen als den die Überprüfung anordnenden. Ergibt die Überprüfung, dass die Zertifikation nicht mehr gerechtfertigt ist, erhält die Firma einen Zeitraum von 6 Monaten, um die markierten Probleme zu beheben (z.B. Anschlüsse wieder herzustellen). Dieser Zeitraum kann verlängert werden; ob und in welchem Umfang eine Verlängerung erfolgt, liegt im Ermessen der Richter. Ist es nach Ablauf des gesetzten Zeitraumes nicht gelungen, die Zertifikationstauglichkeit wieder herzustellen, wird die Firma aus der Liste der zertifizierten Firmen gestrichen. Es kann demnach keine Verlängerung des Vertrages über die Nutzung an der Bild- und Wortmarke des Zertifikates durch den Verein erfolgen.

-Ordnung Ende-





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11 Wissen "Wissensdesign"

Ziel und Inhalt von O:Wi Zertfikat muss vor allem Wissenserzeugung sein. Wie kann unsere Wirtschaft intelligenter, sozialer und grüner organisieren? O:Wi Zertifikat ist dafür erstens selbst ein Experiment. Zweitens aber muss es darüber hinaus auch versuchen, sein internes und externes Kommunikation so zu gestalten, dass darin ungeheuer schnell und kreativ relevantes Wissen entsteht. Es muss versuchen eine Art Wissensaustausch- und Erzeugungsbeschleuniger zu erstellen. Eine beschleunigte Wissenserzeugung scheint notwendig, denn viele Fragen brauchen dringend Antworten.

Mit der Vorgabe der Anschlussfähigkeit ist dabei schon ein Grundstein gesetzt. Anschlussfähigkeit ist das Basisprinzip der Wissenschaft (deshalb zitieren Wissenschaftler beispielsweise) und Ursache ihrer Produktivität. Dieses Prinzip wird hier auf Stoffströme ausgeweitet. Dadurch lässt sich ein neues Möglichkeitsfeld für Wissen, Kreativität, Kommunikation und Innovation öffnen mit vielfältigsten Potentialen für grundlegend neue Antworten!

Die Tatsache, das Unternehmen Teil einer produktiven Wissensmaschine werden, bietet einen weiteren Anreiz, dem Setting beizutreten.

Wenn sich aber O:Wi als Wissenserzeugungssetting gestaltet, stellt sich die wichtige Frage nach der Stellung des Wissens im Zertifizierungsablauf. Wie kann es geeignet sein, über Inklusion und Exklusion zu entscheiden?

Will O:Wi ein hoch fluides und produktives Wissenssystem sein, in dem Wissensgebäude in fortdauernde Transformation versetzt werden, wofür es sich z.B. mit zahlreichen Widersprüchen aufladen muss, wie kann dann Wissen stabile und erwartbare Inklusions- und Exklusionsentscheidungen rechtfertigen? Wie soll man ohne festes Wissensfundament Entscheidungen begründen und vorhersehbar machen? Auch mischt sich eine ökonomische Dimension hier herein: Neues Wissen ist zunächst meist hochgradig komplex, unbeständig und der Umgang damit dementsprechend teuer. Wie kann man dies gerade für die Unternehmen sinnvoll gestalten?

Kleinere Antworten auf diese Fragen sind überall versucht worden in die Entwürfe einzubinden. Die größten und wichtigsten stehen aber hier nachfolgend genauer aufgeschrieben. Es sind: Der Grundsatz der Theorienpluralität, die Richterlösung & die Maßgabe der Angemessenheit.

 

11.1 Theorienpluralität

Der Grundsatz der Theorienpluralität besagt, dass Firmen bei der Offenlegung und Einspeisung ihrer Prozesse und Wirkungen grundlegend frei sind in der Wahl der dabei verwendeten Methoden und Theorien. Sie sind hierin an keinerlei Vorgaben gebunden. 


11.1.1 Begründung/Herleitung

O:Wi will ein hochproduktives Wissenserzeugungssetting sein und sich zugleich auch immer auf das entstandene Wissen stützen können bei Zertifikationsentscheidungen. Dies ist in gewissem Sinne ein Widerspruch. 

Menschliches Wissen unterliegt einem Drift - ständiger Veränderung. In der Wissenschaft ist dies beispielsweise an immer wieder auftretenden Paradigmenwechseln erkennbar. In gewisser Weise – sehr naiv gesprochen – hat jedes Wissen scheinbar immer eine zunächst verborgene Irrtumsseite, eine Art blinden Fleck. Dieser kommt mit der Zeit ans Licht und eine Neuanordnung des Wissens geschieht. Was lange als wahr galt, wird irgendwann plötzlich falsch.

Besonders offensichtlich ist dies z.B. bei der Modellierung komplexer Zusammenhänge etwa bei ökologischen oder ökonomischen Systemen, die sich selbst immer wieder wandeln, manchmal gerade als Reaktion auf das Wissen, was wir darüber haben. Es gibt eine Art natürliche Evolution von Wissen, in der es beständig obsolet und erneuert wird. 

Dieser Prozess ist grundlegend wünschenswert. Gerade wenn das Ziel eine beschleunigte Wissenserzeugung ist, lohnt es sich sogar extra darauf zu zielen. Dies stellt aber die Zertifizierung vor ein Problem, denn es entzieht ihr in gewisser Weise „Wissen“ als Entscheidungsgrundlage. Denn würde man für eine Zertifizierung bestimmtes Wissen z.B. Theorien oder Messmethoden einsetzen (wie es z.B. die Cradle to Cradle Zertifizierung tut), hieße das, die Wissenserzeugung zu „manipulieren“ und zu „stören“.

Würde man gewisse Theoreme (etwa Maßeinheiten, Indexe, Berechnungsmethoden, Thesen etc.) ins Zentrum setzen, wäre alles Folgegeschehen gezwungen, sich daran zu orientieren und sich daran entlang fortzuentwickeln. Diese Theorien hätten „Macht“ und damit übergroße Aufmerksamkeit. Alternative und vielleicht besser geeignete Theoreme würden blockiert, oder ihre Entwicklung zumindest verlangsamt, das System würde spröde und träge. Die Folge wäre kein Wissenserzeugungsapparat, der sich schnell wandeln kann und eigene Ergebnisse schnell wieder in sich integrieren kann. Eine Art "halbseitige Lähmung" würde eintreten.

Die Schlussfolgerung daraus muss also sein, dass die Verwendung von festem Wissen als Entscheidungsgrundlage für eine Zertifizierung nicht in Frage kommen kann. Den Firmen ist keinerlei Vorgabe zu machen, mittels welchen Wissens sie ihre Wirkungen prognostizieren und ihre Stoffanschlüsse darlegen.

 

11.1.2 Der Grundsatz der Theorienpluralität

Aus dem eben ausgeführten ergibt sich der Grundsatz der Theorienpluralität für alle zu einer Zertifizierung gehörenden Darlegungen. Der Grundsatz der Theorienpluralität besagt, dass die Firmen vollkommen frei sind in der Wahl ihrer Beschreibungs-, Erläuterungs- und Beweisführungsmethoden und -referenzen. Experimente und Neuerungen sind zugelassen und erwünscht. Hieraus ergibt sich auch zwangsläufig die Freiheit der Darstellungstiefe. Wie genau, also etwa bis zu welcher mikroskopischen Auflösung, einzelne Stoffe aufgeschlüsselt werden, bleibt im Ermessensspielraum Firmen. Der Grundsatz der Theorienpluralität wird abgefedert durch bzw. korrespondiert der Richterlösung und der Maßgabe der Angemessenheit, die nachfolgend dargestellt sind.

 

11.2 Richterlösung

Die Entscheidungen über Zertifikation wird von Richtern getroffen. Die technische Darlegung des genauen Prozedere findet sich bei Machtdesign (->Machtdesign). Hier wird diese Lösung vor allem vor dem Hintergrund der Wissenserzeugung begründet.


11.2.1 Begründung/ Herleitung

Wenn mit dem Grundsatz der Theorienpluralität die Möglichkeit eines Rückzuges auf feste, objektive Messmethoden für eine Durchführung und Begründung der Zertifizierungsentscheidungen entzogen ist, stellt sich die Frage, wie diese dann geschieht?

Auch stellt sich die Frage, wie verhindert werden soll, dass das Geschehen unterm Deckmantel der Theorienpluralität vollkommen beliebig und irrelevant wird und eine zielgerichtete Wissenserzeugung und Handlungsführung gar nicht zustande kommt. Eine zielgerichtete Wissenserzeugung und Handlungsführung braucht Bewertung. Es müssen Einschätzungen und eine Auswahl vorgenommen werden, über die besonders gute Lösungen ins Licht gestellt werden. Außerdem muss eine Einschätzung vorgenommen werden, inwiefern das Dargestellte realistisch, glaubhaft und angemessen ist für eine Zertifizierung.

Gibt es keine feste Theoriengrundlage dafür, lautet die Antwort auf eine solche Frage immer: Richter.


11.2.2 Richter

Richter überschauen die Darstellungen einer Zertifizierung und bewerten sie, indem sie sie einordnen in den Hintergrund anderer Darstellungen und Erfahrungen. Richter können dynamisch agieren. Sie stehen in Verbindung mit dem Drift des gesamten Wissenssystems und können dessen Entwicklung und Fortschritt verstehen. Sie können die gewählten Darstellungsweisen und Theorien einer Zertifizierungsbewerbung in Relation stellen zu anderen Theorien und Quellen und so ihre jeweilige Glaubwürdigkeit und Angemessenheit einschätzen. Hierfür kann man technische Hilfssysteme entwickeln. Entspricht das Geschehen hinter den Abbildungen tatsächlich den Vorgaben der Anschlussfähigkeit oder verbergen die gewählten Darstellungen zu viel? Ein Richter kann sich z.B. an bestimmte Communitymitglieder wenden, um seinen Meinungsbildungsprozess zu unterstützen.

In gewissem Sinne wird damit die fehlende „Objektivität“ von Theoremen ersetzt durch die „dynamische Subjektivität“ eines Richters.

Richter verstehen ihre Position im Wissenserzeugungssystem und sind dabei durchaus in der Lage, Unterschiede und Abweichungen auszuhalten.

O:Wi bestellt Richter. Als Richter werden dabei Personen ausgewählt, die Reputation in der Community haben sowie über einen gewissen Erfahrungs- und Ausbildungsstand hinsichtlich O:Wi verfügen.

Es fällt den Richtern in gewisser Weise damit zu, das Geschehen und die Entwicklung von O:Wi zu lenken. Sie müssen die Waage halten zwischen seiner pluralen Auffaltung als Wissenserzeugungsort und seinem zielstrebigen und erwartbaren Funktionieren als Zertifikationsstelle. Sie entwickeln die Kultur.

Dies stellt natürlich die Frage, wie Richter genau bestellt werden. Wie werden sie gefiltert und kontrolliert und wie läuft der Richtprozess ab. Dies ist dargelegt in Machtdesign (->Machtdesign/Richter).

 

11.2.3 Kritik?

Die hier ausgeführte Richterlösung ist natürlich schon mit einem kurzen negativen Brainstorming kritisch vollkommen angreifbar. Viele Dinge sind denkbar, an denen sie scheitern könnte. Es ist aber darauf hinzuweisen, dass sie hier absichtlich in einer sehr offenen Formulierung steht. Auf diese Weise wird ihr eine Entwicklung ermöglicht. Ein prospektiv aufgesetztes breites Regelwerk würde sie ersticken. In dieser Offenheit kann sich zeigen, welche Probleme tatsächlich auftauchen und welche vielleicht unerwarteter Weise doch nicht; eine Kultur kann sich potentiell entwickeln. Die Entwicklung einer Kultur braucht Freiheiten. Nichts desto trotz sind auch kritische Kommentare und Einschätzungen für die Weiterentwicklung essentiell.

 

11.3 Prinzip der Angemessenheit

Funktion des Prinzips der Angemessenheit ist es, die Waage zu halten bzw. den optimalen Zwischenbereich zu finden zwischen Darstellungskomplexität und Darstellungskosten – zwischen Aufwand und Nutzen. Wie können die Darstellungen in den Modulen schlank und zugleich dennoch maximal funktional gehalten werden? Die Frage ist, welche Darstellung ist angemessen und notwendig. 

Wissen lässt sich ja prinzipiell immer weiter detaillieren und vermehren. Unterscheidungen können immer kleinteiliger werden und überbordende Füllen von Ansichten und Details hervorbringen. Aber ist es notwendig, von jedem Baum in einem Wald die atomare Zusammensetzung darzulegen? Oder sein Gewicht? Seine punktgenaue Jahresproduktion an Biomasse? Gewiss nicht. Und überdies auch gar nicht bezahlbar. Hier greift die Maßgabe der Angemessenheit.

 

11.3.1 Maßgabe der Angemessenheit

Die Maßgabe der Angemessenheit besagt, dass eine Darstellung in ihrer Tiefe „angemessen“ sein muss.

Angemessen soll eine Darstellung sein, deren Aufschlüsselung ausreichend ist, um das Verbleiben in geschlossenen und stabilen Stoffkreisläufen glaubhaft zu machen. Sind alle relevanten Folgen in ausreichender Detailtiefe erfasst und verfolgbar gemacht? Relevant sind Folgen, die sich weit fortpflanzen, die transformativ wirken bzw. Anschlussketten verändern oder unter neue Bedingungen stellen. Nicht relevant sind Folgen, die „verpuffen“ und damit vernachlässigenswert sind, weil sie zu keinerlei nennenswerten Wirkungen oder Transformationen im Aufnahmesystem führen.

 

11.3.2 Auslegungen

Es ist klar, dass beim Werfen eines Apfels in einen Wald eine einfache Bemerkung reicht oder diese auch ganz weggelassen werden kann. Eine dauerhafte Entleerung von mit Spülmittel versetztem Putzwasser in das selbe Waldstück fragt aber durchaus nach einer detaillierteren Darstellung.

Ein Tropfen Salzsäure, der in den Bodensee fällt, ist vernachlässigbar. Ein Tropfen Quecksilber jedoch nicht, denn dieser gefährdet das ganze System grundlegend! Verwendet man Erde aus einem Stück Natur, dass keinerlei Berührung mit menschlicher Kultur bisher hatte, dann reicht eine einfach Nennung „Boden.“ Entnimmt man den Boden aber aus dem Grund einer ehemaligen Chemiefabrik, dann könnte hier schon eine detaillierte Darstellung vonnöten sein.

Ein guter Gegenstand, um die angemessene Darstellungstiefe zu erläutern, sind Biomodule, vor allem wenn es um die Wechselwirkungen zwischen Dingen geht (->Biomodul). Denn Biomodule sind ungeheuer komplex, sie sind voll mit tausendsten Parametern und Variablen, die prinzipiell gar nicht alle zu erfassen sind. All diese Variablen stehen in vielfältigsten Interaktionsprozessen und wechselseitigen Abhängigkeiten zueinander. Und manchmal kann tatsächlich ein scheinbar geringer Eingriff das ganze Bio-System des Moduls grundlegend verändern. Von jedem kleinen Input aus kann man also grundlegend das ganze „System Welt“ beschreiben.

Eine populäre Idee, die das beschreibt, ist der sogenannte Schmetterlingseffekt – die Idee, dass der Flügelschlag eines Schmetterlings auf der einen Hälfte Erdkugel sich aufschaukeln kann zu einem Orkan auf der anderen Seite. Aber dieser Schmetterlings-Effekt steht zu Recht  stark in Zweifel.

Tatsächlich sind unheimlich viele Berührungspunkte und Wechselwirkungen, die „theoretisch“ erfassbar wären, in ihren Auswirkungen auf die Wirklichkeit einfach vernachlässigbar. In der Wirklichkeit gibt es Grenzen – Pufferzonen –, die Trennungen in der Natur bilden, die relativ stabil sind und deren tatsächlich relevante Wechselwirkungen mit anderen Modulen überschaubar sind. Der Waldrand trennt Wald von Feld. Ein Fisch der durch das Meer schwimmt, steht in Austauschbeziehungen zu diesem. Aber bei der Betrachtung eines größeren Moduls Meer ist er gut vernachlässigbar – zusammenfassbar in einen allgemeinen Prozesssatz (ca. 10 000 Fische vom Typ x, mit der Leistung y). Wenige kleine Dinge haben große Wirkungen.

Hier setzt nun das Gesetz der Angemessenheit ein. Betrachtenswert ist immer etwas, dass eine ganze Kaskade von großen Folgewirkungen auslöst. Das eine grundlegende Umgestaltung erwartbar werden lässt – einen starken Eingriff darstellt. Schlachtet man eine von zwanzig Hennen, hat dies weniger starke Auswirkung, als wenn man den einzigen Hahn schlachtet. Das Entlassen einer Hausmaus in ein Waldstück wird dieses kaum verändern, dass Entlassen einer Horde Kaninchen in Australien aber führt zu einer das gesamte Ökosystem schädigenden Plage. In gleicher Weise gilt dies auch für die Input und Output Beziehungen zwischen den Bio-Modulen. Das z.B. Sauerstoff aus einem Bio-Modul in das andere hinüberweht, ist in der Regel kein angemessener Eintrag. 

So deutet das Prinzip der Angemessenheit auf die Grenzziehung – die Definition der Modulgrenzen – zwischen Biomodulen. Es zielt darauf, dass man die richtigen und praktiablesten Module finden soll. Die Grenzziehung zwischen Modulen ist da am günstigsten anzusetzen, wo Interaktionen über Inputs und Outputs geringfügig sind und die interne Stabilität der Module kaum berühren.

Jedoch will das Prinzip der Angemessenheit auch die Kosten für Eintragungen verringern – was gerade bei Bio-Modulen entscheidend ist. Das heißt dann auf der anderen Seite, wenn eine Firma z.B. sich auf eine bestimmte Lichtung in einem Wald bezieht und der die Lichtung umgebende Wald ist schon als Bio-Modul bestimmt, dann muss sie unter Umständen nicht die Lichtung neu bestimmen, sondern es reicht, sich in das schon vorhandene Bio-Modul „Wald“ einzutragen und sich auf diese spezielle Lichtung im Inventar zu beziehen.

Es gilt die praktikabelste Lösung zu finden, die zugleich ausreichend ist für eine Erfassung aller relevanten Folgen.

 

11.3.3 Spezifizierungen

Um die noch immer sehr allgemeine Maßgabe der Angemessenheit vor allem in ihrer Verbindung mit der Theorienpluralität noch etwas zu spezifizieren, hier ein paar allgemeine und erweiterte Angaben darüber, in welchen Bereichen Angemessenheit zu suchen sein könnte. Es sind Richtlinien oder Empfehlungen für die Zertifizierungen, keine verbindlichen Regeln. Sie können gegebenenfalls übergangen werden, wenn die „Angemessenheit“ dennoch gewahrt bleibt.

  • Zu Inputs in oder Outputs aus Bio-Modulen: Niemals sollte das Maximum des für das BioModul verdaubaren oder herstellbaren Stoffes erreicht werden. Im besten Falle bleibt man in der Nähe der 50 Prozent Marke.
  • Unternehmen sollten sich bei ihren Begründungen und bei der Auswahl der dabei verwendeten Theorien/Studien nicht zu sehr vom „Mittel“ entfernen. Die Theorien und Methoden sollten in der Nähe des mittleren Konsensbereiches liegen. Starke Abweichungen davon sollten begründet werden. (Ein Beispiel: Sie suchen eine Theorie, die die Aufnahmekapazität X eines Medium für einen bestimmten Stoff angibt. Es lassen sich vier methodisch vergleichbare Studien finden. Die Studien kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen: 1. Studie X=3  2. Studie X=2 ;  3. Studie  X=5 ;  4. Studie  X=99. Wenn sie sich auf die vierte Studie stützen, dann sollten dafür eine sehr gute Begründung angegeben werden. Es sollte erkennbar werden, warum dies geschieht.) 
  • Die theoretische Darstellung sollte in sich kohärent sein. D.h. es sollten nicht verschiedene Dinge durchgewürfelt werden; einmal gewählte Begriffe z.B. sollten beibehalten werden. Auch sollte eine Konsistenz etwa bei Datenquellen, Datenalter, Darstellungshöhe, Erfassungsbereich, Messtechnologie, Zeiträumen etc. angestrebt werden.
  • All ihre Angaben sind im besten Falle falsifizierbar d.h. nachvollziehbar und prinzipiell für Dritte überprüfbar. (Offiziell zugängliche Datenquellen sind zu bevorzugen.)
  • Beziehen sie sich möglichst auf aktuelle Daten.

 

11.3.4 Darstellungs- und Ermessensspielraum

Das Prinzip der Angemessenheit erschafft damit einen weiteren Darstellungs-Spielraum, der sich vor allem auf die geforderte Detailtiefe auswirkt. Prinzipiell ist aber zu sagen, dass dieser für Bio-Module viel größer ist als für Prozessmodule. Diese müssen unter allen Umständen in ihren Einträgen – in all ihren Inputs und Outputs – vollständig sein und dabei möglichst eine Darstellungstiefe erreichen, die eine vollständige Verfolgung und Beobachtung ihrer Stoffe im Kreislauf ermöglicht.

Zudem gibt die Maßgabe der Angemessenheit damit eine Begründungsgrundlage für die Richter. Ob die Verkürzung einer Darstellung angemessen ist, entscheidet ein Richter. Er kann hier Nachbesserungen verlangen je nach Eintragungsgegenstand und Eintrager. Er kann auch unter Berufung auf die Maßgabe der Angemessenheit eine Zertifizierung ablehnen, wenn ihm etwa Zweifel kommen, ob die Darstellung auch tatsächlich alle relevanten Folgen abbildet. 

Das Prinzip der Angemessenheit erschafft insgesamt eine gewisse Erwartbarkeit der Richter für die Unternehmen bei ihrer Zertifizierung, da sie sich z.B. ihnen ähnliche Module ansehen können und erkennen können, was als angemessen akzeptiert worden ist und was nicht. Haben sich mit diesen Modulen Probleme bzw. Erfahrungswerte ergeben, die die Darstellungen als unzureichend angezeigt haben, kann der Richter darauf verweisen und für die neuen Module Vertiefungsforderungen stellen.



11.4 Beispiele

Ein paar illustrierende Beispiel für das Zusammenspiel der drei oben genannten Punkte:


Der anthroposophische Bauernhof

Eine Bauernhof, der ausschließlich nach jahrhundertealten Techniken arbeitet, kann für die Beschreibung seiner Möhrenzucht durchaus auf anthroposophische Ideen oder andere „alternative Wissensformen“ zurückgreifen und es entsprechend verlinken. Die Zertifizierung kann durchgeführt werden, die Theorienpluralität deckt das ab. Wenn jedoch in der Inventarliste plötzlich ein Eimer Batteriesäure auftaucht, kann der Richter schon in Zweifel ziehen, ob die Darlegungen die entsprechenden Folgen und Bedingungen für das Anschlussgeschehen ausreichend und angemessen widerspiegeln oder vorhersagen.


Studienwiderspruch

Für die Aufnahmekapazität eines BioModuls liegen verschiedene Studien vor. Eine besagt, dass das BioModul überhaupt nicht in der Lage ist, diesen Input unbeschadet aufzunehmen. Eine andere jedoch legt dar, dass es sehr wohl in der Lage ist, den Input aufzunehmen und sogar in großer Menge.

Angenommen es lassen sich zu diesem Thema bei mittlerem Aufwand nur diese beiden Studien finden. Das Mittel liegt also zwischen ihnen. Keine der Studien hat mehr Recht als die andere. Die Firma kann also ohne Probleme diesen Input in das BioModul ausbringen. Es empfiehlt sich aber bestimmt, die Darlegungsweise falsifizierbar zu machen und also zugänglich für eine leichte Kontrolle. An dieser Stelle geschieht praktisch ein drittes Experiment, dass von außen verfolgbar sein sollte, damit aus ihm gelernt werden kann.



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12 Zertifizierungsablauf (aus der Sicht eines Produzenten)

Hier ein Ablaufplan des Zertifizierungsprozesses für die Sicht eines Produzenten. Die einzelnen Schritte werden unten ausführlicher erklärt.


            
Anmeldung/Interessenbekundung

Anmeldung bei O:Wi. Damit „zu zertifizierenden Firma“.

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Datenaggregierung/Offenlegung

Anlegen der Profil Übersicht. Identifizierung und Beschreibung aller zu zertifizierenden Module.


nach Abschluss Anmeldung zum Richtprozess >> 

<< gegebenenfalls Nachbesserungen

 
Richtprozess/Prüfung

Ein aus der Community bestellter Richter prüft die Eintragungen und entscheidet über die Zertifizierung.

positive Richterentscheidung über Zertifizierung >>

 
Vertragsabschluss

Unterschreiben des Vertrages über die Nutzung der Wort und Bildmarke von O:Wi zusammen mit einer freiwilligen Vertrauenserklärung. Damit Erhalt des Zertifikates für die zertifizierten Module und Produkte.


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Modulbetrieb/Zertifikatsverwendung

Kommunikation, Kooperation und Innovation in geschlossenen Stoffkreisläufen & O:Wi.



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12.1 Anmeldung

            
Anmeldung/Interessenbekundung

Anmeldung bei O:Wi. Damit „zu zertifizierenden Firma“.

Wenn sich eine Firma für eine Zertifizierung und Aufnahme in den O:Wi interessiert, meldet sie sich einfach bei dieser E-Mail-Adresse opee.firmenliste(at)googlemail(dot)com. Sie bekundet ihr Interesse, wird damit in die Firmenliste als "zu zertifizierende Firma" aufgenommen.

 

12.2 Datenaggregierung / Offenlegung


 
Datenaggregierung/Offenlegung

Community Profil & Identifizierung und Beschreibung aller zu zertifizierenden Module.


Danach beginnt die Firma mit den notwendigen Beschreibungen bzw. Darlegungen.


Firmenprofil

Insofern sie noch keines hat, beginnt die Firma ihre Eintragungen mit dem Anlegen eines Profils in der O:Wi-Community (->Firmenprofil). Damit öffnet sie sich der Community und stellt ihr Interesse dar. Über das Profil kann sie beispielsweise, wenn sie möchte, ihre Bemühungen bei der Zertifizierung, d.h. beim Ausfüllen der Module, öffentlich machen und z.B. die Community um Mithilfe bitten.

 

Anlegen der Module

So gehen Sie als Firma die Anlegung Ihrer Module an (einen guten Einstieg und eine gute Hilfe bietet auch das 8 teilige Blätterset über die O:Wi Zertifizierung zum einfachen Durchdenken einer Zertifizierung):

  • Machen Sie sich Gedanken zur Strukturierung ihrer Module. D.h. identifizieren Sie alle relevanten Inputs und Outputs und alles beteiligte Inventar (Werkzeuge) für das zu zertifizierende Produkt oder den zu zertifizierenden Produktionsbereich und legen Sie damit die Grenzen Ihrer Module fest.
  • Dann beginnen Sie, diese anzulegen. Die dabei verfügbare Technik wird beschrieben auf der Technikseite (->Technikseite). Sie können - je nach Lösung - ihre Bemühungen öffentlich machen und ihre Fortschritte anzeigen oder auch nicht öffentlich, um erst einmal in Ruhe auszuprobieren. Folgen Sie einfach den Darlegungen in den Schilderungen zu den Wikis der jeweiligen Module (->Produktionsmodul, ->Biomodul, ->Konsummodul) sowie den Anweisungen über die Darstellungs- und Anschlussfähigkeitsspielräumen (-> Richterregelseite).
  • O:Wi versucht stets zusätzliche Hilfestellungen für Ihre Inkodierung zu entwickeln. Aktuell zur Verfügung stehendes finden Sie im Anschlussportal (->Anschlussportal).
  • Versuchen Sie ihre Darstellungen ansprechend zu gestalten. Innovatives wird belohnt. Um so besser und interessanter Sie sie machen, desto mehr Aufmerksamkeit und Erfolg in der Community wird es generieren und desto mehr wird Ihnen über diesen Weg wieder zufließen. Angehängte Daten oder Darstellungsweisen können alles umfassen – ihrer Kreativität sind keine Grenzen gesetzt: Organisationspläne, Storyboards des Arbeitsprozesses, interaktive Interfaces – Webcams etc. Vielleicht finden Sie einen Weg, die Moduldarstellungen auch für die interne Unternehmenskommunikation zu nutzen?

 

12.3 Richtprozess / Prüfung

 
Richtprozess/Prüfung

Ein aus der Community bestellter Richter prüft die Eintragungen und entscheidet über die Zertifizierung.

Sind die Darstellungen abgeschossen, veranlassen Sie einen Richtprozess, d.h. finden sie und interessieren sie einen Richter aus der Liste der Richter (->Richterliste) (->Machtdesign/Richter) für ihre Zertifizierung. Wo es möglich ist, wählen sie einen Richter in regionaler Nähe aus. Der Richter prüft die Darstellungen und fordert eventuell einige Nachbesserungen.

Mit dem O.K. des Richters trägt dieser die entsprechenden Module in die Liste der „Zertifizierten Unternehmen“ ein (->Firmenliste/ Zertifizierte Unternehmen). Spätestens jetzt sollte die Firma die Module veröffentlichen und in ihrem Profil als zertifizierte Module aufführen und verlinken. Sie wendet sich an den Verein für den Vertragsabschluss über die Nutzung der Bild- und Wortmarke des Zertifikates.

 

12.4 Vertragsabschluss

 
Vertragsabschluss

Unterschreiben des Vertrages über die Nutzung der Wort und Bildmarke von O:Wi zusammen mit einer freiwilligen Vertrauenserklärung. Damit Erhalt des Zertifikates für die zertifizierten Module und Produkte.

Die Firma schließt mit dem Verein „WiWi – Verein für Wirtschaftskunst Berlin“ einen Vertrag über die Nutzungsrechte an der Bild- und Wortmarke O:Wi ab. Der Verein ist Inhaber der Marke und wird ohne weitere Nachfragen die Nutzungsrechte dafür im Umfang der auf der Liste der zertifizierten Firmen aufgeführten Module einräumen. Er folgt also vollkommen den Vorgaben des Richters.

Zusammen mit dem Vertrag unterschreibt die Firma die „Freiwillige Selbsterklärung“ (->freiwillige Selbstverpflichtung).

 

12.5 Freischaltung und Modulbetrieb

 
Modulbetrieb/Zertifikatsverwendung

Kommunikation, Kooperation und Innovation in geschlossenen Stoffkreisläufen.

Nach Vertragsabschluss können Sie die Bild- und Wortmarke für all ihre – im Vertrag definierten – Aktivitäten einsetzen. Eventuell noch fehlende Freischaltungen technischer Möglichkeiten erfolgen unmittelbar nach Vertragsabschluss.

Sie können O:Wi und all seine Möglichkeiten in vollem Umfang nutzen. O:Wi wird die Ihre Produkte und Sie selbst multiplizieren und breit zu unterstützen suchen.



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13 Der Vertrag

Dies ist der Vertrag, den Firmen mit ihrer Zertifizierung unterschreiben werden und die Diskussion dazu. Der Vertrag wird mit dem Verein „WiWi – Verein für Wirtschaftskunst Berlin e.V.“ abgeschlossen und erlaubt den Firmen die Nutzug der Wort- und Bildmarke in einem definierten Umfang. Der Verein richtet sich dabei nach den Vorgaben der Community (->Machtdesign/ Richter/ Verein.)

Durch die Community wird auf der Liste der zertifizierten Firmen (->Firmenliste/ Zertifizierte Firmen) genau abgelegt, welche Teile zertifiziert werden können. Der Verein richtet sich nach dieser Liste. Der Vertrag über die entsprechende Nutzung der Bild- und Wortmarke hat eine einjährige Laufzeit und verlängert sich Ende des Jahres automatisch. Kurz vor Ablauf der einjährigen Vertragszeit überprüft der Verein, ob der Inhalt des Vertrages noch identisch ist mit der aktuellen Liste der zertifizierten Firmen. Bei Abweichungen wird der Vertrag gekündigt und ein neuer Vertrag abgeschlossen. Dies kann auf Wunsch der Firmen auch jederzeit dazwischen geschehen, etwa um hinzugekommene Module aufzunehmen.

Der Vertrag ist bis jetzt nicht mehr als ein Entwurf, der nur knapp mehr als lose aufzählt, was Inhalt des Vertrages sein muss/soll. Er muss noch rechtlich geprüft werden.


Der Vertrag (Entwurf)

 

1. Dieser Vertrag wird abgeschlossen zwischen dem Verein „WiWi – Verein für Wirtschaftskunst Berlin e.V.“ eingetragen beim Vereinsregister Charlottenburg in Berlin unter der Nummer VR 30521 B und (Name und Anschrift der Firma) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

 

2. Gegenstand des Vertrages ist die Einräumung der Nutzungsrechte für die Bild- und Wortmarke O:Wi, deren Inhaber der Verein „WiWi – Verein für Wirtschaftskunst Berlin e.V.“ ist.

Genaue Beschreibung der Bild- und Wortmarke . . . . . . . . . . . . . . . .

 

3. Der Verein erlaubt (Firmenname)  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . die Nutzung der Bild- und Wortmarke für folgende Sachverhalte und unter folgenden Bedingungen:

 

3.1 Für jegliche Außendarstellung der Firma insofern dabei Punkt 3.3 nicht verletzt wird.

 

3.2 Für die Produkte und Tätigkeiten der Firma: (Aufzählung aller Produkte und Tätigkeiten) 

. . . . . . . . . . . . .

. . . . . . . . . . . . .

. . . . . . . . . . . . .

 

3.3 Die Verwendung der Bild- und Wortmarke darf nicht in einer Weise erfolgen, die den Eindruck erweckt, dass eine unmittelbare Verknüpfung unter Zustimmung des Vereines der Bild- und Wortmarke mit Produkten, die nicht unter 3.2 dieses Vertrages aufgeführt sind, vorliegt. 

 

4. Der Vertrag gilt ab Abschlussdatum für ein Jahr und erneuert sich, wenn keine Kündigung von einer Seite vorliegt, automatisch jeweils für ein neues Jahr.  

Der Vertrag kann von beiden Seiten jederzeit und ohne Angabe von Gründen gekündigt werden.

Die Kündigung muss bis mindestens 2 Monate vor Ablauf des Vertragsjahres erfolgt sein.

Mit der Kündigung erlöschen alle Nutzungsrechte an der Bild- und Wortmarke „O:Wi“ für die (Firma) . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Die Firma darf keine weiteren Produkte mehr mit der Bild- und Wortmarke kennzeichnen. Bereits fertig gestellte und markierte Produkte müssen, insofern sie noch nicht ausgeliefert sind, den Entzug der Bild- und Wortmarke kenntlich machen, insofern dies ohne eine deutliche Beschädigung der Produkte möglich ist.

 

Datum & Ort . . . . . . . . . . . . . . . . . .

 

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Unterschrift Verein (Bevollmächtigter*)

*Eine Kopie der Vollmacht ist dem Vertrag angehängt.

 

 

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Unterschrift Firma




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14 Freiwillige Selbsterklärung (Vertrauenserklärung)

Die freiwillige Selbsterklärung ist ein Dokument, das die Unternehmen gemeinsam mit dem Vertrag (->Vertrag) unterschreiben. Es ist kein Rechtsdokument sondern vereinbart lediglich einen gemeinsamen Orientierungshintergrund für alle.

Es setzt damit auf Vertrauen. O:Wi arbeitet an vielen Stellen mit Vertrauen. Soll Wissen und Handlungsmöglichkeiten für besseres Wirtschaften erzeugt werden, braucht es freie Fenster, die nicht durch starre Regelungen oder Kriterien definiert sein können (->Wissensdesign) – hierfür braucht man Vertrauen. 

Dieses Stützen auf Vertrauen mag man als naiv betrachten, aber in gewisser Weise ist es dies gerade nicht. Es ist ein Versuch, über gezieltes Einsetzen oder eine gezielte Instrumentalisierung von Vertrauen Neues zu explorieren. Und einen Raum zu schaffen, in dem es entstehen kann. Vertrauen hat viel öfter positive Effekte als negative – gerade auch auf wirtschaftlichem Gebiet. Ein Rückblick in die Geschichte zeigt: Viele wünschenswerte Entwicklungen brauchten anfangs einen Vertrauensüberschuss.

In der Kommunikationsarchitektur von O:Wi sind überdies viele Dinge angelegt, die Vertrauen stützen und ermöglichen können (->Transparenzhinweis).

Die freiwillige Selbsterklärung befindet sich noch im Entwurfsstadium. Anregungen in den Kommentaren sind herzlich willkommen.

 

Freiwillige Selbsterklärung und Verbesserungsverpflichtung


1.  Ich (Firmenname) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . verpflichte mich hiermit freiwillig, dem Leitbild einer umweltverträglichen Wirtschaft mit geschlossenen Stoffkreisläufen zu folgen, welches im O:Wi Zertifikat verwirklicht wird. Ich will nach besten Möglichkeiten an dessen Realisierung mitarbeiten.


2.  Ich werde mich bemühen, während meiner Zugehörigkeit zu O:Wi, stets in allen zertifizierten und dafür aktivierten Bereichen eine Verbesserung anzustreben. D.h. ich werde die Produktionsmethoden, die Werkzeuge, Maschinen und Infrastruktur sowie die Energie- und Transporttechnologien, die ich verwende, soweit wie möglich und Stück für Stück mehr dem Leitbild anpassen. 

 

3.  Ich will versuchen, die Wissensdynamik von O:Wi mit voranzubringen. Dafür werde ich insbesondere alle Abweichungen, Irrtümer und Fehler in den von mir vorgenommenen und mich betreffenden Darstellungen berichtigen und korrigieren, sobald sie mir bekannt werden.

 

4.  Ich verpflichte mich außerdem, alle meine zertifizierten Teile und die damit zusammenhängenden Aktivitäten im Rahmen meiner Möglichkeiten vollkommen transparent zu machen.

 

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  

Ort, Datum, Unterschrift Firma

 



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15 Energie

Gibt es einen Weg innerhalb der Logik von O:Wi den Umgang mit Energie zu verbessern? Wie kann man eine Reduzierung des Energieverbrauchs und die Entwicklung und Verbreitung grünerer Energietechnologien anzureizen? Dafür steht hier ein skizzenhafter Entwurf.  

Eine Energiedarstellung ist kein verpflichtender Bestandteil der Zertifizierung. Sie ist zunächst noch zu entwickeln. Firmen können sich aber gerne an der Entwicklung beteiligen und ihn freiwillig ausprobieren. Hier ein Entwurf wie eine eventuelle spätere Lösung aussehen könnte.

Der Entwurf für Energie verfolgt in weiten Teilen spiegelgleich die Ideen von Transport (->Transport). Transport ist u.U. der verständlichere Einstieg.


Auch hier ist wieder die Grundidee das Ausfüllen eines Dokumentes im Wikiformat. Ein solches „EnergieWiki“ ist für jedes Produktionsmodul (->Produktionsmodul) anzulegen und dort angehängt. Die Darstellungen in diesem Wiki zielen am Ende auf die Formulierung einer Energienote für das Produktionsmodul. Diese Note erlaubt es eine beständige Verbesserung zu kommunizieren. Über die freiwillige Selbsterklärung verpflichten sich die Firmen, beständig zu versuchen, diese Verbesserung anzustreben (->freiwillige Selbsterklärung/Verbesserungsimperativ). Eine Verbesserung der Note kann z.B. erreicht werden durch Verringerung des Energieverbrauchs, klügere Ausnutzung oder z.B. auch Einsatz sauberer & kreislaufgerechter Energietechnologien.



15.1 Das Wiki

Die folgende Wikidarstellung entwirft, wie sich diese Note für ein Produktionsmodul zusammensetzen könnte.

Energie-Wiki-Raster

(I) Kopfdaten

Produktionsmodul/ Beschreiber/ Letztes Bearbeitungsdatum/ Versionsgeschichte

 

(II) Fließdarstellung (Zwischennote 1/ Bilanznote)

Inputs

(Energiezufuhr)

Verwendung

Output

(Energieabgabe)

Energiezufuhr 1

Energieart/Herkunft/Menge

 

Energiezufuhr 2

Energieart/Herkunft/Menge

 

...

Mengensumme Energiezufuhr

 -

Beschreibung

-

Energieabgabe 1

Energieart/Herkunft/Menge

 

Energieabgabe 2

Energieart/Herkunft/Menge

 

...

Mengensumme Energieabgabe


 

Summe Energiezufuhr – Summe Energieabgabe = Energiegesamtsumme des Moduls

 = Zwischennote 1

 

 

(III) Einzelaufstellung Energieinputs

Energieinput 1

Anteil an der Energiezufuhrsumme in Prozent

%

Quelle d.h. Technik der Energiezufuhr

„Bsp. Photovoltaikmodul34“

Zugehörige Energienote

% x Zugehörige Energienote

        100 =

Einzelinputwert 1

 

Energieinput 2

Wie oben ...

...

...

Einzelinputwert 2

 

...

 

Summe aller Einzelinputwerte

Einzelinputwert 1 + Einzelinputwert 2 + ...

= Zwischennote 2

 

(IV) Gesamtnote des Moduls

Zwischennote 1 + Zwischennote 2

               2    =  Gesamtnote des Moduls

 

(I) Kopfdaten

Dem Wiki voran stehen einige allgemeine Daten: Welches Produktionsmodul beschreibt es? Wer hat es angelegt? Wann ist es zuletzt geändert worden? Zudem gibt es einen Zugang zu früheren Versionen.

 

(II) Fließdarstellung (Zwischennote 1)

Der zweite Teil listet alle Inputs (d.h. alle Formen und Wege über die Energie dem Produktionsmodul zugeführt wird) und alle Outputs (d.h. alle Formen in denen Energie in nutzbarer Form an andere Module abgeleitet wird) auf. Jeder Input oder Output wird dabei angegeben nach:

  • Art der Energie (Strom, Wärme etc.),
  • Menge &
  • Quelle (welches konkrete Modul, welcke konkrete Technik)
Die Mengenangabe sollte sich immer auf einen spezifischen und charakteristischen Output oder Input des Produktionsmoduls beziehen. Wenn z.B. das Produktionsmodul Karosserien darstellt „kwh/Karosserie“.

An dieser Stelle können sehr kleine Dinge, die einen denkbar geringen Verbrauch oder eine denkbar geringe Wirkung haben, weggelassen werden. (Es muss z.B. nicht jede einzelne Batterie, mit der z.B. ein Fahrzeug betrieben wird, angegeben werden. Jedoch empfiehlt sich eine allgemeine Angabe über das Weggelassene im Verwendungsfeld.)

Als Outputs kann Energie aufgeführt werden, die im Produktionsmodul produziert wird und in nutzbarer Reinform aus dem Modul abgeführt wird z.B. in andere Produktionsmodule.

Zur Fließdarstellung gehört ein Feld auf dem eine allgemeine Beschreibung über Energieverwendung, -flüsse und -aufbau abgelegt werden können. Um so detaillierter die Beschreibung angelegt wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, Optimierungspotentiale für das Produktionsmodul aufdecken zu können.

Die Summe aller Outputs des Moduls wird von der Summe aller Inputs abgezogen, wodurch sich ein Gesamtverbrauch oder eventuell auch Überschuss für das Modul ergibt. Dieser führt zu einer ersten Zwischennote im Wiki. Diese Note liegt zwischen 1 und 10 und wird aus einer festen Liste bezogen, deren konkrete Werte noch festzulegen sind (1 = geringer Verbrauch, 10 = hoher Verbrauch, 0 = Energieüberschuss). 

Es stellt sich überdies die Frage, wie verschiedene Energiearten (z.B. Strom und Wärme) hier gleichgemacht werden können (Maßeinheit) um eine gemeinsame Summe dafür zu erhalten? Eine Frage für Naturwissenschaftler in der Community.

 

(III) Einzeldarstellungen Inputs (Zwischennote 2)

Im dritten Schritt wird für jeden einzelnen Energieinput eine detailliertere Extraaufstellung vorgenommen. Wichtig dabei ist die Bewertung der verwendeten Energietechnik.

Zu ermitteln ist zuerst der prozentuale Anteil dieses Inputs an der Gesamtsumme der Inputs.

Außerdem ist eine genaue Angabe über die verwendete Energieerzeugungstechnik zu machen. Jede Energieerzeugungstechnik ist mit einer festen Note belegt, die die Technik nach verschiedenen Kriterien in Hinsicht auf den Kreislaufgedanken bewertet. Diese Note ist im Lexikon zur jeweiligen Technik eingetragen und ist von entsprechenden Richtern aus der Community zugeordnet worden. Zertifizierte Techniken tragen die Note „0“. (Näheres siehe unten.)

Die konkrete Technik, auf die hier verwiesen wird, gehört zum Inventar einer Firma (->Firmenprofil/Inventarliste). Verwendet eine Firma z.B. zur Energieerzeugung ein eigenes Photovoltaik-Modul, ist dieses in der Inventarliste abzulegen und vom Energiewiki aus zu verlinken. Bezieht eine Firma Strom z.B. aus einem Kraftwerk, ist auf das Firmenprofil dieses Kraftwerks zu verlinken. Ist ein solches Profil nicht vorhanden, weil das Kraftwerk kein Teil von O:Wi ist, muss die Firma, die das Energiewiki ausfüllt, ein solches Profil für das Kraftwerk anlegen (->Firmenprofil). Soweit es über Recherche zu ermitteln ist, trägt sie dann in die Inventarliste die Technik ein, mit der das Kraftwerk die Energie erzeugt, wodurch dann eine Energienote herauszufinden ist. Wie in „Firmenprofil“ beschrieben, kann das Kraftwerk jederzeit diesen Profileintrag übernehmen. (Es ist für Kraftwerke durchaus möglich, zertifiziert zu werden, wenn sie einen zertifizierten Maschinenpark verwenden und ihre Energie nach dem „Reversiblitätsprinzip“/ der Energieleitutopie erzeugen. (Siehe unten.))

Die so für jeden einzelnen Input gefundene Energienote wird mit ihrem prozentualen Anteil am Gesamtinput multipliziert und das Ergebnis dividiert durch 100. Somit ergibt sich ein Einzelinputwert.

Alle Einzelinputwerte werden addiert zur Zwischennote 2.

 

(IV) Gesamtnote = Energienote des Produktionsmoduls

Die Zwischennote 1 addiert mit der Zwischennote 2 dividiert durch 2 führt zur Gesamtnote, d.h. zur Energienote des Produktmoduls, für das dieses Energiewiki angelegt wurde.

Wie die genaue Betrachtung des oben dargestellten Notenermittlungsverfahrens schnell aufdeckt, hat die Höhe oder der Wert dieser Note nur bedingt Aussagekraft, über das Energieverhalten des Moduls. Wichtig am Ende ist lediglich, inwiefern sich diese Note im Laufe der Zeit verbessert.

 

 

5.2 Energienote für Technologien

Jede Energiegewinnungstechnik ist im Lexikon mit einer festen Energienote zwischen 0 und 10 bewertet. (1 ist eine „gute“ Note, 10 eine „schlechte“, „0“ steht für zertifiziert.) Diese Note wird von einem speziellen Richterteam vergeben und im Lexikon fest hinterlegt. Wie dieses Richterteam zusammengesetzt wird und nach welchen – möglichst einfachen – Kriterien es diese Noten vergibt, ist noch in der Zusammenarbeit der Community zu ermitteln. Eine Bend zu dieser Aufgabe wird in Kürze erscheinen.

Im Folgenden eine Aufzählung einiger Kriterien/Fragen die dabei eine Rolle spielen könnten. Wichtig ist vor allem eine Idee, wie man Energieerzeugungstechniken mit einer Logik bewerten kann, die der Kreislaufidee entspricht. (Wie vergibt man die Note „0“ – zertifiziert eine Energietechnik?)

 

Recyclingfähigkeit/ Zertifikationstauglichkeit

Inwiefern sind die dabei eingesetzten Maschinen und ihre Bestandteile kreislauffähig? Können also nach Gebrauch wieder problemlos zerlegt und neu zusammengesetzt werden?

 

Emissionsbilanz

Welche Emissionen werden mit und während der Energieerzeugung freigesetzt (CO2, Abbrieb) und wie sind sie zu bewerten? Gibt es Unterschiede dabei, je nachdem welchen Energieträger man verwendet/ welche Ausstattung man wählt? 

 

Umweltfolgen im Wirkungsbereich

Welche weiteren Folgen für die Umwelt ergeben sich? Wird viel Platz verbraucht? Viel Lärm produziert etc. Auch hier die Frage: Gibt es Unterschiede dabei, je nachdem welchen Energieträger man verwendet welche Ausstattung oder vielleicht Schutzmaßnahmen man wählt? 

 

Effizienz

Wie viel der umgesetzten Energie wird tatsächlich gewonnen, wie viel geht ungenutzt (etwa als Abwärme) verloren?

 

*Bewertung nach „Leitutopie Energie“ - Reversibilität

Dies ist ein Versuch eine Entsprechung des Kreislaufgedankens für Energieerzeugung zu formulieren. Wie kann man „erneuerbare Energien“ in Hinsicht auf den Kreislaufgedanken fassen? Er bedient sich einer simplen Idee, die zu einer Leitutopie formuliert werden kann. Diese geht wie folgt:  

Nahezu alle Energie auf der Erde, die der Mensch nutzt, kommt von der Sonne her. Die Energie gelangt(e) durch den Weltraum auf die Erde und wird dort in verschiedenen Strukturen gespeichert (z.B. Biomasse, Erdöl, Elemente). Durch Sonnenenergie werden Strukturen aufgebaut.

Diese Strukturen sind praktisch Einlagerungen, Speicherungen von Energie, zusammengefügt unter verschiedenen Umständen und in verschieden langen Zeiträumen. Unter einer erneuten Strukturänderung wird diese Energie wieder frei und z.B. nutzbar für den Menschen. (Kohle wird verbrannt.)

C + O2 -> CO2 + Energie  /  (Umkehrprozess: Energie(Sonne) + CO2 -> C + O2 /z.B. in Photosynthese)

Eingelagerte Energie wird unter Strukturveränderung des Speichermediums wieder frei. Ein Beispiel ist die Zustandsänderung im Inneren eines Akkus. Weiter Beispiele zeigt die Tabelle:

 

„Struktur“

Aufbau - Prozess (E-Einlagerung)

(hier stets von der Sonne her gedacht)

Abbau - Prozess (E-Freisetzung) (d.h. Umwandlung in für den Menschen nutzbare Energie)

 

Pflanzenmasse

 

 

Photosynthese


Verdauung, Verbrennung

 

Schweres Element Uran

 

 

Supernova

 

Kernspaltung/ Atomenergie

 

Erdöl/ Kohle

 

Pflanzenmasse (aus Photosynthese) + Wind&Druck + Zeit

 

z.B. Verbrennung

 

Photovoltaik aufgeladen

 

Zustandsänderung in

Photovoltaiktechnik

 Zustandsänderung in

Photovoltaik/ Solartechnik

 

Energieeinlagerung und Energiefreisetzung geht also immer mit Strukturtransformation einher. Bei Freisetzung wird dabei ein Träger zum Nicht-Träger. Die Struktur wechselt von einem Zustand a. höherer Energiemenge über in eine Struktur bzw. einen Zustand b. niedrigerer Energie. Dies geschieht in verschiedenen Zeiträumen und in mittels verschiedener Ereignisse oder Prozesse. Diese liegen teils gut in menschlicher Hand (Pflanzenanbau, Kernspaltung) teils sehr weit davon entfernt (Supernova, Entstehen schwerer Elemente).

Die Leitutopie in Hinsicht auf den Kreislaufgedanken zielt nun auf den Zustand b. niedrigerer Energiemenge. Es geht also um die Struktur nach der mit Energiefreisetzung verbundenen Transformation. Für diese gilt das Leitbild der „Reversiblität.“ Reversibiltät dabei verstanden im Sinne eines „rückholbaren Zeitraumes.“ Das heißt, es muss ihr Rückbau in einen Zustand höherer Energiemenge möglich für den Menschen und technisch erreichbar sein.

Praktisch müssen also alle Strukturen, aus denen Energie gewonnen wird, innerhalb eines kurzen Zeitraumes wieder rückgebaut werden können. (Z.B. ein Acker mit Energiepflanzen, wächst im nächsten Sommer nach.) Wünschenswert sind dabei immer solche Transformationen, bei denen die Rückholzeit kurz und ökonomisch sinnvoll ist, d.h. kurze und billige Transformationszyklen. Dies erlaubt den stabilsten Zustand.

Ein illustrierendes Bild ist z.B. ein Akku, den man zum Aufladen einfach nur in die Sonne legt und der sich unter einfachen Umständen schnell zu fruchtbarem Humus zersetzen lässt.

Die hier formulierte Idee zeigt, wie Energiegewinnung auch in Hinsicht auf den Kreislaufgedanken zertifiziert werden könnte. Eine Energiegewinnungsfirma kann zertifiziert werden, wenn sie nachweist, dass die Strukturen, aus denen sie Energie freisetzt, im gleichen Zeitraum wieder aus der Primärquelle Sonnenenergie durch sie aufgebaut werden. Am Ende dieses Zeitfensters muss die Summe der Gesamtstrukturtransformation gleich Null sein. Natürlich müssen weiterhin alle Maschinen und Technologien, die dabei eingesetzt werden, den Regeln des Zertifikates entsprechen.

Im Grunde könnte nach dieser Vorgabe auch Atomstrom zertifiziert werden, wenn es einen glaubhaften Weg gäbe, Uran wieder rückzubauen und überdies eine vollständige Sicherheit vor schädlichen Folgewirkungen gewährleistet werden könnte, was wohl aber beides sehr unwahrscheinlich ist. Jedoch kann das Zertifikat mit dieser Energieutopie solche Entwicklungen dennoch anreizen und muss Atomstrom daher nicht partout abwehren. 


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16 Transport

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Der Transport von Waren und Rohstoffen ist weltweit ein wichtiger Faktor für Energie- und Umweltrechnungen. Wie kann man Anreize für intelligenteren Transport, für kürzere Wege und den Einsatz besserer Transporttechnologien in die O:Wi Zertifikation einbinden?

Ebenso wie bei Energie sind Antworten hierzu auch für Transport noch abschließend zu entwickeln. Ein erster Entwurf für eine Startdiskussion steht unten. Produzenten können sich an der Entwicklung beteiligen und freiwillig erste Versuche unternehmen. Eine offene Datenlage hier kann u.U. sehr lohnend sein z.B. hinsichtlich Optimierung (->Karte).

Die Idee besteht spiegelgleich zu Energie (->Energie) darin, den Transport über eigene Wikis offenzulegen und mit einer Note zu versehen, die sich ein Unternehmen verpflichtet beständig zu verbessern (->freiwillige Selbsterklärung/Verbesserungsverpflichtung). Eine Verbesserung kann erreicht werden z.B. durch die Verringerung der Strecken, bessere Transportplanung und -auslastung oder den Einsatz grüner, eventuell auch zertifizierter Transporttechnologien.



16.1 Das Wiki

Transport findet zwischen Modulen statt. Transportiert werden Inputs oder Outputs. Eine Darstellung des Transportes muss also für die einzelnen Inputs und Outputs gemacht werden und ist an diese anzuhängen. Jeder Input oder Output bekommt damit eine eigene Transportnote (0 bis 12,5). Die Summe aller Einzelnoten ergibt die Gesamtnote für das jeweilige Prozessmodul (z.B. 4+8+11=23).



Was zeigt dieses Wikifenster für einen Input? Hier eine schematisierte Darstellung des Wikis mit einigen Beispieleintragungen:


Transport – Wiki – pro – Transportgut (Input oder Output)


(I) Allgemeine Angaben

Transportgut (Input oder Output)

Holz

Startmodul

Forst Liiberg

Zielmodul

Sägewerk X

Menge pro Zeiteinheit

30t/Monat

Gesamtstrecke

 

 

200km

Zwischennote 1

(im Beispiel = 3)

Einzelne Transportschritte nach Techniken

1. LKW (196km)

2. Fließband (4km)

Allgemeiner Streckenverlauf

... (->Karte)

 

(II) Darstellung der einzelnen Transportschritte

1. LKW (196km)

Streckenanteil an der Gesamtstrecke in Prozent

196km von 200km = 98%

Auslastung*

80%

... Anteilsnote a

   (im Beispiel = 2)

Streckenverlauf

Detaillierte Streckenbeschreibung

Konkrete Transporttechnik

Truck: Hersteller, Modell, Baujahr

... Anteilsnote b

   (im Beispiel = 7)

Transportschrittnote

(Anteilsnote a + Anteilsnote b) : 100 x Prozentanteil an Gesamtstrecke  

(2+9):100 x 98 = 10,78

Note für Transportschritt1


  (im Beispiel 10,78)


2. Fließband (4km)

s.o.

...

...

Note Transportschritt2

   (im Beispiel 0,2)

 

Zwischenote 2

Summe aller Transportschrittsnoten

                                                              = Zwischennote 2

                          (im Beispiel 10,78 + 02 = 10,98)

 

(III) Transportgutsumme

Zwischennote 1 + Zwischennote 2

                2                    =

                         Transportnote für Transportgut

                        (im Beispiel (10,98 + 3) : 2 = 6,99)

 

 

(I) Allgemeine Angaben

Zu den allgemeinen gehört das Transportgut und seine Menge, die genauen Start und Zielmodule, die Gesamtdistanz, eine Darstellung welche Transporttechniken auf der Strecke zum Einsatz, sowie ein Fenster in dem der Weg allgemein dargestellt wird (Warum diese Transporttechniken? Wie geht es genau vor sich? Welche Straßen werden benutzt, welcher Streckenverlauf? – Eventuell ist hier die Karte einzubinden (->Karte).)

Der Punkt Gesamtdistanz führt hier zu einer ersten Zwischennote für das Transportgut. Die Noten können von 1 bis 10 reichen. Sie sind festen Abständen zugeordnet. Eine Mögliche Zuordnung könnte sein:


Distanz in km

Note

0 – 2

1

2 – 10

2

10 – 50

3

50 – 150

4

150 – 300

5

300 – 500

6

500 – 1000

7

1000 – 2500

8

2500 – 5000

9

5000 oder höher

10

 

(II) Darstellung einzelner Transportschritte

Danach ist für jeden einzelnen Transportschritt d.h. für jeden Technikwechsel eine detailliertere Aufstellung zu machen. Prinzipiell erklärt sich die Beispieldarstellung hier selbst. Auf zwei Dinge ist nur gesondert hinzuweisen.


Auslastung (Anteilsnote a)

Es gilt eine Bewertung für die Auslastung vorzunehmen und damit zu einem Anreiz für eine volle Auslastung zu gelangen. In diese Note fließt ein, inwiefern bei Hin- und Rückfahrt die Kapazität des Transportmittels voll ausgeschöpft ist. Ist der LKW nur halb beladen? Gibt es eventuell als Folge des Hintransportes sogar leere Rückfahrten? Das genaue Prozedere für die Notenvergabe ist noch festzulegen. Die Noten können reichen von 0 bis 5. (0 = 100prozentige Auslastung, 5 = Auslastung unter 20 Prozent.) Eventuell offene Kapazitäten können über dieses Feld sichtbar gemacht werden. 

 

Konkrete Transporttechnik (Anteilsnote b)

Hier gilt es die konkret verwendete Transporttechnik anzugeben bis zum genauen Modell. Dieses Modell findet sich auf der Inventarliste der Firma, die den Transport durchführt (->Firmenprofil/Inventar). Verwendet eine Firma z.B. einen eigenen LKW, verweist sie auf ihr eigenes Profil, in dem dieser LKW aufgeführt ist. Greift sie für den Transport auf einen externen Dienstleister z.B. eine Spedition zurück, ist auf deren Firmenprofil zu verlinken. Ist ein solches Profil nicht vorhanden, weil die Spedition kein Teil von O:Wi ist, muss die Firma, die das Transportwiki ausfüllt, ein solches Profil für sie anlegen (->Firmenprofil/ benannt). Soweit eine Recherche das aufdeckt und die Spedition damit einverstanden ist, ist in der Inventarliste z.B. der Teil des Fuhrparks aufzuführen, der für den Transport eine Rolle spielt. (Die Spedition kann jederzeit ihr Profil selbst übernehmen (->Firmenprofil). (Es ist für Speditionen durchaus möglich, ganz oder teilweise zertifiziert zu werden, wenn sie zum einen über einen zertifizierten Fuhrpark verfügt und auf zertifizierte Kraftstoffvarianten zurückgreift (->Energie/“Reversiblitätsprinzip“).)

Jede Transporttechnik hat – soweit möglich – einen eigenen Lexikoneintrag (->Lexikon). Dieser enthält eine feste „Transportnote“ für diese Technik (0 bis 10). Diese Note ist von einem Richterteam mittels einer Bewertung der Transporttechnik nach verschiedenen zertifikationsgerechten Kriterien erstellt worden.

Das genaue Prozedere für die Ermittlung dieser Note sowie die Bewertungskriterien, die dabei eine Rolle spielen sollen, ist noch zu ermitteln. Mögliche Kriterien könnten sein: Die Recyclingfähigkeit bzw. Kreislauffähigkeit der Hardware der Transporttechnik, die Art des verwendeten Energieträgers (regenerationsfähig?) und die Emissionsbilanz der Technik (z.B. Abrieb, Abgase, Lärm) und damit die geschätzte Umweltwirkung

Diese Note der Technologie wird an dieser Stelle des Transportwikis als Anteilsnote b eingetragen.

* Sind in einem Transportwiki alle Anteilsnoten b bei der Darstellung der einzelnen Transportschritte gleich Null, wird damit automatisch die Gesamttransportnote für das Transportgut Null. Gleichwohl sollten dennoch alle Eintragungen in das Wiki weiterhin vorgenommen werden, um eventuelle weitere Optimierungs- oder Kooperationspotentiale auffindbar zu machen.



16.2 Wer ist für die Transportmodellierung zuständig?

In wessen Aufgabenbereich fällt die Transportmodellierung? Diese Frage stellt sich, da Transport ja zwischen zwei Modulen/Partnern stattfindet und geklärt werden muss, wer von beiden hierfür zuständig ist. Prinzipiell ist zu sagen, dass die Transportmodellierung, wie fast alle anderen für die Zertifikation notwendigen Darstellungen, nicht von den Firmen selbst gemacht werden müssen, sondern an Dritte – externe Dienstleister – abgegeben werden können. Die Frage lautet also korrekterweise: In wessen Verantwortungsbereich fällt die Transportmodellierung? Dies ist davon abhängig, zwischen welchen Modulen der Transport stattfindet.

Firma zu Firma: Prinzipiell ist die Modellierung von der Firma zu übernehmen, in die das Transportgut als Input hineingeht. Jedoch ist dies natürlich zwischen den Firmen verhandelbar. Die beiden miteinander in Austausch stehenden Firmen können darüber in Verhandlung treten, was unter Umständen ein Kooperationsverstärker bilden kann.

Firma zu Biomodul: Die Firma muss die Transportmodellierung machen. Außer es handelt sich eventuell um ein Bio-Modul, dass von einer Firma betrieben wird. Z.B. eine Plantage. In diesem Falle handelt es sich um die oben dargestellte Beziehung „Firma zu Firma.“ 

Firma zu Produkt: Gibt eine Firma als Output ein Produkt an einen Retailer ab, fällt die Transportmodellierung ebenfalls ihr zu und muss zudem prinzipiell für jeden Retailer extra angefertigt werden. Dies könnte nicht gelten, wenn der Retailer zertifiziert ist. Dann könnte die „Firma zu Firma“ Regelung greifen.

Biomodul zu Firma: Die Firma muss die Modellierung machen. 

Produkt zu Firma: Die Transportmodellierung, wenn sie hier sinnvoll erscheint, fällt in den Aufgabenbereich der Firma. 

*Aus dieser Darstellung ergibt sich, dass Transportmodellierungen ausschließlich für Produktionsmodule oder für Bio-Module, die primär als Produktionsmodule betrieben werden, vorgenommen werden müsste. Verbesserungen von Transport gehen von dort aus, sind damit verknüpft!


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GLIEDERUNG/INHALT DES ENTWURFES
  1. Einführung/Übersicht
  2. Produktionsmodul
  3. Biomodul
  4. Konsummodul
  5. Firmenprofil
  6. Sonderregelungen 
  7. Lexikon (LÖWi)
  8. Karte
  9. Sinnfeld
  10. Machtdesign
  11. Wissensdesign
  12. Zertifizierungsablauf
  13. Vertrag
  14. Freiwillige Selbsterklärung
  15. (Energie)
  16. (Transport)