Die Macht der Briefmarke in der Politik

Briefmarken als soziopolitisches Instrument

Gewöhnlich gelten Postwertzeichen als Mittel zur Freimachung von Briefsendungen. Hierzu bedienen sich Unternehmen oftmals, falls keine Frankiermaschiene eingesetzt wird, der Dauerserien, die alle 5-10 Jahre ihr Motiv wechseln.
Doch die Sondermarken zeigen das kulturelle Erbe einer Nation, erinnern an Jahrestage wichtiger Ereignisse usw. Vor allem diese Marken werden gesammelt. In einigen Staaten freilich wird die Briefmarke genutzt, um politische und ideologische Ziele zu propagieren. Andererseits werden Briefmarken für Sammler mit sehr hohen Nominalwerten heraus gegeben, um Devisen zu erwirtschaften.
 
  • 1884 erschien die erste koreanische Briefmarke in der Geldeinheit Moon, die in Japan gedruckt wurde. Wie lange war diese Ausgabe frankaturgültig? -- Ganze 20 Tage, da durch politische Auseinandersetzungen die Marken durch ein königliches Dekret aus dem Verkehr gezogen wurden. Erst 1895 erschien die TaeGug-Serie , die in den USA gedruckt wurde. Im Jahr 1900 wurden erstmalig eine in Korea erstelle Marke verausgabt. Der Druck erfolgte auf aus dem Deutschen Reich importierten Maschinen.
 
Korea war besonders von dem Umstand betroffen, das von Japan ausgearbeitete "Abkommen über die Zusammenfügung der Japanischen und Koreanischen Kommunikations-Dienstleistungen" unterzeichnet zu haben. Dies geschah im April 1905. Unverzüglich danach verausgabte die japanische Post Briefmarken zum Gedenken an dieses Abkommen am 01. Juli 1905 in einer Auflage von 2,5 Mio. Stück. Diese Marken wurden in Korea und Japan gleichzeitig vertrieben. Fünf Jahre später wurde Korea bekanntlich eine Kolonie Japans.

In den folgenden 40 Jahren erschien keine einzige Briefmarke unter der Landesbezeichnung "Korea" mehr. Für Philatelisten in Korea gab es somit keine Möglichkeit mehr, Marken des eigenen Landes zu sammeln.

 
Die Vorgeschichte der Kolonialisierung Koreas begann 1877 mit der Duchsetzung einer Festsetzung in Pusan. Die koreanische Souveränität wurde kurz danach dadurch untergraben, dass Japan eigene Postämter betrieb, die sich im Königreich Korea befanden. Japan verweist in seinen Äußerungen zur Kolonialzeit häufig darauf, zur Entwicklung Koreas (z.B. durch Infrastrukturprojekte) beigetragen zu haben. Korea weist dies heftig zurück und sieht darin eine unbegründete Rechtfertigung durch Japan.
  • Nach der Befreiung Koreas von der Kolonialherrschaft schlug sich die ungeordnete politische Lage in der Herausgabe von Briefmarken nieder. Die ersten fünf Monate nach dem 01.05.1945 wurden japanische Marken mit Überdrucken verwandt.
 

Die ersten eigenen Nachkriegsausgaben erschienen 1946 unter dem Titel:

 "The Liberated Choson (Das befreite Korea)".

Herr Kwon Young-Su weist in seinem Beitrag für die Korean Stamp Review XXXVIII auf den Umstand hin, dass diese Überdruck-Marken noch auf Anordnung der US-Militärregierung in Japan gedruckt wurden. Im Jahre 1948 bildeten sich durch Separatwahlen und unter Aufsicht der jeweiligen Besatzungsmacht im Süden die Republik Korea und nördlich des 38. Breitengrades die Koreanische Dem. Volksrepublik.

Somit existieren zwei koreanische Sammelgebiete.

Hier sei auf die jeweils erste Briefmarkenausgabe beider Teilstaaten verwiesen:  

 

Im Norden erschien am 12. März 1948 in einer Auflage von 10.000.000 Stück die einfarbige Ausgabe "Rose of Sharon" in drei Varianten, zwei davon in grün.

Ein postfrischer Satz wird heute mit ca. EUR 175,- bewertet. 1957 wurden Nachdrucke der ersten nordkoreanischen Briefmarke erstellt. Alle drei Werte lauten auf 20 Chon und wurden von Herrn Paek Tae In gestaltet.

 
Die Stimmung des Kalten Krieges und der Teilung Koreas schlug sich naturgemäß in der Ausgabepolitik für Briefmarken nieder.
 
Nordkorea brachte Marken mit Parolen gegen die USA heraus (z.B. 1971 "Anti US-Kampf"), Südkorea veröffentlichte 1968 Marken und dem Titel: "Antikommunistischer Studententag".
 

 Nordkorea

 Nordkorea

 Südkorea

 

Dokdo-Disput führt zu Preisanstieg für Briefmarken

Durch die wachsenden Spannungen zwischen Seoul und Tokio über die Inseln Dokdo, Koreas östlichste Inseln, liegen die Preise für Briefmarken, die die Dokdo-Inseln darstellen, über dem Achtfachen ihres eigentlichen Wertes.
 
Die Koreanische Post teilte am Dienstag, den 15. März, mit, dass der Gesamtsatz der Dokdo-Briefmarken, der 20 Briefmarken enthält, in Korea 30.000 Won kostet. Das ist das 7,9-Fache des regulären Preises von 3.800 Won.
 
"Die Preise für Dokdo-Briefmarken steigen an, da die Nachfrage das Angebot bei weitem übersteigt. Die neuesten Streitigkeiten über die Dokdo-Inseln kurbeln die Nachfrage nach den Briefmarken an", sagte Sung Hoan-il, stellvertretender Direktor der Koreanischen Post.
 
Dokdo ist eine Ansammlung kleiner felsiger Inseln, die sich an der östlichen Spitze der Insel Ulleungdo befinden.
Japan nennt die Inseln Takeshima und hat Souveränitätsansprüche über die Inseln erhoben. Damit rief Japan einen Sturm der Entrüstung in Korea hervor. Im Januar 2004 hatte die Koreanische Post 2,26 Millionen Briefmarken mit vier verschiedenen Motiven herausgegeben, die Vögel und Pflanzen der Inseln zeigen.
 
Die japanische Regierung hat die Koreanische Post aufgefordert, die Herausgabe der Briefmarken einzustellen.
15.03.2005, KBS
 
 
 

 

Die in Seoul erscheinende Sammlerzeitschrift Woopyo veröffentliche in der Januarausgabe 2004 die Dokdomarken auf ihrer Titelseite.

  • Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht in vollem Umfang absehbar, dass es um diese Marken eine diplomatische Auseinandersetzung mit Japan geben werde, die vor dem Weltpostverein ihre Fortsetzung fand.
Auch war nicht zu ahnen, dass Nordkorea ebenfalls eigene Dokdomarken herausgeben wird.
Im Laufe des Jahres dokumentierte Woopyo alle bisher in Süd- und Nordkorea erschienen Ausgaben zu diesem Themenkomplex, inkl. Telefonkarten, Umschläge und Postkarten (siehe scharz/weiß-Seiten).
 
Die Zeitschrift erscheint monatlich in einer Auflage von 9.300 Exemplaren.
Sie ist auch an Postämtern zu erstehen.