Frühjahrstagung 2010

Netzwerke erfassen, analysieren und verstehen. Zur Integration von Daten, Methoden und Theorien.


Willkommen auf der Website der Frühjahrstagung "Netzwerke erfassen, analysieren und verstehen", am 25. und 26. März in Berlin der AG Netzwerkforschung in der Deutschen Gesellschaft für Soziologie,

Journalisten, Politiker und Soziologen sprechen – obwohl sie damit häufig unterschiedliche Sachverhalte meinen, von sozialen Netzwerken. Die dabei häufig verwendete Bemerkung „es komme nicht unbedingt darauf an, was man weiß, sondern wen man kennt“ spricht für die uns allen bekannte Erfahrung, über die Nützlichkeit von sozialen Kontakten zu anderen. Der Begriff des sozialen Netzwerks hat mittlerweile Einzug in die verschiedensten Wissenschaftsdisziplinen wie die Sozialpsychologie, die Anthropologie, die Politik-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften usw. gehalten.

Die Netzwerkforschung kann soziale Phänomene in den genannten Disziplinen erklären. Untersuchungen in diesen Bereichen sind jedoch voraussetzungsvoll. So muss eine empirische Netzwerkforschung drei Komponenten integrieren. Dies sind eine angemessene Theorie, eine Methode, die in Bezug zur Theorie steht und es müssen die entsprechenden Daten vorhanden sein oder mit den zur Verfügung stehenden Mitteln beschaffbar sein. Den Schwierigkeiten, die sich aus diesem Dreiklang ergeben, mehr aber den darin enthaltenen Chancen, für das Verständnis von Sozialem soll unsere Tagung gewidmet sein.

Durch die Anwendung von Methoden der Analyse und der Veranschaulichung, die in anderen Disziplinen entwickelt wurden (vor allem Physik, Mathematik und Informatik), ist die Netzwerkforschung wesentlich vorangekommen. Die Theorien stammen aus ebenso verschiedenen Wurzeln (vor allem Ethnologie, Psychologie, Soziologie). Diese heterogene Herkunft hat für eine Vielfalt an theoretischen Standpunkten gesorgt.

Alle drei Komponenten, die Theorie, die Methodologie und die Zugänglichkeit an Daten haben sich in den letzten Jahren enorm entwickelt. Tatsächlich sind auf diesem Gebiet durch die Beteiligung von Disziplinen wie der Mathematik, der Informatik und der Steigerung der Rechnerkapazitäten zahlreiche Fortschritte zu verzeichnen. Das Potential der Netzwerkforschung lässt sich nach unserer Überzeugung wesentlich steigern, wenn wir aufzeigen, wie sich die verschiedenen Fortschritte besser verzahnen lassen. Auf der Tagung wollen wir daher der für die Netzwerkforschung konstitutiven Frage nachgehen, wie in der Netzwerkanalyse (als Methode), die Erhebung und Zugänglichkeit von Daten und die Netzwerktheorie stärker zu integrieren sind.

Zunächst einmal wollen wir eine Bestandsaufnahme der in empirischen Untersuchungen verwendeten Methoden und Theorie durchführen. Von dieser Warte wollen wir uns den folgenden Fragen nähern: Wie lassen sich methodische Entwicklungen und die Theorie unter einen Hut bringen. Ist die empirische Vorgehensweise mit der Theorie kompatibel? Was sind unsere Vorannahmen wenn wir Netzwerkanalyse betreiben und lassen sie sich mit den vorhandenen Methoden angemessen analysieren? Welche Theorien/ Methoden müssen entwickelt werden? Was sind Herausforderungen für die weitere Entwicklung der
Netzwerkforschung in dieser Hinsicht?

Die Netzwerkforschung hat bereits bedeutsame Fortschritte zur Beantwortung gesellschaftsrelevanter Fragen auf verschiedenen Ebenen hervor gebracht. Die hier gestellten Fragen zeigen aber auch, dass noch weiterer Forschungsbedarf besteht. Eine wesentliche Herausforderung ist die gegenseitige Bezugnahme von Methodenentwicklung und eine Verstärkung gesellschaftlicher Prozesse. Aus diesem Grund ist die Tagung explizit interdisziplinär angelegt und möchte aufzeigen, mit welchen empirischen Methoden unsere soziologischen Theorien untersuchbar sind und inwiefern aus den angewendeten Theorien neue Methoden erwachsen sollen. Insofern freuen wir uns auf einen Austausch zwischen empirischer Forschung und Methodenentwicklung.

Vorbereitung und Organisation: Marina Hennig (Berlin), Christian Stegbauer (Frankfurt/Main), Lothar Krempel (Köln)