Reisenotizen von Damanhur/Italien


                               21. bis 24. März 2002

 

 

Es ist schwierig, die Eindrücke zusammenzufassen, die ich mit einer kleinen Gruppe Deutscher beim Besuch Damanhurs hatte, das in der Nähe von Turin liegt.

Die Umgangssprache ist italienisch. Es gibt jedoch eine ganze Reihe Deutscher, die dem „Volk von Damanhur" angehören, mit Herz und Seele. Diese standen uns Rede und Antwort und führten uns durch die weitläufige Anlage. Jeder Damanhurioner hatte einen, dem Tierreich entlehnten Namen. Uns begleitete während der drei Tage der „Geier". Eine Krankenschwester, die im Gelände lebt, in einer der Kommunen und ihre Freizeit-Arbeitskraft der Gemeinschaft zur Verfügung stellt. Ihr Geld verdient sie in einem nahe gelegenen Krankenhaus.

Erfrischend ist, dass jeder, der die Idee von Damanhur gut findet, sich ganz, teilweise oder nur ideell daran beteiligen kann, wie er möchte, also auch ohne Aufgabe des Lebensstils und seiner Gewohnheiten. So ist jeder dort gekleidet, wie er es gewohnt ist, trägt das in Italien unvermeidliche Handy. Ist lässig gekleidet oder auch elegant, wie es ihm beliebt. Einen Guru, dem man sich unterwirft, gibt es nicht, man fügt sich in die Gemeinschaft ein. Diese hat Regeln, wie jedes Zusammenleben es erfordert. Gleichwohl kann jeder ein Auto besitzen und was er sonst glaubt haben zu müssen.

Die Philosophie von Damanhur ist sich einzubringen in die Natur, aber dabei zu erkennen, dass wir ein Teil derselben sind, in und mit ihr leben, sie achten und schützen sollen und wollen, wenn wir nicht untergehen möchten. Wenn man so will, ist es vielleicht eine grüne Bewegung, die jedoch nicht mit den dort vertretenen Dogmen behaftet ist. Man lebt hier und jetzt und nutzt auch den Fortschritt voll aus. Keinesfalls ist es ein Religionsersatz. Mehr eine Rückbesinnung auf alte Werte, die in Vergessenheit gerieten und hier wieder aktiviert werden.

Uns begegneten auf dem Gelände bekannte und weniger bekannte Symbole, die wir aus der Kunst Ägyptens kennen, aber auch solche, die uns von den Kelten, von den Mayas überliefert sind oder aus fernöstlichen Religionen, ergänzt durch christlich-europäische Symbolik.

Damanhur ist bewusst an diesem Platz angelegt, da sich hier Welt umspannende, synchronische Linien treffen, solche wie es sie auch bei Lhasd/Tibet gibt. Sie geben diesem Platz seine besondere Kraft, die sich auf die hier Lebenden, Arbeitenden auswirkt. Denn gearbeitet wird hier in den verschiedensten Werkstätten. Mosaike für den Eigenbedarf werden ebenso hergestellt wie für den Verkauf; wunderbare farbenfrohe alte Techniken wieder aufgreifend, ebenso wie Glasmalereien oder Gemälde. Große Blumen oder Szenen, in denen Wasser eine wichtige Rolle spielt (wie bei den Kelten) sind auf den Hauswänden zu finden. Einige Eingangstüren haben Tiffanyglasarbeiten von einer kaum zu übertreffenden Ausdruckskraft, eingefasst in eine hohe Schmiedekunst. Auch sie finden wir in einer Werkstatt am Ort. Ebenso wird Stuckmarmor verarbeitet. Alte Traditionen spiegelen sich in dem Material wieder so in wunderbaren Figuren, Vögel-, Engels- oder Elfenwesen, auch an Säulen. Der oberirdische Tempel weist ihn auf, der zugleich Versammlungsort ist. Hier findet sich ein Altar, ebenso wie auf dem Gelände verstreut verschiedene andere Altäre, die der Luft, dem Feuer, dem Wasser, der Erde gewidmet sind und zu bestimmten Zeiten genutzt werden. Es verblüfft an diesem ruhigen, sonnigem, fröhlichem Ort gehäuft längst vergessen zu sein scheinende Relikte aus der Vergangenheit der verschiedensten Kulturkreisen zu finden. Teils, dass sich griechische Elemente neben den oben angesprochenen zeigen oder vor allen Dingen, was sehr deutlich hervorsticht, Naturreligionsmerkmale.

Wenn schon der äußere Eindruck überwältigend ist, so wird dieser noch übertroffen von der unterirdischen Tempelanlage mit den verschiedenen Sälen, Gängen und Räumen. Hier fühlt sich der Betrachter zurückversetzt in die Zeit der Ägypter, der Griechen und Römer, hier finden sich verteilt weltweite Zeugnisse vergangener Kulturen geballt an einem Ort. Heimlich ist 18 Jahre lang der Berg bei Damanhur ausgegraben, ausgehöhlt  worden. So wurde diese einmalige Tempelstätte gebaut mit Mosaiken, Altären, Tiffany-Glaskuppeln, mit Stuck verzierten Säulen und wunderbaren Malereien an den Wänden, den Böden, den Decken. Es ist nahezu unmöglich, all die Eindrücke zusammenzufassen, die auf den Betrachter beim Durchschreiten der unterirdischen Anlage einstürmen. Sicherlich ist es nicht übertrieben, wenn man dieses, in der Jetztzeit entstandene Bauwerk, 30 - 40 Meter unter der Erde, unter die Weltwunder einreiht. Wäre es nicht heimlich entstanden, wäre nie eine Baugenehmigung dafür erteilt worden, die jedoch, nachdem es bekannt war, nach vielen Wirren nachträglich gegeben wurde.

Geheimgänge und Türen schotten bestimmte Bereiche ab. So geschickt und mit modernster Technik versehen, dass selbst beim genauesten Durchstöbern mit höchst möglicher Technik die Bereiche des magisch-spirituellen Volkes nicht aufgespürt worden wären. Hier merkt man, wie klein der Mensch ist und wie unermesslich groß die Natur, dass der Mensch nur ein Teil derselben ist, mit ihr leben muss. Die verschlungenen Gänge, teilweise an Labyrinthe erinnernd, sind reich bemalt mit ägyptischen Motiven, so dass sich der Ägyptenkenner dorthin zurückversetzt fühlt und glaubt, er würde sich in einer anderen Zeit bewegen.

Über dieser Tempelanlage wächst der sogenannte „Heilige Wald". Die darin befindlichen Bäume sind die Antennen, die die Kraft, die in der Erde gesammelt wird, zum Universum zurückführen und gleichzeitig

von dort sie wieder einfangen, um sie über die Wurzeln der Anlage zurückzugeben. Im „Heiligen Wald" sind Steinkreis-Wege angelegt, die spiralenförmig wie Labyrinthe verlaufen. Der, der in ihnen schreitet, nimmt die Kraft des Bodens auf. Die Wege sind eingegrenzt von bunt bemalten, fußballgroßen Bachlesesteinen. Diese Prozessieren des Einzelnen durch einen solchen Kreis erinnert an keltische Handlungen, bei denen sich der Druide der Kraft der Erde versicherte.

Und wieder findet sich hier eine Parallele zu diesem alten Volk ohne Schrift. Man hat wie sie eine geheime Schrift, die antiken Schriften nachempfunden ist, die nur den Eingeweihten bekannt war. Die von Damanhur kann geschrieben, gesprochen, getanzt, gesungen oder gemalt werden. Sie schafft die Verbindung zur Natur und ihrer Kräfte. Diese Geheimschrift zeigt, dass ein Anteil von allem in jedem von uns und in allem ist, wodurch auch jedem und allen erkennbar ist, dass es eine uns lenkende Kraft, die wir Gott nennen, gibt.

Die Bewohner von Damanhur sind voll integriert in die Umgebung. Sie stellen sogar im Nachbarort einen Bürgermeister. Sie haben Häuser in den einzelnen umliegenden Orten, Restaurants und eine hochfeine Weberei und eine Feuerwehr, die überall einspringt wo dies nötig ist, um nur einiges zu nennen. Jeder „Bürger" von Damanhur muss sein Geld selbst verdienen, sei es an einer Arbeitsstätte außerhalb des Geländes, in einer der Werkstätten oder in dem unter ökologischen Gesichtspunkten arbeitenden Bauernhof am großflächigen, bergigem Areal.

Die Damanhurianer haben natürlich auch Kinder. Sie wachsen im eigenen Kindergarten auf, getragen von der Gemeinschaft. Sie wechseln danach in die dortige Grundschule, unterrichtet von staatliche geprüften Lehrern, jedoch nach Prinzipien wie sie auch in Waldorfschulen, die Rudolf Steiner begründete, zu finden sind. Musischem und Künstlerischem sowie dem was uns die Natur lehrt wird hier mehr Beachtung geschenkt, als in staatlichen Schulen.

Natürlich gibt es auch Streitigkeiten. Sie werden von einem dafür eingesetzten Gremium geregelt. Man hat ein präsidiales System. Jede „Familie" bestehend aus 16 - 20 Personen, samt Kindern, die in einem Haus wohnen, unter Kommunen ähnlichen Bedingungen haben einen Repräsentanten. Er vertritt seine „Familie" im Rat, dem der Förderationsrat übergestellt ist. Die entsprechenden Vertreter werden demokratisch auf jeweils ein Jahr gewählt. Man hat auch ein eigenes Kreditsystem aufgebaut und eine eigene Währung, die dem Euro entspricht. Überhaupt wird hier ganz gut für die Gemeinschaft verdient durch den Verkauf von Produkten aus den eigenen Werkstätten, Führungen und Vermietungen.

Zusammengearbeitet wird mit Kliniken der Umgebung, da auch die Naturheilkunde zum Bereich gehört, dem große Beachtung geschenkt wird. Nicht unerwähnt bleiben soll in diesem Zusammenhang die Bemühungen, zusammen mit der Wissenschaft unter Einsatz von Naturheilmitteln und -kräften, Methoden auszuarbeiten, die es ermöglichen z. B. dem Krebs Paroli zu bieten.

Vieles, was unsere Gruppe während der drei Tage erlebte, war sicherlich nur ein oberflächliches Anreißen dessen, was Damanhur eigentlich ist. Das spiegelt sich auch im Vorstehenden wieder.

Uns beeindruckte weiter die Tatsache, dass es hier eine Zeitmaschine gibt, mittels derer man in die Vergangenheit reisen kann, was nach der Theorie möglich sein soll (siehe Johannes von Buttler, Zeitreisen, Bergisch-Gladbach, 2000). Hier wird es, so wie uns gesagt wurde, praktiziert. Wie das genau geschieht, wurde bei der Führung zwar angerissen, aber nicht explizit erklärt.

So behält Damanhur - zurecht - noch viele Geheimnisse, auch solche die unsere Führerin „der Geier" nicht erklären konnte oder wollte. Einiges haben wir gesehen, aber nicht alles, da es gewisse Intimbereiche gibt, die dem Besucher vorenthalten werden, was verständlich ist. Selbst zuvor skeptische, voreingenommene Teilnehmer unserer kleinen Gruppe waren nach den drei Tagen angetan von den riesigen Leistungen, die das „Volk von Damanhur" in den ca. 25 Jahren schaffte. Über 60 % von uns nahmen sich vor, wieder zu kommen.

 

Wer weiteres wissen, findet Informationen unter: http://www.damanhur.org, Postadresse: Damanhur, 10080 Baldissero C. se (TO), Turin - Piedmont - Italy; Tel/Fax +39.0124.512205. Die deutsche Adresse ist: OROME" Damanhur, 10789 Berlin, Nürnberger Straße 16, Tel 030 - 281 5488, Fax 030 - 236 21950.

 

 

 

   

 

 

 

Die Zeichnung zeigt einen Längsschnitt durch die ganz in den Berg gebaute unterirdische Tempelanlage der Damanhurianer, um deren Bestand sie jetzt bangen müssen. Die Gesamthöhe des Baues beträgt 30 m.

 

esotera: War der Tempel von Anfang an das Herz­stück von Damanhur?

Airoudi: Eines der Herz­stücke.

esotera: Was für andere gibt es noch?

Airoudi: Darüber kann ich heute noch nicht sprechen. Sie sind noch komplizierter und komplexer.

esotera: Kennt jeder Damanhurianer alle Räume des Tempels?

Airoudi: Nein, mancher kennt sie nur aus dem Fernsehen. Es hängt von der individuellen Lern­geschwindigkeit des einzelnen ab.

esotera: Sie sagten während der Führung, eine der Aufgaben des Tempels bestehe darin, Ener­gien und „Gedankenstrukturen" in die ganze Welt zu senden. Wie bedeutsam ist dieser Aspekt für Sie?

Airoudi: Es ist sehr wichtig. Wir betrachten uns als Weltbürger, und Damanhur ist speziell dafür gedacht, positive Impulse zu setzen. Jetzt ist die Zeit, in der alle Völker, alle Minderheiten in ihren Charakteristika aufblühen können und nicht von irgendwelchen Megastrukturen er­drückt werden... Wir arbeiten weltweit, um Kri­sen in Grenzen zu halten. Aber man darf es nicht übertreiben. Die Menschen müssen es auch wol­len; man kann es nur anbieten. Für uns ist dies eine ganz praktische Art, um in der Welt zu wirken. Es gibt viele Damanhurianer, die sich außer ihrer All­tagsarbeit um die Kugeln mit den alchemistischen Flüssigkeiten kümmern, über die wir „senden". Es gibt Kurse, in denen die Damanhurianer das lernen können. Wir praktizieren das ständig, jeden Tag, aber natürlich mit ver­schiedenen Leuten, sozu­sagen in „Schichten".

esotera: Sie haben die Be­hauptung veröffentlicht, auch die Reinkarnation von verstorbenen Daman­hurianern steuern zu können.

Airoudi: Ja. Eine Person, die vor einiger Zeit hier verstorben ist haben wir ganz bewußt zurückgerufen und sie befindet sich als Kind wieder unter uns. Es gibt eindeutige Ähn­lichkeiten, und sie erinnert sich. Es gibt darüber auch ein Buch, allerdings nur in italienisch.

esotera: Welche Absicht steht hinter dem ganzen Projekt Damanhur, für das Sie soviel in­vestieren?

Airoudi: Ein wichtiges Ziel ist es, Forschungen auf dem Gebiet der Esoterik, die schon so lange stagnieren, fortzuführen. Forschungen für die Menschheit, für die Evolution des Menschen, und um der ganzen Entwicklung wieder eine spi­rituelle Richtung zu geben, die zugleich gut mit der Technologie harmoniert, so dass sie den Men­schen wirklich wieder Nutzen bringt.

 

„Wir betrachten uns als Weltbürger, und Damanhur ist speziell dafür gedacht, positive Impulse zu setzen. Jetzt ist die Zeit, in der alle Völker aufblühen können"