Schmeckt nicht gibt's nicht.

oder : "Bratwurst an Vanillie-Soße"

Beinahe täglich beglücken uns Tim Mälzer und Vox mit Ihrer Kochsendung "Schmeckt nicht gibt's nicht". Gespannt kann der gelangweilte Fernsehzuschauer beobachten, wie der Starkoch ausgefallene Gerichte in den Backofen schiebt oder in der Pfanne Kleinigkeiten dünstet.

Doch über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. So auch über den meiner liebenswerten Tante Anne. Tante Anne kocht gerne - und schlecht. Sie hat noch die frühen Wirtschaftswunderjahren ("...damals, kurz nach'm Kriech !") mitgemacht. Und kalorienreiche Kost war damals ein Muß. Wenn "Vatti" von der Arbeit kam, musste das Essen "deftig" sein. Das Wort "deftig" hat auch heute noch einen festen Platz in ihren Kochkünsten. Nur leider versteht sie etwas anderes darunter - nämlich fettig.

Beispiel Spiegeleier :
In die heiße Pfanne muß ordentlich die "gute Butter" rein. Ein Viertel Pfund ungefähr. Somit werden die Spiegeleier in der Pfanne nicht "gebraten", sondern frittiert. Und zu den Spiegeleiern gibt es immer(!) Bratkartoffeln. Dass die Kartoffeln ebenfalls in der "guten Butter" gebadet werden, ist schon selbstverständlich. Doch damit ist es nicht getan : etwa 200, fein säuberlich gewürfelte Speckstücke werden gekonnt zwischen, den in Fett triefenden, Kartoffeln "versteckt". Lecker.

Beispiel Braten :
Zu erst muß festgehalten werden, dass die Lieblingsbraten meiner Tante Anne schon fertig gefüllte Braten aus dem Supermarkt sind. Mein Fall sind die Dinger nicht, aber das nur nebenbei. Dieser Braten kommt in
einen großen Bräter. Verfeinert mit 250gr bis 350gr Magarine. Die sonst so "gute Butter" muß in diesem Fall außen vor bleiben, da sie teurer ist als Margarine und der Braten an Geschmack gewinnen soll. Und das stimmt.

Ihr Braten schmeckt tatsächlich nach ... irgendetwas Fettigem. Ein Stück Braten fühlt sich wie ein Esslöffel voll Vaseline im Mund an. Aber zurück zur sorgfältigen Zubereitung. Nachdem der Braten im Backofen solange in der heißen Sörge war, bis er knochentrocken ist und eine feine, glänzende Außenhülle hat, wird aus dem flüssigen Rest das Beste gemacht : die Soße. 

Also die ölige Flüssigkeit aus dem Bräter heraus in einen Topf. Vermischt mit Mondamin wird eine Flüssigkeit hergestellt, die aus Fettaugen besteht. Nein, das stimmt nicht. Die "Soße" hat keine Fettaugen mehr, sondern nur noch EIN großes Fettauge. Dieses Fettauge ist in der Regel 1,5 bis 2 cm tief.
Ich nenne Ihre Soße nur liebevoll "Zyklopensoße".