Es geht ein Flug nach...

...Griechenland (Teil 1) 

Ich habe es mir abgewöhnt, in den überfüllten Ferienfliegern einfach nur ein Buch lesen zu wollen, mit irgendetwas aus der geschmacksneutralen Aluschale meinen anspruchslosen Gaumen zu beglücken und danach bis zur Landung in Ruhe zu schlafen. Es geht einfach nicht. So auch auf meinem letzen Flug von Frankfurt nach Kreta. Zwischen von einer kleinen, aber älteren Dame mit lila Haaren und einem Vater mit etwa einem 15 jährigem Sohn, machte ich mir auf meinem engen Sitze bequem. Vater und Sohn trugen jeweils ein "lustiges" blaues T-Shirt mit der Aufschrift CRETE. Doch die Lächerlichkeit nahm ihren Lauf, als der Vater -sichtlich nervös, zumindest verrieten es die dunkelblauen Schweißflecken unter seinen Achseln- mir mit einem sportlichen Schlag auf den Oberarm verriet : "Hier ! Da ! Da draußen ! Auf dem Wagen ! Da sind unsere Koffer. Die werden jetzt ins Flugzeug gepackt. Schau'n 'se mal." Meine Begeisterung konnte sich so gerade in Grenzen halten. Auf meine Frage, warum denn die Koffer dort unten reinkommen würden und nicht hinten in den Kofferraum, erhielt sich fragende Blicke. Diplomatisch mischte sich nun die kleine Lilahaareomi ein : "Fliegen Sie auch nach Kreta ?". Große Kulleraugen, die ich eigentlich nur vom Nachbardackel her kenne, wenn er am Tisch bettelt, sahen mich an. "Nein, ich fliege nach Bakuschnien."  Meine Hoffnung, nun vielleicht doch bis Ende des Fluges, zumindest bis zum Start, meine Ruhe zu haben, wurde schlagartig zerstört. "Och, das ich ja toll, junger Mann. Ich mache Urlaub in Sissi - auf Kreta." Ein ironisches "Oh." entsprang meinen Lippen, was jedoch den unverhofften Redefluss der netten, alten Dame zu einem verbalen Dammbruch verhalf. Innerhalb der nächsten Stunde wusste ich so ziemlich alles über sie und ihren Mann (...der übrigens, damals im Kriech, auch auf Kreta war...), den letzten Urlaub in der Türkei, der Frauengruppe der örtlichen Kirche (...wir treffen uns jeden Mittwoch, und die Annie hat...), die unterschiedlichen Variationen von Darmkrankheiten der letzten 4 Jahre und warum ihr Neffe Michael so ein "Netter" ist. Das Bemerkenswerte ist daran, dass es total egal war, ob ich nun meine iPod-Ohrstecker "drin" hatte oder gelangweilt in der Bravo* las, es wurde hemmungslos weitergeredet. Doch damit nicht genug. Vater und Sohn hatten in ihrer Aufregung das "Sicherheitsvideo" (früher stand die Stewardess im Gang und zeigte wo die Notausgänge waren) nicht mitbekommen. So wurde ich tatsächlich gefragt, ob denn auch Turnschuhe auf den Notausstiegsrutschen ausgezogen werden müssten. Mir lag auf der Zunge, dass er seine Jeans wegen der Nieten, die die Rutsche beschädigen könnten, ebenfalls ausziehen müsse und in seinem Fall nur das Tragen der Unterhose am Sichersten sei.  Aber nein, ich wollte den verantwortungsvollen Vater nicht weiter beunruhigen und sagte einfach nur "Zum Glück sitzen wir so weit hinten." "Warum ?" fragte der Junior. Mit leiser Stimme verriet ich ihm, sollte das Flugzeug auseinander brechen, man hinten die meisten Überlebenschancen hätte und ich deshalb immer unter meinen Klamotten eine Trainingshose tragen würde. "Eine Trainingshose ?" "Ja." antwortete ich "Die Leichen werden doch dann immer in Turnhallen aufbewahrt - zur Identifizierung, oder so.
Weiter in Teil 2...
 

*ja, ich meine wirklich DIE Bravo, denn zu einem Flug gehört die Bravo. Mal ganz im Ernst. Mit der FTD (für alle non-Hip und Normalos : Fincial Times Deutschland), FAZ oder einem Fachbuch über die Entwicklung des DAX in den frühen 80igern kann nun wirklich jeder. Aber einfach mal zwischen diese wichtigen Leute (vgl. Handy's und Meetings) mit 'ner Bravo hinsetzen und gemütlich Dr. Sommer** lesen.

**in Düsseldorf hatte mich mal so ein junger Hippie mit Laptop auf dem Schoß gefragt, ob meine Kinder so etwas lesen würden. "Nein, aber ich. Und wussten Sie übrigens, das man durch Petting NICHT schwanger wird ?"