Das Haus am See

...oder SiFi-Light

Keanu Reeves und Sandra Bullock schreiben Filmgeschichte mit dem Schnulzfilm "Das Haus am See". Für die männliche Gattung des Homo Sapiens ist das Herz-Schmerz-Movie mindestens genauso spannend wie der eigenen Großmutter beim Häkeln oder den Freilandeiern beim Kochen zu zusehen. Die vorhersehbare Story (Keanu Reeves stirbt, wird jedoch von Sandra Bullock mit ihrer neuen Fisselfrisur später [widererwartet, zumindest widererwartet von der Frauenwelt] gerettet) zieht sich hin wie altes Kaugummi auf dem sommerlichen Straßenbelag. Auch das Schema "Sie verlieben sich, sie trennen sich, sie kommen wieder zueinander" wurde einhundert mal abgehandelt und ist bekannt langweilig aus den femnininhandlungsarmen Blockbustern wie "Email für Dich", "Schlaflos in Seattle", "An Deiner Seite", "Weil es Dich gibt", "10 Dinge Dich ich an Dir hasse", "Wie werde ich ihn in los in 10 Tagen", usw.

Doch was tatsächlich neu ist für diese Genre, ist der Aspekt der Science-Fiction. So kommunizieren die "Ichliebemeinenjobalskarriereärtzin"-Bullock und der "Selbstverwirklichungsarchitekt"-Reeves über einen Briefkasten, der an einem Haus am See steht. Für sich genommen nichts ungewöhnliches, nur dass der Herr Architekt in der Vergangenheit lebt und Frau Ärztin in der Gegenwart. Und so manipuliert der Reeves mit schnulzigen Briefen an der Vergangenheit von Frau Bullock, damit er sie am Ende doch noch in die Kiste kriegt (was natürlich NICHT gezeigt wird - aber nun mal so ist).

Das überraschende daran ist, dass die Frauenwelt diesen Unsinn mit der Zeitverschiebung über den Briefkasten kommentarlos hinnimmt. Wäre dies bei Star Trek, Enterprise, Star Wars, etc. passiert, müsste Mann sich anhören, welch' ein Unsinn es doch sei. Dabei wird bei Captain Piccard & Co. alles erklärt : temporale Zeitlöcher, Negativverschiebung der Realität, ionisierte Sterenfraktale, Hyperraumanomalien, natürliche Wurmlöcher. Doch diese Argumente scheinen nicht zu zählen.  

Dennoch muss man den Filmemachern danken : Endlich haben sie Scifi auch den Frauen näher gebracht. Es ist zwar nur ein kleiner Schritt, aber lieber "Scifi-Light für Frauen" und "Östrogen - Scifi" als weitere "Emails für Dich"

Ein herzliches Dankeschön an Maik & Christopher