Presse

Augsburger Allgemeine, 01.05.2016

Swing mit Super-Frühlingsgefühl

MVS-Big-Band gastiert zum dritten Mal im Espach-Theater in Babenhausen

Nachdem der Winter noch einmal kräftig zugeschlagen hatte, zeigten sich zum Wochenende hin endlich wieder Vorboten des sehnlichst erwarteten Frühlings. In Babenhausen machte er sich nicht nur draußen, sondern auch im Theater am Espach bemerkbar. Mit „Swinging Spring“ präsentierte die MVS-Big-Band ein Klangerlebnis, das man sonst nur in großen Konzertsälen zu hören bekommt. Nicht nur die aus dem Jahr 1964 stammende Jazz-Ballade „Feeling good“ vermittelte den Besuchern ein super Frühlingsgefühl.

Zum dritten Mal in Folge gastierte das aus Sindelfingen bei Stuttgart angereiste Ensemble mit Bandleader Jörg Gebhardt bei den Babenhauser Kulturtagen. Da sich inzwischen herumgesprochen hat, welch mitreißendes Feuerwerk von Klängen und Rhythmen die Band bietet, waren die Stuhlreihen sehr gut besetzt. Mehr als zwei Stunden konnten sich die Besucher von Big-Band-Sound allererster Güte begeistern lassen, der Swing-Legenden wie Glenn Miller, Freddie Mercury, Frank Sinatra, Harry James, Sarah Vaughan, Count Basie und Benny Goodman sowie im zweiten Teil Paul Kuhn, Hugo Strasser und Max Greger wieder aufleben ließ. Wem diese Namen bisher wenig gesagt hatten, der wurde von Bandleader Gebhardt zwischendurch mit beachtlichem Insiderwissen versorgt. Im Mittelpunkt aber stand ein effektvoller Wechsel zwischen ruhigen Klanggemälden und temperamentvollen sowie zündenden Rhythmen, die ins Blut gingen.

Mit brillanter Technik und spürbarer Leidenschaft ließen die rund 25 Musiker, darunter drei Frauen, von Anfang an den Funken der Begeisterung überspringen. Bandleader Gebhardt verfügt über das richtige Gespür für den Geschmack des Publikums. Was immer er mit seinem Ensemble scheinbar leicht und locker serviert, bekommt einen unwiderstehlichen Drive, der den Blutdruck hochtreibt und als Vibration bis in die letzten Körperfasern dringt.

Um dies zu erreichen, beweisen die konzentriert agierenden Musiker nicht nur fast blind aufeinander abgestimmtes Zusammenwirken, sondern auch ausgezeichnetes solistisches Können: sowohl im „Wild cat blues“ auf der Klarinette, im Medley „The king – good enough to keep“ auf Saxofonen, im Ohrwurm „Tuxedo Junction“ und dem klassischen italienischen Lied „Chiribiribin“ als Trompeten-Solo als auch im Klassiker „Sing, sing, sing“ auf Schlagzeug und Klarinette und in „Presenting the Band“ im Wechsel zwischen fetzigem Tutti-Klang und getragener Begleitung zu solistischem Hervortreten.

Die unbestrittenen Glanzpunkte des Abends setzten die Gesangssoli. In gelungener Abwechslung servierten Bandleader Gebhardt, der erst 18-jährige Alexander Wolff aus Stuttgart, manchen noch bekannt aus der Sendung „The voice of Germany“, sowie Sängerin Judith Tewelde mit facettenreicher Stimme immer wieder Farbtupfer. Während die Duette „You make me feel so young“ und „When you tell me that you love me“ Romantik versprühten, riss der Oldie „Just a gigolo“ fast von den Stühlen.

Wäre es nach den Wünschen des Publikums gegangen, hätte dieser Abend noch stundenlang weitergehen können. Der als Zugabe servierte Welthit „New York“ („Babenhausen“) klang vielen noch auf dem Heimweg nach.


Sindelfinger Zeitung, 28.04.2016

Neue Stimmen im Rampenlicht

„Swinging Spring“ bei winterlichen Außentemperaturen mit der MVS-Big-Band im Pavillon

„Wir hätten lieber Winter Wonderland ausgeschrieben“, begrüßte Bandleader Jörg Gebhardt das Publikum im Pavillon. Gemeint war damit nicht die eisige Stimmung, sondern winterähnliche Außentemperaturen beim als „Swinging Spring“ firmierenden Konzert der MVS-Big-Band. Im Saal selbst wurde es indes schon nach wenigen Stücken recht warm. Das lag nicht allein an der Musik.

Denn wie mittlerweile üblich bei Auftritten der Big-Band der Sindelfinger Stadtkapelle sprengte der Publikumsandrang das Fassungsvermögen des Saals. Auch wie schon üblich verfolgten einige das Konzert vom vorgelagerten Aufenthaltsbereich aus. In vielen Jahren ihrer Zusammenarbeit mit dem ehemaligen Schlagzeuger der SWR-Big-Band, Jörg Gebhardt, hat sich das Orchester unbestritten zum Publikumsmagnet gemausert. Wie und warum, das verdeutlichte auch dieses Frühlingskonzert im winterlichen Wetterkontext.

Die Big-Band setzt ganz anders als viele vergleichbare Formationen nicht auf Stilpluralismus: „Swinging Spring“ lautet der Titel nicht, weil hier Anlaute und Endsilben sich trefflich zueinander fügen. Die Band pflegt überwiegend das Swing-Feeling in der Tempolage von slow bis medium-up. Dass zwischendurch mal eine eher poppige Ballade auftaucht wie „You’ve Got a Friend“ bestätigt nur die Swing-Regel.

Nun ist offensichtlich, dass nicht nur viel Publikum, sondern auch Musiker dieses Feeling schätzen: Als ganz große Verpflichtung der letzten Zeit hat die Big-Band den jungen Sänger Alexander Wolff (Bild: Eugen Mayer/z) aus Grafenau an Land gezogen, einem Millionenpublikum durch seine Teilnahme an der Gesang-Casting-Show „The Voice of Germany“ bekannt geworden. In Bublé-Manier singt er mit Bassbariton-Timbre unter anderem dessen Versionen von „A Foggy Day“ oder „Feeling Good“, verbreitet trotz seiner Jugend die Aura des abgezockten Entertainers

Da Jörg Gebhardt selbst oft zum Gesangsmikrophon greift und auch noch Judith Tewelde mit vielen Songs als Sängerin ins Rampenlicht tritt, haben die Auftritte der Amateurband einen ziemlich professionellen Anstrich: Es gibt zwar auch beim Singen gelegentliche Schwankungsbreiten, die Instrumentalisten aber sind nicht gezwungen, die Spielzeit mit mehr oder weniger laienhaften Solo-Einlagen auffüllen zu müssen. Wo sich einzelne Musiker solistisch präsentieren, etwa Trompeter Michael Kirsch, Posaunist Winfried Gassner, Tenorsaxer Jürgen Kiesel-Jaberg oder Thomas Geiger mit Altsaxofon und Klarinette oder Bernhard Semmler am Schlagzeug, geschieht das mindestens sehr respektabel.

So markieren auch Intrumentalnummern wie „Sing, Sing, Sing“ mit Thomas Geiger und Bernhard Semmler Höhepunkte dieses langen Konzertabends, der sowohl Stücke internationaler Größen von Ellington bis Sinatra beschert, mit Kompositionen eines Paul Kuhn oder Lieblingsnummern eines Max Greger oder Hugo Strasser aber auch deutsche Swing-Traditionen einfließen lässt. Ulrich de Veer, Erfinder des Erfolgsformats „Swing-Legenden“, das die SWR-Big-Band mit den genannten drei Musikern zusammenführte, sitzt übrigens bei diesem MVS-Big-Band-Konzert im Publikum.

Konzentration auf Swing bringt mit sich, dass die Band dieses Feeling gut verinnerlicht hat, dank hochtonfähiger Trompeten dabei den harten Akzent setzen kann, insgesamt aber überzeugende Spielkultur mit einigen Register-Kabinettsstückchen beweist.

Klar ließe sich das eine oder andere Detail verbessern, zum einen oder anderen Arrangement wie Freddie Mercury’s „Crazy Little Thing Called Love“ mehr Vorwärtsgang denken, aber insgesamt macht auch dieser Auftritt wieder einmal nachvollziehbar, warum der Pavillon mittlerweile für die Gebhardt-Truppe als Auftrittsort eigentlich eine etwas zu kleine Nummer ist.



Augsburger Allgemeine, 27.05.2015

Swingender Frühling bei den Kulturtagen 

Die MVS-Big-Band liefert in Babenhausen einen Auftritt der Extraklasse.  

Solch einen Abend der musikalischen Extraklasse erlebt man nicht alle Tage direkt vor der Haustür. Was die MVS-Big-Band auf die Bühne des Theaters am Espach brachte, gibt es meist nur in großen Konzertsälen zu hören, waren sich einige Besucher sicher. Aufgrund ihres gelungenen Auftritts im Vorjahr hatte das Organisationsteam der Babenhauser Kulturtage um Claudia Schäfer auch heuer wieder die aus Sindelfingen angereiste Big Band engagiert. Diesmal begeisterte sie mit „Swinging Spring“, einer Hommage an Frank Sinatra, Edith Piaf und andere Weltstars.  

„Hier werden Sie auf jeden Fall die besseren Kompositionen hören“, spielte Bandleader Jörg Gebhardt auf den parallel im Fernsehen ausgestrahlten Eurovision Song Contest an. Vielleicht hatten sich wegen der TV-Übertragung nur rund 80 Besucher im Theater am Espach eingefunden. Schade, denn die mit 18 motivierten Musikern – darunter eine Frau sowie der Babenhauser Norbert Flach an der Trompete – legten gleich mit buchstäblich vollem Rohr los und präsentierten einen Höhepunkt nach dem anderen. Mit brillanter Technik und fast blind aufeinander abgestimmtem Zusammenwirken schufen Trompeten, Posaunen und Saxofone gemeinsam mit Piano, E-Gitarre, Bass und Schlagzeug ein Klanggemälde nach dem anderen, zeichneten fantastische Stimmungsbögen und Harmonien auf.  

Bandleader Jörg Gebhardt schritt fast lässig vor dem Orchester auf und ab, um nur durch winzige Handbewegungen die Akzente zu setzen. Aber er erwies sich auch immer wieder als routinierter Sänger, zum Beispiel in Frank Sinatras Welthits „The way you look tonight“, „All the way“ oder „I’ve got you under my skin.“ Dazwischen kündigte er einige Überraschungen an, darunter den Auftritt der jungen Sängerin Johanna Brombacher, die wie einst Edith Piaf mit „Milord“, „La vie en rose“ (Schau mich bitte nicht so an“) und „Non, je ne regrette rien“ einen Hauch Erotik versprühte. Ebenso Sängerin Judith Tewelde, die ihre fantastische Stimme mit den Evergreens „Orange colored sky“ und „Summertime“ zur Geltung brachte. Aber auch gefühlvolle Kompositionen kamen bestens an, zum Beispiel das romantische Gitarren-Solo „Amorada“, ein Medley mit Hits von Udo Jürgens sowie das von Jörg Gebhardt und Judith Tewelde im Duett gesungene „The lady is a tramp“.   

Und dann gehörte die Bühne Elvis Presley alias Alexander Wolff. Sowohl Stimme als auch Choreografie, mit der der erst 17-Jährige Hits des King of Rock’n’Roll interpretierte, lösten Begeisterung aus. Aber auch der Joe-Cocker-Evergreen „You can leave your hat on“ und eine Latin-Cover-Version von „Save the last dance for me“ rissen das Publikum fast von den Stühlen. Nachdem die MVS-Big-Band mit Count Basies „One o’clock tramp“ noch einmal alle Register ihres Könnens zur Geltung gebracht hatte, setzte sie mit „My way“ und „New York“ von Frank Sinatraden Schlusspunkt. Beifall und der vielfach geäußerte Wunsch, dass die MVS-Big-Band nächstes Jahr wieder nach Babenhausen kommt, beendeten einen Konzertabend der Extraklasse. (clb)



Sindelfinger Zeitung, 02.05.2015

Sindelfingen: Frühjahrskonzert der MVS-Big-Band von Jörg Gebhardt im Pavillon mit zwei neuen Stimmen


Von der Schule ans Mikrofon


Mit ihrem Bandleader Jörg Gebhardt hat die MVS-Big-Band Sindelfingen einen Vokalisten quasi fest gebucht. Judith Tewelde ist daneben seit einiger Zeit die Stammfrontfrau. Wären andere Bands mit solcher Stimm-Potenz schon glücklich, so zauberte die Band bei ihrem Frühlingskonzert „Swinging Spring“ noch zwei Nachwuchskräfte ans Mikrofon, die für ordentlich Eindruck sorgten.


Mit Abi in Musik und Französisch befähigte dabei Johanna Brombacher die MVS-Truppe, das eine Leitmotiv dieses Frühlingskonzerts im Pavillon am Calwer Bogen in Sindelfingen originalnah zu verwirklichen. Das lautete Edith Piaf.


Der Spatz von Paris hätte dieses Jahr seinen hundertsten Geburtstag gefeiert. Drei Piaf-Chansons präsentierte Johanna Brombacher, Tochter von Tenorsaxer Frank Brombacher in Auftritt und Stilistik sicher und souverän.


Bereits wie ein routinierter Bühnenhase bewegte sich der Überraschungsgast des Abends entlang der schmalen Bühnenfront, obwohl er eigentlich noch ein Bühnenhäschen ist. Der erst 17 Jahre alte Alexander Wolff hat gerade das Casting zu „Voice of Germany“ überstanden und begeisterte nun mit Elvis- und Joe-Cocker-Nummern, von dem Youngster mal mit kernigem Growl, mal mit viel Stimmbalsam garniert.


Den zweiten großen Motivfaden des Konzerts spann der Chef Jörg Gebhardt selbst zu sieben Frank-Sinatra-Songs. Die Swing-, Sing- und Hollywood-Legende Sinatra ist wie Piaf Jahrgang 1915. Dank Judith Tewelde blieb auch die dritte 100er-Größe dieses Jahres keine Leerstelle: Jazzsängerin Billie Holiday. Zur Erinnerung an den vergangenes Jahr verstorbenen Udo Jürgens griffen die beiden Stammstimmen als Duett Gebhardt-Tewelde gemeinsam zum Mikro.


Für Kenner der MVS-Big-Band wenig verwunderlich, dass selbst dieser von den Sängern reichhaltig gemixte Cocktail aus Jazz bis Rock, Rock’n’Roll und Schlager noch Zusatzaroma bekam. Gitarrist Frank Rapke zeigte zum Samba-Gitarrenklassiker „Amorada“ seine Tempofestigkeit als Solist wie einst der große Waldir Azevedo, mit „Pick up the pieces“ machte die Band klar: Männer und Frauen an den Instrumenten haben auch die Lizenz zum Funk.


Neben dem stets fleißig neue Arrangements für die Combo schneidernden Jörg Gebhardt reicherte auch der junge Pianist Daniel Weiß das Band-Repertoire nicht nur mit seinen Tasten-, sondern auch seinen Arrangierfähigkeiten an.


Der Tastenmann schrieb das Elvis-Medley für den Wolff-Auftritt. War die Band im Gesamtsound wandelbar von soft bis bissig und schlüssig abgestimmt, belegten auch viele Details, dass in den Registern gute Instrumentalkompetenz herrscht. Unterm Strich scheint klar: Das nächste Konzert der MVS-Big-Band kommt bestimmt, die Inhaltsstoffe bleiben Überraschungssache.




Sindelfinger Zeitung, 05.01.2015

Sindelfingen: Big Band des Musikvereins holt Weihnachtskonzert nach

Überraschungen mit und ohne Rauchmelder

So hatte der Big-Band-Ableger des Musikvereins Stadtkapelle Sindelfingen sein schon traditionelles vorweihnachtliches, für den 7. Dezember angesetztes Christmas-Jazz-Konzert absagen müssen. Jörg Gebhardt lag mit einer Lungenentzündung im Bett.

Der nun zum „After Christmas Jazz“ umgetauften Veranstaltung, vom Datum her eher ein Neujahrskonzert, war die Terminverlegung rein optisch anzumerken: Während die gewöhnlichen Christmas-Jazz-Konzerte in der Regel aus allen Nähten platzen und sogar das Foyer bestuhlt werden muss, gab es diesmal noch ein paar Restplätze im Saal. Mutmaßlich frönten einige Fans zeitgleich dem Skifahren im Winterurlaub.

Die Stimmung selbst focht das nicht an, auch wenn am Programm Retuschen angebracht worden waren, wie Jörg Gebhardt verriet: Der die Veranstaltung regelmäßig beschließende Weihnachtsblock sei „entschärft“ worden. Man habe es bei Winterliedern belassen und die Weihnachtslieder herausgenommen.

Bevor sich die MVS-Truppe allerdings Flocken, Frost und Glöckchenklang zuwendete, spielte sie sich durch ein gegenüber allen möglichen jahreszeitlichen Assoziationen offenes Programm. Das umso mehr, als neben Jazz- und Musicaltiteln auch einige Adaptionen aus der Welt der klassischen Musik auf der Spielliste standen. Anlässlich des 200. Geburtstags von Adolphe Sax durfte sich so die von Thomas Geiger angeführte Saxofonfraktion vorstellen mit einem Arrangement der bekannten „Air“ von Johann Sebastian Bach, das freilich mit Schlagzeugbegleitung wohl keinen Anspruch auf die himmlische Gelöstheit des Originals erhob. Michael Kirsch, Trompetenchef und zuständig für druckvolle Brillanzkrönchen im Gesamtklangbild, servierte als höhenfester Solist das einst für Jahrhundert-Tenor Caruso komponierte Ciribiribin.

Etwas zarter im Ton spielte Trompetenkollege Achim Klier das ebenfalls als Vokalnummer berühmt gewordene „Granada“ von Agustin Lara. Die Solovorstellung aus den Reihen des fünfköpfigen Trompetenregisters komplettierte Anita Legner mit dem elegischen, im Original für das oboenähnliche Englisch-Horn geschriebene Adagio aus Joaquin Rodrigos „Concierto de Aranjuez“.

Das Trompetenregister entpuppte sich insgesamt als Hort von Multifunktionstalenten. So schwang sich nach der Nummer neun Michael Kirsch auf einen Barhocker, um den an der Bühnendecke angesprungenen Rauchmelder abzustellen: Ob die direkt unter dem Gerät sitzende Posaunenfraktion den Melder heiß gespielt hatte, blieb auch nach Konzertende unklar.

Nicht um penetrante Piepstöne zu bekämpfen, sondern um mit Gesang und teils Ukulele das Programm zu bereichern, legte mehrfach Anita Legner ihre Trompete beiseite und verstärkte, mehrfach gemeinsam mit ihrer Tochter Emily, die beiden Chefsinger der MVS-Big-Band. Das ist zum einen ein seit Jahren vor allem lässig swingender Jörg Gebhardt selbst, zum anderen neuerdings Judith Tewelde.

Mit fülligem Mezzosopran könnte sie selbst Gospel, wie sie mit dem Intro zu Mariah Careys „All I want for Christmas is you“ beweist, zeigt sich aber auch recht flexibel von Old-Style-Jazznummern etwa aus dem Musical „Chicago“ bis zu Kuschelduetten mit Leader Gebhardt.

Nicht zuletzt dessen Fähigkeiten als Arrangeur garantieren, dass die Konzerte der MVS-Big-Band nie eine bloße Aufwärmung von Repertoire-Stücken sind, sondern in unheimlicher stilistischer Breite stets für viele Überraschungen auch ohne Rauchmelder gut sind.

Mit der letzten von drei Zugaben, „Feliz Navidad“ (Frohe Weihnachten) verletzte die Band zum Finale zwar die selbst auferlegte Entschärfung des Winterblocks. Aber „After Christmas Jazz“ bedeutet ohnehin wohl nur vor dem nächsten „Christmas Jazz“.



Augsburger Allgemeine, 27.05.2014
 

Mit der Lizenz zum Musizieren

 

MVS Big Band gibt im Babenhauser Espach-Theater ein James-Bond-Special zum Besten


Bei geschlossenen Augen fühlte man sich im Theater am Espach fast wie im Kinosaal. Anstatt einer großen Leinwand nahm allerdings die MVS Big Band die Bühne ein, um mit einem „James-Bond-Special“ akustisch in die spannungsgeladene Welt des legendären Geheimagenten 007 zu entführen. Anstelle eines einzigen Films präsentierten die motivierten Musiker, darunter der Babenhauser Norbert Flach, unter Leitung von Jörg Gebhardt die Filmmelodien von 13 James-Bond-Erfolgen, wobei eine klangliche Überraschung die nächste jagte. Mit der aus Sindelfingen bei Stuttgart angereisten MVS Big Band hat das Organisationsteam der Babenhauser Kulturtage um Claudia Schäfer einen Volltreffer gelandet. Ewig schade, dass sich so viele diesen kulturellen Höhepunkt im Fuggermarkt entgehen ließen. Die wenigen Besucher durften eine super musikalische Show genießen, die Bandleader Jörg Gebhardt mit bewundernswertem Insiderwissen moderierte – angefangen beim Erscheinen des ersten James-Bond-Films „James Bond 007 jagt Dr. No“ im Jahr 1963 bis zum Kinostart des 23. Bond-Abenteuers „Skyfall“ am 1. November 2012. 


Mit brillanter Technik und großer Leidenschaft ließen die rund 20 Musiker, darunter zwei Frauen, den Funken der Begeisterung gleich überspringen. Bandleader Gebhardt verfügt über ein sagenhaftes „Händchen“. Was immer er mit seinen Musikern anpackt, bekommt einen unwiderstehlichen Drive, der den Blutdruck hochtreibt und als Vibration bis in die letzten Körperfasern dringt. Dabei klingt alles so locker und leicht. Das gerade ist das Schwerste, das echte Könner auszeichnet. 


In fast blind aufeinander abgestimmtem Zusammenwirken servierten die Musiker der MVS Big Band temperamentvolle Rhythmen und leidenschaftliche Stimmungsbögen aus James-Bond-Abenteuern, zum Beispiel „Diamonds are forever“, „Live and let die“, „You only live twice“, „All time high“ oder „The man with the golden gun“. Jedes Stück wurde zu einem Knaller, toll instrumentiert und ebenso perfekt serviert. Dazwischen durften die Besucher nicht weniger bekannte Songs genießen, in denen sich brillante Solisten auf Saxofon, Posaune, Trompete oder E-Piano in ihrem Element zeigten. In unsterblichen Hits wie „Never can say good-bye“ von Gloria Gaynor, „Boston beans“ oder „Somewhere over the rainbow“ tasteten die drei Sängerinnen Judith, Tanja und Anita die Bandbreite emotionalen Ausdrucks ab, vom lässig Rauchigen über Gefühlvolles bis zum Farbig-Explosiven. Aber auch Bandleader Gebhardt ließ es sich nicht nehmen, selbst zum Mikrofon zu greifen und die Zuhörer mit seiner ausdrucksstarken Stimme zu fesseln. Besonders der im harmonierenden Gesangsquartett präsentierte Mambo-Rhythmus von „Cuentame“ und ein bereits im Jahr 1941 von den Andrew Sisters gesungener „Boogie-Woogie“ gingen ins Blut und regten zum Klatschen und Tanzen an.


Wäre es nach den Wünschen der Zuhörer gegangen, wäre noch lange nicht Schluss gewesen. Der als Zugabe servierte absolute Hit „Goldfinger“ klang vielen noch auf dem Nachhauseweg nach.




Sindelfinger Zeitung, 10.12.2013
 

Vokalquartett mit Potenzial

 

Ein wegen des Publikumsansturms bis zum Platzen gefüllter Pavillon nötigte Bandleader Jörg Gebhardt eine Ankündigt ab: "Nächstes Jahr ziehen' mer um in die Schleyer-Halle!". Obs für diese Lokalität reicht, darf man an dieser Stelle wohl mal vorsichtig bezweifeln. An vertrauet Wirkungsstätte aber zeigt sich die MVS-Bigband zu ihrem Christmas-Jazz-Konzert in Bombenform.


Es war bereits die neunte Auflage dieser vorweihnachtlichen Musikbescherung, mit der sich die Bigband des Musikvereins Sindelfingens im Pavillon präsentierte. Wie beim Päckchenauspacken bliebs dabei spannend bis zum Schluss. Zwar kündigte Jörg Gebhardt vorab grob an, was in der diesmaligen Konzerttüte mit dem Motto „Let the good times roll“ so alles steckt: Swing über Jazz, Rhythm and Blues und Pop bis hin zu internationalen Weihnachtstiteln mit insgesamt dreizehn neu einstudierten Nummern. Was da letztlich hervorgezaubert wurde, darüber war aber auch in den Konzertankündigungen Stillschweigen bewahrt worden.


So servierte die Combo viele Jazz- und Swing-Klassiker wie „Satin Doll“, „All of me“ und „Blue Moon“, bewährte Kräfte wie Altsaxer Thomas Geiger, Tenorsaxer Dieter Goth oder Posaunist Wilfried Gassner gaben ihre Solo-Visitenkarten ab. Dazu setzten sich die Herbstneuzugänge Jürgen Kiesel-Jaberg am Tenorsax und Trompeterin Anita Legner kurz, aber bemerkenswert in Szene. Jörg Gebhardt machte es mal lässig wie Sinatra oder gepresster wie Ray Charles am Gesangsmikro, Vokalistin Tanja Glaser überzeugte mit softem Swing.


Aber obwohl die Band sowohl kultivierte Swingphrasierung wie knackigen Punch und gute Geläufigkeit bei Stevie Wonders „Sir Duke“ offenbarte, die kitschigen Kuschelweichkonzertmomente hatten ganz eigene Klasse. Herrlich schleimtriefend Leader Gebhardt und Tanja Glaser als Gesangsduo beim Schmusenummerwelthit „When you tell me“.


Auch dass der junge Keyboarder Daniel Weiß, der bei diesem Konzert mit einigen Soli seinen Weg Richtung Jazzcrack untermauerte, als MVS-Ausgabe von Richard Clayderman zum Klimpermillionenseller „Ballade pour Adeline“ firmierte, zeigte, dass die Band an diesem Abend nicht viel ausließ und sich dabei kaum merkliche Blößen gab. Überwiegend waren es Abmischungsdetails wie ein gelegentlich ins Echo tendierender Halleffekt am Gesangsmikro, ein mitunter zu rüstiger Bandsound zum Gesang Tanja Glasers oder etwa leicht überfette E-Bass-Tiefen für die „Adeline“.


E-Gitarrist Frank Rapke hatte gerade noch Gelegenheit bekommen, mit einem Solo seine Ausnahmeklasse innerhalb der Band zu demonstrieren, bevor der agile Jörg Gebhardt schon Richtung Konzertende dann das letzte und überraschendste Musikpäckchen aufschnürte.


Neuzugänge am Mikrofon 


Neben Trompeten-Neuzugängerin Anita Legner enttarnte er nun auch Saxofonistin Ulla Haug als Bandnovizin, die zusammen eine willkommene Zusatzkompetenz hätten. „Beide können singen.“ Somit stand fürs Konzertfinale ein Vokalquartett am Bühnenrand, das trotz kurzer Probenzeit bereits Potenzial Richtung hundertprozentigem Jazzharmoniegesang bezeugte, aber auch mit Dolly Partons Hillbilly-Weihnachtshit „I believe in Santa Claus“ das Publikum außer Rand und Band brachte.


Auch wenn das nächste Konzert sicher nicht in der Schleyer-Halle steigt, man darf gespannt sein, was die MVS-Bigband demnächst mit ihren Neuzugängen noch reißt. Die neidischen Blicke anderer Bigbands auf vor allem so viel versammeltes weibliches Multimusikpotenzial dürften den Sindelfingern jedenfalls garantiert sein.




Sindelfinger Zeitung, 13.12.2012
 
Ansage mit Augenzwinkern
 

Unter dem Motto "Oldies but Goldies" stand das diesjährige Christmas-Jazz Programm der MVS-Bigband, das im proppenvollen Pavillon über die Bühne ging. "Unsere jüngste Komposition stammt aus dem Jahr 1977 - deshalb das Motto", erklärte Bandleader Jörg Gebhardt zum Auftakt.


Jörg Gebhardt, der über 30 Jahre Schlagzeuger bei der heutigen SWR-Bigband gewesen ist, ist wie gewohnt in mehreren Rollen zu bewundern: als Dirigent, als Moderator und als Sänger. Gleich zum Konzertbeginn greift Gebhardt zum Mikro: „Around the World“ ist so etwas wie die Erkennungsmelodie der MVS-Bigband und steht am Anfang des rund zweistündigen Reigens mit Stücken aus Swing, Jazz und Pop.

 

Das Konzert bewegt sich auf gewohnt gutem, gleichbleibend hohem musikalischen Niveau. Zum satten, aber immer wieder auch gefühlvollen Bigband-Sound, der meist von den Blasregistern getragen wird, gesellt sich der variable Gesang Jörg Gebhardts (Bild: Kramer/A) oder der seines weiblichen Pendants Tanja Glaser. Diese ist bereits seit zehn Jahren festes Mitglied bei der MVS-Bigband.

 

Tanja Glaser beherrscht den spielerisch-leichten, mädchenhaften Gesangsstil wie etwa im lautmalerisch-koketten „I wanna be loved by you“ genauso wie den ausdrucksstarken, gefühlvollen Gesang, den sie in den Weihnachtsballaden „A Christmas Love Song“ oder „Merry Christmas Darling“ an den Tag legt. Gekonnt sind auch immer wieder die Duette von Glaser und Gebhardt, in denen sich ihre Stimmen sehr gut ergänzen.


Zu nennen wären das italienische Stück „Quando, quando, quando“, das die Combo als sanften Bossa Nova vorträgt und bei dem Tenorsaxofonist Dieter Goth mit einem ausdrucksstarken Solo überzeugt sowie das humoristische „Baby, es regnet doch“: Letzteres Stück handelt davon, dass der Mann die Frau überreden will, noch länger bei ihm zu bleiben. Das unterhaltsame, witzige Zwiegespräch wird von Glaser und Gebhardt durch die passende Mimik und Gestik untermalt.

Überhaupt werden viele Stücke mit einem Augenzwinkern präsentiert, allen voran ein Medley deutscher Schlager aus den 1930er Jahren, das vom „Kleinen grünen Kaktus“ der Comedian Harmonists beschlossen wird. Über die Gesangsdarbietungen soll aber nicht die Leistung der Instrumentalisten vergessen werden.

 

Beeindruckende Solo-Auftritte


Vor allem die Satzführer der Bläserregister, Thomas Geiger (Alt-Saxofon), Dieter Goth (Tenor-Saxofon) oder Achim Klier (Trompete) haben immer wieder beeindruckende Solo-Auftritte. Thomas Geiger weiß etwa mit zartschmelzendem Sax bei einem Song aus dem Musical „My fair Lady“ oder bei Jobims „Girl from Ipanema“ zu gefallen, Dieter Goth beim schon erwähnten „Quando, quando, quando“ und Achim Klier hat seinen großen Auftritt beim Titel „Wunderland bei Nacht“. Mal kristallklar und durchdringend, dann wieder leicht expressiv, zieht der Trompeter hier alle Register.

 

Nicht verschwiegen werden sollen auch die Soli-Darbietungen vom jüngsten Bandmitglied, dem 16-jährigen Pianisten Daniel Weiß. Sowohl bei Billy Joels „Root Beer Rag“ als auch beim balladesken „Tonight“ aus dem Musical „West Side Story“ überzeugt Daniel Weiß mal mit fein perlenden Läufen, mal mit wuchtigen Klängen. Wie gewohnt beschließt ein längerer Weihnachtsblock das abwechslungsreiche und viel beklatschte Konzert der MVS-Bigband.

 
 
Sindelfinger Zeitung, 14.12.2011

Combo bedient alle Musikstile

 

Die Bühne im Pavillon ist mit Lichterketten und Geschenkattrappen weihnachtlich geschmückt. Biertische und -bänke sowie kleine Tische sorgen im voll bestuhlten Pavillon dafür, dass die Zuhörer es sich gemütlich machen können. Das Können der knapp 20-köpfigen Bigband der Stadtkapelle Sindelfingen sowie der hervorragend abgemischte Sound machen das rund zweieinhalbstündige Konzert zu einem musikalischen Vergnügen.

 

Aus der homogenen, perfekt zusammenspielenden Combo ragen Dieter Goth und Thomas Geiger mit ihren raffinierten Saxofonsoli heraus. Auch Sängerin Tanja Glaser mit ihrer variablen Stimme und Bandleader Jörg Gebhardt, der nicht nur dirigiert und moderiert, sondern eben auch singt, sind formidabel. Seit Ende 2000 leitet Jörg Gebhardt die Sindelfinger Bigband. Seine Handschrift ist bei den liebevoll arrangierten Stücken stets erkennbar.

 

Noch deutlich länger als der Bandleader, nämlich seit der Gründung vor 25 Jahren, sind folgende drei Musiker mit von der Partie: Achim Klier (Trompete), Joachim Semmler (Trompete) und Bernhard Semmler (Schlagzeug).
 

Musikalischer Höhepunkt ist ein mitreißendes, knapp 20 Minuten dauerndes Medley von Glenn-Miller-Stücken. Glenn Miller war ein Meister der schönen, eingängigen Melodien, wie die MVS-Bigband hervorragend demonstriert. Viele Stilmittel und individuelle Klangfärbungen kommen bei diesem Medley zum Einsatz. So greifen die Saxofonspieler zu Klarinetten, wenn es das Stück erfordert, und die Posaunisten spielen zum Teil mit Dämpfern.

 

Hommage an Glenn Miller

 

Für den nötigen Groove sorgt die Rhythmusgruppe, bestehend aus Schlagzeug, Percussions, Gitarre und Piano. Nicht fehlen darf bei dieser Zusammenstellung natürlich der Evergreen „In the Mood“. Ansonsten werden vom rockigen Mambo über den verruchten Chanson bis hin zu feinfühligen Balladen allerlei Musikstile bedient. Besonders gelungen ist der Chanson „Mein Herr“ aus dem Musical „Cabaret“, eine neckische und burleske Nummer, der Sängerin Tanja Glaser mit ihrer verführerischen, samtenen Stimme Leben einhaucht.

 

Der aktuelle Charts-Hit „A night like this“ erklingt dann im fetten Bigband-Sound. Die Rhythmusgruppe um Schlagzeuger Bernhard Semmler sorgt einmal mehr für den nötigen Groove und Drive. Die Bläser spielen knackig auf den Punkt, und zwischendrin gibt es ein Gitarrensolo von Guido Deimel. Tanja Glasers Gesang ist das Sahnehäubchen. Ebenso bei John Lennons „Imagine“, das Jörg Gebhardt für seine Sängerin umgeschrieben hat. Zunächst nur vom Piano begleitet, singt Glaser diesmal mit fragiler, verletzlicher Stimme. Später setzen die Bläser ein und zum Ende erklingt ein satter Bigband-Sound.

 

Nicht fehlen darf zum Ende ein Weihnachtsblock. Den „Christmas Song“ gibt Jörg Gebhardt als feinfühlige Gesangsballade, „Santa Claus is coming to town“ erklingt als fetziges Gesangsduett. Das alles ist beste Unterhaltung, die vom Publikum mit langanhaltendem Beifall quittiert wird. Erst nach drei Zugaben ist Schluss.



Sindelfinger Zeitung, 16.12.2010

Beatles bezirzen das Publikum

 

Bei einem Repertoire von über 200 Beatles-Songs hatte Bandleader Jörg Gebhardt die Qual der Wahl. „Das war nicht leicht, deshalb habe ich mich für eine Medley-Trilogie entschieden“, meinte der langjährige Schlagzeuger der SWR-Big-Band. „Es gibt da eine interessante Gemeinsamkeit zwischen den Beatles und mir. Sie hatten im August 1960 im Indra-Musikclub ihr erstes Engagement ihrer Karriere in Hamburg, wo ich zwei Jahre zuvor in der Band meines Vaters meinen ersten Auftritt hatte“, erinnert sich Gebhardt.


Als gute Idee erwies sich die Beamer-Projektion der originalen Schallplattenhüllen der jeweils angespielten Hits. Anhand dieser Abbildungen konnte das Publikum im bis auf den letzten Platz gefüllten Pavillon auch die äußerliche Entwicklung der Beatles nachvollziehen.


Gelegenheit für kurze Soli


Für einige Mitglieder der 19-köpfigen MVS-Boygroup bot sich während der Medleys auch die Gelegenheit für kurze Soli. Tenorsaxofonist Dieter Goth durfte da beim mit einem Latinrhythmus umarrangierten „Something“ mit seinen überraschenden Tempowechseln ran, Achim Klier ließ zu „Penny Lane“ die Piccolo- und kurz darauf in „Yesterday“ die Solotrompete erklingen.


Karl-August Tuch wiederum lieferte auf dem Baritonsaxofon die tiefen Töne für „Yellow Submarine“, Tobias Decker bediente die Posaune im weniger bekannten „Here, there and everywhere“ und Keyboarder Jörg Büchler verzierte „The long and winding road“ mit verspielten Noten.


Dass der Beatles-Schwerpunkt das Publikum bezirzt, zeigte sich allerspätestens dann bei „Hey Jude“ mit kurzen Einlagen von Altsaxofonist Thomas Geiger und Dieter Goth. Weil es der Stimmung gut tat, nahm Gebhardt diesen in vollem Tutti und mit einem kurzen Schlagzeugwirbel von Bernhard Semmler endenden Titel ab dem 48. Takt als eine kleine Beatles-Block-Zugabe nochmals auf.


Sinatra und Lennon


Doch nicht nur auf das Beatles-Gründungsjubiläum ging die Bigband des Musikvereins Stadtkapelle im Pavillon ein. Zu Ehren von Frank Sinatra, der just an jenem Abend 95 Jahre alt geworden wäre, sang Jörg Gebhardt „The lady is a tramp“ und schließlich widmete Sängerin Tanja Glaser dem vor 70 Jahren geborenen John Lennon den Titel „Imagine“.

Gemeinsam präsentierten die beiden Carol Kings „You’ve got a friend“, später dann im Weihnachtsblock („Jetzt haben wir die Schnauze voll von Beatles-Musik“) das von Ralph Siegel für den deutschen Markt adaptierte „Baby it’s cold outside“ von Dean Martin. Die Zugabenforderungen freilich orientierten sich am Ende nicht etwa daran, weil es draußen kalt war und schneite, sondern für das erneut positiv aufgenommene Christmas Jazz-Programm der Sindelfinger Bigband.

Passt eigentlich gar nicht zusammen, bringt aber trotzdem Stimmung: Die Bigband des Musikvereins Stadtkapelle Sindelfingen beim Weihnachtsjazz im Pavillon am Calwer Bogen. 



Sindelfinger Zeitung, 16.12.2008

Mamma Mia zur Weihnachtszeit

Für das mittlerweile vierte Weihnachtskonzert der MVS Big Band hatte deren Leiter Jörg Gebhardt, langjähriger Schlagzeuger der SWR-Big-Band und am Mikrofon ein genuiner Sänger für Material, das nach Frank Sinatra und den Sound von dessen musikalischer Epoche klingen soll, zunächst ein knappes Dutzend amerikanischer Swing- und Jazzstücke ausgewählt. Herausragend in diesem ersten Drittel waren dabei Werke, die auch durch ihre Verwendung in Filmen bekannt wurden.

So brillierte etwa der für den erkrankten ersten Trompeter Achim Klier von der ebenfalls von Gebhardt geleiteten Gablenberger Bigband eingesprungene Michael Kirsch im Instrumentalstück „Verdammt in alle Ewigkeit“. Die blondgelockte Sängerin Tanja Glaser wiederum machte in „Diamonds are a girls best friend“ aus dem Film „Blondinen bevorzugt“ auf Marilyn Monroe und trat sodann in die gesanglichen Fußstapfen von Bette Middler, die 1979 den mit einem Oscar prämierten Titelsong des fiktiven Janis-Joplin-Porträtfilms „The Rose“ sang. In diesem Block hatte auch das ein oder andere Instrumentalsolo Platz, etwa Tenorsaxofonist Stefan Kuhr in „Blueberry Hill“.

Insgesamt aber war das Jahresabschlusskonzert der MVS Big Band gesangbestimmt, das Konzert das Zeugnis einer gut aufeinander abgestimmten Gesamtleistung. Zum einen wegen des knapp halbstündigen Abba-Revivals, zu dem sich Holger Bär (sonst an der zweiten Trompete) eine für seinen Björn-Part völlig unpassende schwarze Lockenperücke übergestülpt hatte. Man konnte das aber durchaus auch als Hinweis auf nicht immer ganz originalgetreue, dennoch der Vorlage nicht nachstehende Interpretationen lesen. Tanja Glaser als Agneta und Ulla Haug als Anafried machten ihren Part jedoch ordentlich, und auch die vom Benny-Epigonen Jörg Gebhardt für die Big Band geschriebenen Arrangements entwickelten wie etwa in „Voulez-Vous“ ordentlich Energie und Dynamik. Gut zu tun in diesen flotteren Nummern hatte dabei auch Karin Haack am Keyboard.

Derart gut gelaunt stimmte die MVS Big Band im letzten Drittel des Abends dann ihr Weihnachtsrepertoire an, angefangen von Jörg Gebhardts melancholisch-samtiger Interpretation von „Rudolph the red nosed reindeer“ bis Irving Berlins Traum einer „White Christmas“. Die Chancen darauf stehen derzeit ja ganz gut.


Sindelfinger Zeitung, 13.12.2007

Jazzig, poppig und gut

Vor v
ollem Haus lieferte die Sindelfinger Bigband der Stadtkapelle unter Leitung von Jörg Gebhardt im Kulturpavillon ein formidables Konzert ab, das für Begeisterungsstürme sorgte. Der Schwerpunkt lag dabei auf Musicals und Weihnachtsliedern.

Lichterketten auf der Bühne verbreiten im Pavillon weihnachtlichen Glanz. Für die musikalischen Glanzlichter zeichnet die Stadtkapellen-Bigband im Kollektiv verantwortlich. Viele der Amateurmusiker brillieren während des rund zweieinhalb-stündigen Programms auch als Solisten. Das Konzert ist gespickt mit Höhepunkten.

Liegt der Schwerpunkt vor der Pause auf Jazz und Musicals, erklingen nach der Pause Filmmelodien und Weihnachtslieder. Absoluter Höhepunkt ist ein rund 20-minütiges Medley mit Melodien aus dem Musical "Westside Story". Vor allem der Prolog ist eine große Herausforderung für die Amateurmusiker, die diese großartig meistern. Die Straßenkämpfe und Verfolgungsjagden des Musicals werden mit kurz angerissenen, dissonanten Tönen und teilweise versetztem Spiel musikalisch sehr gut umgesetzt.

Das Ganze klingt sehr expressiv, ja fast schon expressionistisch. Danach erklingen die schönen und allseits bekannten Melodien aus dem Musical, das bereits vor 50 Jahren uraufgeführt wurde. Das Ganze klingt mal eher jazzig, mal eher poppig, aber immer gut.

Schmissig und fetzig gerät der Auftakt zur Titelmelodie des Musicals "Cabaret", dem Tanja Glaser mit ihrem Gesang eine individuelle Note verleiht. Gerade die lang gezogenen Töne hält die Gesangssolistin sehr gut. Gelungene Tempowechsel von Gesang und Band sorgen für Kurzweil.

Als sich dann alle Musiker Nikolausmützen aufziehen, hat die Stunde der Weihnachtslieder geschlagen. Ein ums andere Mal greift nun auch Dirigent Jörg Gebhardt, der im normalen Berufsleben Schlagzeuger der SWR-Bigband ist, zum Mikrofon und singt Sololieder oder Duette. Der Berufsmusiker beweist hierbei sein komödiantisches Talent, indem er seinen musikalischen Vortrag mit entsprechender Gestik und Mimik untermalt.

Egal ob "Jingle Bells", "Winter Wonderland", "Let it snow" oder "Santa Baby": Die Weihnachtslieder werden gekonnt gespielt und sorgen für einen hohen Wiedererkennungswert. Das A-capella-Stück "Joy to the world" eines Gesangsquartetts um Tanja Glaser und Jörg Gebhardt bringt eine weitere individuelle Note ins kurzweilige Programm. Zum Schluss darf auch das begeisterte Publikum beim Country-Song "I believe in Santa Claus" kräftig mitsingen und mitklatschen.



Kreiszeitung Böblingen, 14.04.2003

Eine Big Band auf Werbetour für den Swing 

An diesem Abend war alles Gold, was glänzte: Die goldenen Instrumente, die Musiker der Bigband des Musikvereins Sindelfingen und auch die Gesichter des Publikums. 

Mit großer Spielfreude und enormer Vehemenz stürmten die Musiker durch das Programm des langen Abend und rissen schnell die Zuhörer mit. Sie versteckten sich zu keiner Zeit und setzten alles auf eine Karte. Wer wagt, gewinnt. Die Truppe eroberte mit großem Einsatz das Publikum und überzeugte auch alle Skeptiker, die mit gezügelten Erwartungen den Saal betreten hatten und mit gemischten Gefühlen einem anstrengenden Abend entgegensahen. 

Irrtum! Von Anstrengung war keine Spur. Es wurde mühelos musiziert, und Langeweile kam zu keinem Zeitpunkt auf. Die Mitglieder der Big Band Sindelfingen drängten sich auf einer kleinen Bühne und füllten und überfüllten den nicht eben weitläufigen Saal des Café Paletti mit Klang.

Mit Lust und Laune waren die Musiker bei der Sache, sie sorgten für massive Klangentfaltung und markigen Sound. Von ihrem hitzigen Spiel gingen Erschütterungen aus. Die Grundfesten des Saals bebten. Auf dem Programm stand Swing-Musik aus dem ganzen letzten Jahrhundert. Den verheißungsvollen Auftakt machte George Gershwin mit "Strike Up the Band" aus den 20er Jahren. 

Die musikalische Leitung hatte Jörg Gebhardt. Sein Auftritt war übrigens eine Premiere. Es war das erste Mal, dass Gebhardt in einem Konzertsaal mit der Big Band musizierte. Der Frontmann, Mitglied bei der ruhmreichen Stuttgarter SWR Big Band, hat seine Truppe zu einem imponierenden Team zusammengeschweißt.

Kein Zufall, dass George Gershwin am Anfang des Konzertes stand. Der amerikanische Komponist ist ein Grenzgänger, und die Big Band ist es auch. Gebhardt wies immer wieder auf den Einfallsreichtum der gebotenen Musik hin, das unterscheide sie wohltuend von den Stücken Dieter Bohlens, der ja in der Lage sei, aus acht Takten zwanzig Songs zu machen. "Fantastisch" nannte Gebhard sein klangstarkes Sindelfinger Ensemble, und er übertrieb dabei nicht. Die Band übertraf alle Erwartungen, das Klangbild war kompakt, farbig und ungetrübt. Die Big Band gehört zum Musikverein Sindelfingen, wer sich darunter mittelmäßiges Musizieren vorstellt, wurde angenehm überrascht. Damit bestätigte das Ensemble, dass es eine Sindelfinger Institution ist. Ein lustvolles Feature folgte dem anderen. Man spielte energisch um die Wette. Viele ausgezeichnete Solisten taten sich hervor, unmöglich, alle Namen zu nennen. Herausragend waren auf jeden Fall die Gesangssolos des Bandleaders: unangestrengt und mit großem Volumen, melancholisch und weltverloren, angedunkelt und lässig. Erfreulich: viele viele junge Leute hatten den Weg in den Schubertsaal gefunden. 

Der Abend war eine umwerfende Vorstellung, eine Werbung nicht nur für den Swing, sondern auch für dieses ungewöhnliche Ensemble.



Sindelfinger Zeitung, 15.04.2003

Sindelfingen: Big-Band der Stadtkapelle swingt im Schubertsaal

Posaunen haben die Führung

Swing von Miller und Ellington über Basie präsentierte die MVS Big-Band im Schubertsaal. Obwohl seit langen Jahren bekannt, bedeutete dieser Auftritt für das Jazz-Orchester der Stadtkapelle ein Novum. Erstmals trat das Ensemble mit Dirigent Jörg Gebhardt im Konzertsaal an die Öffentlichkeit. 

Das Programmheft verriet: 1999, als sich der langjährige Bandleader Hans Joachim Weiss von der Big-Band trennte, war dies "ein harter Schlag". Mit Jörg Gebhardt, Schlagzeuger, Arrangeur und Sänger der SWR-Big-Band fand das Jazzorchester nicht nur einen neuen Chef, sondern ordnete auch die stilistischen Gewichte neu. 

Weniger moderne, oft mit Bindestrich geschriebene Hybrid-Grooves wie Soul-Funk, sondern Swing steht momentan an erster Stelle. Im für diese Besetzung eigentlich schon zu kleinen Schubertsaal präsentierte die Band dabei über zwanzig Titel, die von der Gershwin-Komposition "Strike up the Band" der zwanziger Jahre bis zur Nestico-Nummer "Groovin' Easy" und einem McDougall-Titel (Desolation Blues) aus den Achtzigern reichte. 

Vier dicke Pluspunkte durfte die Band verbuchen. Erstens hat sie mit Peter Seibert einen der fähigsten Schlagzeuger eines Amateurensembles in ihren Reihen. Zweitens leidet die Band nicht an Unausgewogenheit, das soundmäßig oft zu schwach ausfallende Posaunenregister übernimmt bei der MVS-Big-Band bei Bedarf volle Führungsfunktion. 

Drittens sorgt Bassistin Judith Goldbach mit Kontra- als Alternative zum E-Bass mitunter für das swing-gemäße, nostalgische Klangbild. Und viertens hat sie mit Jörg Gebhardt nun einen Leader, der nicht schlechter singt als Frank Sinatra. Die zwei markantesten Unterschiede zwischen Gebhardt und dem großen Frank dürften eher der Bekanntheitsgrad und die Tatsache sein, dass ersterer nicht in Verdacht steht, jemals Verbindungen zur Mafia unterhalten zu haben. 

Mit stilsicherer, spannungsgeladener Phrasierung, sehr präzise arbeitenden Registern und einer breit ausgeschöpften dynamischen Palette gab die Band eine ansprechende Swing-Visitenkarte ab. Die bei allen Amateur-Big-Bands auftretende Solistenschwäche konnten Thomas Geiger (Altsax), Frank Rebmann (Tenorsax), Peter Seibert (Drums) und manchmal Holger Baer (Trompete) einigermaßen auffangen.


Böblinger Bote, Mai 2002

Als zweiter offizieller Programmpunkt folgte der große Auftritt der Big Band, seit einem Jahr unter der Leitung von Jörg Gebhardt. 

... Sie ließen den Swing durch das Bürgerhaus klingen, wobei In the mood von Glenn Miller sowie New York und My way von Frank Sinatra natürlich nicht fehlen durften. Dabei ließ es sich Bandleader Gebhardt nicht nehmen, selbst zum Mikrofon zu greifen und den Gesangspart zu übernehmen.

... auch die Big Band hatte das Highlight ihres Auftritts bis zum Schluss aufgehoben: Mit dem Jahrhundert-Hit Music von John Miles bewiesen die Musiker, dass es eine 18-Mann-Big-Band sogar mit einem Symphonie-Orchester aufnehmen kann.


Sindelfinger Zeitung, 07.05.2002

Die Bigband der Stadtkapelle Sindelfingen reiste mit den Zuhörern zurück in die 40er und 50er Jahre. Unter der Leitung von Jörg Gebhardt, der auch live sang, erwachten Evergreens wie "New York, New York" und "My Way" von Frank Sinatra wieder zum Leben.


Sindelfinger Zeitung, 13.02.1996

Zwischen Butter und Samt

Wenn es lässig swingt, dann ist es Jazz. Wenn die langsamen Stücke genau soviel Ausdruck haben wie die schnellen, dann ist die Band gut. Und wenn ein kongenialer Sänger hinzukommt, dann hat die MVS-Bigband zusammen mit Ala Heiler im Sindelfinger Café Paletti gespielt.

Bei sehr guter Akustik im zum Café Paletti gehörenden Schubartsaal konnten die Musiker der Big Band zeigen, was sie gelernt haben. Der Sound der 40er Jahre, der zum Teil wie Filmmusik für einen amerikanischen Krimi klingt, wurde ergänzt durch neuere Nummern.

Die Balladen swingten genauso wie die schnelleren Stücke und die Einsätze saßen. Knackige Trompeten, verhalten schmetternde Posaunen und Saxophone, deren Weicheitsgrad zwischen Samt und Butter lag.

Überraschend gelungen war das Stück "Born to be wild". Während sonst solche Adaptionen meist ohne Umwege in die Hose gehen, hatte diese Version mehr Druck und Schmiß als das Original der Hippie-Rocker "Steppenwolf" ...

Obwohl bislang das Fehlen von Gesang überhaupt nicht aufgefallen war, erfuhr das Niveau eine Steigerung, als der Sänger Ala Heiler zur Band stieß. Ihm hörte man die Schule von Frank Sinatra an, aber seine Stimme ist modulationsfähiger. Sie hat Timbre, ist mitteltief und leicht rauchig angehaucht.

Der in München und Stuttgart lebende Sänger war einst Mitglied der Eurovisionsgruppe "Wind", macht aber seit Jahren Jazz ...

Die Kollaboration der MVS-Bigband und Ala Heiler hat fernsehtaugliches Profiniveau, seine Stimme fügt sich wie ein zusätzliches Instrument in den Sound. Das gierige Publikum klatschte immer länger und verlangte schließlich eine Zugabe.