Spaß am Sportabzeichen: Die Familie Diehr macht's vor

Post date: Jun 22, 2018 2:46:09 PM

Spaß am Sportabzeichen:

Die Familie Diehr macht’s vor

Gemeinsames Training beim MTV Vorsfelde – Allgemein ist die Zahl der Teilnehmer rückläufig

Von Frederike Müller

Sportbegeistert: Die Familie Diehr macht beim Sportabzeichen mit. Foto: Gero Gerewitz

Vorsfelde. Familie Diehr macht Sport – und dabei keine halben Sachen. Vater, Mutter und zwei der drei Kinder trainieren beim MTV Vorsfelde fürs Familiensportabzeichen. Mutter Ilka peilt Gold an, und selbst Tochter Kajsa (2) genießt die Zeit auf dem Sportplatz.

Jaron (8) und Leonie (6) haben schon 2017 einmal mitgemacht. Als sie dafür geehrt wurden, beschlossen die Eltern spontan, in der nächsten Saison mitzumischen. So fern lag das den beiden nicht: Ilka Diehr ist früher Marathons gelaufen, hat pro Woche 100 Kilometer im Training zurückgelegt. „Mein Mann ist sogar noch sportlicher“, berichtet die 37-Jährige. „Ich habe das Sportabzeichen vor zehn Jahren schon mal versucht – und bin an der Wurfdisziplin gescheitert.“ Dieses Mal sieht es aber gut aus für die Brackstedterin: „Ich habe schon alle Kategorien geschafft – nur noch nicht alle in Gold“, erzählt die dreifache Mutter – der Ehrgeiz aus Marathonzeiten ist wieder erwacht.

Das Sportabzeichen gliedert sich heutzutage in vier Kategorien: Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und Koordination. In jeder Kategorie gibt es mindestens vier Sportarten, aus denen die Teilnehmer eine wählen können: Wer Laufen nicht mag, nimmt Nordic Walking, wem Geräteturnen ein Graus ist, der schnappt sich ein Springseil. In Wolfsburg kann man die Auszeichnung beim VfL, dem MTV Vorsfelde, dem VfB Fallersleben, dem TSV Sülfeld oder dem SSV Neuhaus machen – auch ohne Mitglied in einem der Vereine zu sein. Zu festen Zeiten sind dort Trainer vor Ort, stellen das nötige Material und nehmen die Prüfungen ab, wann immer der Teilnehmer bereit ist. Infos und Uhrzeiten gibt es beim Stadtsportbund unter www.ssb-wolfsburg.de/sportentwicklung/sportabzeichen.

Doch das Sportabzeichen ist auf einem absteigenden Ast: Nach den Rekordjahren 2008 und 2009, als je mehr als eine Million Deutsche die Auszeichnung holten, sind die Zahlen eingebrochen, besonders beim Jugendsportabzeichen. In Wolfsburg sieht es ähnlich aus. „Das kommt hauptsächlich durch die Einführung der Ganztagsschulen“, so Christa Kuske vom Stadtsportbund. 2008 hatten 2268 Jugendliche das Abzeichen gemacht, 2017 nur noch 1295. Aber auch die erwachsenen Absolventen sind weniger geworden: 2008 waren es noch 834, bis 2017 sank die Zahl auf 429. Die erhöhten Anforderungen der vergangenen Jahre entmutigten viele Wolfsburger, schätzt Kuske. „Außerdem hat sich das Freizeitverhalten geändert. Ich glaube, dass weniger Wert auf Sport gelegt wird.“

Nicht so bei den Diehrs. Mittwochs zwischen 17.45 und 20 Uhr trainieren sie oft mit der ganzen Familie. „Am meisten Spaß macht mir der Weitsprung“, berichtet die sechsjährige Leonie, ihr absoluter Lieblingssport sei aber das Reiten. Nur die jüngste Schwester macht noch nicht selbst mit, doch unter Opas Aufsicht strolcht die Zweijährige mit Vergnügen über den Sportplatz und sieht ihren Geschwistern zu. Der Sportgeist ist aber auch ihr schon in die Wiege gelegt: Sie heißt Kajsa – nach der finnischen Biathletin Kaisa Mäkäräinen.

WAZ, 22. Juni 2018, Seite 23