5 курс Deutsch (годовой+гос)

  1. Gehobener Stil

    Die gehobene deutsche Sprache (lat. lingua snobus) wird in der heutigen Zeit nur noch selten benutzt. Es wäre jedoch ratsam sich dieser Sprache zu bedienen, denn solch eine schöne formelle Ausdrucksweise vermittelt dem Redner Respekt und Achtung.

    Heutzutage empfindet jedoch der Großteil Deutschlands, insbesondere jugendliche Asis, diese sehr formelle Ausdrucksweise als altmodisch und verklemmt. Dies ist aber nur ein Zeichen dafür, dass die Deutschen heutiger Zeit immer verschlossener gegenüber Neuem werden. Die gehobene Sprache darf nicht mit Dichtersprache verwechselt werden. Auch wird streng zwischen altertümlicher und gehobener Sprache unterschieden.

    Die gehobene Schicht des deutschen Wortschatzes. Diese Schicht kennzeichnet Wort- und Redewendung, die sich auf die bewusste Auswahl stützen, wenn der Sprecher z. B. bei feierlichen Gelegenheiten des öffentlichen Lebens auf gepflegte Sprache besonderen Wert legt. Zu dieser Schicht gehören die dichterischen Wörter und Wendungen, die im Allgemeinen der poetischen Gestaltung eines Werkes vorbehalten sind, z. B. in die Fußtapfen (des Vaters) treten.

    Die gehobene Schicht geht leicht in den Bereich des Gespreizten über, besonders heute, wenn die Norm aufgelockert wird. Das Gespreizte erzeugt nicht den Effekt der Gepflegtheit des sprachlichen Gebrauchs, sondern bewirkt den Eindruck des Komischen, des Satirischen.

    Wenn man heute dem Freund, der uns besuchen kommt, sagen würde: Sie haben uns mit Ihrer Visite über alle Maße beehrt, dann würde solche Redeweise den Gast eher abschrecken, als davon überzeugen, dass er in Ihrem Haus willkommen ist.

    Aber die formelle Ausdrucksweise kann auch positiv wirken und dem Redner Respekt und Achtung vermitteln.

    In der Episode, wo Hanno einen Festvortrag vor der Akademie hält, ist die Wahl der Lexik ziemlich interessant. Die Wörter werden verschiedenen Bereichen entnommen, wie z. B. die Segel der rhetorischen Caravelle (“Caravelle“ ist dem Schiffbau entnommen), der Blutkreislauf unserer Demokratie („Blutkreislauf“ ist ein biologischer Begriff), Zauberwälder historischer Lebensformen („Zauberwälder“ kommen oft in den Märchen vor). Diese Metaphern wirken bildlich und gehoben. Der gehobene Stil ist typisch für die öffentliche Rede. Solche Metaphern wie „in Wellen gepflegter Modulation über Zuhörer rollen“, „in den Fängen der Hingabebereitschaft sein“. „das Schiff der Rhetorik“, „die See der Semantik“ ziehen die Aufmerksamkeit der Zuhörer auf sich. Sie sind seitens der Zuhörer unerwartet und wirken einprägsam und überzeugend.

    Die gehobene Lexik, wie z. B. „Signifikanz“ statt „Bedeutungsgehalt“ wirkt in der öffentlichen Rede überredend und vermittelt dem Redner Respekt und Achtung.

    Feste Verbindungen von Adjektiven und Substantiven erscheinen im Roman wie Formeln, die gehoben und einprägsam sind: intellektuelle Labyrinthe, das rhetorische Schattenreich, bizarre Denkmuster.

    Es kommen viele Vergleiche vor, die einen gehobenen Stil der Sprache schaffen, wie z. B. die Geburt eines neuen Konzepts der Staatsverfassung ist mit der Geburt der Venus von Botticelli verglichen, und „die opake Bedeutungen“ sind „wie Edelsteine aus dem Erdinneren“. Der Redner vergleicht sich selbst mit dem Kapitän eines Schiffes, das Schiff seiner Rhetorik fliegt mit vollen Segeln über die Wasser.

    Die Verwendung der gehobenen Lexik bringt Abwechslung in der Sprache, macht die Rede interessanter und die Persönlichkeit des Redners vielseitiger.

   

 

  1. Neologismen

Ein Neologismus  ist ein lexikalisches Zeichen (= neues Wort oder mit neuer Bedeutung verwendetes, bereits vorhandenes Wort), das in einem bestimmten Zeitraum in einer Sprachgemeinschaft aufkommt und sich verbreitet. Charakteristisch für die Neologismen ist, dass die Sprecher sie für eine gewisse Zeit als neu empfinden. Welche lexikalischen Zeichen (noch) Neologismen sind, hängt also auch davon ab, zu welchem Zeitpunkt man den Wortschatz einer Sprache betrachtet oder untersucht. Neben den in allgemeinsprachlichen Standardwörterbüchern erfassten Neologismen gibt es für viele Sprachen auch Spezialwörterbücher, die ausschließlich diesen Teil des Wortschatzes behandeln.

Typen von Neologismen

Neuwörter

Ausdruck und Bedeutung sind neu. Ein Beispiel aus der jüngsten Zeit ist das Verb simsen aus SMS für das Versenden von Kurznachrichten.

Neubedeutungen

Ein alter Ausdruck erhält eine neue (weitere) Bedeutung. So steht als ein etwas älteres Beispiel Maus auch für ein „technisches Gerät, Teil der Computerperipherie“. Ein Ausdruck mit ursprünglich positivem Sinnbezug erhält eine neue, pejorative Bedeutung und findet Verwendung als politisch-ideologischer Kampfbegriff gegen verschiedene sprachliche Konventionen und Verhaltensweisen. Beispiele dafür sind Gutmensch oder Politische Korrektheit.

Neue Wortkombinationen

Hier ist das Zusammenziehen von gebräuchlichen Wörtern (Internetcafé, Laptop-Tasche) von metaphorischen Neubildungen zu unterscheiden. Bei letzteren entscheidet für die Verwendung nicht die tatsächliche Bedeutung, sondern eine charakteristische Eigenschaft. Beispiele dafür sind Modezar, Literaturpapst, Börsenzwerg, Wirtschaftsauguren oder Erzeinwohner.

Herkunft von Neuwörtern

Eine Quelle von Neologismen ist die Entlehnung aus anderen Sprachen. Ein Sprachsystem stellt aber noch eine Reihe weiterer Mittel für die Neuwortbildung bereit.

Komposition

Die Zusammensetzung neuer Wörter aus existierenden ist im Deutschen der produktivste Wortbildungsprozess und entsprechend auch eine ergiebige Quelle für Neologismen (Dosenpfand, Genmais).

Derivation

Die Ableitung mittels Affixen (insbesondere Präfixe oder Suffixe) ist ebenfalls eine ergiebige Quelle. Dabei können Affixe selber Neuprägungen sein (beispielsweise Cyber-) und eine größere Gruppe von Neuwörtern prägen (Cyberpunk, Cyberkriminalität).

Abkürzungen

sind ein wichtiges Mittel sprachlicher Ökonomie. Verfestigt sich ihr Gebrauch, dann können auch sie als Neologismen betrachtet werden (SMS, Hiwi, Azubi).

Zusammenziehungen (im Deutschen Kofferwortgenannt)

Diese werden aus dem ersten Teil einen Wortes und dem zweiten Teil eines zweiten Wortes gebildet, Beispiel: education + entertainment > Edutainment. Zusammenziehungen sind im Deutschen selten, sie werden meist aus anderen Sprachen entlehnt.

 

Verballhornung

Bei Verballhornungen bilden sich neue Worte durch bewusste Verzerrung. Beispiel: "Nervenkostüm" statt "Nervensystem".

 

Neologismen aus Abkürzungen und anderen Wortbildungen :

Wissenschaftliche Neologismen:

Neue Wörter die Erfindungen beschreiben:

Neue Wörter die Sachen beschreiben:

  • Hühnergott (ein Stein mit einem natürlich entstandenen durchgehenden Loch)

Politische Neologismen:

Unter den Ethnizismen spielen im Deutschen insbesondere Anglizismen eine besondere Rolle als (neben den oben genannten Bereichen) Neologismen allgemeinerer Bedeutung:

 

 

  1.  

    Denglisch = Anglizismen, englische Wörter in der deutschen Sprache

Von Elmar Fischer | Veröffentlicht am:17. Mai 2009

Eigent­lich ist die deut­sche Spra­che eine schöne Spra­che, die in ihrer viel­fäl­ti­gen Aus­drucks­mög­lich­keit ihres­glei­chen sucht.

Viel­leicht liegt es an der Glo­ba­li­sie­rung, viel­leicht aber auch daran, dass wir allzu leicht ein­fach Begriffe ande­rer Spra­chen, hier Eng­lisch, in unsere Spra­che über­neh­men und unsere wun­der­schö­nen und häu­fig auch tref­fen­de­ren Wör­ter verdrängen.

Warum ver­zich­ten wir auf eine Spra­che, die wir ver­ste­hen und mit der wir uns — wei­test­ge­hend miss­ver­ständ­nis­frei — ver­stän­di­gen kön­nen und nut­zen deng­li­sche Begriffe, die die meis­ten Men­schen nicht mit Inhal­ten fül­len kön­nen — selbst die nicht, die sie ver­wen­den und verbreiten.

Bei­spiele:
Wis­sen Sie zum Bei­spiel was fol­gende Begriffe äußern:

·         Acces­si­bi­lity = Ver­füg­bar­keit bzw. Zugänglichkeit.

·         Assessment-Center = Ausbildungs-, Prüf– oder Testcenter.

·         Fol­der = Falt­bro­schüre, Prospekt.

·         Launch = Start, Markt­ein­füh­rung von Produkten.

·         Mer­chan­di­sing = Ver­mark­ten von Produkten.

·         Non-profit = Nicht auf Gewinn abzielend.

·         Out­sour­cing = Aus­la­ge­rung von Betriebsfunktionen.

·         Work-Out = Trai­ning.

Gedicht
Ein klei­nes Gedicht in Deng­lisch, dass ich im Netz gefun­den habe und des­sen Ver­fas­ser unbe­kannt ist.

Ein Stück­chen Inden­ti­tät,
wert­vol­les Erbe geht uns ver­lo­ren,
die schöne deut­sche Spra­che
für uns als Kul­tur­schatz auserkoren.

Meine Freun­din ist mega happy,
ich kann sie sehr gut ver­ste­hen
weil sie auf einem hip­pen Event
einen coo­len Mann gesehen.

Sie kaufte sich per Call-by-Call
am Service-Point der Bahn
ein Tiket für den Euro­Nigth–Express,
es war der erste Date mit die­sem Mann.

Englisch in der deutschen Sprache

Themenbild: Frau mit gefülltem Einkaufswagen an einem Regal im Supermarkt. Sie hat eine Packung in der Hand.

In den Supermarkt zum Einkaufen. Ein Gang, der mit vielen Tücken verbunden ist. Im Eingangs- und Ladenbereich stehen schon die Schilder "sale"! Klar, der Supermarkt möchte dem Kunden seine Ware verkaufen. Im Verkaufsraum erwarten uns shakes, lemon-drinks, peanuts und die unterschiedlichsten light-Produkte. Hauptbestandteil eines Müslis ist Getreide. Auf der Verpackung und in der Werbung wird dagegen nur noch von cerealien gesprochen. Der Unterschied zwischen Shake und Smoothie besteht darin, dass im Shake püriertes Obst mit Milch gemischt wird. Der Smoothie dagegen ist einfach nur püriertes Obst. Aber was sind Pads? Die flachen Kaffeefilter sind bereits mit Kaffee gefüllt. Sie werden in kleinen Kaffeeautomaten verwendet.

Nicht nur beim Einkaufen im Supermarkt auch unser alltägliches Leben ist heute durch englischsprachige Begriffe geprägt. Im Geschäftsbereich spricht jeder nur noch von einem Meeting oder Event. Treten Probleme mit einem technischen Gerät auf ist die Hotline mein Ansprechpartner. Auch das Fernsehen schont uns nicht. Absoluter Höhepunkt sind die Werbesendungen. Voll gespickt mit Slogans wie "feel the differenz" oder "One of life's pleasures". Verkaufen sich Produkte besser mit englischen Slogans?

Dies ist nur eine kleine Auswahl an englischsprachigen Wörtern, die unser tägliches Leben bestimmen. Denken wir noch groß darüber nach, welches Wort wir verwenden beziehungsweise in welcher Sprache wir sprechen?

Nein, denn auch ich habe hier nicht nur für den Bericht englische Wörter aufgezählt. Ganz selbstverständlich nutze ich das Wort Slogan. Ich hätte auch das deutsche Wort Werbespruch nehmen können. Nur der englische Begriff fällt mir wesentlich schneller ein. Um auf den deutschen Begriff zu kommen, muss ich nachdenken. Auf Anhieb fällt er mir überhaupt nicht ein.

Viele englische Wörter sind für uns heute Alltag. Begriffe wie T-Shirt, Sweatshirt oder Laptop benutzen wir täglich. Kennen wir noch die deutschen Begriffe und wenn ja, wer versteht sie noch? Je häufiger und täglich mehr Menschen englische Wörter nutzen, um so eher werden diese ins Deutsche übernommen. Vielen jetzt heranwachsenden Kindern ist gar nicht bewusst, dass sie nicht mehr ausschließlich in ihrer Muttersprache sprechen.

Noch schlimmer wird es, wenn Wörter aus dem Englischen und Deutschen zusammengesetzt werden. In das so genannte Denglisch. Wörter, wie gecancelt oder gedownloaded. Jeder benutzt sie, obwohl man weiß, dass es diese Wörter mit der Vorsilbe "-ge" nicht gibt.

Nicht nur Kinder verstehen die deutsche Sprache nicht mehr. Auch viele ältere Menschen gehen durch den Supermarkt und können sich viele Begriffe nur aus den Bildern auf der Verpackung erklären. Oder sie haben die englischsprachigen Ausdrücke bei ihren Kindern oder Enkeln gehört. Schlimmer wird es in der Werbung. Hier können Menschen ohne englische Sprachkenntnisse nur aufgrund der Bilder den englischen Werbespruch verstehen. Bei Umfragen zu Werbesprüchen wurde festgestellt, dass sie nicht nur von Kindern und älteren Menschen nicht verstanden werden. Auch jüngere Menschen mit Englischkenntnissen oder die englisch sprechen haben Probleme mit dem Übersetzen. Nicht zu vergessen Menschen mit Lernschwierigkeiten und Legastheniker.

Wir sollten zukünftig daran denken und versuchen in Wort und Schrift für englische Begriffe die deutschen Wörter zu verwenden. Mittlerweile hat ein Teil der Unternehmen erkannt, dass Werbebotschaften verstanden werden sollten. Sie stellen ihre Werbung wieder auf die deutsche Sprache um.

Beim Schreiben zu diesem Bericht wurde ich auf folgende Werbung aufmerksam: Der Spruch von Adidas lautet: "Impossible is nothing". Den gleichen Werbespruch hat Toyota nur auf deutsch "Nichts ist unmöglich". Soviel zur Werbung

2. Anglizismen sind sinnvolle Ergänzungen der deutschen Sprache.


2.1 Anglizismen vereinfachen die Sprache oder verkürzen sie (Jobs, Steak, Sex).

Jede Sprache hat ihre Besonderheiten. Zum Beispiel die durchschnittliche Wortlänge: die durchschnittliche Silbenzahl pro Wort beträgt im Englischen 1,406; im Deutschen sind es 1,635 Silben. Im Englischen sind sieben von zehn Wörtern (71,5%) „einsilbig", nur jedes zehnte Wort ist drei oder noch mehr Silben lang. Im Deutschen dagegen sind nur etwas mehr als die Hälfte aller Wörter „einsilbig". Fast die Hälfte aller Wörter ist zwei oder mehr Silben lang.
Ein inhaltsgleicher Text - z.B. das Vaterunser - enthält im Englischen ca. 10% weniger Zeichen als im Deutschen. Das würde nicht sonderlich auffallen - aber dazu kommt, dass im Englischen wesentlich weniger Silben gesprochen als geschrieben werden. Im Deutschen dagegen sprechen wir normalerweise, wie wir schreiben. Folge: Englisch ist unschlagbar knapp. Einer der wichtigsten Sätze im Universum hat im Englischen nur drei gesprochene Silben: „I love you". Im Deutschen sind es vier, und die zudem noch mit einer ungünstig verteilten Betonung: „Ich liebe dich". Man kann also im Englischen denselben Sachverhalt kürzer ausdrücken.


2.2 Anglizismen sind der erste Schritt zu einer internationalen Verständigung

Wegen der Globalisierung wird es immer wichtiger sich mit Menschen in einer gemeinsamen Sprache zu unterhalten. Englisch bietet sich dafür an.

2.3 Anglizismen halten die Sprache lebendig

Die Deutsche Sprache wurde schon immer durch andere beeinflusst und dadurch aufgefrischt. Viele Worte die wir für selbstverständlich deutsch halten haben einen ausländischen Ursprung. Z. B. leitet sich „Fenster“ vom französischen „fenetre“ ab. „Bandit“ wiederum kommt aus dem Spanischen.


3. Anglizismen verkomplizieren die deutsche Spracheinstellungen


3.1 Anglizismen verursachen Missverständnisse

Neuerdings werden deutsche Berufsbezeichnungen durch englische ersetzt. Jedoch assozieren die Menschen mit diesen Bezeichnungen ganz andere Berufe. Z. B. wird in Stellenanzeigen nach „Facility Manager“ gesucht, statt nach Hausmeister. Das Wort „Manager“ wird aber im Allgemeinen mit gut bezahlten Führungspositionen verbunden und nicht mit dem Instandhalten eines Gebäudes.


3.2 Anglizismen werden in der Muttersprache oft anders verwendet

Das Wort Handy hört sich englisch an ist aber ein Scheinanglizmus. Im englischen Sprachraum wird für Mobiltelefon „mobil“ benutzt. Solche Anglizismen helfen also nicht sich im Ausland verständlich zu machen.


3.3 Anglizismen machen unseriös

Die Menschen können Anglizismen nicht übersetzen. Deshalb wissen die Menschen nicht genau, womit sie es zu tun haben. Bei Werbesprüchen wie "Come in and find out" versteht der Durchschnittsdeutsche nur „railway station“, also wenig bis nichts. Diese Unsicherheit im Umgang mit Anglizismen überträgt sich auch auf Menschen, die oberflächlich wohlklingende englische Positionen oder Berufe haben wie „Controll Manager“ oder „System Account Chief“. Gerade in der Finanzbranche ist es wichtig, dem Kunden Seriösität zu vermitteln.

 

  1. Wortbildung

Zusammensetzung (Komposition)

Komplexe Wörter (Komposita) werden aus zwei oder mehreren einfachen Wörtern zusammengesetzt. Jeder Baustein eines Kompositums hat eine eigene Bedeutung und ist ein selbstständiges Wort. 

·         Echte Z. – ohne Bindeelement: Tischlampe, hellblau, freilasen

·         Unechte Z. – mit Bindeelement: Freundeskreis, Sonnenstrahl, willensstark

·         Zusammenrückungen: Verbindung mehrerer Wörter oder eines kleinen Satzes zu einer Einheit, wobei die Komponenten keine Veränderungen erleiden.

1)      Vollständige Z.: Taugenichts, Langeweile

Stilistische Färbung: Manchmal wirken umgangssprachlich (Guckindiewelt).

2)      Unvollständige Z.: die In-sich-Geschlossenheit, das Zur-Ruhe-Gehen
Stilistische Färbung: Oft wirken gehoben (die In-sich-Geschlossenheit).

 

Ableitung (Derivation)

Die neuen Wörter können durch das Anhängen von Präfixen (unselbstständige, vorn angehängte Elemente) und Suffixen (unselbstständige, hinten angehängte Elemente) an einen Wortstamm und/oder durch die Veränderung des Wortstamms abgeleitet werden. Dabei verändert sich die Bedeutung des Ursprungswortes.

Bildungen mit Präfixen: Gespräch, Geschrei, Gebüsch, Gebirge, Misserfolg, Unrecht, Urwald

Bildungen mit Suffixen: Übersetzung, Besprechung, Sprecher, Bildchen, Sicherheit, Möglichkeit, Genauigkeit, Höhe, Tiefe

Bildungen durch veränderten Stammvokal: Band, Bund

Bildungen durch Konsonanten(Mitlaut-)veränderung: Zug (zu ziehen), Scheitel (zu scheiden)

Stilistische Färbung: Z. B.: die substantivi­schen Suffixe -bold und -ian und das Präfix erz- bei den Adjektiven ->  pejorativ-familiäre Färbung (Witzbold der Witzige, Grobian grober Kerl, erzfaul, erzdumm).

 

Umbildung (Konversion)

Bei der Umbildung (Konversion) handelt es sich um ein Verfahren der Wortbildung, das ohne äußere Änderungen verläuft. Ohne Veränderungen in der Form oder im lautlichen Bereich wird ein Wort in eine andere Wortart überführt, indem es im Satz an einer Stelle eingesetzt wird, die seiner Ursprungswortart nicht entspricht.

Mit diesem Verfahren können aus Wörtern aller Wortarten Nomen werden:

das Braun, das Schreiben, das Wenn und Aber, das Inkrafttreten, das Formulieren.

Stilistische Färbung: wird oft in Phraseologismen gebraucht (das A und O einer Sache, mit Ach und Krach).

Zusammenbildung

Entsteht durch zwei Prozesse:

1)      Zusammensetzung + Suffigierung

Z.B.: Gesetzgebung, Machthaber, Eisbrecher, rotwangig

2)  Zusammensetzung + Substantivierung

Z.B.: das Kopfschütteln, Skilaufen, Händeklatschen

Kurzwortbildung (Abkürzung)

Entsteht durch die Verkürzung eines längeren Wortes oder mehrerer Ausgangswörter.

Z.B.: die BRD, die EU, die UNO, das Audimax, Foto, Uni, Assi

Stilistische Färbung: Oft wirken umgangssprachlich (Assi, Honi, Ami).

Wortschöpfung durch Lautnachahmung

Die Wörter entstehen durch klangliche Nachahmung von Naturlauten.

Z.B.: Kuckuck, Uhu, klatsch, platschen, ach, au

Stilistische Färbung: Interjektionen (ach!, klatsch!, oh!, bums!) wirken expressiv.

 

 

  1. Die offizielle Einladung

 

 

 

Bei offiziellen Feierlichkeiten am Hofe  sind scheinbare Kleinigkeiten

von großer Bedeutung und können den Erfolg der Feier beeinflussen.

Das beginnt mit der richtigen Einladung!

Zum Frühstück, lädt man in der Regel zwischen der achten und der

neunten Stunde am Morgen ein. Ein Frühschoppen findet traditionell an Sonn- und Feiertagen statt,

und zwar zwischen der 10 und der 11 Stunde. Ein Brunch ist eine Kombination von einem Frühstück und einem warmen Gericht (z.B. Suppe). Er beginnt zwischen der 11 und der 12 Stunde. Zu einem Vormittagsempfang lädt man zwischen der 11 und der 13 Stunde ein. Die Einladung zu einem Mittagsmahl dagegen beginnt nicht vor der 12 Stunde und endet in der Regel um die 14 Stunde. Nachmittagsempfänge finden zwischen der 14 und 16 Stunde statt. Zu einer Tafel mit Kaffee, Gebäck und Kuchen lädt man zwischen der 16 und der 17 bis 18 Stunde ein. Der Fünf-Uhr-Tee wird zwischen der 17 und der 18 Stunde gereicht. Bei einem formellen Abendmahl ist die Zeitspanne für den Beginn zwischen der 19 und der 21 Stunde. Eine schriftliche Einladung erfüllt nur dann ihren Zweck, wenn sie auch wirklich alle Mitteilungen enthält, die der zukünftige Gast benötigt. Der Gastgeber hat auf der Einladung seinen Namen zu nennen. Bei offiziellen Einladungen seinen vollständigen Titel. Der Anlass des Festes muss klar und deutlich aus der Einladung hervorgehen. Dies ist auch notwendig, so dass der Gast bei einer eventuellen Absage die Möglichkeit hat schriftlich zu diesem Anlass zu gratulieren. Wichtig ist es auch, auf der Einladung deutlich darauf hinzuweisen, für wie viele Personen die Einladung gültig ist und ob es erwünscht ist, dass der Gast noch eine Begleitung mitbringt. Unerlässlich ist selbstverständlich die Angabe von dem Tag des Festes sowie der Zeit des Erscheinens. (Was der Gast jedoch schon aus der Bezeichnung der Einladung entnehmen sollte.) Wenn zu einem Ereignis eingeladen wird, bei dem pünktliches Erscheinen erwünscht ist, muss in der Einladung ausdrücklich darauf hingewiesen werden. Dies gilt beispielsweise für einen Festakt, bei dem eine Rede gehalten wird oder Musikanten aufspielen. In diesem Fall wird geschrieben: „Um pünktliches Erscheinen wird gebeten“ Eine weitere Möglichkeit wäre es bei der Zeitangabe der Einladung ein „s.t.“ hinzu zufügen, welches bedeutet „sine tempo“. Über setzt bedeutet dies für die Gäste, dass sie auf das Minutenglas genau erwartet werden. Ist das pünktliche Erscheinen dagegen nicht von im Fordergrund stehender Wichtigkeit, zeigt dies der Vermerk „c.t.“ an. Dies ist das Kürzel von „cum tempore“ und deutet den Gästen, dass sie auch noch bis auf den 15 Anschlag des Minutenglases eintreffen können. Der Kleidungsvermerk ist äußerst wichtig damit die Gäste darüber in Kenntnis sind,  ob sie in festlicher Kleidung, Abendgarderobe oder Reit/Jagdkleidung zu erscheinen haben. Der Gast sollte eine angemessene Gewandung wählen, und seiner Begleitung rechtzeitig die Möglichkeit geben, ihre Garderobe in der Farbe der seinen anzupassen.

 Was ist zu tun, wenn man einer Einladung nicht nachkommen kann?

Am höflichsten ist es, wenn man einer Nachfrage zuvor kommt und sofort auf eine Einladung reagiert, wenn man weiß, dass man einer Einladung nicht nachkommen kann. Auf eine schriftliche Einladung folgt immer eine schriftliche Abmeldung. Ausnahmen sind mündliche Abmeldungen in vorausgegangenen Gesprächen oder Treffen. Zum guten Ton gehört es jedoch, trotz Abwesenheit vom Feste, ein Gruß oder Glückwunschschreiben an den Gastgeber zu versenden. So könnte es sein, dass der Gastgeber das Fehlen des Gastes zwabedauert, aber erfreut ist über die schriftliche Mitteilung.  Es gehört zum guten Ton, bei der Absage einen Grund für die Abwesenheit zu nennen. Manche Umstände lassen es jedoch nicht zu, dass der Gast trotz vorheriger Zusage unabkömmlich ist. In diesem Fall sollte schnellst möglich eine Nachricht ausgesandt werden. Zum pünktlichen Erscheinen auf einem Fest!

 Weist eine Einladung keinen besonderen Vermerk auf, so gelten in Sachen Pünktlichkeit folgende Werte: Wird man zu einem warmen Mahl geladen, so hat man auf das Minutenglas genau zu erscheinen. Das gilt ebenso bei einem Feste, das mit einem musischen Stück eröffnet wird oder mit einer Rede. Bei einer abendlichen Einladung ohne Festmahl, sollte der Gast ungefähr pünktlich erscheinen, eine Unhöflichkeit ist es, mehr als 15 der Einheiten des Minutenglases zu spät zu erscheinen.

Beispiele für Einladungen

Liebe Klassenkameraden,

in drei Monaten ist es 20 Jahre her, dass wir unser Abitur am Moltke-Gymnasium

bestanden haben. Einige von euch haben uns immer wieder angesprochen,

dass es schön wäre, dieses Ereignis gemeinsam zu feiern.

Diese Idee haben wir gerne aufgegriffen und veranstalten einen Abi-Ball,

zu dem ihr ganz herzlich mit euren Partnern eingeladen seid.

Zeit: 08.06.20.., 19:00 Uhr

Ort: Parkhotel Krefeld, Uerdinger Straße 115, 47977 Krefeld

Garderobe: Smoking oder dunkler Anzug für den Herrn, Abendkleid für die Dame

Wir bitten um eure Anmeldung bis zum 01.05.20..

Wir freuen uns auf euch!

 

Liebe Frau Schmidt, lieber Herr Schmidt,

am Samstag, 4. September 20.., feiere ich ab 17 Uhr meinen 60. Geburtstag

und lade Sie herzlich dazu ein. Es würde etwas fehlen, wenn Sie als langjährige

gute Nachbarn an diesem besonderen Tag nicht dabei wären.

Ich freue mich auf Sie und hoffe auf Ihre Zusage bis zum 20. August.

Mit freundlichen Grüßen

„privat“ – Einladung zur Taufe

Liebe Gitta, lieber Thomas,

am 18. Mai 20.. um 11:00 Uhr wird unsere Lilli-Catherine in der Erlöserkirche

in Krefeld getauft.

Dazu laden wir euch herzlich ein und freuen uns, wenn ihr auch beim

anschließenden Mittagessen im Forsthaus dabei seid.

Viele Grüße

„offiziell“ – Einladung zum Abituriententreffen

 

Warum kommt eine schriftliche Einladung bei besonderen Anlässen besser an?

Eine schriftliche Einladung, die witzig oder edel aufgemacht ist, erhöht die Vorfreude, weckt Neugier und hat Stil. Ein schöner Nebeneffekt: Sie vergessen nicht so schnell Personen, die Sie gern bei der Feier dabei hätten, und ersparen sich das permanente Wiederholen der Einladung und der Daten, denn Ihre Gäste können wichtige Angaben wie Adresse, Zeit, Ort oder Anlass jederzeit nachlesen.

Gestalten Sie die Einladungskarte

je nach Anlass

– Mit Konfetti zur Faschingsfete

– Mit der Speisenfolge bei Einladungen

zum Essen

– „Pasta satt“, geschrieben mit

Buchstabennudeln

– Legen Sie der Hochzeitseinladung

kleine Herzen bei

– Ein Foto der letzten Feier zeigt:

Hier wird es lustig!

– Edles Briefpapier betont den Stil der

Veranstaltung

Ihrer Kreativität sind keine Grenzen

gesetzt!

Das sollte in Ihrer Einladung

stehen

– Wer lädt ein?

– Was ist der Anlass für die Feier?

– Wann ist die Feier?

– Wo findet sie statt?

– Welche Kleidung ist erwünscht?

– Sind Begleitpersonen eingeladen?

– Gibt es etwas zu essen?

– Sollen die Gäste etwas mitbringen?

– Bis wann wird eine Zusage erwartet?

– Anfahrtsskizze, Parkplatz- und

Übernachtungsmöglichkeiten

Einladung: Macht Spaß

Tipp:

Zu offiziellen Anlässen und großen

Festen lohnt es sich, Einladungskarten

drucken zu lassen.

Was man braucht: 

 1

Als erste wichtige Information sollte der Anlass der Feierlichkeit genannt werden, zu der man einlädt, man kann diesen beispielsweise als Überschrift formulieren (z.B. "Einladung zu Stefans Geburtstagsparty") oder als ersten wichtigen Punkt auf der Einladung für sich stehen lassen.

2

Im Folgenden sollte der Veranstaltungsort genannt werden, wobei sowohl bei Feiern zu Hause, als auch bei Festlichkeiten in Hotels/Festräumen in jedem Fall die gesamte Adresse angegeben werden sollte, da es immer möglich ist, dass einige Gäste die genaue Lokalität nicht kennen ("Ort: bei uns zu Hause" ist also bei einem größeren Gästekreis nicht ausreichend).

3

Der nächste entscheidende Aspekt ist das Datum, damit zum einen die Gäste am richtigen Tag anwesend sind, und sie auch einige Wochen vorher direkt in ihrem Kalender feststellen können, ob sie die Einladung aufgrund eines anderen wichtigen Termins nicht wahrnehmen können.

4

Darüber hinaus sollte selbstverständlich auch die Uhrzeit als Beginn der Feier in die Einladung inkludiert werden.

5

Falls es sich um eine Party mit einem speziellen Motto handelt, sollte in jedem Fall auch das Motto erwähnt werden, damit sich entsprechend gekleidet werden kann, bei besonders festlichen Anlässen sollte auch die Kleiderordung im Detail festgelegt werden (z.B. Abendgarderobe).

6

Nach dem Wunsch, dass nach Möglichkeit sämtliche Gäste anwesend sein werden, kann die Einladung mit dem eigenen Namen signiert werden.

7

Falls die angegebene Adresse nur schwer zu finden ist oder zu Unklarheiten führen kann, sollte man zudem darüber nachdenken, eine Wegbeschreibung bei zulegen.

 

        

  1. Mittel der Expressivität

 

Expressive, emotional-wertende Markierung 
Neben einer sozialen Markierung sprachlicher Äußerungen durch stilistische Markierungen können Äußerungen auch expressiv oder emotional-wertend markiert werden.

  • positiv-negativ
  • aggressiv
  • ironisch
  • distanzierend
  • neutral
  • ...

Mittel der Bildkraft(выразительности)

Bildkraft besteht aus Bildhaftigkeit (наглядность, прямое значение слов) und Bildlichkeit (образность, стил.фигуры, переносное значение).

Schicken wir voraus, daß die Bildhaftigkeit aus der lexikalischen Struktur von Einzelwörtern und Wendungen aufgrund direkter (ei­gentlicher) Bedeutung erwächst, oft unterstützt durch die Beschaffen­heit der lautlichen Hülle. Die Bildlichkeit hingegen entsteht aufgrund syntagmatisch be­bedingter Bedeutungsübertragung oder eines Begriffsaustausches, anders gesagt— sie ist uneigentliche Rede, die erst im Sinnzusammenhang (Kontext und Situation) eindeutig determiniert werden kann. Die Bildkraft verdichtet die aus sinnlicher Anschauung und intellektueller Verallgemeinerung gewon­nene Erkenntnis, sie bewirkt lebendige Vergegenwärtigung konkreter und abstrakter Sachverhalte.

 

Mittel der Bildhaft

 

Bildhaft sind alle Woerter des Sprachsystems, die Gegenstände, Vorgänge und Erscheinungen der  Realität bei blo­ßer Nennung (außerhalb des Kontextes!) so lebendig und plastisch in unserem Bewußtsein reproduzieren, daß sie Gesichts-, Gehörs-, Geruchs-, Geschmacks- und Tastempfindungen hervorrufen. Als bildhaft bezeichnen wir sie deshalb, weil sie durch die in ihrer lexischen Struktur eingeschlossenen semantischen und stilistischen Bedeutungselemente dem Allgemeinbegriff klare Details verleihen und dadurch, Zug um Zug, immer schärfere Umrisse eines Vorstellungsbildes zeichnen.

Besonders aufschlußreich ist die Betrachtung der bildhaften Verben. Das Lexem, gehen gibt eine visuelle und kinästhetische (motorische) Vorstellung von verhältnismäßig geringer Bildkraft: „mit kleinen Schritten gehen" enthalten — ein Bild, das unter­stützt durch Lautmalerei, eine Gangart vor Augen führt (eine dynamische Bildfolge = expressiv).

 

Vergleiche

Wegen seiner Stellung zwischen den Mitteln der Bildhaftigkeit und der Bildlichkeit bietet der Vergleich gewisse Klassifikationsschwierig­keiten.Dem Wesen und der pragmatischen Wirkung nach unterscheid den wir den Vergleich aufgrund direkter (eigentlicher) Bedeutung mit rationaler, objektiv-präzisierender Aussageabsicht, und den Vergleich aufgrund metaphorischer, uneigentlicher Bedeutung meist hyperbolisch zugespitzt, emotional und subjektiv bewertend.

Der rational präzisierende Vergleich kann zweifellos zu den Mitteln der Bildhaftigkeit eingereiht werden. So sägt die Mutter mit Stolz: Mein Sohn ist schon ebenso groß wie der Vater. Damit stellt sie objektiv und wahrheitsgetreu fest.

Rational präzisierende Vergleiche stecken in der eigentlichen Bedeutung adjektivischer und substantivischer Kleinstkonteite (Kom­posita): honigsüß, messerscharf, Kirschenmund, mit Bienenfleiß (arbeiten).

Vergleiche aufgrund metaphorischer, uneigentlicher Bedeutung sind meist subjektiv bewertend. Du hast ja Nerven wie Stricke!, sagt man bewundernd oder je nach der Situation auch gutmütig-spottend zu jemand, der sich durch nichts aus der Ruhe bringen läßt, also zu einem nervenstarken Menschen.

 

Stellungen. Derartige einmalige Fügungen, die sog. kühnen Bilder, werden wir im Zusammenhang mit der Metapher (siehe S. 216/217) besprechen.    ' "

Betrachten wir zwei Vergleiche über das Lachen eines Menschen: Er lachte sein sanftes gutturales Lachen, das klang, als gluckste eine Quelle in seiner Brust. — Er lachte wie selchs Truthähne (Remarque, Schatten im Paradies). Das erste Textbeispiel ist mit seinem aus dem Leben gegriffenen Bild leicht vorstellbar, das zweite hingegen über­rascht durch die Unvorhersehbarkeit einer solchen Feststellung und befremdet ein wenig.

3) Eine weitere Klassifikationsmöglichkeit, wieder aus anderer Sicht, betrifft die strukturelle Beschaffenheit: knappe, erweiterte, aus­gebaute (geschlossene) Vergleiche.

 

 

 Mittel der Bildlichkeit

1.      Funktionale Verschiebungen als Vorstufe der Metapher.

 Un­ter funktionaler Verschiebung verstehen wir die Überführung einer usuellen Wortbedeutung aus dem üblichen funktionalen Bereich in einen anderen, ungewohnten. Dies kann ein sprachlicher Lapsus oder ein gezieltes Stilmittel (oft Scherz, Spott) sein.

 „Nun, Hanno, ein bißchen Musik naschen?", fragte Gerda in der Pause (Th". Mann). Na­schen — d.h. „etwas Wohlschmeckendes kosten, genießen". Und tatsäch­lich genoß der kleine Hanno die Musik.

 

2.      Lexikalische Metaphern. 1) Hauptmittel der bildlichen Ausdrucks­weise ist die Metapher, eine Erscheinung, die nicht als Einzelwort, sondern als kleines „Stück Text" zu verstehen ist. Wie groß der Sinnzusammenhang sein muß, um die Bedeutungsübertragung richtig zu erfassen, hängt vom Inhalt der Aussage und ihrer sprachlichen Aus­formung ab. Nach ihrer Genesis kann man zwei Arten der Metaphern unterscheiden: solche, bei denen das Sem der bildlichen Übertragung sich innerhalb einer lexischen Struktur befindet und  solche, bei denen aufgrund emotionaler oder/und rationaler Veiglerehsmöglichkeit ein gemeinsames Merkmal verschiedener lexischer Strukturen semantisch modifiziert wird.

 

 

Unter Metapher verstehen wir die Namensuebertragung von ei­nem Denotat auf ein anderes aufgrund eines gemeinsamen Merkmals (Vergleichsbasis, beruhend auf dem gleichen lexischen Sem).  Bei jeder Metapher macht sich mehr oder weniger stark die semantischу Unverträglichkeit der lexischen Elemente (in direkter Bedeutung!) sowie, deren ungewöhnliche Valens bemerkbar, Anstelle der erwarteten Determination (Vor­hersehbarkeit der Aussage) kann Konterdetermination erfolgen, eine getäuschte Erwartung, ein Ueberraschungseffekt. ein V-Effekt (Ver­fremdungseffekt).

 

3. Abarten der Metaphern.

                    a) Die Personifizierung (Personifikation, Verlebendigung) ist die Übertragung menschlicher Eigenschaften, Merkmale und Handlungen auf tierische und pflanzliche Organismen sowie auf Nichtlebewesen. Pragmatischer Effekt dieses Stilistikums ist vornehmlich Bildkraft und Poetizität, aber auch Humor und Satire. - blühende Gebirgsbach

 

           b) Von der Personifizierung im Dienst poetischer Verlebendigung und humorvoller bis satirischer Beleuchtung führt der Weg — oft mit unscharfer Abgrenzung — zur Allegorie.

Die Allegorie könnte als besondere Form der Personifikation ange­sehen werden. Hier handelt es sich um körperhafte Verbildlichung von Ideen und abstrakten Begriffen, von Naturgeschehen und Naturgewalten (meist Verlebendigung in Menschengestalt). - Frühling ist ein lieblicher Jüngling: Der junge Herr Frühling wonniglich... (G. Weerth)

 

                  c) Die größte Schwierigkeit bietet eine exakte Abgrenzung zwischen der zweiten und dritten Abart der Metaphern, zwischen Allegorie und Symbol (Sinnbild). Im Gegensatz zur Allegorie bildet den Ausgangspunkt zur Entsteh­ung des Symbols eine konkrete Wirklichkeitserscheinung, meist ein Gegenstand, eine Pflanze, ein Tier, seltener ein Mensch; es können aber auch reale Vorgänge aus dem Leben der Gesellschaft als Basis des Sym­bols benutzt werden.

 

             d) Als vierte Abart der Metapher sei die Synästhesie (griech. Zusammenempfindung) kurz besprochen. Darunter verstehen wir die Verschmelzung verschiedener Sinnesempfindungen, wobei eine von ihnen übertragene Bedeutung annimmt, z.B. seidene Stimme. Hier wird die Vorstellung durch Tast- und Gehörsempfindung gebildet (Vergleichs­basis: Weichheit).

 

 

4.       Metonymien.

Hauptkriterium dieses Stilistikums ist nicht, wie bei der Metapher, die semantische Gleichsetzung zweier Begriffe auf­grund einer Merkmals- und Namensübertragung, sondern ein Austausch zweier Begriffe aus unterschiedlichen Sinnbereichen aufgrund räumli­cher, zeitlicher, stofflicher und logischer Beziehungen. Bei dieser Form uneigentlicher Rede tritt die Bildkraft mehr oder weniger stark zurück. So sind z.B. die Metonymien auf der Basis von Raum- und Zeit- verhältnis kaum imstande, der Aussage Anschaulichkeit zu ver­leihen: Die ganze Universität kam zur Jubiläumsfeier (anstatt: Alle Professoren und Studenten kamen,..). Das Zeitalter der Technik fordert... (anstatt: Die Menschen dieses Zeitalters...)

Hoher Frequenz erfreut sich die Metonymie auf der Basis eines Quantitätsverhältnisses, die sog. Synekdoche (griech. „Mitverste­hen"). Diese Spielart der uneigentlichen Rede erscheint in mehreren Variationen, aber stets nominal ausgeformt. So wird anstelle des Ganzen ein wichtiger oder auffallender Teil genannt, was meist Bildkraft be­wirkt. Diese Übertragungen — sie heißen Teil für das Ganze (pars pro toto) — können gemeinsprachlich sein, im Alltagsstil stark verbreitet: Mein Fuß (anstatt: ich) betritt nicht mehr diese Schwelle. Die Menge zählte tausend Köpfe. „Wieviel wird für das Picknick pro Kopf einge­zahlt?"

Eine besondere Gruppe der Stilfigur pars pro toto bilden die sog. Bahuvrihi1. Es sind Possessivkomposita, die das Ganze (gewöhnlich ein Lebewesen) durch einen wesentlichen oder auffallenden Teil charak­terisieren. Ihnen eignet in der Regel Bildkraft und emotionale bzw. lo­gische Expressivität. Hierher gehören metonymische Zusammensetzun­gen mit adjektivischem Bestimmungswort, wie: Rotkäppchen, Grün­schnabel (junger „Allesbesserwisser"), Langohr (Esel oder Hase), Blauwal (bis 30 Meter langer, bläulicher Wal). Daneben aber auch Komposita, deren erste Komponente ein Substantiv ist, wie etwa: Teerjacke (Seemann), Glatzkopf, Eierschädel u.ä.

Wenn die Stilfigur Teil für das Ganze etwas Unwesentliches, Lächerliches oder Herabsetzendes heraushebt, dient sie als Mittel von Spott und Satire: Die Aktentasche eilte durch die Stadt.

 

 

5.       Grammatische Metaphern.

Die lexikalischen und die grammatischen Metaphern weisen nebst grundlegenden gemeinsamen Zügen auch man­che spezifische Unterschiedlichkeiten auf. Die grammatische Metapher entsteht aufgrund der Übertragung (Transposition) einer Wortform aus ihrem eigentlichen Funktionsbereich (der typischen Umgebung) in einen fremden Funktionsbereich zu stilistischen Zwecken.

 

 

6.       Mittel der Umschreibung und ihre Abarten.

1) Gegenstand des vorliegenden Abschnitts sind die stilistische Periphrase und ihre wichtig­sten Erscheinungsformen; den zwar verwandten, aber dennoch unter­schiedlichen Begriff Paraphrase (Transformation, Periphrasierung) eines mündlichen oder schriftlichen Textes klammern wir gänzlich aus.

Unter einer stilistischen Periphrase verstehen wir die sekun­däre Nominierung eines Denotats entweder durch Hervorhebung cha­rakteristischer Merkmale, Tätigkeiten, Wirkungen u.ä. (Rom — die Stadt der sieben Hügel) oder durch Verbildlichung in uneigentlicher Rede (die Ostsee— das Meer des Friedens bzw. das Friedensmeer3).

 

Dem Inhalt nach lassen sich einige thematische Gruppen gemein­sprachlicher Periphrasen unterscheiden: Umschreibung von Personen- und Eigennamen, geographischen Namen, Volksgemeinschaften, Beru­fen u.a.m.

In der gebotenen Kürze können wir nur wenige Beispiele anführen: der Dichter des Faust, der Dichterfürst, der Beherrscher des Olymps. Wenn die erste Fügung zweifellos logische Periphrase ist, so muß man den nächsten beiden schon bildlichen Charakter zusprechen.

Abarten der Periphrase:

a)              Unter Euphemismus (vom griech. „gut sprechen") verstehen wir eine Umschreibung, die bezweckt, etwas Unangenehmes angenehmer darzustellen, etwas Unhöfliches höflicher, etwas Schreckliches harmloser zu sagen.

Als Euphemismen müssen z.B. alle bildlichen Ausdrücke gewertet werden, die den Begriffen Tod und sterben das Pathos nehmen sollen (vgl. die deutschen Soldatenjargonismen des ersten und zweiten Welt­kriegs). Bei den Euphemismen spielt die Intonation eine große Rolle; darin liegt oft der Schlüssel zum Verständnis.

b)             Die Litotes (griech. „Schlichtheit") ist eine Periphrase aufgrund von Verneinung. Durch die Aussage von dem, was nicht geschieht, wird die Aufmerk­samkeit besonders stark auf das gelenkt, was geschieht: Ich möchte nicht sagen, daß deine Leistungen auf der Höhe sind.

c)              Die Hyperbel (griech. „Übertreibung") kann insofern eine Peri­phrase genannt werden, als sie den Sachverhalt nicht wiedergibt, wie er wirklich ist, sondern in übertriebener, übersteigerter Darstellung. Daher wird diese Stilfigur oft als Metonymie aufgrund eines quantita­tiven Abhängigkeitsverhältnisses bezeichnet.Wenn man in der Alltagsrede sagt, jemand habe es dick hinter den Ohren, wird ohnehin schon ein hoher Grad von Gerissenheit vorausge­setzt. Eine weitere Steigerung lautet: er hat es faustdick und sogar dop­pelfaustdick hinter den Ohren — eine Hyperbel besonderer Stärke. Anstatt müde gebraucht man todmüde, anstatt lange warten — eine Ewigkeit warten u.a.m.

d)             Zuletzt noch eine vierte Erscheinungsart: Umschreibung durch das Gegenteil, mit anderen Worten, Ironie (im engeren Sinn). Ihr habt Euch ja heute besonders gut vorbereiten, sagt der Klassenleh­rer. Durch die Betonung und das Satztempo wird klar, daß die Aussage der Wirklichkeit widerspricht.

 

 

7. Epitheta.

 1) a) Epitheton ist jede Merkmalsbestim­mung eines Substantivs, durch die der betreffende Begriff logisch­sachlich konkretisiert oder emotional eingeschätzt wird. Häufig sind im Beiwort diese beiden Funktionen vereinigt. (Dem gegenüber steht die Meinung, als Epitheton könnten nur Attribute mit bewertendem Charakter gelten), b) Das Epitheton erstreckt sich über alle Stile (ent­gegen der weitverbreiteten Ansicht, es gehöre nur in den Bereich der schönen Literatur), c) Das Epitheton ist zum Verständnis des übergeord­neten Substantivs mehr oder minder nötig, aber keinesfalls unentbehr lieh (die Trennung in „notwendige" und „schmückende" Beiwörter lehnen wir ab), d) Das Epitheton wird grammatisch ausgedrückt durch adjektivisches und partizipiales Attribut (vor- oder nachgestellt), durch Präpositionalattribut und Apposition, durch Prädikatsattribut und Attri­butsatz1. In manchen Fällen kann das Bestimmungswort des Komposi­tums als Kleinstkontext die Funktion des Epithetons übernehmen (bei manchen Stilforschern wird nur das attributive Adjektiv als Beiwort anerkannt).

2)Konkretisierende Epitheta finden wir ausnahmlos in allen kommu­nikativen Bereichen, in allen Arten schriftlicher und mündlicher Rede2. Mit ihrer Hilfe entsteht im Bewußtsein des Lesers/Hörers die Vorstel­lung von Farbe, Form, Klang, Geruch und anderen Sinnesempfindungen, aber auch eine logische Schlußfolgerung auf wesentliche Merkmale und Eigenschaften. Der Grad ihrer Bildhaftigkeit ist — je nach dem Kon­text — bald stärker, bald geringer: Er schenkte ihr eine herrlich duften­de, gelbe Teerose. — Transistor mit Kurzwellen, bequem für Ausflüge, wird verkauft (Inserat). — Festliche Vorbereitungen zur Jubiläumsfeier (Überschrift einer Zeitungsnotiz). Sämtliche hier genannten Beiwörter verhelfen, den jeweils übergeordneten Begriff schärfer und dadurch sinnfällig sowie logisch präzisierend zu umreißen.

3)Bewertende, emotionale Epitheta offenbaren die persönlichen Be­ziehungen des Senders zum Gegenstand der Darstellung, kommen daher im Stil der offiziell-direktiven wie der erkenntnistheoretisch informieren­den Sachprosa seltener vor. Eine Ausnahme bildet allerdings die pole­mische Literatur; hier gilt das bewertende, stark expressive Beiwort als Genremerkmal. …

 

 

 

 

Lexisch-grammatische Stilfiguren

I. Wiederholung und grammatischer Parallelismus

Die Wiederholung ist ein weiter Begriff, der mehrere sich überschnei­dende Abarten umfaßt: die einfache Wiederholung, den grammatischen Parallelismus, die Aufzählung.1

Die Wiederholung bezieht sich auf alle Spracheinheiten; dieselben Phoneme, Morpheme, Wörter, Wortgruppen, Sätze können im Text mehrfach verwendet werden, um eine gewisse Stilwirkung auszulösen. Unterschiedlich ist auch ihre Anordnung im Redezusammenhang. Das macht zunächst eine Klassifikation erforderlich.

Je nach den Sprachelementen unterscheidet man phonetische (siehe S. 195/197), lexikalische und grammatische Wiederholungen. Die lexi­kalischen Wiederholungen bestehen im mehrfachen Gebrauch desselben Wortes bzw. derselben Wortgruppe (wörtliche Wiederholung) oder eines Synonyms (synonymische Wiederholung).

Wörtliche Wiederholung: Mein Vater, mein Vater, jetzt faßt er mich an (Goethe). Du, ich habe dich lieb, lieb, lieb (Heiduczek, Abschied von den Engeln).

 

Die gleichmäßige symmetrische Wiederkehr derselben Wortform oder Satzstruktur schafft den grammatischen Parallelismus. Bleibt dabei die Lexik unverändert oder leicht variiert, so entsteht eine doppel­te Wiederholung: Borchert schließt seine Novelle „Die lange lange Stra­ße lang" mit den Worten: Und keiner weiß: wohin? Und alle fahren: mit. Und keiner weiß... und keiner weiß... und keiner weiß...

 

Die Kettenglieder einer Aufzählung können semantisch gleichwertig oder ungleichwertig sein. Im zweiten Fall unterscheidet man eine auf­steigende Aufzählung, die sog. Klimax (griech. die Leiter), bei der jedes nächste Glied inhaltlich stärker oder genauer als das vorhergehende ist, und eine absteigende (fallende) Aufzählung mit der umgekehrten seman­tischen Folge, die sog. Antiklimax. Als Beispiel der Klimax dienen fol­gende Sätze: Es regnete stundenlang, nächtelang, tagelang, wochenlang (Dürrenmatt, Grieche sucht Griechin). Als er vom Güterbahnhof zurück zu Kleinholz geht, sieht er auf der anderen Seite der Straße eine Gestalt, einen Menschen, ein Mädchen, eine Frau, seine Frau (Fallada. Kleiner Mann — was nun?).

 

Bei der Distanzstellung der wiederholten Elemente sind mehrere Kompositionsarten möglich. Sie übersteigen den Rahmen eines Satzes und sind im Makrokontext ausfindig zu machen. Das sind: Anapher, Epipher, Rahmen- (Ring)wiederholung, Anadiplose, Leitmotiv- oder Echo-Wiederholung.

Die Wiederholung am Anfang der Sätze oder Absätze heißt Anapher (griech. das Hinauftragende), die Wiederholung am Ende mehrerer Sätze oder Absätze Epipher (griech. das Entgegentragende). Ein Beispiel der Anapher: Lämmchen sagt ganz schnell: „Und dann haben wir noch nichts für Feuerung. Und nichts für Gas. Und nichts für Licht. Und nichts für Porto. Und nichts für Kleidung." (Fallada, Kleiner Mann —was nun?) Die emotionale Expressivität dieser fünfmal wiederholten Verneinung verrät Verzweiflung und Empörung.

 

Anadiplose (griech. Verdoppelung) ist eine Art Kompositionsfuge, bei der das letzte Wort (Wortgruppe) eines Satzes (oder eines Satzab­schnittes) an der Spitze des nächsten Satzes (oder eines Satzabschnittes) wiederaufgenommen wird. Das geschieht aber nicht wegen des gewöhn­lichen Rhema-Thema-Wechsels, sondern ist als Stilistikum aufzufassen: Oder war es der Regen? Der Regen auf den dunkelrolen Ziegeln. Denn es regnete. Regnete ununterbrochen (Borchert, Preußens Gloria).

Kehrt ein und dasselbe Element unregelmäßig im Text wieder, ohne an eine feste Stelle gebunden zu sein, wirkt es wie ein Echo oder Leit­motiv. In der Novelle Borcherts „Der Kaffee ist undefinierbar" erscheint der Satz Das Mädchen sah in die Tasse in leicht variierter Form neun­mal. Der Sinn dieser anscheinend belanglosen Tatsache wird erst dann klar, wenn es sich herausstellt, daß der Kaffee in der Tasse vergiftet war.

 

II. Gegensatzfiguren

Hierher gehören die Antithese und der Chiasmus. Die Antithese (griech. Gegen-satz) beruht auf der Kontrastwirkung der Bedeutun­gen zweier lexikalischer oder grammatischer Größen. Sie besteht also immer aus zwei Teilen.

Günstige Bedingungen für eine Antithese bietet die Einförmigkeit des Kontextes, in den sie eingebettet ist; die lexikalische Antithese tritt bei grammatischer Gleichheit besonders deutlich hervor, die grammati­sche Antithese in ihrer reinen Form verlangt lexikalische Gleichheit. Ein Beispiel für eine lexikalische Antithese: Freiheit ja, Kolonialismus neinl Demokratie ja, Faschismus neinl

Ein Beispiel für eine grammatische Antithese: Lila geht über die Bühne... grüßend und begrüßt (Frisch, Mein Name sei Gantenbein).

Die Antithese dient der scharfen Hervorhebung von Gegensätzen und Widersprüchen; dadurch unterscheidet sie sich vom Oxymoron, das die widersprüchlichen Begriffe meist als Mittel der Ironie vereint oder Über­raschungseffekt erzielt.

Als Grundlage der lexikalischen Antithese dienen die Antonyme aus allen Wortklassen: Leben — Tod, hell — finster, lachen — weinen.

Der Chiasmus oder die Kreuzfigur (nach dem griech. Chi, das einem Kreuz ähnelt) ist meist die Kreuzstellung zweier Antithesen. Heine, Meister der Antithese, schuf folgenden Chiasmus, als er schrieb, ... daß in Bologna die kleinsten Hunde und^die größten Gelehrten, in Göt­tingen, hingegen die kleinsten Gelehrten und die größten Hunde zu finden sind (Italien, Die Bäder von Lucca).

 

 

 

 

Mittel zum Ausdruck von Humor und Satire

1) Wortwitze (Doppelsinn und Wortspiel) 1) Der Doppelsinn ist eine Stilfigur, die ihren Ursprung der Mehrdeutigkeit des Wortes und der Homonymie verdankt. Auf Doppelsinn beruht eine große Zahl von Scherzfragen und Rätseln, wie z.B.: Warum sind die Zahnärzte die gründlichsten Leute der Welt? — Weil sie alles bei der Wurzel anfassen. (Wurzel ist mehrdeutig: Wurzel eines Baumes,. Wurzel eines Zahns-, etwas bei der Wurzel anfassen, d.h. gründlich ma­chen). Und weiter führt der Scherz: Aber die Zahnärzte sind auch die feigsten Leute der Welt, weil sie immer gleich ausreißen (ausreißen im wörtlichen Sinn hier: „den Zahn ziehen", im übertragenen Sinn: „davon­laufen").

 

2) Die zweite Gruppe der Wortwitze, zu der eine große Zahl "von Erscheinungsformen gehört, bezeichnen wir als Wortspiele. Wenn es sich beim Doppelsinn um ein und denselben Lautkomplex handelt, so haben wir es hier mit phonetisch ähnlichen Sprachgebilden zu tun. Zwei verschiedene Wörter werden durch eine phonetische Änderung, durch eine Variation in der Wortbildung, durch verschiedene Arten der Kontamination (Verschmelzen mehrerer Lexeme aufgrund gemeinsamer Teile), durch Spiel mit den lexischen Elementen einer stehenden Ver­bindung u.a.m. irgendwie zueinander in Verbindung gesetzt.

Ein einfaches, aber sehr wirksames Wortspiel findet sich in Bre­dels Erzählung „Fünfzig Tage", wo er verschiedene Typen von Jugend­lichen erwähnt: solche, die schnell mit der Tat und solche, die schnell mit dem Wort bereit sind. In diesem Zusammenhang sagt der Autor: Und die Lautesten sind nicht immer die Lautersten. Auf den ersten Blick will es scheinen, als ob hier eine ganz geringfügige lautliche Än­derung vor sich gegangen sei (Einschieben des r), in Wirklichkeit aber handelt es sich um zwei Wörter von völlig verschiedener Semantik: die Lautesten — von laut (die den meisten Lärm machen) und die Lau­tersten — von lauter, d.h. aufrichtig (die Ehrlichsten).

 

 

 

Wortverbindungen mit Überraschungs- bzw. Verfrem­dungseffekt

Unter diesen scheinbar unlogischen lexisch-syntaktischen Stilfigu­ren verstehen wir die Zusammenstellung von semantisch unverträgli­chen (nicht zueinander passenden) Wörtern, Wortgruppen und Sätzen. Durch unerwartete, unvorhersehbare Kombination von Wörtern soll die Information besonders ins Auge fallen, soll der Empfänger zum Nachdenken über den wahren Sinn der Aussage angeregt werden. Dieses Stilistikum zieht man überwiegend zu satirischen und humori­stischen Zwecken heran, es kann aber auch bloß zum ausdrücklichen Unterstreichen des Sachverhalts dienen. Im weiteren seien nur die häufigsten Typen dieser gewollt unlogischen Verbindungen genannt.

1) Das Oxymoron (griech. scharfsinnig-dumm), die scheinbar wider­sinnige Verbindung von Gegensätzen, deren Vereinigung dennoch wieder eine sinnvolle Ganzheit ergibt. Dieses Stilmittel ist dazu beru­fen, widersprüchliche Erscheinungen der Wirklichkeit expressiv aus­zuformen.

Das Oxymoron wird meist sprachlich realisiert durch eine kopula­tive Zusammensetzung (dummklug, Freundfeind) oder durch ein attri­butives Verhältnis (häßliche Schönheit). Weinrich faßt „das klassische Oxymoron" als kühne Metapher mit geringer Spannweite auf, wie etwa närrische Weisheit (Oberbegriff: geistiger Zustand).1 Auch die Wort­gruppe schwarze Milch (siehe S. 216) sei in ihrer Widersprüchlichkeit gleichzeitig kühne Metapher und Oxymoron.

 

2) Unter Zeugrria (griech. Zusammenjochung) verstehen wir die bewußte Vereinigung begrifflich unvereinbarer Wörter, grammatisch durch gleichartige Satzglieder ausgedrückt. Sie (diese Wörter) können durch ein gemeinsames Verb oder Adjektiv verbunden sein, sie können aber auch unverbunden als bloße Aufzählung aneinandergereiht sein.

Am häufigsten entsteht semantische Unverträglichkeit bei der Ver­bindung zweier Substantive durch ein gemeinsames Verb. Unverträg­lich ist sie deswegen, weil das Verb mit dem einen Substantiv in wört­licher, mit dem andern aber in übertragener Bedeutung verwendet wird; oder auch, weil das Verb mit dem einen Substantiv eine freie syntaktische Gruppe, mit dem andern hingegen eine phraseologische Fügung bildet u.ä. In allen Fällen entstehen Komik und Satire durch die gleichzeitige Realisierung unterschiedlicher lexischer Bedeutungen: Er brach das Siegel auf und das Gespräch nicht ab (Chamisso, Peter Schlemihls wundersame Geschichte).

Unvorhersehbare Verbindung zweier Substantive durch ein Adjek­tiv: Die Stadt Göttingen, berühmt durch ihre Würste und Universität... (Heine, Die Harzreise).

 

3)    Die eben angeführte Schlußpointe wird durch den sog. Schlagsatz weiter ausgebaut — auch dies ein Lieblingsmittel von Heines Satire. Es handelt sich demnach wieder um eine scheinbar widersinnige Aus­sage — eine Satzgruppe oder einen ganzen Satz, die durch ihren Inhalt dem Vorangehenden widersprechen und es null und nichtig machen sollen. Die niederschmetternde Wirkung des Schlagsatzes besteht ge­rade in seiner unerwarteten Angliederung an einen Satz oder mehrere Sätze entgegengesetzten Inhalts.

Bekannt sind die Schlagsätze als Stilmittel der Satire in Heines Prosa, z.B. in der „Harzreise". Die Stadt [Göttingen] selbst ist schön und gefällt einem am besten, wenn man sie mit dem Rücken ansieht. Oder ebenda: ... und nur die alten Professoren bleiben stehen in dieser allge­meinen Bewegung, unerschütterlich fest, gleich den Pyramiden Ägyp­tens... nur daß in diesen Universitätspyramiden keine Weisheit verbor­gen ist.

 

Auch die sog. Falschkoppelung beruht auf scheinbar widersin­niger Zusammenstellung. Genauer gesagt, aus grammatischer Sicht ist die Verbindung tatsächlich unrichtig, insofern beispielsweise ein At­tribut vor ein Substantiv gesetzt wird, zu dem es logisch nicht paßt. Dem Inhalt nach würde es zu einem anderen, im Satz enthaltenen oder nicht enthaltenen Substantiv gehören. Das Merkwürdige an diesem Sti­listikum ist, daß es gewöhnlich als Witz entsteht, oft aber in den Sprach­gebrauch eingeht und so völlig abblaßt, daß die ursprüngliche scherz­hafte Widersinnigkeit nicht mehr als solche empfunden wird.

Im Volksmund ist z.B. die Falschkoppelung ein möblierter Herr (ein Herr, der ein möbliertes Zimmer sucht), entstanden •— eine For­mulierung, die, an Haustoren angebracht, die Aufmerksamkeit der Vorübergehenden auf sich lenken sollte. Allmählich gewöhnte man sich an diese Witzbildung und verwendete sie ohne weiteres, sogar in Zeitungsannoncen.

 

 

Stilbruch

 

Zu dieser Gruppe zählen wir ständige Mittel von Humor und Satire, die zwar auf Lexik und Phraseologie zurückgehen, aber dennoch nur im Satz- und Großzusammenhang zur Geltung kommen.

Der Stilbruch erwächst aus dem N ich teintreffen des Erwarteten, daher kann er in unterschiedlichen Erscheinungsformen zutage treten. Aber immer handelt es sich um irgendeine überraschende Abweichung von der üblichen Sprach- und Stilnorm.

 

7.   Rezension

Der DUDEN vermerkt unter dem Stichwort Rezension: „1. kritische Besprechung eines Buches, einer wissenschaftlichen Veröffentlichung, künstlerischen Darbietung o. ä., bes. in einer Zeitung od. Zeitschrift [...].“ Eine Rezension ist in der Regel eine schriftliche aber auch in Funk und Fernsehen mündlich veröffentlichte Form einer Kritik, die einen bestimmten Gegenstand eines abgegrenzten Themenfeldes behandelt. Rezensionen informieren über Texte und Medienereignisse und bieten dem Leser kritisch wertende Bespre­chungen dichte­rischer oder wissenschaftlicher Werke, von Theater-, Film- und Fernsehaufführun­gen, Kon­zerten usw. Rezensionen sind häufig bis zu drei Seiten eher knapp gehalten. Die Rezension ist eine Textsorte unter der Rubrik „Kritik“. „Die in den öffentli­chen Medien in verschiede­nen Formen geübte Kritik an politischen, wirtschaftli­chen und kulturellen Vorgängen dient der öffentlichen Mei­nungsbildung; die Kritik soll von der Sachinformation deutlich getrennt und unterscheidbar sein.“(dtv-Lexikon)

Von Rezensionen abzugrenzen sind hingegen bloße Zusammenfassungen des Inhalts einer Veröffentlichung, die ohne Wertung auskommen und als Abstract oder Referat bezeichnet werden.

Eine gute Rezension besteht immer aus zwei Teilen:

Inhaltliche Darstellung: Was sind die Argumente des Autors? Wie hinterlegt er diese? Stellt er Thesen auf?
Eigene Stellungnahme: Was ist eure Meinung dazu? Macht der Autor Argumentationsfehler? usw.

Wichtig: Diese beiden Teile müssen auch immer klar getrennt ersichtlich sein. Das heißt, jemand der eure Rezension liest muss wissen was aus dem gelesenen Text stammt und was eure Meinung über den Text ist! 

Aufbau einer Rezension:

1.   Datenvorspann: Autor, Titel, Verlag, Erscheinungsjahr, Umfang, Preis; ggf. Zielgruppe

2.   Inhaltswiedergabe: Personenkonstellation, Handlungsübersicht, Problemschwerpunkte

3.   Darstellungsformen: Erläuterungen zu den benutzten Darstellungsmitteln, Auffälligkeiten der Gestal­tung, medienspezifischen Formen

4.   Einbau in Zusammenhänge: Stellung im Zusammenhang des Gesamtwerks, Hinweise auf den Autor, Zusammenhänge mit der Entstehungsepoche, Stellung im Traditionsstrom der Probleme und Figuren

5.   Kritik: Eindrücke aus der Rezeption, subjektive Wertung, Urteil mit Begründung, Hinweise auf die aktuelle Diskussion des Werks; abschließende Empfehlung

6.   Vorschlag zur Leseprobe: begründete Auswahl und Vortrag einer typischen Stelle des Textes, Hinweise auf zu beobachtende Aspekte, eigene Kommentierung; Provokation von Fragen und Diskussion.

(fachdidaktik-einecke)

+ persuasiv-appellative Funktion

8. Stil der Publizistik/Presse

Dieser Stil wird auch Stil des Journalismus oder etwas abwertend Zeitungsdeutsch genannt, aber auch Sprache der Medien bedeutet nichts anderes als der Stil der Publizistik/Presse. Dieser Stil ist nicht – wie die anderen Funktionalstile – nach einheitlichen Kriterien definier- und abgrenzbar. Die sprachlichen Äußerungsformen sind hier sehr vielfältig, aber sie alle haben zum Ziel, den Leser (bzw. Hörer) schnell und überzeugend zu informieren, ihn zu bestimmten Handlungen zu bewegen oder ihn zu unterhalten. Folgende stilistische Mittel finden sich für diesen Funktionalstil:

      a. Bildhaftigkeit der Wortwahl, Wortspiele und umgangssprachliche Wörter/Wendungen; hinzu kommt die Verwendung allgemein verständlicher, massenwirksamer lexikalischer Mittel wie z.B. "modische" Fremdwörter Jargonsimen und Neologismen, z.B.:

· Krisen-Charmeur für Bundeskanzler

· Ghostwriter der Gefühle für professioneller Liebesbriefschreiber (Beispiele aus "Die Woche",03,Nr.8).

· Kostenkiller unterm Kreuz für Rationalisierungsmaßnahmen bei der Kirche (Artikelüberschrift in "Der Spiegel", 03, Nr.06).

     b. besondere, oft unkomplizierte Syntax: Aufzählungen, attributive Blöcke, verschiedene Satztypen; gelegentlich unübliche kommunikative Wortfolge, durch die eine besonders große Einprägsamkeit erzielt werden soll; damit wird zudem in vielen Überschriften an den Leser appelliert, den entsprechenden Artikel zu lesen, z.B::

· Schuld und Sühne

· Der Hai und sein Kätzchen

· Porentief rein?

· Und raus bist du... [Artikelüberschriften in einer Wochenzeitschrift])

     a. sachlich und psychologisch richtig motivierte Verwendung stereotyper Ausdrücke  wie ideologische Begriffe und Klischees, z.B.:

· Das Milosovič-Tribunal, der größte Kriegsverbrecher-Prozess sein Nürnberg, weckt Hoffung auf eine neue globale Ethik.

· Europäische Politiker drängten auf den Respekt vor internationalen Konventionen, George W. Bush suchte sich zu entziehen und neues Recht zu schaffen, das Recht der Starken [Beispiele aus "Die Woche", 02, Nr.8).]

 „Warnungen vor Stilblüten, eintönigen Modewörtern. Archaismen und Euphemismen ... . scheinen in jedes Handbuch des Journalismus zu gehören. Die Medien sind für ihre Stilblüten geradezu bekannt, endlos die Listen der Negativbeispiele“ (Göttert, 271

 

 

9.  Feste Wortkomplexe

 

 Die semantische Klassifikation von V.V.Vinogradov

4 Typen von Phraseologismen:

1)      Phraseologische Ganzheiten/Zusammenrückungen – opake Idiome, die vollig unmotiviert und unzerlegbar sind: j-n im Stich lassen.

2)      Phraseologische Einheiten – motivierte Idiome, die infolge der Bedeutungsbertragung entstanden und semantisch durchsichtig sind: auf dem Trockenen sitzen.

3)      Phraseologische Verbindungen:  j-m Hilfe/Unterstützung/ Widerstand leisten

4)      Phraseologische Ausdrücke oder festgeprägte Sätze mit Umdeutung: wer zuletzt lacht, lacht am besten.

 

Die strukturell-semantische Klassifikation von I.I.Cernyseva

Die Kriterien zur Identifizierung fester Wortkomplexe:

1)      Grammatische (syntaktische) Struktur

2)      Verknüpfungsart der Konstituenten

3)      Bedeutung

4 Klassen fester Wortkomplexe:

       I.            Phraseologismen

    II.            Phraseologisierte Verbindungen

 III.            Modelierte Bildungen

 IV.            Lexikalische Einheiten

Die I. Klasse hat 2 Merkmale: singuläre Verknüpfung der Konstituenten und semantisch transformierte Bedeutung (übertragene oder erweiterte). Dies sind phraseologische Wortfügungen oder (echte) Phraseologismen.

Die Subklasse Ia erfasst die FWK (Wortverbindungen bzw. Wortgruppen), deren Bedeutung auf Grund der semantischen Transformation des gesamten Konstituentenbestandes entsteht, z.B.: etw. an den Nagel hängen (etw. aufgeben: seinen Beruf ~); im Eimer sein (kaputt, zerstört sein); der rote Faden (der Grundgedanke); in Hülle und Fülle (sehr viel, im Überfluss).

Die Subklasse Ib enthält die FWK (Sätze bzw. prädikative Verbindungen), deren Bedeutung auf dem Wege der Bedeutungsübertragung bzw. –erweiterung zu Stande kommt, z.B.: Stille Wasser sind tief; der gerade Weg ist der kürzeste; j-m ging ein Licht auf.

Die Subklasse Ic gehren die Wortkomplexe, die durch singuläre Verknüpfung einer semantisch transformierten (übertragenen) Konstituente entstehen. Die andere Konstituente ist nicht übertragen, z.B.: eine ägyptische (sehr tiefe, vollkommene) Finsternis; ein blinder (ungezielter) Schuss; ein blinder Passagier (der unberechtigt mitfährt, Schwarzfahrer).

Für die II. Klasse ist die serielle Verknüpfung einer semantisch transformierten Konstituente mit Lexemen in der eigentlichen Bedeutung charakteristisch, z.B.: j-m Hilfe/Unterstützung/ Widerstand leisten; bei j-m hohes Ansehen/Vertrauen/Achtung genießen; blinde Fenster/Türen.

Die III. Klasse ist durch modellierte Verknüpfung der Konstituenten und eine modellierte Semantik gekennzeichnet. Den modellierten Bildungen liegt ein Modell mit typisierter Semantik zu Grunde: ein Mann von Charakter; ein Berg von einem Zuchtbullen; ein Gedicht von einem Hut.

Zur IV. Klasse gehören lexikalische Einheiten mit singulärer Verknüpfung der Konstituenten, die die eigentliche lexikalische Bedeutung bewahren: der Hohe Norden; der Nahe Osten; das Schwarze Meer; Nationales Olympisches Komitee.

 

 

10. Termini, Berufslexik, Berufsjargonismen

1.Die stets vorwärtsschreitende wissenschaftlich-technische Revolution sowie die beständig wachsende Anteilnahme der Menschen an Vorgängen in Kunst und Kultur führen als soziologische Voraussetzungen zu linguostilistischen Folgerungen: zur steigenden Relevanz der Fachlexik in sämtlichen kommunikativen Bereichen des Gesellschaftsverkehrs. Die mündliche und schriftliche Rede der Menschen gewinnt ein natürliches professionelles Kolorit.

Unter Fachlexik fassen wir folgende charakterologische Untergruppen zusammen: deutsche und fremdsprachige Termini; funktionalstilistisch gefärbte Lexik nichtterminologisher Art(z.B. Adverbien und Präpositionen, deren Gebrauch sich nur auf bestimmte Stile und Substile beschränkt, wie etwa verbindlichst(danken); zwecks, behufs, u.ä)

Berufslexik: dazu kommen die Berufsjargonismen als emotionale (scherzhafte oder satirische) Synonyme zur neutralen Fachlexik. Dass die professionelle Kolorierung ein Element des sozialen Kolorits bildet, braucht kaum bewiesen zu werden.

2. das Interview mit Fachleuten

- ein Pressegenre (Textsorte) von ausgeprägtem natürlichem Berufskolorit. Lebensnahe Begriffe und ihre Benennungen werden dem Nichtfachmann erläutern.

Beispiele: Herr Doktor, heiβt es nun Parodentose oder Parodontose?- In der Zahnmedizin hat man sich für das griechische Parodontose entschieden.- Parodontose, das heiβt doch Zahnausfall? – Paradontose ist nur eine Form der Zahnbetterkrankung. Viel häufiger aber sind die entzündlichen Erkrankungen, nämlich die Parodontitis… Wenn man sich nicht in Behandlung begibt, kommt es zu Zahnausfall… .

Bemerkenswert, dass zahlreiche Fachausdrücke neben ihrem professionellen Kolorit auch nationales Kolorit aufweisen.

3. In der Berufslexik macht sich die Tendenz zur Sprachökonomie bemerkbar und damit im Zusammenhang auch gelegentlich ein Übergang zum emotionalen Synonym, zum Berufsjargonismus. So z.B. ist im Wortschatz der Journalisten Manus als Kurzform von Manuskript enstanden, Gänse als scherzhafte Abkürzung von Gänsefüβchen, im Schnitt (Durchschnitt). Der Hang zur Kürze verwicht oft die Grenze zwischen dem Fachwort und dem Berufsjargonismus. Dem Nichtsportler könnte der folgende Satz Schwierigkeiten bereiten: Im Zweier ohne waren die DDR- Crews (Schiffsmannschaft) nicht zu schlagen, auβerdem holten sie sic him Zweier mit und im Vierer ohne zweite Plätze. Die Dresdener Crew wurde zum Goldboot, zum Traumvierer.

Professionelle Jargonismen sind für Angehörige anderer Berufe nicht immer verständlich: Schusterjunge- die erste Zeile eines neuen Absatzes, die noch auf die vorangehende Seite kommt.

11. Historismen und lexische Archaismen

Primäre stilistische Funktion- die Prägung des Zeitkolorits.

Als Archaismus wird ein Wort bezeichnet, dessen Gebrauchshäufigkeit abnimmt und das von den Sprechern einer Sprachgemeinschaft als altmodisch empfunden wird. Archaismen werden aber noch von einigen (vor allem älteren) Sprechern verwendet und sind vielen Sprechern geläufig, sie gehören zu deren passivem Wortschatz.

Als Historismus bezeichnet ein im 19. Jahrhundert verbreitetes und teilweise noch ins 20. Jahrhundert nachwirkendes Phänomen, bei dem man auf ältere Stilrichtungen zurückgriff und diese nachahmte.

Beispiel: “Kabale und Liebe” Schiller: Luise. Wollen Sie mich akkompagnieren, Herr von Walter, so mach’ ich einen Gang auf dem Fortepiano. - Sie öffnet den Pantalon (im ersten Viertel des 18.Jahrhunderts entstanden. Ein klavierartiges Instrument)

Beispiel: “Lotte in Weimar” Th.Mann: Mit der ordinären Post von Gotha waren im Gasthof “Zum Elefanten” drei Frauenzimmer angekommen; eines davon war die Kammerkatze, die sich von dem Schwager verabschiedete.

Schwager- Historismus- Postkutscher

Frauenzimmer-Archaismus- war bis in die ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts allgemein schriftdeutsch auch für vornehme Frauen gebräuchlich.

Ordinären - alltäglich

·        Oft Wörter und Wendungen verschwinden aus der gesamten Sprache nicht auf einmal. Sie können aus der neutralen Literatursprache abgehen, aber in einzelnen sozialen oder territorialen Dialekten sowie in der volkstümlichen Umgangssprache als gängige Lexeme bleiben.

Historismen und lexische Archaismen können auch eine funktionale Sphäre des Sprachverkehrs charakterisieren.

·        Am längsten halten sich veraltende und veraltete Ausdrücke im offiziellen Verkehr, so z.B. weiland(= verstorben)

Weiland dem Präsidenten des Gerichtshofes

·        Eine weitere stilistische Verwendungsmöglichkeit der polyfunktionalen Historismen und lexischen Archaismen steht im Dienst von Humor und Satire:

Die Stadt Göttingen, berühmt durch ihre Würste und Universität, gehört dem Könige von Hannover und enthält 999 Feuerstellen, diverse Kirchen…(H.Heine, Die Harzreise)

·        Zu stilistischen Zwecken können Historismen und Arhaismen in unterschiedlichen kommunikativen Bereichen gebraucht werden.

·        Im Stil der Alltagsrede sind gelegentlichHistorismen und Archaismen als harmlose Parodisierung altertümlicher Ausdrucksweise anzufretten.

12. Historismen und lexische Archaismen

Primäre stilistische Funktion- die Prägung des Zeitkolorits.

Als Archaismus wird ein Wort bezeichnet, dessen Gebrauchshäufigkeit abnimmt und das von den Sprechern einer Sprachgemeinschaft als altmodisch empfunden wird. Archaismen werden aber noch von einigen (vor allem älteren) Sprechern verwendet und sind vielen Sprechern geläufig, sie gehören zu deren passivem Wortschatz.

Als Historismus bezeichnet ein im 19. Jahrhundert verbreitetes und teilweise noch ins 20. Jahrhundert nachwirkendes Phänomen, bei dem man auf ältere Stilrichtungen zurückgriff und diese nachahmte.

Beispiel: “Kabale und Liebe” Schiller: Luise. Wollen Sie mich akkompagnieren, Herr von Walter, so mach’ ich einen Gang auf dem Fortepiano. - Sie öffnet den Pantalon (im ersten Viertel des 18.Jahrhunderts entstanden. Ein klavierartiges Instrument)

Beispiel: “Lotte in Weimar” Th.Mann: Mit der ordinären Post von Gotha waren im Gasthof “Zum Elefanten” drei Frauenzimmer angekommen; eines davon war die Kammerkatze, die sich von dem Schwager verabschiedete.

Schwager- Historismus- Postkutscher

Frauenzimmer-Archaismus- war bis in die ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts allgemein schriftdeutsch auch für vornehme Frauen gebräuchlich.

Ordinären - alltäglich

·        Oft Wörter und Wendungen verschwinden aus der gesamten Sprache nicht auf einmal. Sie können aus der neutralen Literatursprache abgehen, aber in einzelnen sozialen oder territorialen Dialekten sowie in der volkstümlichen Umgangssprache als gängige Lexeme bleiben.

Historismen und lexische Archaismen können auch eine funktionale Sphäre des Sprachverkehrs charakterisieren.

·        Am längsten halten sich veraltende und veraltete Ausdrücke im offiziellen Verkehr, so z.B. weiland(= verstorben)

Weiland dem Präsidenten des Gerichtshofes

·        Eine weitere stilistische Verwendungsmöglichkeit der polyfunktionalen Historismen und lexischen Archaismen steht im Dienst von Humor und Satire:

Die Stadt Göttingen, berühmt durch ihre Würste und Universität, gehört dem Könige von Hannover und enthält 999 Feuerstellen, diverse Kirchen…(H.Heine, Die Harzreise)

·        Zu stilistischen Zwecken können Historismen und Arhaismen in unterschiedlichen kommunikativen Bereichen gebraucht werden.

·        Im Stil der Alltagsrede sind gelegentlichHistorismen und Archaismen als harmlose Parodisierung altertümlicher Ausdrucksweise anzufretten.

13. Stil der Alltagsrede

Die gesellschaftliche Funktion dieses Stils ist die sprachliche Gestaltung des alltäglichen Sprachverkehrs in der nicht offiziellen Sphäre der gesellschaftlichen Kommunikation. Die Kommunikation wird mündlich realisiert.

Die Alltagssprache ist ein ganz besonderes stilistisch homogenes funktionales System, das von der Literatursprache abgesondert ist. Die Literatursprache kann sich so stark von der Umgangssprache unterscheiden, dass man von zwei verschiedenen Sprachen sprechen muss. Jedoch ist die Grenze zwischen der Literatursprache und Umgangssprache nicht scharf, verschwommen. Die Umgangssprache liegt nicht außerhalb der Literatursprache.

Zwei Abarten der Nationalsprache werden gemeint. Nicht zufällig ist die Alltagslexik stilistisch so charakterisiert: salopp, grob, vulgär. Die Stilfärbung literarisch-umgangssprachlich ist die Brücke zwischen der Literatur- und Alltagssprache. Als Realisierungsformen der Alltagssprache gelten Meinungsaustausch privater Natur, Urteile über die Geschehnisse und Vorgänge in der Welt und in der nächsten Umgebung.

Für die Umgangssprache sind die besonderen Bedingungen charakteristisch. Im alltäglichen Verkehr ist das der unmittelbare Kontakt zwischen Gesprächspartnern. Der Dialog ist hier die Hauptform des Redeverlaufs. Der Sprachverkehr zwischen den Partnern erfolgt direkt, ohne dass der Äußerung ein längeres Nachdenken vorausgeht und deshalb ist die Lexik nicht im voraus gewählt. Der Charakter der Äußerung hat nichts offizielles an sich. Eine große Rolle spielt die Sprechsituation und die nicht sprachlichen Mittel: Mimik, Gestik, die Reaktion des Gesprächspartners. Solche sprachlich nicht lexikalischen Mittel wie emotionelle Information, Betonung, Pausen, Sprechtempo, Rhythmus spielen nicht die letzte Rolle bei der Verwirklichung des alltäglichen Sprachverkehrs.

Die stilprägenden (stilbildenden) Züge der Alltagsrede sind: Ungezwungenheit, Lockerheit, Konkretheit, emotionale Expressivität, Subjektivität und Knappheit des Ausdrucks.

Die stilistischen Elemente ergeben sich aus den Besonderheiten der Stilzüge. Für umgangssprachliche Lexik sind mannigfache Schattierungen der expressiven Stilfärbung (oft gesenkter) typisch (spinnen, Birne – Kopf, Fresse – Fratze, auch Mundartwörter, Modewörter (fantastisch, kolossal, prima), Schimpfwörter (Vollidiot), Groblexik, Flickwörter, Modalwörter, Partikeln, spezielle fragenartige Ausdrücke, die keine eigentliche Fragefunktion erfüllen: Nicht wahr? Stimmt! Charakteristisch für die Alltagsrede sind Schwammwörter, d. h. Wörter ohne konkrete Bedeutung, die als Ersetzung anderer Wörter dienen. Sie sind bequem, weil man bei ihrem Gebrauch nicht auszuwählen braucht, sie sind immer bei der Hand: Ding, Sache, Zeug (YD. Devkin 1973).

Die Umgangssprache zeichnet sich nicht nur durch die Expressivität der Lexik, sondern auch der Syntax aus: Bevorzugung elliptischer, unvollständiger Sätze, eingliedriger Sätze verschiedenen Typs, Wiederholung von Wörtern, Anakoluth, folgewidrige Satzfügung, Lockerung und Störung der syntaktischen Verbindung zwischen den Teilen einer Aussage. Das ist allgemeine Tendenz zur Auflockerung des Satzbaus in der Umgangssprache. Nebensätze werden oft als gewöhnliche Hauptsätze gestaltet, womit eine allgemeine Tendenz zur Vermeidung der Hypotaxe erkennbar ist. Relativ selten werden Passivsätze gebraucht. Das lässt sich dadurch erklären, dass die Alltagsrede immer persönlich gefärbt ist. Die Morphologie weist bestimmte Besonderheiten auf: Pluralformen auf -s (Mädels, Jungs), Ersatz der Genitivform durch die präpositionale Form (der Vorschlag vom Vater). Eigenartig ist auch der Gebrauch der Zeitformen: sehr oft Perfekt statt Präteritum, das Futurum wird selten gebraucht usw.

Die Alltagssprache ist bildlich. Bewertende Epiteta, bildhafte Vergleiche, Methaphern, Methonymien, Hyperbeln sind oft anzutreffen. Sie dienen meistens zum Ausdruck der emotionellen Einschätzung des subjektiven Verhaltens.

Die Umgangssprache erfüllt außer ihrer direkten Funktion als Verkehrsmittel auch noch andere Funktionen: in der schönen Literatur dient sie zur Schaffung vom sprachlichen Porträts, zur realistischen Darstellung des Lebens in einem bestimmten sozialen Milieu und als stilisierendes Mittel im erzählenden Teil eines Buches. Durch die Gegenüberstellung der gesenkten und gehobenen Lexik kann ein komischer Effekt erzielt werden.

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Seine gesellschaftliche Funktion ist die sprachliche Ge¬staltung des alltäglichen Sprachverkehrs in der nicht offi¬ziellen Sphäre der gesellschaftlichen Kommunikation. Die Kommunikation wird dabei vorwiegend mündlich re¬alisiert. Einige Stilforscher fassen diesen Stil als „sprachliche Äusserungen des Alltags" [57, S. 139] auf. Als Realisierungsformen gelten Mitteilungen und Berichte, Meinungsaustausch privater Natur, objektive und subjek¬tive Feststellungen, Urteile über die Geschehnisse und Vorgänge in der Welt und in der nächsten Umgebung usw. Für den alltäglichen Sprachverkehr ist der unmittelbare Kontakt zwischen Gesprächspartnern charakteristisch, der Dialog ist hier die Hauptform des Redeverlaufs.

I. Zu den extralinguistischen Stilzügen der Alltagsrede gehören: ihre Konkretheit, die Ungezwungen¬heit und eine bestimmte Nachlässigkeit. Die Ungezwun¬genheit der Sprechweise zeigt sich in der geringen Selbst¬kontrolle und Selbstbeherrschung, in einer entspannten Gesamthaltung der Sprecher [37, S. 254—255]. Die Subjek¬tivität, die Knappheit des Ausdrucks, der dynamische Ver¬lauf der Gespräche, die emotionale Expressivität sind wei¬tere wesentliche Charakteristika des Alltagsstils.

II. Linguistische Stilzüge ergeben sich aus den Besonderheiten extralinguistischen Charakters. In der lexischen Seite der Alltagsrede sind das: zahlreiche Wörter und Wendungen aus unteren Sprachschichten mit umgangssprachlicher Färbung; Mundartwörter; Lieblings- ¬und Modewörter; Schimpfwörter und Groblexik; seltener Gebrauch von Fremdwörtern, eine beschränkte Verwen¬dung von abstrakten Substantiven; Vorhandensein spe¬zieller Wörter, die E. Riesel „Flickwörter" [52, S. 83] nennt. Darunter versteht sie: Modalwörter: gewiss, natürlich, sicher, klar, bestimmt usw.; Partikeln (verstärkende, beja¬hende, verneinende u.a.): ja, doch, wohl, aber, nun; Interjektionen (междометие) als Gefühlsäußerungen aller Art; spezielle Frageausdrücke, die keine eigentliche Fragefunktion erfül¬len: Nicht wahr? Stimmt?; viele Adverbien: hin, her, her¬über, herauf u.a.m. Charakteristisch sind hier auch „Schwammwörter", d.h. Wörter ohne irgendwelche kon¬krete Bedeutung, die als Ersetzung verschiedener Wörter dienen können. Sie sind bequem, weil man bei ihrem Gebrauch nicht auszuwählen braucht, immer bei der Hand, z.B. Ding, Sache, Zeug, machen, tun, nett, großartig u.a. [52, S. 69—70]. Im allgemeinen bevorzugt die Alltagsrede Wörter, die in ihrer Struktur einfach und in ihrer Semantik konkret und anschaulich sind; vielgliedrige Komposita, komplizierte Ableitungen (auf -ung, -keit, -heit) sind für sie nicht cha¬rakteristisch.

An der grammatischen Seite des Stils lassen sich gleich¬falls bestimmte typische Merkmale feststellen: Vermeidung langer vielgliedriger und komplizierter Sätze; Bevorzu¬gung der Parataxe im Vergleich zu der Hypotaxe (гипотаксис, подчинение ( предложений ); Vor¬herrschen kurzer Aussagesätze, die als syntaktische Haupt¬form auftreten; Vorhandensein vieler Fragesätze, Ausru-fesätze, Aufforderungssätze; allgemeine Tendenz zur Auflockerung des Satzbaus. Sie äußert sich in folgenden Erscheinungen: Satzabbrüche, verschiedenartige elliptische Sätze (mit unvollständiger syntaktischer Struktur), mannigfaltige Variationen (Veränderungen) bis zur völ-ligen Verletzung der normativen Wortfolge, Nachtrags¬konstruktionen usw. Wegen der allgemeinen Tendenz zur Vermeidung der Hypotaxe werden oft Nebensätze als gewöhnliche Hauptsätze gestaltet, d.h. ohne Konjunktio¬nen und ohne Umbau der Wortfolge. Ein relativ seltener Gebrauch von Passivsätzen ist dadurch zu erklären, dass die Aussagen im Alltagsstil immer persönlich gefärbt sind. Nicht gebräuchlich sind auch solche komplizierten Konstruktionen, wie verschiedene Arten von Partizipialgruppen, Substantivgruppen usw. Was die einzelnen spezifischen Besonderheiten dieses Stils anbetrifft, kann man noch folgendes nennen: Plu¬ralformen auf -s: Mädels, Jungs; Ersatz der Genitivform durch die Verbindung „von + Substantiv": die Worte von Vater, der Vorschlag von ihm; Verwendung des Pronomens der statt er, die statt sie usw. Eigenartig ist in diesem Stil die Verwendung der verba¬len Zeitformen, wobei die grammatischen Regeln in dieser Hinsicht nicht streng befolgt und sogar gebrochen wer¬den. Für die Vergangenheit erscheint fast ausschließlich das Präteritum, selten ist das Futur. Eine breitere Verwen¬dung als sonst findet das Präsens, es kann situationsbe¬dingt verschiedene Zeitstufen bezeichnen. Die Alltagsrede ist sehr stark durch die Mittel des bild¬lichen Ausdrucks gekennzeichnet. Sie zeigt eine starke Tendenz zu expressiver Ausdrucksweise, „zur Erhöhung der emotionalen Wirkung" [52, S. 221]. In der Alltagsrede findet man unzählige bewertende Epitheta, bildhafte Vergleiche, Hyperbeln, Metaphern u.a. Sie dienen der Anschaulichkeit, der emotionalen Einschätzung, aber auch zum Ausdruck der persönlichen Einstellung oder des subjektiven Verhaltens. Der folgende Text enthält viele Merkmale des Alltagsstils:

„Wenn die Leute hören, dass wir zu Hause elf Kinder sind, werden sie neugierig. Und sie stellen immer dieselben Fragen und staunen dann jedesmal, wenn wir erzählen, dass wir jeden Tag zwei Vierpfundbrote einkaufen, freitags sogar fünf, und dass wir für ein Mittagessen einen Eimer Kartoffeln schälen müssen. Für uns ist das normal, wir sind eben 13. Allerdings ist unsere Familie in den letzten Jahren zusammengeschrumpft (schrumpfen - сокращаться). Klaus und Ingeborg haben geheiratet und wohnen nicht mehr bei uns. Dafür bin ich schon dreimal Onkel, komisch, was? Als nächste müsste Marion die Koffer packen. Sie sagt zwar, sie habe noch keine Lust zum Heiraten, aber mit 19 ist man da nie sicher. Dann kommen Eva (17), die bestimmt froh sein wird, wenn wir ihr nicht mehr auf den

Wecker fallen (auf den Wecker fallen — надоедать кому-л. , быть настырным), und Angelik, die ist 16 und tut keinem was. Und schließlich wir sechs Schulkinder: Reinhard  (14), Detlef (13), ich,  Erik (10), Matthias (9) und Thomas (8).

Die drei großen Mädchen arbeiten in der Filmfabrik Wolfen und wollen dort ihren Facharbeiter machen. Da ist Vater hinterher. Er hat die drei nämlich in Reichweite, sie arbeiten alle zusammen in der Abtei¬lung S-Zellstoff... „Die Arbeit muss rollen“, sagt Vater immer, „das ist das Wichtigste.“ Klare Sache, dass er mächtig aufpasst, damit seine drei Töchter anständig mitrollen. Schon we¬gen der Familienehre... Mutti ist bestimmt genauso fleißig, aber sie ist nicht Aktivist, sondern Hausfrau. Sie hat von früh bis abends mit uns zu tun. Ist ja klar, wenn wir alle auf den Wecker fallen, wenn wir alle das Hemd wechseln, hängt der halbe Hof voll Wäsche." [30]

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Alltagsrede od. Alltagssprache: Kommunikation des nichtoffiziellen Alltagsverkehrs zur Uebermittlung persoenlicher oder sachlicher Informationen sowie zur Aeuszerung von Sprecher-Einstellungen zu Personen und Sachverhalten. In der Funktionalstilistik wird die A. als besonderer s. Funktionalstil (Stil der A.) gekennzeichnet. Charakteristisch fuer die A. sind die folgenden Stilzuege: Ungezwungenheit und Lockerheit, Subjektivitaet und Expressivitaet, Konkretheit und Bildhaftigkeit, Ausdrucksfuelle (Redundanz) und Ausdrucksoekonomie (situationsbedingte Ersparungen). Die - meist dialogisch gepraegte - A. ist in hohem Grade von der Gespraechssituation abhaengig; daneben spielen Bildungsgrad und sozialer Status der Kommunikationspartner eine bedeutende Rolle: Ne, wissen's die Mayern hat sich schon wieder solche Dinger gekauft! - Die Gleichsetzung von A. und Umgangssprache muss als fragwuerdig angesehen werden. Waehrend die Umgangssprache das vermittelnde Zwischenglied zwischen der Mundart und der Gemeinsprache darstellt, bezeichnet die A. die nichtoffizielle Form der Sprachverwendung.
Conrad; R. (Hrsg.). Lexikon sprachwissenschaftlicher Termini. Leipzig: VEB Bibliographisches Institut, 1985, 22.

Stil des Alltagsverkehrs. Beim Stil des Alltagsverkehrs ist die Hauptfunktion die 'ungezwungen-lockere Verstaendigung der Menschen im privaten Umgang' und ueber die private Sphaere hinaus im 'Nichtdienstlichen' (Riesel 1970, 63). Haeufig wird in diesem Zusammenhang auch der Ausdruck Umgangssprache (...) verwendet, worin die enge Verflechtung soziolektaler (sozialer), und funktionalstilistischer Differenzierung zum Ausdruck kommt. (...) Waehrend wir jedoch den Begriff Umgangssprache diachronisch als Ausgleichsprodukt von Mundart und Literatursprache und synchronisch als Existenzform de deutschen Sprache und damit systembezogen auffassen, bestimmen wir den Stil des Alltagsverkehrs (Alltagsstil) vorrangig situationsbezogen. (...)
Unter dem Aspekt des Typischen und Dominierenden zaehlen wir nach Riesel (1970) folgende Erscheinungen zum Kernbereich des Alltagsstils:
- Ungezwungenheit und Lockerheit der Rede als grundlegendes Stilmerkmal (z.B. Schwammwoerter, Flickwoerter, Lieblingswoerter, Modewoerter, Vulgarismen, Dialektismen usw., Satzabbrueche, Konstruktionswechsel, Nachtraege, Isolierungen;
- Polaritaet von Ausrucksoekonomie und Ausdrucksfuelle, von Sparsamkeit und Ueberfluss des sprachlichen Aufwands im Verhaeltnis zum Informationsgehalt der Aeuszerung (ausgepraegte Situationsbezogenheit und damit verbundene elliptische Auslassungen, Verkuerzungen, elliptische Bildungen einerseits und unkontrollierte bzw. tolerierte Redundanz in Form von Wiederholungen vieler Art, Einschaltungen, weitschweifige Umschreibungen usw. andererseits);
- Tendenz zur Emotionalitaet der Rede (durch Verwendung expressiver Mittel der Uebertreibung, der Bildhaftigkeit, der Komik usw.).
Michel, G. Kleine Enzyklopaedie. Deutsche Sprache. Kap. 3.3. Grundzuege der Stilistik. Leipzig: Bibliographisches Institut, 1983, 488.

 

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