Emmi Pikler

Emmi Pikler (1902-1984)  sah bereits Säuglinge und Kleinkinder als eigenständige Wesen, dessen Signale aufgenommen und verstanden werden wollen. So entsteht ein Klima des gegenseitigen Vertrauens zwischen Pädagogin und Kind (vgl.: Pikler u.a. 2010 Vorwort). Die psychischen Grundbedürfnisse des Kindes nach sozialer Eingebundenheit, Kompetenz- und Autonomieerleben erfahren eine angemessene Befriedigung.

Das achtsame Verhalten der Pädagogin ist geprägt durch:

Stilles Beobachten
Ø     
im hier und jetzt             

Ø     
ohne Bewertung

So gelingt es, Impulse von Kindern zu erkennen um dann entsprechend auf ihre individuellen Bedürfnisse einzugehen. Feinfühligkeit fördert eine sichere Bindungsentwicklung. Sie ist die Basis, auf die sich alles aufbaut – Bindung und Bildung Hand in Hand.

Achtsame und feinfühlige Berührungen bedeuten “Du nimmst mich so an wie ich bin.“ Vielfältige Sinneseindrücke und Körperwahrnehmung werden geschult und bewusst erlebt. Der Blickkontakt vermittelt dabei dem Kind das Gefühl „Ich werde gesehen!“. Hinzu kommt eine gezielte sprachliche Begleitung der Abläufe und Gefühle. Das Kind erlebt den sprachlichen Dialog und antwortet auf seine Weise kompetent. Abläufe wie das Wickeln oder das Erlernen von körperbezogenen Kompetenzen (Bewegung, Essen, hin zur Unterhose usw.)  werden dem jeweiligen Entwicklungsstand und dem Erfahrungshorizont des Kindes angemessen begleitet. (Scaffolding, S. 136 BayBEP U3).

Die selbständige Bewegungsentwicklung des Kindes ist ein weiteres zentrales Prinzip der Pikler Pädaogik. Das Lernen in den ersten Lebensjahren des Kindes beruht im Wesentlichen auf der selbsttätigen Bewegungsentwicklung und bildet eine Grundlage für seine gesamte Persönlichkeitsentwicklung. Das Kind lernt nicht nur das Rollen, Kriechen, Sitzen, Stehen und Gehen, sondern es lernt auch das Lernen. (vgl.: Aly in Pikler 2001, S. 15)