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Der Snookerspieler

Der Snookerspieler an sich meidet das Tageslicht, er hält sich bevorzugt in dunklen Kellerräumen auf. Der Vermehrungsprozeß des Snookerspielers ist von der Wissenschaft noch nicht ausreichend ergründet worden. Selbst in Fachkreisen ist das "zur Welt kommen mit einem Stück Holz in der Hand" immer noch ein Phänomen. Hat jedoch der Snookerspieler nach der Geburt erst einmal eine bestimmte Körpergröße erreicht, trifft man ihn sehr häufig in seiner gewohnten Umgebung an: Dem Billardcenter ! Dort fällt das weißhäutige Lebewesen schon durch seine meist langsame Gangart am Tisch auf. Ähnlich einem Leoparden wittert er jedoch seine Chancen am Tisch und springt dann blitzschnell aus seinem Stuhl hoch, um sich seiner Lebensbestimmung zu widmen: Dem 147er, oder auch Maximum-Break, selbst wenn auch nur noch 10 Rote auf dem Tisch liegen......

Auffällig ist auch seine Faulheit am Tisch: Die Kreide wird immer am Körper getragen, um den Gang zur letzten Stoßposition, bei der er seine Kreide liegenlassen könnte, zu vermeiden. Außerdem stört ein auf der Tischkante liegendes Stück Kreide natürlich auch den Gesamteindruck des Spiels.
Überragend hingegen sind jedoch seine handwerklichen Fähigkeiten: Mit wenigen, schnellen Handgriffen liegt bei Bedarf das Hilfsqueue auf dem Tisch, oder das meistens eigene Queue wird mit entsprechenden Hilfsmitteln auf ein Vielfaches seiner eigentlichen Größe verlängert. Das alles geschieht in einer für den Betrachter schon fast unglaublich hohen Geschwindigkeit. Auch bei der Benutzung der anderen Hilfsgerätschaften erkennt man sein Geschick: Nur in seltenen Fällen tickt das hohe Hilfsqueue die anderen roten Kugeln an, oder das Holzdreieck verursacht nach dem Aufbauen seltsame blaue Flecken am Körper.


Im Gegensatz zum normalen Billardspieler neigt der Snookerer zu cholerischen Anfällen, die sich mit Queuewerfen und lautem Schreien Äußern. Auch seine psychische Belastbarkeit stößt schnell an seine Grenzen, so beobachtet man auf Turnieren sehr häufig den Griff nach dem Handtuch (meistens rechteckig und grün), mit dem er sich den Schweiß von den Händen trocknet. Ein Vorgang, der meistens nach dem Eröffnungsstoß des Gegners zu beobachten ist. Herausragende Eigenschaft des Snookerspielers ist es, gerade in der Anfangsphase eines Spiels seine schlotternden Arme und Beine mit "Hektischem um den Tisch laufen" zu Übertünchen. Interessant wird sein Verhalten, sobald sich ein enges Match dem Ende nähert: Hier nun stellt er fest, daß der Schiedsrichter schon im ersten Frame ein Foul seines Gegners nicht gesehen hat, oder eben gerade dieser sowieso nur mit mindestens oder sogar noch mehr Glücksstößen sein Punktekonto aufgestockt hat. An dieser Stelle nimmt der Snookerer dann meistens auch die technischen Gegebenheiten wahr, so zum Beispiel die viel zu langsamen Tücher oder den viel zu leichten Spielball, der im Zusammenhang mit dem sowieso völlig krummen Tisch keinen geraden Stoß erlaubt. Interessant ist dann auch der Gang weg vom Geschehen: Entweder verabschiedet er sich mit einem "war doch einfach; Kinderbillard" vom Tisch, oder er reißt beim abschließenden Handshake seinem Gegner mit den Worten "Schei...." fast den Arm ab, während er halb laufend zur Turnierleitung eilt, um sich möglichst ungesehen vom Turnierort zu entfernen.

Wieder im Heimatort angekommen, zeigt sich erst die eigentliche Stärke des Snookerspielers: Statt wie üblich auf dem Sofa liegend die Videoaufzeichnungen der letzten Profiturniere zu analysieren, eilt er schnellstmöglich in das örtliche Billardcenter, um seine Fähigkeiten, die sowieso nur durch seinen Gegner heruntergezogen worden sind, wieder auf das normale Niveau von regelmäßigen 80er und 90er Breaks zu heben. Vor den Augen seiner Vereinskameraden ist er gerade wieder einmal auf dem Weg zum Centurybreak, als bei 22 plötzlich die Mitteltasche einen Sprung zur Seite macht und die blaue Kugel von der Lochkante mit 180 km/h in die noch auf dem Tisch als Dreieck verbliebenen Roten knallt. Mit den Worten "Die Luftfeuchtigkeit ist heute schon wieder so hoch, daß ich bei jedem zweiten Ball einen `Kick` bekomme", packt er dann den Kugelsatz wieder ein und begibt sich, wie fast jeden Abend, an die Theke, wo er dann mit anderen Leidensgenossen die Taktik des Snookerspiels erörtert, bevor er über die technischen Feinheiten des Snookerspiels sinniert.......