Über mich(ael Laumen)
Ein blonder junger Mann an der Wand - lebensgroß, aus einzelnen Zeitungsseiten zusammengeklebt. Mit offenem Mund stand ich im Zimmer meiner wesentlich älteren Schwester und starrte auf den Starschnitt von Brian Conolly, dem Sänger von Sweet. Ich war gerade erst in der Schule und mit Musik hatte ich noch nichts am Hut. Doch jetzt war ich neugierig. Meine Schwester machte zwar viele komische Sachen, aber warum diese menschliche Tapete? Als Antwort kramte sie in ihrer Sammlung kleiner schwarzer Vinylscheiben, legte "Co-Co" auf und begann zu tanzen. "Futschi Kaka-Oh-Coco". Das war lustig, das konnte auch ich gleich mitsingen. Ein paar Tage später stand ich schon zusammen mit den Kindern aus der Nachbarschaft im Garten auf der "Bühne", einer alten Holzbank, und performte den Song unter Einsatz von alten Konservendosen und der großen Rührschüssel meiner Mutter als Bass-Drum. So kam ich zur Musik - und hatte unwissentlich an der Erstausgabe der Mini-Playback-Show mitgewirkt, lange bevor diese erfunden wurde.


Bald hatte auch ich meinen ersten Plattenspieler. Aus der kleinen Mono-Box dröhnten zunächst vorwiegend Smokie, Abba und Boney M. Der Mittwochsabend war heilig: Da kam stets Mal Sondock zu mir mit seiner "Discothek im WDR". Mit der Tanzschulzeit wurde auch ich zu einem kleinen "Jock Discy M.A.L." (was übrigens hervorragend zu meinen Initialen Michael Alfred Laumen passt). Ich stand bald mehr  hinter den Turntables als auf der Tanzfläche. Mein Händchen bei der Musikauswahl gefiel offensichtlich - und mir gefiel es, die "Crowd" in Bewegung zu bringen. Schnell merkte ich auch, dass Mikrofone nicht beißen. Erste Engagements als DJ bei Geburtstagen und Hochzeiten ließen nicht lange auf sich warten.

"Irgendwann kommst du mal zum Radio", orakelte Tanzlehrer Udo schon damals. Er sollte Recht behalten. Als der Lokalsender 1991 an den Start ging, wurde noch ein Volontär gesucht. Die Chance für mich, mein Hobby zum Beruf zu machen: Arbeiten mit Menschen und Musik. Journalistische Vorerfahrungen hatte ich ja auch schon, denn mein Psychologiestudium hatte ich mir als Schreiberling für eine Krefelder Wochenzeitung finanziert. Zudem konnte ich mittlerweile nicht nur Konservendosen in Schwingungen versetzen. Als Keyboarder und Sänger in verschiedenen Bands von Dance bis Rock (u.a. 1st X-perience) lernt man Publikumsanimation ganz nebenbei.

Und so durfte ich beim Sendestart von Welle Niederrhein gleich die Eröffnungsshow vor großem Publikum moderieren. Es folgten viele hundert Sendungen, vorwiegend als "Morning-Man". Mitte der 90er-Jahre zollte ich dann der Tatsache Trubut, dass ich eigentlich Langschläfer bin. Ich wechselte zum WDR Fernsehen. Die Lokalzeit läuft im Vorabendprogramm - das ist die deutlich bessere Zeit für mich. Seither arbeite ich dort in der Nachrichtenredaktion und bin auch regelmäßig als Sprecher "in air".

Die Wochenenden aber waren und sind für Live-Events geblockt. Nichts ist schöner als der Kontakt mit dem Publikum: Auf die Menschen und ihre Wünsche eingehen und dafür strahlende Gesichter ernten. Ein Geben und Nehmen. Das gilt für den Job als DJ - und auch für den des freien Trauredners. Wenn das Brautpaar verliebt und erwartungsvoll vor mir sitzt und ich dann eine Rede halte, die zündet, gehört das zu den schönsten Momenten im Leben - auch in meinem, auch nach nunmehr bereits über 100 erfolgreich gestalteten Zeremonien.

Darum bin ich dem Brautpaar sehr dankbar, dass mich 2011 als DJ verpflichtet hatte und mich Wochen später fragte, ob ich nicht auch ihre Trauung durchführen könne. Sie würden keinen geeigneten Redner finden. Ich zögerte erst, weil ich so etwas noch nie gemacht hatte. Aber dann überlegte ich: Das ist ja im Endeffekt eine Form von einfühlsamer und lockerer Moderation - und das kann ich. Also sagte ich zu und arbeitete mich in die Materie ein. „Sie haben ihren Beruf verfehlt“, sagte mir dann nach der Trauung eine sichtlich gerührte ältere Dame: „Sie hätten Pfarrer werden sollen.“ So weit wollte ich es zwar nicht kommen lassen, aber als freierTrauredner bin ich seither gerne und oft im Einsatz.

Eine intensive und gründliche Vorbereitung ist für mich selbstverständlich: Der Rest ist Intuition, Spontanität, Erfahrung - und immer wieder die große Lust, mit netten Menschen zusammen eine fantastische Veranstaltung auf die Beine zu stellen.

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