Cervantes said ...
 
 
 aus :      "  DER LIZENZIAT VIDRIERA  "     von Miguel de Cervantes
 
 
               Einst  ging ein Schauspieler  an ihm vorbei, der wie ein Fürst gekleidet war. Als Vidriera ihn erblickte, sagte er :
 " Ich  entsinne  mich, diesen Menschen auf dem Theater  gesehen zu haben; sein Gesicht war  mit Mehl gepudert, und er  hatte einen Schafpelz  verkehrt auf dem Leibe. Trotzdem aber schwört er  außerhalb der Bühne auf Schritt  und Tritt bei seiner Edelmannsehre. "
 
    
      " Er kann ja auch  ein Edelmann sein " ,  antwortete einer ,   " denn es gibt viele Schauspieler von hoher Geburt, die Edelleute sind ".
 
           " Das  ist  wohl war "  ,  versetzte Vidriera,  " das Possenspiel aber  hat nichts weniger nötig als Leute von hoher Geburt ; da braucht man artige, anständige Menschen  mit gewandter Zunge. Ich kann auch wohl von ihnen sagen, daß sie  ihr Brot  im   Schweiße  ihres Angesichts und  mit  unsäglicher  Mühe verdienen;  denn sie  müssen unaufhörlich  lernen, wie die Zigeuner  beständig von Ort  zu Ort ,  von Gasthof zu  Schenke  wandern und  Nächte durchwachen, um andere zu belustigen, da  ihr  eigner Vorteil in dem Vergnügen der andern liegt. Übrigens  haben sie auch  das Gute, daß sie  mit  ihrem Gewerbe  niemand betrügen, denn hin und wieder breiten sie  ihre Ware  auf  offenem Markte  aus, so daß alle Welt sie sehen und  beurteilen kann. Die Arbeit der Schauspieldichter  ist unglaublich, ihre Sorgen sind  außerordentlich, und sie  müssen viel verdienen, wenn sie  nicht am Schluß des Jahres so verschuldet  sein wollen, daß sie sich mit  ihren Gläubigern vergleichen müssen. Trotzdem sind sie dem Staat so notwendig wie Wälder , Lusthaine , schöne  Aussichten  und alle Dinge ,  die ein anständiges Vergnügen gewähren. "