Die Kathedrale


 

 

                       >>Die Kathedrale von Varna<<

 

                           

 

     Seit mehr als einem Jahrhundert erhebt sich im Zentrum Varnas die Figur der orthodoxen Kathedrale “Sveti Uspenie Bogoroditschno” (Heiliger Schlaf der Jungfrau Maria). Die Kathedrale, wie sie die Varnaer nennen, symbolisiert den Glauben und  verleiht der Meereshauptstadt Bulgariens das Gepräge.
 

Die Kirche ist das erste Denkmal, das erbaut wurde, Erinnerung zu verewigen und die russischen Soldaten und die Gefallenen für die Befreiung Bulgariens im Russisch - türkischen Krieg (1877 - 1878) zu lobpreisen.

        Nachdem Bulgarien unter die türkische Macht gefallen war, (Ende des 14. Jahrh.), waren ein großer Teil der bulgarischen Kirchen zerstört gewesen oder zu Moscheen umgebildet worden. Während dieser Zeit hatte Varna zum Bestand des griechischen Patriarchats gehört und ist Erzbischofsstadt gewesen mit griechischem  Bischof.  Die älteste, bis  heute erhaltene und tätige Kirche in Varna aus dieser Epoche, ist die im Jahre 1602 erbaute Kirche “Uspenie Presveta Bogoroditzi”.

        In den fünfziger Jahren des 19. Jahrh., und besonders nach dem Krimkrieg , haben sich in Varna viele Bulgaren angesiedelt, sind wohlhabend geworden und haben den Kampf gegen den Hellenismus in der Stadt aufgenommen.

 

 


 

   Am 11. Mai 1860 ist in Varna die orthodoxe Bekenntnisgemeinde gebildet worden, und im August gleichen Jahres hat eine bulgarische Schule ihre Tore geöffnet. Am Ende des Jahres 1860, nachdem sie erklärt hatten, daß sie die griechische Geistesmacht nicht anerkennen, haben sie eine Gelegenheit zum Bau einer Kirche,  in der bulgarische Geistliche dienen, gesucht.

          Um den Gottesdienst in bulgarischer Sprache abzuhalten, hatten sie die Unterstützung des russischen Vizekonsuls Alexander Ratschinski bekommen. Am 14. Februar 1865 ist die bulgarische Kirche eröffnet und eine göttliche Liturgie von den Geistlichen Konstantin Danovski und Iwan Gromov abgehalten worden. Die Kirche trägt den Namen des heiligen Erzengels Michael. 1871 ist in Zarigrad das Bulgarische Exarchat gegründet wurden. Durch ihre Volksvertreter haben die Varnaer verlangt, daß Varna Sitz des bulgarischen Erzbischofs und ins Bulgarische Exarchat aufgenommen wird. Als Erzbischof war Archimandrit Simeon mit dem Titel Varna- Preslaver Erzbischof ausgewählt worden. Die Residenz des Erzbischofs hatte sich bis zur Befreiung in Schumen niedergelassen, danach war sie nach Varna verlegt worden.



 

    Die Befreiung hat die Bulgaren in Varna ohne ansehnliche Kirche angetroffen. Sie haben die russischen Soldaten, die die Stadt befreit hatten,im Gebäude, in dem sich die Schule und die Kirche “Heiliger Erzengel Michael” befanden, begrüßt. Die Notwendigkeit, eine ansehnliche Kirche zu errichten, ist unumgänglich gewesen.

     Einen zusätzlichen Ansporn hatte der russische Imperatorskommissar Fürst Dondukov - Korsakov, der erklärte, daß die Bulgaren in Varna eine Kirche verdienten, deren es keine gleiche im Lande gäbe, gegeben. Fürst Dondukov - Korsakov hat seine Bereitschaft zur Hilfeleistung, sowohl von der Seite Rußlands, als auch vonseiten russischer Wohltätigkeitsorganisationen , ausgesprochen.

         Im Augenblick, als im freien Bulgarien die Grundlagen der Staatlichkeit, die Machtstrukturen errichtet wurden, hatten die Varnaer Stadtverwalter erkannt, daß der Moment herangereift war, die Rolle und den Ort der geistlichen Macht im Staate zu betonen. Zur Errichtung einer ansehnlichen Kirche in Varna war eine Kommission gebildet worden. Im Protokoll der ersten Versammlung steht geschrieben : “Laut Rat und Förderung  Seiner Hohen Eminenz Varna - Preslaver Bischof Simeon, hat am 8. November in der bestehenden Schule über der alten bulgarischen Kirche eine Versammlung stattgefunden, um über den Bau einer neuen Kirche zu beraten, die der Stadt Varna entspricht, und einer Schule, die als Ort der Realschule dient. Es ist eine achtköpfige Kommission gewählt worden mit folgenden Personen: Vorsitzender - Seine Hoheit Eminenz Varna - Preslaver Bischof Simeon und Mitglieder, die Herren Velitschko Christov, Perikli Haresov, Janaki Shekov, Anton Nedjalkov, Sava Markov, Gantscho Nenov und Christo Nejkov. Diese Kommission übernimmt die Aufgabe, Unterstützungsgelder zu sammeln und eine Kirche und eine Schule zu bauen.”


 

   

Am 4. Dezember ist die Kommission zusammengekommen und hat beschlossen,“daß die Kirche auf dem Platz bei der Stadtuhr errichtet wird.” Am 6. Dezember ist dieser Beschluß auf einer allgemeinen Versammlung in der bulgarischen Schule genehmigt worden, der Varnaer Stadtrat hat den auserwählten Ort zum Bau der Kirche genehmigt.

Am 2. August hat sich Fürst Alexander Battenberg. Fürst des Fürstentums Bulgariens, in der Stadt aufgehalten. Die Kommission hat ihm vorgeschlagen, den Plan für die Kirche anzusehen, indem sie ihm zwei Projekte zur Entscheidung vorlegte:

1. - Nach dem Modell der Peterhofskirche in St. Petersburg,
2.
 - ein Plan, von Architekt P. Kuppa vorgestellt.

Der Fürst hat die Peterhofskirche als Muster anerkannt, aber vorgeschlagen, die auserwählte Stelle für den Bau der Kirche zu ändern und sie auf dem leeren Terrain zwischen den damaligen Kasernen und dem neuen Viertel, wo größerer Raum vorhanden wäre und die Kirche von allen Seiten gesehen werden könnte, zu bauen.

Nachdem er den Ort für die zukünftige Kathedralkirche von Varna ausgewählt hatte, hat Fürst Alexander Battenberg die Richtung für die künftige architektonische Gestaltung und Entwicklung der Stadt angezeigt.

Der Fürst hat mit seiner Auswahl der Stelle unzweideutig unterstrichen, daß das Bulgarentum das Gepräge Varnas bestimmen wird.

      Fürst Battenberg hat persönlich den Wunsch geäußert, den Grundstein zu legen. Am 22. August 1880, nach feierlichen Bittgebet und Segensspruch des Bischofs Simeon und in Anwesenheit viele Bulgaren und Armenier, hat Fürst Alexander Battenberg mit speziell hergestellten silberner Hacke und Spaten den ersten Spatenstich ausgeführt. Im Protokoll aus diesem Anlaß steht geschrieben: “Heute, am 22. August 1880, Seine Hoheit, der Bulgarische Fürst Alexander I. hat geruht, an die zum Bau der Kirche bestimmte Stelle zu kommen, wo in Anwesenheit Seiner Hoheit Eminenz Varna - Preslaver Bischof Simeon, die Kommission, der Bezirksverwalter, der Stadtbürgermeister und einer Menge aus der Bevölkerung, nach gewöhnlichem Bittgebet, von seiner Hoheit Eminenz und der örtlichen Geistlichkeit, Seine Hoheit Fürst Alexander der I. den Grundstein der Kirche “Uspenie Presvetaja Bogoroditza” gelegt hat, und mit der Unterschrift Seiner Hoheit des Fürsten und der Kommission wird folgende Urkunde ausgestellt:

“Im Namen des Vater und Sohnes und heiligen Geistes, heute seit dem Heiland dem tausendachthundert und achtzigsten Sommer, Monat August, dem zwölften Tag, Freitag, zehn Uhr vormittags, nach Einverständnis aller Varnaer bulgarischen Bürger und mit der Segnung des Varna - Preslaver Erzbischof Simeon zur Zeit des Aufenthalts Seiner Hoheit des Bulgarischen Fürsten Alexander I., wird die Erhebung einer bulgarischen Kathedrale zum Andenken und zur Ehre der Uspenie Presvetaja Bogoroditza, zum Andenken an die unvergessene Bulgarische Wohltäterin  Ihre Hoheit der Allrussischen Imperatorin Maria Alexandrovna, der Tante des Bulgarischen Fürsten Alexander I., der geruhte, selber den Grundstein zu legen und die vorliegende Urkunde zu unterschreiben.”



 

   Zur Finanzierung des für die Maßstäbe der Stadt und der Eparchie riesigen Baues hat man  vor allem auf Spenden gehofft. Unter den größten Spendern sind die Varnaer Stadtverwaltung, Fürst Alexander Battenberg, Velitschko Christov und Erzbischof Simeon, Perikli Havesov, Janaki Shekov, Haralan Lefterov und andere gewesen. Um Mittel zu beschaffen, ist eine Tombola mit 150 000 Scheinen, verkauft im Lande und im Ausland, veranstaltet worden. Die Gesamtsumme  für die Errichtung der Kathedrale hat, laut Abrechnung der Kommission (1887 veröffentlicht) 324 524,88 Leva betragen.

       Am Bau der Kirche haben sich eine Reihe Meister beteiligt. Den bedeutendsten Beitrag hat der Varnaer Janko Kostandi geleistet. Im Mai 1884 hat die Kommission einen Vertrag mit dem bekannten Erbauer von Kirchen, Meister Gentscho Kantschev aus Trjavna unterschrieben, den Bau zuende zu führen. Der Bau der Kathedrale war Anfang Oktober 1885 beendet worden.

        Das verwendete Baumaterial ist einheimischen Ursprungs gewesen, die behauenen Steine sind von den abgerissenen Festungsmauern genommen worden.

     Für die Fassade haben Steine aus der Gegend um die Dörfer Ljuben Karavelovo und Kumanovo gedient, die inneren Säulen der Kathedrale sind aus festem Stein, in der Gegend Taschla Tepe, nordöstlich von Varna, gewonnen, errichtet worden.

       Die Steine für die Außensäulen unter den Fenstern waren von Russe geliefert worden. Aus Kalkstein Bigor hat man die Gewölbe gearbeitet. Zum Heben der schweren Steine haben zwei Hebemaschinen, eingeführt aus England, gedient. Der Dachteil und die Kuppeln sind mit Kupferblech verkleidet worden.



 


   Nach Vollendung der Kirche hat sich der Vorstand größe Mühe gegeben, sie einzurichten und und mit Malerei zu verzieren. Am 13. Juli 1886 hat er, zusammen mit Vertretern aller Zünfte, beschlossen, eine Meisterwerkstatt in Russe zu beauftragen, die Kirchenikonen anzufertigen - “Hl. Kiril und Methodi”, “Hl. Erzengel Michael”, “Hl. Pantelej”, “Jesus Christus”, “Hl. Andreas”,
“Hl. Gottesmutter”, “Hl.Iwan Predtetscha”, “Hl. Eftim”, “Hl. Josef”, “Hl. Ilija”,
"Hl. Atanas”, “Schlaf der Jungfrau Maria”, “Hl. Iwan Rilski”, “Lebensspendende Quelle”, “Hl. Gottesmutter”, “Hl. Spiridon”, “Hl. Alexander Nevski”, “Hl. Georg”. Die innere Ausgestaltung und Einrichtung der Kathedrale hat mehr als ein halbes Jahrhundert angedauert. Die Ikonenwand und der Bischofsthron sind von Philipp und Wassil Philippovi angefertigt worden Die Leuchter sind Sache des Schnitzers Peter Kuschlev, die Kirchensitze - Meister Niko Mavrodis und die Predigerempore von Kusman Blashenov, dessen Sohn Makarij und Nestor Trajanov gewesen. Der Fußboden ist 1911 mit dekorativen Platten belegt, der Balkon 1915 erbaut worden.

      Ende Januar 1890 hat der Vorstand beschlossen, “anstelle für die Glocke ein gesondertes Gebäude zu errichten und dafür 30 000 Leva auszugeben, die Kuppel zu erhöhen, so daß die Glocke in ganz Varna gehört werden kann.” Der Glockenturm in seinem heutigen Aussehen ist 1941 - 1943 fertiggestellt worden.


 


    

Am 27. Oktober 1919 ist die Kathedrale vom Varna - Preslaver Erzbischof Simeon in Mitarbeit mit dem Branitzkier Bischof Kliment und dem Levkijskier Bischof Varlaam eingeweiht worden.

      Die Gesamtbemalung der Kathedrale hat 1949 begonnen. Sie ist von Prof. Nikolai Rostovzev, Karlo Jordanov, Gospodin Georgiev und den Dekorateuren Dinko Schischkov und Alexander Sorokin ausgeführt worden. Die Wandmalereien in der Vorhalle sind ein Geschenk für die  Kirche von Nikolai Rostovzev gewesen.

     Während der sechziger Jahre sind die Ornamentsgläser angefertigt worden, an den großen Südfenstern zum Platz sind die Hl. Kiril und Methodi abgebildet, und an den nördlichen die Abbildungen vom Hl. Kliment  und Hl. Angelarij.

       Während der Periode 1999 - 2002, während des Heiligendienstes Seiner Hoheit des Varna - Velikopreslaver Bischofs Kiril und mit dessen Wohlwollen sind die Kuppeln der ganzen Dachkonstruktion mit bereicherten Materialen auf Gold- und Silberbasis erneuert worden. Ein Ventilationssystem ist eingebaut, neue Kerzenhalter aus Holz und Metall, gearbeitet von Meister Alexander Nikolaev, montiert worden. Gleichzeitig hat eine Gruppe Künstler unter Leitung von Toni Zaneva die Wandmalereien in der Zentralkuppel restauriert, und Erzpriester Vladimir Atanasov und Diakon Aleko Ratschev hatten die gesamte Wiederherstellung der Wandmalereien in der Kathedrale übernommen. Die Großartigkeit des Gotteshauses wird durch die unikale Außenbeleuchtung, 2001 installiert mit Gemeindemitteln, betont.

        Seit 1986 bis heute wird alltäglich eine Heilige göttliche Liturgie abgehalten. Tausende Gläubige werden in der Kathedrale getauft und getraut, bekommen die gesegneten Gaben von Gott. Zur Zeit des Gottesdienstes können sich die Besucher der großartigen Kirchengesänge, vom ältesten Varnaer Kirchenchor ausgeführt, erfreuen