Проект 2017-2018

Internationales PASCH-Projekt

„Beruf – Umwelt: Chiemsee –  Baikalsee“ im Schuljahr 2017/18

Schüleraustausch des Lyzeums Nr. 3, Irkutsk, mit der Walter-Mohr-Realschule, Traunreut, in Sibirien vom 23.01. – 02.02.2018

von Sonja Dehning, FSB Irkutsk, und Pedro May, PASCH Projektleiter Walter-Mohr-Realschule Traunreut

Die Walther-Mohr-Realschule in der bayrischen Stadt Traunreut pflegt mit dem Irkutsker Lyzeum Nr. 3 in Ostsibirien seit fünf Jahren eine Schulpartnerschaft, die sich alle zwei Jahre einen berufsorientierenden Schwerpunkt als Projektthema vornimmt:

Am Beispiel des Chiemsees und des Baikalsees wurden in diesem Schuljahr Berufsfelder zum Thema „Ökologie“ in den Blick genommen. Ziel der gemeinschaftlichen Erarbeitung dieses Projektthemas ist, dass die deutschen und russischen Schülerinnen und Schüler verschiedene, oftmals wenig bekannte Berufe zum Thema Umwelt kennenlernen. Auf diese Weise werden ihnen vielfältige berufliche Perspektiven mit Zukunft nähergebracht.

Dieser Schüleraustausch mit seinem dicht gepackten Programm im Gepäck hat es in sich und damit seinen ganz besonderen Reiz: Jenseits der viel betretenen touristischen Pfade schafft sich das deutsch-russische Schüler- und Lehrer-Team mit seinem PASCH-Projekt „Chiemsee – Baikalsee“ ganz eigene Wege:

Zusammen mit der Schulleiterin Cornelia Linnhoff, den Lehrkräften Lena Fach und Pedro May sowie dem Kameramann Georg Eder der Firma Spreadfilms reist das 14-köpfige Schüler-/ Lehrerteam der Realschule Traunreut im Januar in den sibirischen Winter nach Irkutsk. Hier werden sie von der russischen Deutschlehrerin am Irkutsker Lyzeum Nr. 3 und Organisatorin des Projekts Olga Bucharowa und ihrer Kollegin, der Englischlehrerin Elena Levitskaja, sowie den russischen Gastfamilien begrüßt und herzlich aufgenommen. „Für viele Schüler der Realschule Traunreut ist Russland die Heimat ihrer Vorfahren. Obwohl einige der Jugendlichen noch nie zuvor in Russland waren, sprechen sie zu Hause in Bayern Russisch. Es war also auch eine Reise zu den eigenen Wurzeln“, so Cornelia Linnhoff. 

Vor drei Jahren war das PASCH-Team mit dem Projekt „Taiga Gold“ schon einmal hier und hat sich mit dem Thema „Forst und Holzverarbeitung“ beschäftigt. Dieses Jahr liegt der Schwerpunkt auf weiteren umwelt- bzw. berufsbezogenen Themen. Die in Sachen Schulpartnerschaft äußert versierte Organisatorin Olga Bucharova hat für den ersten Tag eine Konferenz für alle Beteiligten anberaumt und für die folgenden Tage interessante Programmpunkte zusammengestellt: Die Schülerinnen und Schüler besuchen die Berufsfachschule für Flugzeugbau, den Irkutsker Flugzeugbetrieb sowie den Internationalen Flughafen. Ein Ausflug in die Vorstadt Khomutovo führt sie in die Werkhalle eines fischverarbeitenden Betriebes. Bei der Besichtigung des Irkutsker Wasserkraftwerkes GES erfahren die Gäste, welche immense Energie es liefert: Das älteste und damit auch kleinste am Fluss Angara liegende Wasserkraftwerk versorgt die Stadt Irkutsk, einen Großteil des Irkutsker Aluminiumwerkes sowie in der Nähe liegende Groß- und Kleinstädte mit Strom.

Als die russischen Schülerinnen und Schüler im Dezember 2017 zu Gast an der Realschule Traunreut waren, konnten sie Einblicke in die fortschrittliche Energieversorgung der Stadt Traunreut gewinnen: Besichtigt wurden das Geothermie- und das Biomasseheizkraftwerk sowie das B/S/H (Bosch-Siemens/Hausgeräte) Werk. Da das außergewöhnliche Umweltschutz-Engagement der Stadt Traunreut weitgehend unbekannt ist, startet die Stadt selbst eine Image-Kampagne mit den Schülern des PASCH-Projektes „Beruf – Umwelt“ der Realschule Traunreut. Gedreht wird ein Kino-Spot, der für die positive Umweltbilanz der Stadt Traunreut werben und somit junge Arbeitssuchende anziehen soll. Die Firma Spreadfilms aus Traunstein findet das Projekt dermaßen spannend, dass sie einen Kameramann auf eigene Kosten nach Sibirien mitschickt.

 

Mit auf dem dichtgedrängten 12-tägigen Programm stehen ebenfalls kulturelle Sehenswürdigkeiten der Stadt Irkutsk und das Openair-Museumsdorf Talzi. Natürlich darf auch ein Besuch des Limnologischen Instituts mit dem Baikalmuseum sowie der eines „Nerpinariums“ nicht fehlen. Die deutschen Schülerinnen und Schüler sind begeistert von den Kunststücken, die die dicklichen kleinen „Nerpas“, eine endemische Robbenart im Baikalsee, vorführen.

Höhepunkt ist die Fahrt zur Insel Olchon, die größte Insel im 650 km langen und 82 km breiten Baikalsee, dem mit 1.642 Metern tiefsten und ältesten See der Erde. Die Anreise ist spektakulär. Von Irkutsk aus geht es zunächst etwa fünf Stunden auf Schnee bedeckten Pisten durch die unendliche Taiga, dann mit Luftkissenbooten über den zugefrorenen Baikalsee auf die Insel Olchon mit ihrem sagenumwobenen Schamanenfelsen. Temperaturen um die minus 40 Grad lassen den Atem stocken.

„Auch wenn die extreme Kälte die Menschen außerhalb beheizter Räume zu Wortkargheit zwingt, so lässt sich bei einer persönlichen Einladung zu Hause schnell die warme Seele der Menschen in Russland erleben. Gastfreundschaft und Herzlichkeit sind die Basis für Freundschaften, die lange Zeit über die persönlichen Begegnungen hinaus halten werden. Deshalb legen wir so großen Wert darauf, dass die Schülerinnen und Schüler in Gastfamilien übernachten“, erzählt Lena Fach.

Mehr Völkerverständigung lässt sich über die Distanz von 7.510 km zwischen Irkutsk und Traunreut kaum realisieren. „Die Tränen beim Abschied sagen mehr als 1000 Worte“, fügt die deutsche Lehrerin hinzu.

 

Neben jeder Menge Spaß und dem persönlichen Erleben der kulturellen Vielfalt steht die Berufsorientierung im Zentrum des PASCH-Projektes der Realschule Traunreut. In einem der Schülerinterviews bringt es der 15-jährige Traunreuter Realschüler Lorenz Huber auf den Punkt: „Durch das Projekt habe ich neue berufliche Perspektiven mit Zukunft kennengelernt. Ich kann mir nun gut vorstellen, einen technischen Beruf im Klimaschutzbereich zu erlernen.“

Für die russischen Schülerinnen und Schüler der 8. Klasse mit erweitertem Deutschunterricht war es aber auch eine der Möglichkeiten, ihre deutschen Sprachkenntnisse anzuwenden. Sie werden im Lyzeum Nr. 3 das DSD I und später DSD II ablegen und können durch diese projektbezogene Austauscharbeit ihre Sprachkenntnisse nun auch sogar ansatzweise „fachspezifisch“ vertiefen.

Dass die projektorientierte Begegnung zwischen den beiden Schulen im nächsten Jahr weitergeführt wird, ist für das gesamte Team so glasklar wie das Wasser der „Perle Sibiriens“. Für die Umwelt gibt es noch viel zu tun und Ideen für ein neues Thema haben die Traunreuter und Irkutsker bereits schon jetzt!

 

Kurz-Video zum Schüleraustausch, gedreht von Pedro May:

https://www.youtube.com/watch?v=duYzuqfX-fw


Seit 10 Jahren reisen Schülerinnen und Schüler im Rahmen des berufsorientierenden PArtner-SCHul-Projektes (PASCH) in Länder wie China und Russland. Seit 2013 pflegen das Lyzeum Nr. 3 in Irkutsk und die Walter-Mohr-Realschule Traunreut eine sehr enge Schulpartnerschaft. Angefangen hat diese mit einer flüchtigen Begegnung während des Unterrichts in der Transsibirischen Eisenbahn auf der Strecke Peking-Mongolei-Irkutsk. Zusammen mit chinesischen Partnerschülern wurde der Zug als Klassenzimmer genutzt. Für das damalige „ClimateExplorer“ PASCH Projekt stellte ein Seminar am größten offenen Trinkwasserspeicher, dem Baikalsee, den Höhepunkt der Reise dar. Währenddessen lernten sich die beiden Schulen aus Irkutsk und Traunreut kennen.
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