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Ergebnisse Special Olympics 2014 in Düsseldorf

      

Special Olympics 2014 in Düsseldorf  – Team Sachsen-Anhalt zum 2. Mal erfolgreich dabei

Vom 19. Mai bis 21. Mai 2014 fanden in Düsseldorf die Special Olympics (deutsche Meisterschaft für geistig behinderte Athleten) statt. Gleichzeitig handelte es sich hierbei um die Nominierung für die Weltmeisterschaften 2015 in Los Angeles. Das Team Sachsen-Anhalt stellte sich mit 2 Athletinnen und ihren Pferden im Reitsport diesen Anforderungen. Die  Anreise am 18. Mai 2014 mit Pferden, Athleten, Betreuern, Familienmitgliedern  und Trainer dauerte 7 Stunden. Am Montag erfolgten alle formellen Angelegenheiten,  bevor es am Abend zur großen Eröffnungsveranstaltung in die ESPRIT-Halle in die Innenstadt ging. 15.000 Delegierte (Athleten mit Betreuern und Trainern) nahmen daran teil. Alle Bundesländer wurden begrüßt auch die ausländischen Delegationen aus Luxemburg, Österreich, Lichtenstein und den Niederlanden.  Auf der Eröffnungsveranstaltung wurde darauf hingewiesen, dass das Bundesland Sachsen-Anhalt mit 11 Delegierten (hierzu zählten auch andere Sportarten) die kleinste Mannschaft besitzt, aber wortwörtlich wurde hier die Aussage getroffen, dass die Reiter nicht zu unterschätzen seien. Obwohl das Team Sachsen-Anhalt erst zum 2. Mal an den deutschen Meisterschaften teilnahm (erstmals 2012 in  München mit drei Athleten), waren wir sehr erstaunt und erfreut über diese Aussage. Dienstags erfolgte dann die Akkreditierung der Athleten zur Einstufung in ihre jeweilige Leistungsklasse, bevor die eigentlichen Wettkämpfe beginnen konnten. Die reiterlichen Wettkämpfe wurden in der Reitanlage der Familie de Groot durchgeführt, der wir auch für die tolle Betreuung unserer Pferde danken möchten. Im Gegensatz zur Deutschen Meisterschaft in München brauchten wir uns hier nicht um die Versorgung unserer Pferde kümmern. Selbst als die große Unwetterwarnung kam, wurden die eigenen Stallung freigeräumt, um den Fremdpferden einen sicheren Platz zu bieten, denn die Turnierställe befanden sich auf dem Gelände der Stattwerke in unmittelbarer Nähe der Hochspannungsanlage. Das Team Sachsen-Anhalt wurde durch die Delegationsleiterin Frau Kirsten Bredemann-Osterland, dem Headcoatch Frau Gabriele Liermann, den Coatches Sabine Scheller und Joachim Bock sowie den beiden Athletinnen Juliane Dietrich und Grit Jonas sowie die Familienangehörigen der Familie Dietrich begleitet. Unsere Athletinnen Juliane Dietrich aus Weißenfels mit ihrem Pferd „Losander“ und Grit Jonas aus Rodleben mit dem Pferd „Romeo never Mind“ starteten in dem Levels A und B. Die Levels unterscheiden sich in den Grundgangarten der Pferde. Juliane Dietrich konnte sich in der Leistungsklasse 2 des Level B (Schritt und Trab) klassifizieren und Grit Jonas in der Leistungsklasse 2 im Level A (Schritt, Trab und Galopp). Im Gegensatz zur Deutschen Meisterschaft wurden in diesem Jahr die Anforderungen an die Internationalen Bedingungen gebunden. So konnte jeder Athlet sich nur einmal in einer Prüfung beweisen, die gleichzeitig die Finalprüfungen waren. Im Ergebnis aller Prüfungen, die bis Freitag zu absolvieren waren konnten folgende Platzierungen erreicht werden:

Name

Leistungsklasse

Disziplin

Wertung

Platzierung

Juliane Dietrich

B

Dressur

7,63

Gold-Medaille

Grit Jonas

A

Geschicklichkeit

6,53

5. Platz

Juliane Dietrich

B

Geschicklichkeit

7,5

Silber-Medaille

Grit Jonas

A

Dressur

6,6

5. Platz

Juliane Dietrich

B

Reiterwettbewerb

7,4

Gold-Medaille

Grit Jonas

A

Reiterwettbewerb

7,3

Bronze-Medaille

 

Somit konnten zwei Gold-Medaillen und jeweils eine silberne und eine bronzene Medaille nach Sachsen-Anhalt geholt werden. Auf diese Erfolge sind wir als Team und auch der heimatliche Reitverein, der RTZ (Reit- und Therapiezentrum) Rodleben e. V. und die Pensionsställe der Pferde natürlich mächtig stolz, hat sich doch die langjährige Arbeit ausgezahlt.

Ob eine Nominierung zur den Weltmeisterschaften nach Los Angeles erfolgt, wird erst im Herbst diesen Jahres entschieden. Gute Chancen hat natürlich unsere „Goldfee“ Juliane Dietrich, aber die Plätze für die Deutsche Mannschaft sind begrenzt und werden nach gesonderten Bestimmungen vergeben.  Es werden aus Deutschland nur  4 Teilnehmer starten. Davon im Leven A und B jeweils zwei Teilnehmer (ein männlicher und eine weiblicher Athlet/in). Wir drücken natürlich für unsere  Juliane die Daumen. Die Teilnahme in Los Angeles ist an besondere Bestimmungen gebunden, so zum Beispiel keine Mitnahme eigener Pferde, erlaubte  Einfuhr von Medikamenten, welche die Athleten unbedingt benötigen , keine eigene Betreuungsperson, was natürlich gerade für Menschen mit geistiger Behinderung ein Handycap ist.

Das Team Sachsen-Anhalt wurde durch das IDT (Impfstoffwerk Dessau-Tornau) mit der Mannschaftskleidung ausgestattet. Der Look kam gut an, wurden wir doch des Öfteren auf unseren „Schneider“ angesprochen, wo diese zu erwerben sei. Eine gute Werbung für unser Sachsen-Anhalter-Team und natürlich für unseren Sponsor, bei dem wir uns auf diesem Wege  recht herzlich bedanken. Der Name IDT war auch in Düsseldorf bekannt für die dort hergestellten Produkte für Wurmkuren und Futterergänzungsmittel. Wir sind halt nicht nur sportlich gut, sondern sind auch so aufgefallen und das alles im positiven Sinne. Unser Dank gilt natürlich auch dem Landesverband der Reit- und Fahrvereine Sachsen-Anhalt e. V. und dem Behindertensportverband des Landes Sachsen-Anhalt e. V. für die finanzielle Unterstützung. Ohne Fremde Hilfe wäre dieser Kraftaufwand für die Athleten und dem Reitverein nicht zu bewältigen gewesen. Neben den sportlichen Erfolgen, welche auf jahrelange Vorbereitung mit Trainingseinheiten und eine besondere intensive Betreuung, angepasst auf das geistige und mentale Vermögen der Athleten zur Hinarbeit  auf das große Ereignis, ist diese finanzielle Unterstützung sehr wichtig. Geistig Behinderte bedürfen andere Bedingungen auch unter Wettkampfeinsatz als unsere „normalen“ Reiter. Die emotionalen Ausbrüche der Athleten, die von Jubelstürmen, Freudentränen und dankbaren Blicken, bis hin zu mentalen Abstürzen über eigenes Versagen variierten, wurden auch durch das Team aufgesogen. Ohne Betreuungsperson, eigene Trainer und die mentale Unterstützung geht da gar nichts und manchmal ist es auch sehr tagesformabhängig. Aber ganz unter dem Motto der Hymne der Special Olympics „Ich gewinn, egal ob ich Letzter, Zweiter oder Erster bin“, sind alle Athleten der Special Olympics sehr motiviert, fair und stolz über die erreichten Ergebnisse. Manch ein „normaler“ Reiter könnte sich hier ein Beispiel nehmen und die Ignoranz über erreichte Erfolge Anderer und dem eventuell eigenen Nicht-platziert-sein ablegen. Zumindest wäre dies sehr wünschenswert.

 

Verfasser: Gabriele Liermann