Loslau (Wodzisław Śląski)

Volksheilstätte Loslau (Oberschlesien) des Vereins zur Bekämpfung der Tuberkulose im Regierungsbezirk Oppeln.
heute Landeslungenklinik Budynek Woj. Szpitala Chorób Płuc

"In einer zu Kattowitz [poln. Katowice] am 15. Oktober 1895 abgehaltenen Sitzung beschloß nach einem Vortrage des damaligen Oppelner Regierungs- und Medizinalrates Dr. Roth 'über die Errichtung von Heilstätten für unbemittelte Lungenkranke mit besonderer Beziehung auf Oberschlesien' der Verein der Ärzte Oberschlesiens, in Gemeinschaft mit dem Verein der Ärzte des Industriebezirkes einen Ausschuß zu bilden, dem es obliegen sollte, die Begründung einer Heilstätte im Regierungsbezirk Oppeln in die Wege zu leiten. Aus diesem Ausschusse ging der Heilstättenverein für Lungenkranke im Regierungsbezirk Oppeln [poln. Opole] hervor, der bereits am 18. November 1896 in Kandrzin [poln. Kędzierzyn] seine erste Versammlung abhielt.

Kaum hatte die weitere Öffentlichkeit von dem Plane der Errichtung einer Heilstätte Kenntnis erhalten, als schon dem Vereine von mehreren Seiten, Privatpersonen sowohl als Kommunen, entsprechende Bauplätze zur Verfügung gestellt wurden. Einstimmige Annahme unter den eingegangenen Vorschlägen fand das Anerbieten der Stadt Loslau [poln. Wodzisław Śląski], welche nicht allein ein nach dem Urteile der hinzugezogenen Sachverständigen für Heilzwecke hervorragend geeignetes Baugelände von 1,6 ha nebst einer guten Waldquelle und einem Berieselungsgrundstück unentgeltlich überließ, sondern auch den zukünftigen Anstaltsinsassen die Benutzung des angrenzenden Stadtwaides in einer Ausdehnung von 25 ha gestattete. Durch Ankauf benachbarter Grundstücke wurde das Baugelände auf 5 ha abgerundet. Eifriges Werben und wiederholte Aufrufe führten dem Vereine bald erhebliche Mittel zu. Da die erforderlichen technischen Vorarbeiten inzwischen durch eine besondere Baukommission erledigt worden waren, wurde im Frühjahr 1897 mit dem Bau der Anstalt begonnen.

Bei ungestörtem Verlauf der Bauausführung konnte die Heilstätte am 2. Juli 1898 feierlich eröffnet werden. Die etwa 20 Minuten von der Stadt Loslau entfernte, in einer Höhe von 285 in über dem Meeresspiegel landschaftlich reizvoll gelegene Heilstätte setzte sich in der ersten Anlage zusammen aus dem Hauptkrankengebäude, dem Waschhause, dein Maschinengebäude und dem Unterbeamtenhause. Im Jahre 1903 wurde zwischen Hauptgebäude und Waschhaus ein Zwischenbau errichtet, in welchem die neue Kochküche, die Speisesäle und die Badeabteilung untergebracht sind.

Ein besonderes Wohnhaus für den Chefarzt wurde 1907 fertiggestellt. Die frühere Wohnung des Chefarztes wurde in die Heilstätte hineinbezogen.
Das Hauptkrankengebäude, ein dreigeschossiger, in seiner ganzen Ausdehnung unterkellerter massiver Bau, zerfällt in einen nach rückwärts vorspringenden Mittelbau und zwei Seitenflügel. Der nach Süden gestellten Vorderseite, ebenso der Ost- und teilweise der Westseite des Hauptgebäudes ist zu ebener Erde eine gedeckte Veranda vorgebaut. Ein breiter, heller, einseitiger Korridor zieht sich in sämtlichen Stockwerken an der Nordseite hin. Hier befinden sich auch die Zugänge und die Auffahrt.

Im Kellergeschoß des Hauptgebäudes befinden sich südwärts Vorratsräume und Schlafstuben für die Küchenmädchen. An der Nordseite des Mittelbaues sind im Kellergeschoß die Kesselräume für die Heizungsanlage, Aborte und eine Einrichtung zur Sputumdesinfektion untergebracht.
Das Erdgeschoß enthält auf der Südseite ausschließlich Krankenschlafräume mit je 15 Betten und einen durch Stofftrennwände in 3 Abteilungen geteilten Saal mit 12 Betten.
An der Nordseite haben im Mittelbau zu ebener Erde die Wohn- und Speiseräume der Schwestern das Verwaltungszimmer, ferner Zimmer für Pflegeperson und Abortanlagen Aufnahme gefunden.
Das erste Obergeschoß enthält im mittleren Teile südwärts den Gesellschaftssaal. In den Flügeln sind weitere Krankenräume (16 Zimmer zu je 1-6 Betten) gelegen. Nordwärts finden sich im Mittelbau die Untersuchungs- und Laboratoriumsräume sowie Röntgenkabinett und wiederum — ebenso im zweiten Obergeschoß — Zimmer für Pflegepersonal und Abortanlagen. Im zweiten Obergeschoß liegen zu beiden Seiten des über dem Gesellschaftssaale befindlichen Bodenraumes 16 Krankenräume zu je 1-6 Betten. Rückseitig sind ein Lichtflur und Wohnräume für die Assistenzärzte und Oberin vorhanden. Für das in diesem Jahre fertiggestellte dritte Obergeschoß sind Familienwohnung für einen Oberarzt, Wohn- und Schlafräume für Oberin und Schwestern, ein größeres Laboratorium, Bibliothekzimmer, Familienwohnung für den Bademeister und Aufbewahrungsräume für Kleider und Wäsche vorgesehen. Zur Betriebserleichterung ist ein Personenaufzug eingebaut. Ein großer Dachaufbau, der noch geräumige Bodenräume enthält, gewährt der Anstalt ein architektonisch schönes Aussehen. Die Mehrzahl der Krankenzimmer sind mit Balkons oder Loggien ausgestattet. Die bisherigen Personal- und Magazinräume im Erd-, ersten und zweiten Obergeschoß wurden nach Fertigstellung des dritten Obergeschosses zu Krankenräumen eingerichtet, wodurch sich die Bettenzahl auf 210 erhöht. Eine Besonderheit stellen die auf den Treppen, in den Korridoren, den großen Sälen, den Klosetts und im Baderaum vorgesehenen, direkt an die Abflußleitung angeschlossenen Speibecken zur Aufnahme des Auswurfs dar, die teils nach Analogie der Kippbecken, teils mit Selbstregulierung eingerichtet sind und sich während des nunmehr 14jährigen Bestehens der Heilstätte sehr gut bewährt haben.

Die im Zwischenbau untergebrachten Speisesäle stehen durch einen gedeckten und als Garderobe ausgebildeten Gang mit dem Hauptgebäude in Verbindung. Beide Speiseräume grenzen an den Anrichteraum der Küchenabteilung. Diese selbst besteht aus der geräumigen Dampfkochküche, der Spülküche mit Geschirrspülmaschine Columbus, dem Gemüseputzraum, Vorratsräumen, Kühlraum und einem Speisezimmer für das Personal. Auf der Südseite des neuen Zwischenbaues befindet sieh die Badeabteilung mit Auskleideraum und einem Raum für Badewäsche. Unter dem Hauptbad liegt im Kellergeschoß der Trockenraum für die Badewäsche.

Das Wäschereigebäude, welches ebenso wie das Maschinengebäude nördlich vom Hauptgebäude errichtet ist, enthält außer der eigentlichen Wäscherei mit Trockenraum, Mangelstube, Plättstube, Wäscheausgabe und Wäschekammer einen Desinfektionsraum mit Badezimmer und Ankleideraum für den Desinfektor, ferner eine Reparaturwerkstatt und einen Materialienraum.
Das Maschinenhaus besteht lediglich aus den Räumen für die Dampfkesselanlage und die Dampfmaschine sowie dem Akkumulatorenraum. In dem westlich vom Hauptgebäude gelegenen Unterbeamtenhause ist neben den Wohnungen für den Maschinisten und für den Gärtner ein Besuchszimmer für die Angehörigen der Kranken vorgesehen.

Zur Erwärmung des Hauptkrankengebäudes dient eine Warmwasserheizungsanlage. Die Lüftung der Krankenräume erfolgt durch dauerndes Offenils'feit der Kippfenster, daneben durch besondere Lüftungsanlagen unter Vorwärmung der zugeführten frischen Luft. Zur Beleuchtung ist in eigner Kraftanlage erzeugtes elektrisches Licht vorhanden. Das erforderliche Trink- und Gebrauchswasser wird aus einer etwa 400 m entfernten, durch Verrohrung verstärkten
Quelle gewonnen, deren Wasser zunächst einem in der Nähe gelegenen Sammelbecken und von dort mittels elektrisch betriebenen Pumpwerkes dem im Obergeschoß des Hauptgebäudes befindlichen Sammelbehälter zugeführt wird. Die Aborte sind sämtlich der Wasserleitung angeschlossen. Die Abwässer werden nach einem 400 m von der Heilstätte entfernten Waldabhange geleitet und dort zur Verrieselung gebracht.

Die Gesamtzahl der der Heilstätte zur Verfügung stehenden Krankenbetten beläuft sich nach Fertigstellung des Ausbaues auf 210. Die Gesamtkosten der Heilstättenanlage stellen sich nach Fertigstellung des Ausbaues auf 800 000 M. Hiervon entfallen auf den Bodenerwerb 12 000 M. Für jedes vorhandene Bett berechnen sich die Kosten somit nach vollständigem Ausbau der Anstalt auf rund 3800 M.

Dank ihrer nur nach Süden freien Lage inmitten hochstämmiger Nadelwaldungen und der bergigen Beschaffenheit des umliegenden Geländes ist die Heilstätte nach Norden, Osten und Westen gegen Witterungsunbilden ausreichend geschützt. Außer dem engeren Anstaltsgelände steht den Kranken, wie schon erwähnt, auch der angrenzende Teil des Loslauer Stadtwaldes mit seinen prächtigen, in allen Steigungsgraden verlaufenden Spazierwegen zur Verfügung.

Die Leitung der Heilstätte ist dem Chefarzt übertragen, der in seiner ärztlichen Tätigkeit von einem Oberarzt und einem Assistenzarzt unterstützt wird. Die Verwaltungs- und Wirtschaftsgeschäfte werden unter seiner Oberaufsicht von einer Oberschwester besorgt. Die Pflege der Kranken wird durch 6 in der Heilstätte selbst ausgebildete Schwestern ausgeübt. Die Heilstätte ist unter diejenigen Anstalten aufgenommen, die das Recht zur Annahme von Praktikanten erhalten haben. Zurzeit sind 2 Praktikanten an ihr beschäftigt.

Zur Aufnahme gelangen männliche tuberkulöse Kranke, von denen durchschnittlich etwa ein Viertel dem Mittelstande angehört. Eine besondere Kinder(-Knaben-)Station ist eingerichtet. In der Heilstätte fanden bis jetzt 6500 Kranke Aufnahme. Der Herr Minister der geistlichen und Unterrichtsangelegenheiten hat vor 3 Jahren eine Freistellenabteilung für 7 Lehrer und 3 Seminaristen in der Heilstätte Loslau eingerichtet, welche dauernd besetzt ist.

Die Behandlung der Kranken erfolgt nach hygienisch-diätetischen Grundsätzen. Hydrotherapeutische Maßnahmen werden reichlich verordnet. Tuberkulin findet zu diagnostischen und therapeutischen Zwecken Verwendung. Körperliche Arbeit (Garten-, Reparaturarbeiten u. dgl.) wird von den Kranken gelegentlich freiwillig geleistet. Für die geistige Beschäftigung und Fortbildung der Kranken ist durch Vorträge und Unterricht, durch musikalische Unterhaltungen und Theateraufführungen, wie durch eine reichhaltige Bibliothek Vorsorge getroffen. Eine geordnete Zahnpflege wird seit einer Reihe von Jahren durchgeführt.

Die Leitung des Vereins liegt seit seiner Begründung in den Händen des Regierungs- und Geheimen Medizinalrats Professor Dr. Roth in Potsdam.
Außerdem gehören dem Vorstande zurzeit noch an: Sanitätsrat Dr. Bloch-Beuthen, Oberbürgermeister Dr. Brüning-Beuthen, Landrat Diehle-Zabrze, Stadtverordnetenvorsteher Apothekenbesitzer Frank-Loslau, Pastor Gottschalk-Loslau, Geh. Bergrat Hilger-Siemianowitz, Generaldirektor Hochgesand-Zabrze, Geheimer Kommerzienrat Kollmann -Charlottenburg, Landrat Lentz-Rybnik, Bergrat Lobe-Königshütte, Kreisarzt Medizinalrat Dr. Mew-Oppeln, Direktor Milde-Tarnowitz, Bürgermeister Neumann-Loslau, Generaldirektor Bergrat Remy-Lipine, Kreisarzt Medizinalrat Dr. Traeinski-Zabrze, Landrat Wellenkamp-Ratibor, Pfarrer Schnalke-Loslau, Fabrikbesitzer M. Pinkus-Neustadt, Bergdirektor Radlik-Czernitz, Hüttendirektor Trainer- Julienhütte. AußerdeIn gehören dem Vorstande statutengemäß an der Regierungs- und Medizinalrat bei der Regierung in Oppeln, der Kreisarzt, des Rybniker Kreises und der Oberarzt der Knappschaft Sanitätsrat Dr. lIartmann-Königshütte.

Chefarzt der Heilstätte ist seit Juli 1899 Dr. Schrader. Die erste Bauausführung der Anstalt erfolgte unter Leitung des Regierungsbaumeister Zickler in Oppeln. Die Projekte für die späteren Erweiterungen und für das Arzthaus, wie auch für den in diesen Jahre fertiggestellten Dachaufbau wurden von den Architekten Mohr und Weidner in Charlottenburg entworfen, welchen auch die Bauleitung für die verschiedenen Erweiterungsbauten übertragen wurde.
In der Generalversammlung am 23. Oktober 1910 wurde beschlossen, die Mittel des Vereins auch anderen Zwecken der Tuberkulosebekämpfung, insbesondere der Förderung der Einrichtung von Fürsorgestellen, dienstbar zu machen. Zu diesem Zweck war eine Änderung des § 1 der Statuten erforderlich, die in der Generalversammlung am 23. Oktober 191.0 genehmigt wurde. Diese Änderung lief, inzwischen die landesherrliche Genehmigung erhalten. Dementsprechend heißt der bisherige Heilstättenverein 'Verein zur Bekämpfung der Tuberkulose im Regierungsbezirk Oppeln'" (Fotos und Text aus Nietner, 1913).






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