Bromberg (Bydgoszcz)

Die Kronprinzessin Cecilie-Heilstätte im Bromberger Vorort Mühlthal
heute Sanatorium w Smukale (Bydgoszcz-Smukała)

"...ist vom Posener Provinzialverein zur Bekämpfung der Tuberkulose als Volkskrankheit 10 km von Bromberg entfernt an der nach Crone a. Br. [poln. Koronowo] führenden Kleinbahn in der königlichen Forst Strelitz errichtet worden und seit dem Jahre 1904 im Betriebe. Ursprünglich für 50 Kranke bestimmt, ist die Anstalt durch mehrfache Erweiterungen so weit vergrößert worden, daß sie nunmehr 135 Kranke aufzunehmen vermag. Eine weitere Vergrößerung steht unmittelbar bevor; es ist der Bau der Berta-Amélie-Stiftung für 20 tuberkulöse Kinder auf dem Grundstücke der Heilstätte im Jahre 1912 in Angriff genommen worden, so daß dann zusammen 155 Betten zur Verfügung stehen werden. Alle Gebäude
stehen mitten in dem alten, weit ausgedehnten Kiefernwalde, die nähere und weitere Umgebung der Anstalt ist reich an landschaftlichen Reizen.

Die Heilstätte ist bestimmt zur Behandlung leicht lungenkranker Frauen und Mädchen, sowie von Kindern beiderlei Geschlechts im Alter von 4-14 Jahren. Kranke, bei denen von einer mehrmonatigen Anstaltsbehandlung nicht wenigstens eine erhebliche Besserung des Leidens und des Allgemeinzustandes zu erwarten ist, sind von der Aufnahme ausgeschlossen. Die Anstalt ist nach den neuesten Erfahrungen der Hygiene und Technik erbaut und eingerichtet, mit Kanalisation und Wasserleitung, elektrischem Licht, Dampf-, Formalin- und Sputumdesinfektionsapparaten, Röntgeneinrichtung, Vorrichtungen zur Heißluft- und elektrischen Lichtbehandlung, einer vorzüglichen hydrotherapeutischen Einrichtung, sowie mit einem großen Freiluftbade und mit mehreren geräumigen Liegehallen ausgestattet. Die Fußböden sind fugenlos, alle Ecken ansgerundet, die Wände abwaschbar. Bei der Einrichtung ist nach Möglichkeit alles vermieden, was einer Staubansammlung Vorschub leisten könnte: I. Alles ist mögliehst glatt, einfach und hell gehalten, Gardinen, Teppiche, Polstermöbel, unnötige Ziermöbel und sonstige Staubfänger wird man vergebens suchen. Der Grundsatz 'möglichst viel Licht und reine, staubfreie Luft' ist in weitestgehendem Maße festgehalten.

Die Behandlung ist die durch jahrzehntelange Erfahrungen in Sanatorien und Heilstätten erprobte und bewährte hygienisch-diätetische nach Brehmer-Dettweiler wesentlichen auf dem ständigen Aufenthalte der Kranken in reiner Waldesluft beruhend bei ärztlich geregelter Bewegung, verbunden mit ausgiebiger Abhärtung, reichlicher, dem Gesundheitszustande Rechnung tragender Ernährung und, soweit erforderlich, unterstützt durch medikamentöse Behandlung, in geeigneten Fällen auch durch Tuberkulin.

Die in 7 1/2 jährigem Betriebe erzielten Erfolge sind durchaus günstig und zeigten, daß die Heilstättenbehandlung auch im Klima Nordostdeutschlands zu jeder Jahreszeit dasselbe zu leisten vermag, wie in wärmeren Landstrichen oder im Gebirge. Und noch wesentlich besser würden unsere Erfolge sein müssen, wenn es zur Regel würde, daß jeder Lungenkranke sich gleich zu Beginn seines Leidens einer Kur in einer nach modernen Grundsätzen erbauten, eingerichteten und geleiteten Heilanstalt unterzöge. Die Erkenntnis, daß gegen Lungentuberkulose mit Arzneien allein nicht wirksam angekämpft werden kann, dürfte sich allmählich auch in Laienkreisen Bahn brechen. Dagegen hat sich die geschlossene Anstaltsbehandlung in allen Teilen unseres Vaterlandes durchaus bewährt, und wenn die Heilstättenbehandlung früh genug Platz greift und gründlich und vor allein auch lange genug durchgeführt wird, so vermag sie schneller und sicherer als irgendeine andere Behandlungsweise die noch vor wenigen Jahrzehnten als unheilbar angesehene Lungentuberkulose zu beeinflussen, zum Stillstand zu bringen und die allmähliche Ausheilung anzubahnen. Freilich soll der Aufenthalt in einer Heilstätte von vornherein nicht nach Wochen, sondern nach Monaten bemessen werden.

Gesuche um Aufnahme in die Kronprinzessin Cecilie-Heilstätte sind an den Vorstand des Posener Provinzialvereins zur Bekämpfung der Tuberkulose als Volkskrankheit (Geschäftsstelle: Posen W 3, Hohenzollernstr. 2) zu richten. Den Anträgen ist ein kurzes ärztliches Gutachten beizufügen, das sich außer über den Lungenbefund auch über den sonstigen körperlichen Zustand der Patientin und über die Heilungsaussichten ausläßt. Die für Unterkunft, Verpflegung, Wäschereinigung und ärztliche Behandlung in der Heilstätte zu entrichtenden Gesamtkosten betragen für jede Kranke täglich in der I. Klasse 4,75 M., sofern ein einzelnes Zimmer beansprucht wird 6 M., in der II. Klasse 3,50 M. Für Kinder unter 14 Jahren ermäßigen sich diese Sätze um je 1 Mark täglich. Die Kranken I. Klasse haben die Reinigung der Luxuswäsche (Blusen, Waschkleider, Spitzenunterröcke, Kragen, Tändelschürzen usw.) nach festgesetztem Tarife zu bezahlen. Der Tag der Ankunft und der Entlassungstag werden je als voller Tag berechnet, gleichviel, um welche Tageszeit Ankunft oder Abreise erfolgen.

Eine Woche vor der beabsichtigten Abreise ist zu kündigen, da andernfalls der Verpflegungssatz noch für eine weitere Woehe zu entrichten ist.
Die Bewerberinnen haben, sofern vom Vorstande des Vereins für den einzelnen Fall nichts anderes bestimmt ist, bei der Aufnahme mindestens die halben für eine 3 monatige Kur berechneten Verpflegungskosten zu entrichten. Vor Ablauf der Zeit, für welche der eingezahlte Betrag ausreicht, ist ein weiterer Verpflegungskostenvorschuß zu leisten. Bei früherer Beendigung der Kur und rechtzeitig erfolgter Kündigung werden zuviel bezahlte Beträge zurückerstattet. Der Vereinsvorstand behält sich vor, Stundungen und Ratenzahlungen zu bewilligen in Fällen nachgewiesener Bedürftigkeit, soweit die Mittel es gestatten, bei Kranken, die in des Provinz Posen ihren Wohnsitz haben, eine Ermäßigung und ausnahmsweise eine vollständige Nachlassung der Pflegekosten eintreten zu lassen.

Der Eintritt in die Anstalt hat am Tage der Einweisung zu erfolgen, da sonst anderweitig über das Bett verfügt werden muß. Durch ihren Eintritt verpflichtet sich jede Kranke zu genauen Befolgung der Anstalts- und Hausordnung, wie auch aller Anordnungen des Arztes und der Schwestern. Stellt es sich im Laufe der Behandlung heraus, daß eine Kranke sich zur Heilstättenbehandlung nicht eignet, so ist der leitende Arzt verpflichtet und berechtigt, ihre Entlassung zu veranlassen. Die ärztliche Leitung liegt in den Händen des Chefarztes Dr. Scherer, dem 1 Assistenarzt, 1 Medizinalpraktikant und 5 Schwestern vom Roten Kreuz aus dem Gnesener Mutterhaus zur Seite stehen" (Text und Bilder aus Nietner, 1913).

Eckdaten zur Geschichte der Klinik in Polen nach dem ersten Weltkrieg: Leitung ab 1920 Dr. Francis Tchaikovsky, ehemals Assistent in der Abteilung für Innere Medizin Poznan, und ab 1926 Dr. Stanislaw Meysnera - bis xx. Im Jahre 1948 gab es 165 Betten und 60 Angestellte. 1958 waren es 205 Betten. Seit 2003 ist die Klinik Teil des Kujawsko-Pomorskie Pneumologie Centers Bydgoszcz und widmet sich der Rehabilitation und Behandlung von Tuberkulose und Lungenkrankheiten [Link].








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