28.04.2012

Lie
be Mitglieder des Bundesverbandes Psychiatrie-Erfahrener,
liebe Interessierte und Unterstützer,

Wie im letzten BPE Rundbrief  bereits angekündigt haben wir uns entschlossen, in Baden-Württemberg unter dem Dach des BPE eine Landesarbeitsgemeinschaft Psychiatrie-Erfahrener zu gründen. Dieser Schritt wird nötig, da sich der Landesverband Psychiatrie-Erfahrener Baden-Württemberg (LVPE BW) in den vergangenen Jahren immer weiter von Satzung und Zielen des BPE entfernt hat.

Am deutlichsten zeigen dies die Positionen des LVPE BW zu Zwang und Gewalt in der Psychiatrie:
So schreibt der Vorstand des Landesverbandes Psychiatrie-Erfahrener Baden-Württemberg (LVPE BW ) in seiner Standortbestimmung 2011:
Auszug: (Seite 5, ganz unten)
„Wir setzen uns ein für die Beibehaltung von Zwangsmaßnahmen zum Schutz vor und für psychisch erkrankte Menschen. Eine zwangs- freie Psychiatrie, die ihrer Schutz- und Ordnungsfiunktion gerecht werden soll, kann es unserer Einschätzung nach nicht geben.“
Dass der LVPE BW diese Positionen auch weiterhin vertritt zeigt die Rede des Geschäftsführers des LVPE BW bei einer Anhörung der Grünen im Landtag BW am 13.2.2012:
Auszug: (Seite 15, Mittlere Spalte Punkt 3)
„Wir sind der Meinung, dass bei den aktuellen Möglichkeiten, Gegebenheiten und den beteiligten Menschen eine gewaltfreie Psychiatrie derzeit nicht praktikabel ist.“
(Zur Auseinandersetzung des BPE mit dem LVPE BW siehe auch den BPE-Rundbrief Nr. 1 2012 vom März diesen Jahres und den BPE-Rundbrief Nr. 3 2011)
Solche Aussagen verstoßen eindeutig gegen die Satzung des BPE, in der die strikte Ablehnung von Zwang und Gewalt festgeschrieben ist.

Wir haben uns entschlossen eine Landesarbeitsgemeinschaft Psychiatrie-Erfahrener im BPE zu gründen,  in der alle Psychiatrie-Erfahrene, die zu der Satzung des BPE stehen, eine neue Heimat finden.

Die Landesarbeitsgemeinschaft Psychiatrie-Erfahrene im BPE steht für folgende Forderungen:
- Gewaltfreie Psychiatrie und Achtung der Würde des Menschen
- Uneingeschränktes Recht auf körperliche Unversehrtheit
- Strafrechtliche Sanktionen und zivilrechtliche Ansprüche bei Verstößen gegen dieses Recht
- Aufklärung über Risiken und mögliche Schäden vor einer Behandlung
- Abschaffung aller Sondergesetze für Menschen mit psychiatrische Diagnosen
- Recht auf selbstgewählte Krisenbegleitung
- Recht auf Unterstützung in Krisensituationen
- Wahlfreiheit wo und wie man sich behandeln lassen will. Keine „aufgedrückte“ fürsorgliche „Hilfe“
- Einrichtung von Unterstützungsangebote von Betroffenen für Betroffene
- Einrichtung von Krisenpension / Einzelfallhilfen


Die Initiatoren